DRA Newsletter Oktober 2011


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) 12.11. St. Petersburg: Runder Tisch zu Armeereformen in Russland und Deutschland

Einen Runden Tisch zu aktuellen Veränderungen in der russischen Armee und der Bundeswehr veranstaltet das „Zentrum für die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten“ (CDDHR, Moskau) am 12. November, 16-20 Uhr, in St. Petersburg. Partner sind der DRA, die „Soldatenmütter St. Petersburg“ und das Europäische Büro für Kriegsdienstverweigerung EBCO. Ziel ist es, einen unabhängigen Blick auf Strategien, Verlauf und Probleme der Reformen sowie die mit ihnen verbundenen Debatten zu erhalten. Thematisiert werden sollen auch die Rolle und Aufgaben der Zivilgesellschaft bei der Ausgestaltung der Reformen sowie deren Wirkungen auf zivile Ersatzdienste und auf das Verhältnis von Bürger und Armee. Als Experten eingeladen sind Wissenschaftler, Journalisten und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Während die Bundeswehr gerade den Abschied von der Wehrpflicht vollzieht, Standorte schließt und zugleich die Armee immer stärker für Auslandseinsätze rüstet, gilt in Russland weiter die Einberufung – bei verkürztem Wehrdienst, aber Verdoppelung der Militärausgaben und Fehlen eines realen zivilen Ersatzdienstes. Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat kürzlich Russland eine Kooperation bei den Armeereformen angeboten. Der Runde Tisch in Petersburg (Moderation: Andrej Kalikh, CDDHR) wird vom Deutschen Generalkonsulat St. Petersburg unterstützt und ist Teil eines Veranstaltungszyklus, mit dem sich NGOs in St. Petersburg vom 11.-13.11. mit Fragen zu Reformen von Armee, Wehr- und Ersatzdienst in Europa und Russland befassen. Hinweise zum Veranstaltungsort und zum Programm finden Sie HIER.

2) DRA koordiniert neues Öko-Projekt von Green Cross Russia

Der DRA betreut auf Bitte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein Biogas-Projekt der Organisation Grünes Kreuz Russland (Green Cross Russia, GCR). Das Projekt wurde 2010 anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises an den früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow vereinbart und im September 2011 nach knapp einjähriger Vorbereitung bewilligt. Michail Gorbatschow gründete 1994 in Reaktion auf den Umweltgipfel von Rio de Janeiro das globale NGO-Netzwerk Internationales Grünes Kreuz, das u.a. in Russland eine eigene Sektion hat. Bis zum Herbst 2012 will Green Cross Russia südlich von Moskau im Gebiet Podolsk eine eigene Technologie zur Biogasherstellung in einer Versuchsanlage erproben, die in Russland patentiert ist und mit der erheblich effektiver als in bisherigen Anlagen Energie aus Abfällen der Viehzucht erzeugt werden soll. GCR wird von ehemaligen Mitarbeitern Gorbatschows geleitet und ist in Russland vor allem durch umfangreiche Beratungsprogramme im Rahmen der Abrüstung von Chemiewaffen nach 1990 sowie durch landesweite Umweltbildungsprojekte bekannt. Der DRA übernimmt das Projektmanagement des Biogas-Vorhabens und die Vermittlung zwischen deutschen und russischen Partnern. Die DBU hat seit 2009 durch ihre Förderung gemeinsam mit dem Diakonischen Werk den Aufbau der Umweltarbeit des DRA ermöglicht.

3) Universität St. Petersburg und DRA engagiert für Umweltjournalismus in Russland

Das Bürgerrecht auf Zugang zu Umweltinformationen sichern, durch Wissensvermittlung das Umweltbewusstsein schärfen und ökologische Aspekte konsequent auch in die Berichterstattung zu Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft einbringen: So beschrieben Fachleute die zentralen Aufgaben russischer Umweltjournalist_innen auf einer internationalen Konferenz, die die Hochschule für Journalismus der Staatlichen Universität St. Petersburg (SpbGU) und das DRA-Umweltprojekt „Russisch-Deutsches Umweltinformationsbüro“ vom 20.─22. Oktober an der Universität veranstalteten. Einblicke zum Umgang der Mediengesellschaften ihrer Länder mit dem Thema Ökologie gaben bei dem Treffen unter anderem Nick Reimer, Gründer des Portals Klimaretter.info (Berlin), Prof. Mike Schäfer, Leiter der Forschungsgruppe „Medienkonstrukte des Klimawandels“ der Universität Hamburg, der finnische Fachjournalist Ismo Tuormaa und Roland Oliphant vom britischen Daily Telegraph. Die russischen Kolleg_innen unterstrichen u.a., dass Umweltthemen in ihren Redaktionen immer noch kaum Beachtung geschenkt werde und wie wichtig es daher sei, Anlässe zur Thematisierung umweltpolitischer Belange schneller zu erkennen und aktiver zu nutzen. Die Ergebnisse der Konferenz werden in ein neues Studienmodul an der Hochschule für Journalismus einfließen. Außerdem bereiten Mitarbeiter_innen der SpbGU und des RNEI gemeinsam den Aufbau eines Magisterstudiengangs für Umweltjournalismus an der Universität vor. Unterstützt wurde die Konferenz von der russischen Föderalen Agentur für Presse und Massenmedien sowie vom Moskauer Deutschen Haus für Wissenschaft und Innovation.

