DRA Newsletter September 2007


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

2007 – 15 Jahre DRA:
1992 eröffnete der Deutsch-Russische Austausch / Nemecko-Russkij obmen
seine Büros in Berlin und St. Petersburg. In diesem Herbst begeht der Verein sein Jubiläum. Wir danken Ihnen allen - Mitgliedern, Freunden, Unterstützern, Partnern und Förderern – an dieser Stelle für Ihren Beistand und hoffen auf eine weitere fruchtbare Zusammenarbeit!

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft! Der Verein finanziert sich ausschließlich durch projektgebundene Zuwendungen, Mitgliedsbeiträge und private Spenden. Ohne Ihre Unterstützung ist unsere Arbeit unmöglich. Herzlichen Dank!    

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Inhalt

1) NKO-Gesetz lässt russische Zivilgesellschaft schrumpfen

Nur rund 216.000 der 500.000 russischen Vereine, Bürgerinitiativen und sonstigen nicht-kommerziellen Organisationen (NKO) haben die Umregistrierung, die das neue NKO-Gesetz mit seinen verschärften Melde-, Berichts- und Kontrollvorschriften erforderlich gemacht hat, überhaupt beantragt. Dies teilte die zentrale Registrierungsbehörde Rosregistrazija mit. Die übrigen Organisationen – darunter vermutlich auch real nicht mehr tätige – können nun per Amtsbeschluss aufgelöst werden. Wie der Organisationsverbund „Überregionale Menschenrechtsgruppe Woronesch“ aufgrund einer eigenen Recherche in acht der 88 russischen Regionen meldet, sei dies allein dort bereits in 600 Fällen geschehen. Betroffen seien auch aktive Sozial- und Bürgerrechtsgruppen, darunter die Internationale Jugendmenschenrechtsorganisation (YHRM) Woronesch, deren Fall sich jetzt in der Berufung befindet. Laut Mitteilung der Registrierungsbehörde vom 13. September soll die Kontrolle der NKO in Russland vor den anstehenden Wahlen noch weiter verschärft werden.

2) Deutsch-Russische Herbstgespräche 2007 widmen sich der Ökologie

Vom 26.-27. Oktober 2007 veranstalten der Deutsch-Russische Austausch e.V., die Evangelische Akademie Berlin und die Heinrich-Böll-Stiftung die 12. Deutsch-Russischen Herbstgespräche, diesmal zum Thema „Potenziale ökologischer Modernisierung in Deutschland und Russland“. Zu der Tagung in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt möchten wir alle Freunde und Unterstützer des DRA sowie alle anderen Interessent_innen herzlich einladen. In drei Diskussionsrunden und zwei Arbeitsgruppen wird u.a. untersucht, welche Kräfte in beiden Ländern Motoren der notwendigen ökologischen Wende sein können und wer an den Bremshebeln sitzt. Welchen Rang haben Umweltfragen im gesellschaftlichen Bewusstsein und bei den politischen Eliten? Welche Chancen erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland gibt es? Zu den Referent_innen gehören u.a. Jewgenij Schwarz (WWF Moskau), Tobias Münchmeyer (Greenpeace Deutschland), Prof. Claus Hipp (Geschäftsführer der Hipp AG und Präsident des Verbandes der Deutschen Wirtschaft in Russland), Olga Podosjonowa (Ecodefense, Jekaterinburg) und Wolf von Osten (Transferzentrum für Umwelttechnologie, Leipzig). Am 26. Oktober ab 19 Uhr lädt die Stiftung Deutsch-Russischer Austausch im Dietrich-Bonhoeffer-Hotel in der Ziegelstr. 30 (12 Fußminuten vom Tagungsort) zu ihrem traditionellen Jahresempfang ein. Das gesamte Programm der Herbstgespräche sowie Informationen zu Orten und ReferentInnen unter http://www.austausch.org/herbstgespraeche.

3) EU Study Schools in Petrozawodsk fanden großen Anklang

Viel Anerkennung sowohl seitens der Teilnehmer_innen als auch von der EU-Kommission ernteten zwei weitere der Seminarreihen, die der DRA im Auftrag der Kommission mit russischen Studierenden durchführt. Die Sommerschulen am See Ukschozero in Karelien (Nordrussland) vom 20.-22. und vom 24.-28. Juli galten den Themen „Die politische Dimension der EU“ und „Die regionale Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU“. Sehr anschaulich schilderten etwa der Vize-Wirtschaftsminister Kareliens, Dmitrij Kislow, die vielfältigen Kooperationen an der finnisch-russischen Grenze und der litauische Generalkonsul Eitvidas Bajarunas den hürdenreichen Weg seines Landes in die EU. Zu lebhaften Debatten führten auch die Vorträge von Vertreter_innen des DRA Petersburg und des DRA Berlin über Europa in der Globalisierung und die Rolle von Bürgerinitiativen und Menschenrechtsorganisationen in den europäisch-russischen Beziehungen. Trotz eines umfangreichen Arbeitsprogramms blieb noch Zeit für abendliches Schaschlik-Grillen und einen Ausflug auf die idyllische Insel Kischi mit ihrem international bekannten Freiluftmuseum für die alte russische Kunst des Holzkirchenbaus.

