DRA Newsletter November - Dezember 2018

 

Liebe Freunde und Freundinnen des DRA, verehrte Leserinnen und Leser,

2018 war für Europa erneut ein Jahr der Anspannung – mit undemokratischen Tendenzen, einem unveränderten Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, die Fußball-WM hat auch im Land nichts geändert. 2019 steht der Brexit vor, ein historischer Fehler unverantwortlicher Politik, dazu eine Europa-Wahl, bei der wir hoffen, dass sich nochmal eine Mehrheit für die Gestaltung des gemeinsamen Raumes findet. Wir senden Ihnen anbei noch einmal eine Übersicht über unsere aktuelle Arbeit, danken Ihnen sehr herzlich für Ihr Interesse an unserer Arbeit und wünschen Ihnen persönliches Wohlergehen im neuen Jahr.

Ihr Stefan Melle Geschäftsführer,

sowie Vorstand und Team des DRA

 

Jetzt spenden!

Besuchen Sie den DRA auf Facebook: facebook.de/DRAberlin


Inhalt

1) Jetzt beginnen! – Die Berliner Herbstgespräche im Roten Rathaus über Wege, eine Konfliktlösung in der Ostukraine trotz des Krieges vorzubereiten

Die 23. Berliner Herbstgespräche vereinten am 14. November 2018 mehr als 200 Gäste aus ganz Osteuropa und weiteren Ländern im Roten Rathaus – diesmal im Rahmen des 1. Internationalen Ostukraine-Forums des DRA und der NGO-Donbass-Plattform CivilM+. Unter dem Titel „Gerechtigkeit und Recht in Post-Konflikt-Gesellschaften?“ ging es um die potentielle Anwendbarkeit von Erfahrungen aus früheren Gewalt- und Territorial-Konflikten in Europa für eine Lösung im Donbass-Krieg, konkret um die frühzeitige Vorbereitung von Mechanismen der sog. „Übergangsjustiz“, das heißt der schwierigen Verbindung von juristischer, gesellschaftlicher und historischer Aufarbeitung, von Strafverfolgung, Wahrheitsfindung und Versöhnung.

In seiner Eingangsrede warnte Alexander Hug – bis Oktober Vize-Leiter der OSZE-Mission im Donbass – davor, dass jedes weitere Kriegsjahr die Menschen in der Region weiter entfremde und Feindschaft als Normalität vermittele – obwohl bei politischem Willen die Waffen binnen Tagen schweigen könnten. Alexander Pavlitschenko, Leiter der Ukrainischen Helsinki-Union, beschrieb, wie die Kiewer Politik die Konfliktaufarbeitung bisher betreibt – vom strittigen Kollaborationsgesetz bis zu Verurteilungen eigener Soldaten bei Kriegsverbrechen. Savchan Chebli, Staatssekretärin für Internationales von Berlin, erinnerte an ihre Zeit als Außenamtssprecherin, in der die tägliche, Gewalt in der Ostukraine auch die Diplomatie beherrschte, und Valentina Cherevatenko (NGO „Donfrauen“) berichtete von Umfragen unter Bewohnern der Separatisten-Republiken „D/LNR“, die vor allem auf eine Ermüdung und Ernüchterung aus dem Kriegsalltag wiesen.

Der Blick auf so unterschiedliche Konflikte wie Nordirland, Katalonien, Ex-Jugoslawien, Georgien/Abchasien und Armenien/Azerbajdzhan zeigte vor allem, dass keiner endgültig gelöst wurde – dass aber die disparaten Stränge der Aufarbeitung doch eine Beruhigung und Teilbewältigung bewirkten, für die die Zivilgesellschaft von großer Bedeutung ist. „Direkt übertragen werden kann fast nichts, entscheidend ist stets der Kontext“, sagte Ralf Possekel, Experte der Stiftung EVZ und von FriEnt (s. Interview in der Novaya Gazeta). Vesna Terselic („Dokumenta“, Zagreb) mahnte: Vor allem der offene Austausch über die teils kontroversen Erinnerungen könne den Weg zur Verständigung ebnen. Alexander Cherkasov (Memorial, Moskau) und der frühere Bürgerrechtler Wolfgang Templin (Berlin) machten klar: Ohne Strafverfolgung für schwere Verbrechen sind Recht und Gerechtigkeit unerreichbar. Dies unterstützte bei einem Experten-Rundtisch am Folgetag Christoph Schaefgen, der 1989 als Staatsanwalt die Aufarbeitung der DDR-Regierungskriminalität leitete: Dafür dürfe es keine Amnestie geben, die Gerichtsverfahren aber müssten sich auf die wichtigsten Fälle konzentrieren. Nach 1945 habe dies Jahrzehnte gedauert, nach 1989 nur wenige Jahre.