4) DRA bei Deutsch-Russischen Gesprächen in Baden-Baden

Führende Nachwuchsmanager und Spezialisten aus Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen, Stiftungen und Politik trafen sich vom 10.-16. Oktober in Baden-Baden zu den 4. Deutsch-Russischen Gesprächen, die der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und der BMW Stiftung organisierte. Als eine von nur wenigen Expert_innen aus der Zivilgesellschaft war die Mitarbeiterin des DRA-Umweltprojekts RNEI, Angelina Davydova, an dem Gedankenaustausch beteiligt. Leitfrage der Tagung war die nach der „Marktwirtschaft der Zukunft – Wettbewerb um das beste System" einschließlich der notwendigen Wahrnehmung sozialer und ökologischer Verantwortung durch die Unternehmen sowie der Achtung der Menschen- und Bürgerrechte durch Staat und Privatwirtschaft. Tatjana Margolina, landesweit bekannte Menschenrechtsbeauftragte der Region Perm, sprach über Entwicklungen und Defizite bei den Menschenrechten und anderen rechtsstaatlichen Aspekten in Russland. Die Teilnahme von Angelina Davydova (DRA/RNEI) hatte der Verein Baden-Badener Unternehmergespräche (BBUG e.V.) ermöglicht. Die Kooperation beider Organisationen begann im Frühjahr, als der DRA in St. Petersburg für zwei BBUG-Delegationen zahlreiche Treffen mit Vertreter_innen von Medien und Nichtregierungsorganisationen in der Stadt organisierte.

5) Praktikumsagentur PAROM wächst

Fünf junge Menschen konnten in diesem Jahr bereits mit Unterstützung der DRA-Vermittlungsagentur PAROM ein Praktikum in St. Petersburg antreten, zwei weitere im ukrainischen Tscherkassy Erfahrungen in der Berufswelt sammeln. Die Programmteilnehmer_innen sind Studierende oder haben gerade die Schule oder Hochschule abgeschlossen. Von der Recherche bis zum Vertragsabschluss ist ein Praktikumsaufenthalt in Osteuropa immer noch schwieriger zu organisieren als etwa in Frankreich oder den USA. PAROM leistet hier Hilfestellung. Zudem wird jedes Praktikum zeitlich und thematisch individuell geplant, und sowohl in der Vorbereitungsphase als auch während des Praktikums erfolgt eine Betreuung durch Mitarbeiter_innen des DRA und seiner Partner vor Ort. Zukünftigen InteressentInnen steht zusätzlich die Möglichkeit eines Aufenthalts in Nischnij Novgorod oder Kaliningrad offen.

