QuInta – Seminare

Einführungsseminar
  1. April 2008

Referentin: Bettina Bofinger, Deutsch-Russischer Austausch e.V.

 

Die Inhalte des Einführungsseminars – als erstes persönliches Treffen der Mitglieder der nun über einen Zeitraum von mehreren Monaten bestehenden Seminargruppe -  waren:

  • Das gegenseitige Kennenlernen der Teilnehmer_innen.
  • Die ausführliche Vorstellung ihrer Organisationen mit den jeweiligen Arbeitsfeldern, Projekten, Erfahrungen und der Beschreibung ihrer persönlichen Position und Tätigkeit in der Organisation.
  • Die Klärung der inhaltlichen Erwartungen der Teilnehmerinnen.
  • Die Absprachen zu dem gesamten Ablauf der Seminarreihe und zu organisatorischen Fragen.


Bereits zu Beginn zeigte sich sehr lebendig, was sich dann in der Folge während der Seminarreihe immer wieder bestätigte: bei den Teilnehmerinnen bestand ein großes Bedürfnis nach Erfahrungsaustausch untereinander. Durch die  Zusammensetzung der Seminargruppe war ein bundesländerübergreifender Austausch möglich – dies wurde sehr begrüßt, da sich solche Gelegenheiten im Rahmen der alltäglichen Arbeit nicht oft bieten.
Ganz allgemein gab es das Interesse, Informationen, Kenntnisse und neue Kontakte zu bekommen, auch im Hinblick auf eventuelle künftige gemeinsame Projekte.

Bei der Frage nach den momentan für die Arbeit ihrer Organisationen wichtigsten Themen wurden häufig das Projektmanagement und das Einwerben von Finanzmitteln genannt. Aber auch andere Fragen beschäftigten die Teilnehmer_innen:
Wie motiviere ich Menschen, vor allem Zuwanderer aus der ehemaligen UdSSR, sich ehrenamtlich zu engagieren? Wie kann ihre Eigenverantwortlichkeit und ihr Selbsthilfepotential gesteigert werden? Wie funktioniert Haupt- und Ehrenamt miteinander? Wie kann ich es erreichen, in bezirklichen Gremien mitzuarbeiten? Welche Formen der Förderung und Unterstützung der Arbeit von Vereinen gibt es?

Alle  Fragen wurden von der Koordinatorin der Seminarreihe aufgenommen und im Anschluss an die entsprechenden ReferentInnen weitergeleitet, so dass diese sich bei der inhaltlichen Planung ihrer jeweiligen Seminare möglichst eng an den konkreten Bedürfnissen der Teilnehmerinnen orientieren konnten.

Seminar 1: Selbstverständnis und Öffentlichkeitsarbeit in Organisationen

Wie präsentiere ich meine Organisation und mein Anliegen wirkungsvoll?

  1. April 2008

Referent: Florian Mindermann, Dipl. Sozialpädagoge

Ziel des Seminars war ein inhaltlicher und praxisorientierter Einstieg in die Themen Öffentlichkeitsarbeit, Präsentation und Zielgruppenanalyse. Dazu wurde theoretisches Basiswissen vermittelt und vertieft, unter Einbeziehung der Erfahrungen und Fragen der Teilnehmer_innen.

Einen gelungenen Einstieg bot das "Fahrstuhlspiel". Bei dieser Partnerübung sollten die Teilnehmer_innen innerhalb von ca. 30 Sekunden ihrem Gegenüber während einer Fahrt im Aufzug die eigene Organisation vorstellen.

Im Anschluss wurden diese Vorstellungen von den Teilnehmerinnen gegenseitig bewertet: Ist es gelungen, das Wesentliche innerhalb der vorgegebenen Zeit verständlich und interessant zu vermitteln? Ist damit erreicht worden, dass der Andere gerne mehr über diese Organisation erfahren würde? Was gehört zu den wesentlichen Fakten und Informationen, auf die man sich bei zeitlicher Begrenzung konzentrieren sollte?

Eine Teilnehmerin bemerkte zu dieser Übung, die beispielhaft ähnliche Situationen simulieren sollte, dass sie Aufzugfahrten oft vermieden habe, um damit dieser Gesprächssituation aus dem Wege zu gehen.

In Vorbereitung auf das Seminar hatten die Teilnehmer_innen die Aufgabe, sich über die Stärken und Schwächen ihrer Organisation Gedanken zu machen und zu überlegen, wodurch ihr Verein einzigartig ist. Die Ergebnisse präsentierten sie in der Gruppe.