Eine Bildergalerie und Details zu Konferenz und Programm finden Sie unter dem Link sowie auf Facebook. Das Auftaktpanel über Transitional Justice steht als Video hier, das Panel über die Konflikte hier.

Wir danken Kirsten Hayerhoff als Koordinatorin der Konferenz, dem Vorbereitungsteam, außerdem der Heinrich Böll-Stiftung, der ZEIT-Stiftung, der Senatskanzlei Berlin sowie dem Auswärtigen Amt und der Gedenkstätte Berliner Mauer für die Unterstützung der Herbstgespräche und des 1. Ostukraine-Forums, zu dem auch noch ein mehrtägiges Planungstreffen der Plattform CivilM+ gehörte. Beide Tagungen fanden im Rahmen des DRA-Projektes „Dialog für Verständigung und Recht: Europäische NGOs gemeinsam für die Konfliktbewältigung in der Ostukraine“ statt.

2) Stellenausschreibung: Office-/Technik-Manager der Geschäftsführung beim DRA zum nächstmöglichen Termin (in Teilzeit) – Bewerbungen bis 25. Jan. 2019

Zum 01. April 2019 besetzt der DRA die Stelle eines Office-/Technik-Managers mit Anbindung an die Geschäftsführung in Teilzeit (24 h) für den Zeitraum bis zunächst 31.08.2020 in seinem Berliner Büro. Schwerpunkte der Arbeit sind die Betreuung der IT-Systeme, die Verwaltung von Webseiten und Datenbanken, die Umsetzung von Maßnahmen zu Datenschutz und digitaler Sicherheit sowie die Optimierung der Büroorganisation in Abstimmung mit der Geschäftsführung. Eine Verlängerung ist erwünscht.

Aufgaben:

1. Bereich IT:

  • Vereinheitlichung der Computersysteme und Betreuung der Netzwerke im Büro,

  • Digitalisierung von Arbeitsprozessen,

  • Betreuung und Pflege von Webseiten und Datenbanken und Kommunikationstools,  

  • Betreuung des Bereichs Datenschutz und digitale Sicherheit des DRA,

  • IT-bezogene Beratung von Mitarbeiter*innen und Projektpartnern des DRA in Kommunikations- und Sicherheitsfragen.

2. Bereich Büroorganisationen:

  • Systematisierung von Arbeitsabläufen im Büro,

  • Standardisierung von Dokumenten, Präsentationen und Archivierung,

  • Interne/externe Kommunikation sowie Termin-Management der Geschäftsführung,

  • Beschaffungs- und Bestellverfahren,

  • Unterstützung von Team- und Vereinstreffen (Organisation von Team-Sitzungen, Mitgliederversammlungen, Protokolle, usw.),

  • Unterstützung der Projektarbeit mit Partnern aus Osteuropa.

Mehr Informationen siehe: www.austausch.org

Ihre aussagekräftigen Bewerbungen schicken Sie bitte in einem PDF-Dokument (nicht größer als 2MB) an assistenz@austausch.org. Bewerbungsschluss ist der 25.01.2019. Die Bewerbungsgespräche finden Anfang Februar im Berliner Büro des DRA und im Ausnahmefall per Skype statt.

3) Die Plattform CivilM+ mit Veranstaltungen beim Zivilgesellschaftsforum in Moskau und im Senat von Paris für eine Konfliktlösung im Donbass

Wie kann die russische Zivilgesellschaft zur Lösung bewaffneter Konflikte beitragen - als Träger der sogenannten „Volksdiplomatie" zum Krieg im Donbass, aber auch sonst bei den zahlreichen Konflikten im postsowjetischen Raum? Gibt es überhaupt Akteure, die sich derzeit als Friedensinitiativen für Konfliktbewältigung engagieren? Dies versuchten zwei Runde Tische und eine Podiumsdebatte am 7./8. Dezember in Moskau zu klären, die von den NGOs Citizen and Army und Donfrauen gemeinsam mit der Plattform CivilM+, deren Sekretariat vom DRA koordiniert wird, sowie dem Menschenrechtszentrum Memorial bzw. dem Allrussischen Zivilgesellschaftsforum (OGF, dem sog. Kudrin-Forum) veranstaltet wurden. Für den DRA waren Stefan Melle und Yuliya Erner vor Ort. Die TeilnehmerInnen aus zahlreichen Regionen – von Südwestrussland bis zum Ostural – berichteten von ihrer Arbeit in Dialogformaten zwischen russischen und ukrainischen Beteiligten, aber auch für Flüchtlinge. Das Interesse an mehr Zusammenarbeit besteht– zugleich wurde klar, dass im Land zwar die Kriegsmüdigkeit wächst, aber die Bereitschaft, aktiv für eine andere Politik einzutreten, begrenzt ist. Dazu trage die Informationspolitik der russischen Führung bei, in der die Ukraine als Kriegstreiber dastehe und die eigene Rolle als rein humanitäre dargestellt werde. Kontroversen entstanden beim OGF, als ein Vertreter aus Tjumen diese Thesen erneut bekräftigte und sich als Organisator solcher humanitären Hilfe in die Separatistenrepubliken „D/LNR“ zu erkennen gab.