4) Deutsch-russische Organisationen trafen Regierungsbeauftragten

Über eine mögliche Unterstützung der Bundesregierung für die engere Zusammenarbeit der deutschen und russischen Gesellschaft auf Bürgerebene sprachen Vertreter_innen mehrerer Fachorganisationen, darunter des DRA, des Deutsch-Russischen Forums, der Robert-Bosch-Stiftung und des DAAD, bei einem Treffen mit dem Russland-Beauftragten der Bundesregierung, Andreas Schockenhoff (CDU) am 11. September in Berlin. Der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle, benannte als Ziel in den bilateralen Beziehungen einen offenen Dialog, in dem auch berechtigte Kritik als hilfreicher Teil der Partnerschaft gilt. Im wachsenden Wirtschaftsaustausch solle der Bund mit dafür sorgen, dass deutsche Investoren ihre heimischen Standards in Russland beibehalten und so auch Vorbildwirkung erlangen – vom Umweltschutz über die Wahrung von Bürger- und Verbraucherrechten bis zum Einsatz in der Zivilgesellschaft vor Ort. Ein auf Bundesebene angesiedeltes russlandspezifisches Programm nach dem Modell des neuen Entwicklungsfreiwilligendienstes „Weltwärts“ könne jungen Menschen helfen, sich in Russland zu engagieren. Angeraten wurde auf dem Treffen u.a. auch, in Moskau auf mehr politische Unterstützung für die dortige Partnerstruktur im bilateralen Jugendaustausch zu dringen, in Deutschland die Potenziale russischsprachiger Migrant_innen mehr zu nutzen sowie den Russischunterricht und ein differenziertes Russlandbild zu fördern. Andreas Schockenhoff sagte zu, sich für die Anliegen, insbesondere in den Bereichen Sprache und Jugendaustausch, einzusetzen.

5) Leiter von Memorial Perm zu Gast beim DRA

Alexander Kalich, der Leiter der Bürgerrechtsorganisation Memorial Perm (Ural) und langjährige Partner des DRA, und zwei seiner Mitarbeiterinnen nutzten einen einwöchigen Informationsbesuch Mitte September in Berlin u.a. dazu, um mit Vermittlung des DRA mögliche Partner für Projekte in den Bereichen Freiwilligenarbeit und Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit kennen zu lernen. Besonderes Interesse weckten bei ihnen das Aussteiger-Programm für Neonazis „Exit“ des Rechtsextremismus-Experten Bernd Wagner, die regionale Projektarbeit der Amadeu-Antonio-Stiftung gegen Neofaschismus und die ehrenamtliche Betreuung von Strafgefangenen durch die Berliner „Freie Hilfe“. Alexander Kalich selbst berichtete u.a. von der für Russland ungewöhnlich breiten Kooperation mit den liberalen Behörden in Perm, die etwa den internationalen Freiwilligenaustausch unterstützen, und stellte das von Memorial Perm getragene Anti-Xenophobie-Projekt „Meine Welt ohne Feindschaft“ vor, das bei Aktionen in der Stadt schon Tausende Jugendliche mobilisieren konnte. Den Berlinaufenthalt der Partner aus Perm hatten Memorial Deutschland und die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ initiiert. Zum Programm gehörte auch eine Podiumsdiskussion am 11. September, die die Lage der russischen Bürgergesellschaft unter den Bedingungen des neuen NKO-Gesetzes analysierte (vgl. oben). Es werde zu viel kontrolliert, so die Bilanz der KollegInnen aus Russland, aber: Alles zu kontrollieren werde niemandem je gelingen.