Streiflichter aus dem Seminar

Es wurden Wahrnehmungen, Erfahrungen und inhaltliche Anliegen bearbeitet, die die Teilnehmerinnen thematisiert hatten. Einige Beispiele:

  • Eine wichtige Rolle in der Öffentlichkeitsarbeit spielt die "Mund-zu-Mund-Propaganda", gerade unter Migrant_innen.
  • Die negative Berichterstattung in der Presse überwiegt - positives interessiert niemanden. Wie können wir trotzdem Medienöffentlichkeit erreichen?
  • Es gibt gute Kooperationen mit Migranten- und anderen Organisationen, Unterstützung z.B. durch die Verwaltung, aber auch die Erfahrung von Vereinnahmung, Ausnutzung und "Ideenklau".
  • Gesunde Konkurrenz ist wichtig. Aber: Leider hat die mit Konkurrenz verbundene negative Erfahrung oft mangelnde Transparenz in der Öffentlichkeitsarbeit von Migrantenorganisationen zur Folge.
  • Was können wir tun, damit wir akzeptiert und ernst genommen werden?
  • Wie und warum passiert es, dass wir von anderen vereinnahmt werden?
  • Wichtig ist, dass wir uns vom Objekt zum Subjekt entwickeln und so auch wahrgenommen werden.
Seminar 2: Organisationsentwicklung
  1. Mai 2008

Referent: Florian Mindermann, Dipl. Sozialpädagoge

 

In Vorbereitung auf das Seminar hatten sich die Teilnehmer_innen mit der Frage beschäftigt, was sie unter Organisationsentwicklung verstehen und welche Erfahrungen sie persönlich damit bereits gemacht haben. Das Ergebnis war vielfältig: Es gab beispielsweise die Erfahrung, wie aus einer Selbsthilfegruppe ein eingetragener Verein entwickelt wurde und wie die Mitgliederbasis eines Vereins zielgerichtet gestärkt worden ist. Einige Vereinsmitarbeiter_innen hatten an Zertifizierungsprozessen ihrer Organisationen zum Qualitätsmanagement teilgenommen. Als persönliche Erfahrung hob eine Teilnehmerin hervor, dass Organisationsentwicklung ein langfristiger Prozess ist, der vor allem auch unter der emotionalen Beteiligung aller Mitarbeiter_innen verläuft.


Die Teilnehmer_innen erstellten Organigramme, anhand derer sie sich gegenseitig Aufbau und Struktur ihrer Organisationen vorstellten. Die Leitfragen zu der Vorstellung waren bspw.:

  • Von wem oder wodurch werde ich in meiner Organisation gestärkt bzw. unterstützt?
  • Von wem oder wodurch werde ich in meiner Arbeit behindert?
  • Wo sehe ich mich in der Organisation?

Als problematisch im Zusammenhang mit dem Thema Organisationsentwicklung wurde häufig die Passivität von Migrant_innen benannt, die unterschiedliche Motivation und Erwartungshaltung von Vereinsmitgliedern aber auch die unsichere Finanzierung und damit die fehlende längerfristige Stabilität der Organisationen. Kontrovers diskutierten die SeminarteilnehmerInnen die Frage, ob und wie Migrantenorganisationen auf die Änderung der Situation und der Bedürfnisse ihrer potentiellen KlientInnen, NutzerInnen und Mitglieder reagieren können und sollen.

Seminar 3: Personal- und Freiwilligenmanagement
  1. Juni 2008

Referentin: Bettina Bofinger, Deutsch-Russischer Austausch e.V.

 

Der Schwerpunkt des Seminars lag aufgrund des Interesses der Teilnehmer_innen auf dem Freiwilligenmanagement, also der Arbeit von Organisationen mit Freiwilligen bzw. Ehrenamtlichen.

Eingangs ging es um die Definition und Klärung der Begriffe Personal- und Freiwilligenmanagement, freiwilliges bzw. ehrenamtliches Engagement. Als theoretischer Einstieg wurden dann verschiedene Informationen und auf repräsentativen Umfragen basierende statistische Angaben zum freiwilligen Engagement in Deutschland vermittelt.

Im Anschluss wurden für das Freiwilligenmanagement relevante Themenfelder praxisbezogen gemeinsam bearbeitet. Dazu gehörten sowohl die erforderlichen Rahmenbedingungen als auch die Chancen und Schwierigkeiten der Arbeit mit Ehrenamtlichen, ebenso ihre Ansprache und Werbung. Was muss ich bei dem Erstgespräch mit InteressentInnen, die sich ehrenamtlich in meiner Organisation betätigen möchten, erfragen und berücksichtigen? Welche Motive haben Menschen (sowohl  Einheimische als auch MigrantInnen), sich ehrenamtlich zu engagieren? Und welche Motive haben wiederum Organisationen, Ehrenamtliche in ihre Arbeit einzubeziehen?
 
Da die Seminarteilnehmer_innen haupt- oder ehrenamtlich in ihren Migrantenorganisationen tätig sind (z.T. auch ehrenamtlich in ihrer Organisation und hauptamtlich in einer anderen Einrichtung), ergab sich ein breites Erfahrungsspektrum und die Betrachtung des Themas aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Für das Freiwilligenmanagement in ihren Organisationen erhielten die Teilnehmerinnen diverse – auch bundesländerspezifische – Informationen, praktische Hinweise und Materialien rund um das ehrenamtliche Engagement.