Die Lage im Donbass und die Chancen auf eine friedliche Lösung für die Region wurden auch auf einer Konferenz im Pariser Senat, dem Oberhaus des französischen Parlaments, erörtert, die am 17. Dezember von der Donbas-Plattform CivilM+ veranstaltet wurde. CivilM+ war vertreten durch Valerij Novikov (MRZ "Alternativa" Luhansk/Kiev), Nadija Khomenko („Country of free people", Kramatorsk), Yuliya Erner (DRA), Alexander Cherkassov (MRZ Memorial, Moskau) und unsere französischen Kolleginnen Iriz Muraz und Anne Le Huerou (Assamblées Europeenne des Citoyens), die die Vorbereitung übernommen haben. Zu den Experten gehörte auch Alexander Hug, ehm. stv. Leiter der OSZE-Monitoring Mission im Donbass, und Julia Shukan, Slawistin und Politologin, Universität Paris Nanterre. Organisiert wurden zudem Treffen mit französischen NGOs und Diplomaten. Die Veranstaltung wurde von der Französischen Botschaft in Moskau gefördert, das DRA-Projekt „Dialog für Recht und Verständigung in der Ostukraine", in dem auch die Plattform CivilM+ unterstützt wird, wird vom Auswärtigen Amt gefördert.

In einem gemeinsamen Statement sprachen sich beteiligte NGOs der Plattform nach dem militärischen Zwischenfall in der Straße von Kertsch gegen weitere Eskalation im Asowschen Meer und für eine freie Zufahrt zu den Häfen aus. Gerade der Hafen Mariupol ist für die Versorgung des Donbass bedeutsam. Das vom ukrainischen Präsidenten vorübergehende verhängte Kriegsrecht führte dazu, dass Journalisten, die an einer von CivilM+ organisierten Reise russischer Medien und ukrainischer NGOs in den Donbass teilnehmen sollten, absagen mussten – und auch zwei ihrer russischen Kolleginnen (aus TV Dozhd und Novaya Gazeta) an der Einreise in die Ukraine gehindert wurden. In Russland und der Ukraine löste dies ein erhebliches Medienecho aus. Siehe u.a. TV DozhdBBC Ukraine.

4) Transition Dialogue: Konferenz von DRA und SofiaPlatform zur Frage, wie die Erlebnisse nach 1990 in den Gesellschaften Osteuropas nachwirken

Am 22./23. November 2018 fand in Sofia eine Konferenz mit Teilnehmer*innen aus 10 Ländern zur Vorbereitung der weiteren Arbeit zum Thema "Transition Dialogue" statt – eine Kooperation von DRA und der bulgarischen NGO Sofia Platform mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Erörtert wurde unter dem Titel „Die Transformationsgeneration in Osteuropa: eine Generation der Unsicherheit und des Misstrauens?“, wie sich die Erlebnisse der Menschen aus den Transformationsjahren nach 1990 in den früheren sozialistischen Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas ausgewirkt haben und wie sie auf politische Einstellungen und psychosoziale Verhaltensweisen bis heute nachwirken. Nicht selten, so wurde klar, sind diese Erlebnisse auch Traumata – und eine wesentliche Quelle für die Rückschläge in der Demokratie-Entwicklung in den Ländern: weil sie den Wunsch nach Wiedererlangung von Stabilität nährten, dies aber vielerorts zur „Stabilocracy“ führte, einer autokratischen Verfestigung der Machtstrukturen. Runde Tische zu positiven und negativen Narrativen über Kommunismus, Transformation und Demokratie zeigten ein hochkomplexes Bild, das derzeit auch in einer Publikation für die Öffentlichkeit vorbereitet wird.