6) „Herbstgespräche“ am 4./5.11. stellen neue Kräfte der Zivilgesellschaft vor

Konstantin Terekhov bringt als Jurist des Webportals „Rospil“ vor Gericht nicht rechtskonforme Ausschreibungen russischer Behörden zu Fall. Der Stadtentwicklungsexperte Alexander Karpov hat in St. Petersburg dazu beigetragen, dass Gasprom einen 400-Meter-Wolkenkratzer nicht im historischen Stadtzentrum baute. Oleg Kaschin, Blogger und Reporter der Zeitung Kommersant, schreibt unbeirrt über die Verfolgung Andersdenkender, auch ein brutaler Überfall 2010 hält ihn nicht ab. Dmitrij Kokorin ist bei Memorial Moskau mit dafür zuständig, die Organisation auch für neue Generationen von BürgerInnen und für moderne Medien fit zu machen. Tatjana Kargina mobilisiert mit ihrem Blog Ekowiki, Jevgenia Chirikova mit ihrem Kampf gegen einen Autobahnbau im Wald von Chimki bei Moskau unzählige Menschen für Umweltfragen. Sie alle stehen für neue Kräfte in der unabhängigen Zivilgesellschaft Russlands, die die Deutsch-Russischen Herbstgespräche diesmal vorstellen – wie auch die ebenfalls eingeladenen deutschen Kolleg_innen etwa von Campact.de, Vroni-Plag, aus der Bewegung gegen den Bahnhof Stuttgart 21 oder von Netzpolitik.org. Unter Beteiligung weiterer Expert_innen aus Politikwissenschaft, Soziologie und den Medien sowie in Runden Tischen für alle Konferenzteilnehmer_innen wird untersucht, welche Kräfte und Chancen die neue, internetgestützte Initiativen-Vielfalt erzeugt. Der DRA und die Evangelische Akademie laden zu den diesjährigen Herbstgesprächen in der Berliner Friedrichstadtkirche noch einmal herzlich ein. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist bis 1.11.2011 notwendig. Informationen unter www.austausch.org.

7) 5.11., 14.30 Uhr: Öffentliche Mitgliederversammlung des DRA

Der DRA lädt alle Interessierten zu seiner öffentlichen Mitgliederversammlung ein. Sie findet im Anschluss an die Deutsch-Russischen Herbstgespräche von 14.30-17.30 Uhr ebenfalls in der Französischen Friedrichstadtkirche statt. Teil des Programms sind u.a. eine Debatte über die Impulse aus den Herbstgesprächen und zu Russland vor einer absehbaren weiteren Präsidentschaft Vladimir Putins, aber auch ein Überblick über die aktuellen Projekte des DRA in Berlin und St. Petersburg sowie ein Ausblick auf die Tätigkeit des Vereins 2012. Um formlose Anmeldung unter assistenz@austausch.org wird gebeten.

8) Für mehr internationale Jugendcamps in Deutschland und Russland

Im Auftrag des Deutsch-Russischen Jugendrats koordiniert der DRA eine bilaterale Arbeitsgruppe (AG), die beidseitig anerkannte Qualitätskriterien zum deutsch-russischen Jugendaustausch im Rahmen von Sommercamps festlegen soll. Nach Sondierungsgesprächen von Stefan Melle und Holger Löbell (beide DRA) im Juni mit Mitgliedern der AG in Berlin und in Moskau fand im Oktober im Hamburg ein weiteres Treffen mit deutschen Vertreter_innen der AG statt. Diskutiert wurden der in Entwicklung befindliche Kriterienkatalog sowie die Frage, wie die Angebote solcher bi- und multilateralen Jugendcamps in Deutschland und Russland ausgebaut und wie verschiedene Erwartungen an Altersgruppen, Betreuung, aber auch eventuelle politische Konnotationen offen debattiert und wie dazu Vereinbarungen getroffen werden können. In Absprache mit beiden Seiten der AG erstellt der DRA derzeit ein Konzeptpapier, das dem Deutsch-Russischen Jugendrat bei seiner nächsten Sitzung Mitte November in Hamburg vorgelegt wird. Die Koordination der AG wird von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert.

9) Zweisprachigkeit eröffnet berufliche Chancen

Um „Berufliche Perspektiven unter dem Aspekt der deutsch-russischen Bilingualität“ ging es am 29. September in Potsdam bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung des DRA-Projekts professija.DE, der Potsdamer Migrationserstberatung des Bundes der Vertriebenen und des Vereins „Kontakt Eberswalde“. Irina Bukharkina und Bettina Bofinger (beide DRA) erläuterten die Informationsangebote des Internetportals www.professija.de sowie weitere ausbildungs- und berufsbezogene Projekte des DRA, insbesondere die Praktikumsagentur PAROM und den Deutsch-Russischen Schüleraustausch. Darüber hinaus beschrieben sie Berufsfelder, in denen eine deutsch-russische Sprachkompetenz notwendig oder vorteilhaft ist. Zu der Veranstaltung kamen vor allem russischsprachige Zuwanderer aus Potsdam und Eberswalde, die sich entweder als Existenzgründer_innen oder Unternehmer_innen für die Beratungsangebote von professija.DE interessierten oder aber genauer erfahren wollten, welche Berufswege ihnen unter Berücksichtigung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse und Russischkenntnisse offen stehen. Veranstaltungsort war ein Galerieraum der Potsdamer Bahnhofspassagen, in dem zu diesem Zeitpunkt auch die professija.DE-Ausstellung „Mittendrin! – Russischsprachige Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland“ zu sehen war.