6) Comics, Klänge, Tanz: DRA Petersburg beteiligt sich an internationalen Kulturprojekten

Zu zwei großen Kunstprojekten lädt derzeit der DRA St. Petersburg das städtische Publikum und die internationale Kunstszene ein. Vom 27.-30. September erlebt Petersburg das große Comic-Festival „Boom!“ mit Ausstellungen, Workshops und Vorträgen von Zeichnern aus Russland, Deutschland, Estland, Belgien, Tschechien, Kanada, Schweden, Finnland, Italien und den Niederlanden. Im Anna-Achmatowa-Museum werden außerdem Comic-Bibliotheken, -journale, -festivals und –verlage aus dem In- und Ausland vorgestellt. Das Festival wird von der Stadtverwaltung Petersburg mitfinanziert. Der DRA wirkt bei der Organisation und der Öffentlichkeitsarbeit mit. Außerdem hat der DRA zusammen mit der Dresdner Trans-Media-Akademie und der Forschungsgruppe „Computer und Neue Musik Petersburg“ (CNMRG) das Tanz- und Klangprojekt „Tele-Plateus“ initiiert. Dabei sollen vom 16.-18. November Aufnahmen von Umweltgeräuschen und -klängen als Porträts verschiedener europäischer Städte den Hintergrund für experimentelle Tanzchoreographien bilden und im Petersburger Jakobson-Ballett-Theater aufgeführt werden. Zeitgleiche Aufführungen in Stockholm und der Petersburger Partnerstadt Dresden können die Zuschauer per Live-Schaltung erleben. Zu den Klangaufnahmen findet derzeit ein internationaler Wettbewerb statt. Interessierte Künstler_innen sind aufgerufen, ihre „hörbaren Stadtillustrationen“ über die Kontakt-Website einzureichen. Informationen zum Comicfestival.

7) DRA präsentiert sich auf Gemeindetag für Aussiedler_innen

Traditionsgemäß wird sich die Deutsch-Russische Ehrenamtsbörse des DRA auch in diesem Jahr wieder mit einem Informationsstand am 15. Evangelischen Gemeindetag für Aussiedler_iinnen beteiligen. Die Veranstaltung findet am Sonnabend, dem 29. September von 11.00 – 15.30 Uhr in und vor der Nikolai-Kirche (Am alten Markt) in Potsdam statt. Veranstalter sind die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und das Diakonische Werk.

8) Fachtag zu Freiwilligenengagement als Lernerfahrung

Unter dem Titel „Lernfeld Freiwilliges Engagement“ wird sich am 4. Oktober der 8. Fachtag der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (LAGFA) mit den informellen Lernerfahrungen befassen, die freiwillig Engagierte sammeln. Zum Programm gehören Präsentationen von Praxisbeispielen sowie Arbeitsgruppen, in denen Einzelaspekte des Themas vertieft werden sollen, z.B.: Wie wird die Bedeutung des Lerngewinns individuell empfunden? Wie lassen sich diese Erfahrungen noch mehr fördern? Der Fachtag findet von 9.30 -13.00 Uhr im Nachbarschaftshaus Urbanstraße in Berlin-Kreuzberg statt. Er wendet sich vor allem an freiwillig Aktive, an Vertreter_innen gemeinnütziger Organisationen und an Freiwilligenagenturen. Alle anderen, die sich für das Thema der Veranstaltung interessieren, sind jedoch ebenfalls herzlich eingeladen! Nähere Informationen und das Anmeldeformular sind dem Programm zu entnehmen.

9) Lohnender Klick: DRA-Seite www.austausch.org neu gestaltet

Nach mehreren Monaten der Vorbereitung wurde am 19. September der Internetauftritt des DRA in einer inhaltlich, optisch und technisch erneuerten Version ins Netz gestellt. Die Homepage bietet jetzt mehr Platz für aktuelle Meldungen; deutlich erweitert wurden außerdem unter anderem die Informationsangebote der Europäischen Freiwilligenagentur des DRA zu den Einsatzorten sowie die Präsentation der Stiftung DRA, die die Vereinsarbeit unterstützt. Wir laden Sie herzlich ein, unsere Webseite zu besuchen und uns Ihre Kommentare zuzusenden!

10) Preiswerte Unterkünfte für russische StipendiatInnen gesucht

Die Heinrich-Böll-Stiftung, langjähriger Partner des DRA, sucht für zehn Stipendiat_innen aus Russland und eine Stipendiatin aus Armenien für die Zeit vom 1.10.-23.11.2007 eine private Unterkunft in Berlin. Die Stipendiat_innen absolvieren auf Einladung der Stiftung Forschungsaufenthalte in Berlin und recherchieren zu Themen wie: Aspekte der Aufarbeitung der totalitären Vergangenheit, Flüchtlingsproblematik, Frauen und Gewalt, Formen zivilgesellschaftlichen Protestes im heutigen Russland. Gesucht werden entweder Wohnungen oder Untermietgelegenheiten bis max. 350 Euro/mtl. Da die meisten Gäste erstmals in Deutschland sind, ist Interesse am persönlichen Austausch erwünscht.