Seminar 4: Projektmanagement / Zeitmanagement
  1. Juli 2008

Referent: Jochen Töpfer, boscop eg

Was genau ist ein Projekt? Wann läuft ein Projekt gut und was ist dafür notwendig?

Die Antworten auf diese Fragen wurden zu Beginn des Seminars über die Grundlagen des Projektmanagements gemeinsam erarbeitet. Der Referent bot den SeminarteilnehmerInnen die Gelegenheit, anhand eigener Projektideen oder Projekte, die bei den Organisationen derzeit real in Planung sind, die verschiedenen Etappen der Projektentwicklung in Kleingruppen zu bearbeiten:

  • Problemanalyse
  • Zielbestimmung
  • Analyse der Beteiligten
  • Maßnahmenplanung
  • Indikatorenentwicklung

Die Vorschläge der Teilnehmer_innen waren vielfältig. Sie reichten von einer Ausstellung zu einem Vereinsjubiläum über ein Demenzprophylaxeprogramm, eine Eltern-Kind-Theatergruppe, die Trägerschaft einer Kindertagesstätte bis hin zu einer Internationalen Bücherstube.

Die Ergebnisse der Gruppenarbeit wurden jeweils im Plenum präsentiert und von den Teilnehmer_innen, bezogen auf die konkreten Projekte, diskutiert.

Seminar 5: Fundraising / Akquise
  1. September 2008

Referentinnen: Claudia Friedel M.A. (Friedel Fundraising) / Stefanie Palm (Robert Bosch Stiftung)

Eine Fundraiserin vermittelte im ersten Teil theoretische Kenntnisse zu diesem Thema. Hierbei ging es vor allem darum, die Komplexität des Fundraising zu verstehen und einen Überblick über Instrumente und Methoden zu geben. Sie stellte die Voraussetzungen für erfolgreiches Fundraising dar, benannte und erörterte mögliche Finanzierungsquellen für gemeinnützige Vereine. Besonderes Augenmerk legte sie auf die Einbeziehung der Ehrenamtlichen in die Fundraisingaktivitäten, da diese hierbei eine wichtige Basis bilden, v.a. für die Kommunikation nach außen.

Im anschließenden zweiten Teil gab eine Mitarbeiterin der Robert Bosch Stiftung Informationen zur Stiftung und deren Förderpraxis und führte einige anschauliche Übungen zur Antragsbewertung mit den Teilnehmer_innen durch. Sie erläuterte Projektantragstellungen und deren Bewertungskriterien aus Sicht der Stiftung, stellte ein konkretes Stiftungsprogramm zur Integrationsförderung junger MigrantInnen vor und erläuterte die Anforderungen, die an Migrantenorganisationen als Projektträger und an deren Projektanträge gestellt werden.

Alle Fragen der Seminarteilnehmer_innen wurden direkt und praxisorientiert beantwortet. Die Kombination aus Theorie und Praxis und deren Präsentation wurde von ihnen als sehr lebendig und nützlich bewertet.

Seminar 6: Lokale Kooperationen, Mitarbeit in Netzwerken und Gremien
  1. September 2008

Referent: Markus Runge, Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.

Als Einstieg wurden Grundbegriffe geklärt und einige in der Praxis bestehende lokale Kooperationsbeispiele und Netzwerkmodelle durch den Referenten vorgestellt.
Die Teilnehmer_innen verständigten sich über ihre eigenen bisherigen Erfahrungen in Kooperationsbeziehungen und Netzwerken, die sowohl positiver als auch negativer Art waren. Auf der Grundlage eines Arbeitspapiers wurde die Bereitschaft der eigenen Organisation zu Kooperationen eingeschätzt und bewertet. Gemeinsam erarbeiteten die SeminarteilnehmerInnen, welche Voraussetzungen für eine Kooperationsbereitschaft notwendig sind, welche Rahmenbedingungen diese Bereitschaft erleichtern und welche sie erschweren. Im Zusammenhang mit der Netzwerkarbeit wurden auch der Begriff „Macht“ diskutiert und die Fragen erläutert, was Macht bedeutet und warum dieser Begriff meist negativ besetzt ist.

Einige der Teilnehmer_innen hatten bereits Erfahrungen bei der Mitwirkung in Gremien (z.B. im Aussiedlerkreis bei der Migrantenbeauftragten), andere hatten davon eher unklare Vorstellungen. Es wurde sowohl gezeigt, auf welchem Wege es eine Organisation erreichen kann, bspw. in einem bezirklichen Gremium mitzuarbeiten, als auch dargelegt, welchen Sinn und welche Ziele solch eine Mitwirkung haben kann.