Das Netzwerk zum Transition Dialogue war 2015 von Christine Wetzel (Vorstand DRA) und Louisa Slavkova(SofiaPlatform) mit Partnern aus Russland, Bulgarien, Kroatien, der Ukraine, Rumänien und Deutschland initiiert worden. Eingeladen in den „Generator Space“ in Sofia waren auch Expert*innen aus dem Baltikum und vom Balkan, aus Polen, Ungarn und weiteren Ländern. Der Ort des Geschehens war dabei selbst ein eindrucksvolles Bild dieser Transformation: ein moderner, offener Co-Working-Space, gestaltet von Designern als Loft am Rande der Stadt, im 5 Stock eines früheren Fabrikgebäudes, eines unsanierten Kastenbaus des sozialistischen Bulgariens, mit Blick auf weitere solche Gebäude. Das Thema ist eines der großen, nicht aufgearbeiteten in der jüngeren Geschichte - und es ist dabei äußerst kontrovers zwischen den Ländern, aber auch innerhalb der Gesellschaften und sogar in den Familien. Von besonderer Bedeutung wird dies für die Jahre 2019-2021 wenn, wenn überall in Osteuropa der Umbrüche vor 30 Jahren gedacht werden wird – vom Wendejahr 1989 bis zum Zerfall der Sowjetunion von 1989 bis 1991.

Im September hatten der DRA und SofiaPlatform einen Vorbereitungsworkshop in Berlin organisiert. Expert*innen aus Politikwissenschaft, Jugendbildung und Soziologie aus acht Ländern Ost-/Südosteuropas diskutierten neue Zugänge zur Erforschung der „Wendegeneration“. Sie stellten mehrere Studien zur Wendegeneration aus verschiedenen Ländern vor, um daraus neue Ansätze für die politische Bildung zu suchen. Die Konferenz wurde von Louisa Slavkova und Leonie Sichtermann (Sofiaplatform) sowie Anna Emelianov (DRA) organisiert. Mehr zur Konferenz (inkl. Fotos), zum Workshop, zum Netzwerk.

5) DRA-Projekt „INKuLtur“: Expert*innen erarbeiten Konzept für Barrierefreiheit in Kultureinrichtungen Russlands – Präsentation bei Kulturforum in St. Petersburg

Was bedeutet „Inklusion“ in Museen, wie werden Kulturmitarbeitende und Freiwillige auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderung vorbereitet, wie finden sie ein gemeinsames Verständnis von „Inklusion“ und „Zugänglichkeit“? Diese und andere Fragen diskutierten Vertreter*innen von Museen, Kultureinrichtungen und Kulturprojekten aus ganz Russland am 15. November beim Runden Tisch „Inklusive Praxis in Museen“ des VII. Sankt Petersburger internationalen Kulturforums. Dort wurde auch das DRA-Projekt „INKuLtur“ vorgestellt, das sich diesen Fragen widmet. Erörtert wurden inklusive Terminologien, Wege der Umsetzung sowie die Weiterentwicklung einer inklusiven Gesellschaftskultur. „Neben dem Fehlen der Infrastruktur sind es häufig ideelle Barrieren und der Mangel an Qualifikationen des Personals, die Menschen mit Behinderung an kultureller Teilhabe hindern. Unsicherheiten im Umgang mit Besucher*innen mit Behinderung führen zu unangebrachten Reaktionen oder unüberlegten Äußerungen, die für die betroffene Person höchst verletzend und demotivierend wirken können“, bemerkte die „INKuLtur“-Projektkuratorin aus Sankt Petersburg.

Das DRA-Projekt „INKuLtur – Förderung des Zugangs zu Kulturangeboten für Menschen mit Behinderung“, das im Juni 2018 begann, setzt sich daher die Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderung durch Schaffung von kultureller Teilhabe zum Ziel und nimmt in den Fokus, die „Barrieren in den Köpfen“ gegenüber Menschen mit Behinderung zu senken. Das Projekt (Mitarbeiterinnen: Anja Kretzer, Kirsten Heyerhoff, Marina Grinfeld) wird vom Auswärtigen Amt gefördert.

Am 19./20. November fand in Jekaterinburg ein Seminar zum Thema „Gestaltung inklusiver Strukturen in Kultureinrichtungen“ statt. Führungskräfte aus Museen, Theatern, Bibliotheken und Kulturzentren aus Jekaterinburg, Omsk, Kurgan, Samara, Barnaul und dem Swerdlowsker Gebiet, offizielle Vertreter_innen dieser Gebiete sowie Gäste aus Deutschland sprachen über Barrieren und deren Überwindung, gelungene russische und internationale Beispiele sowie Grundinformationen zum Umgang mit Menschen mit verschiedenen Behinderung. Referent_innen waren Mechthild Kreuser, die Inklusionsbeauftragte des Sommerblutfestivals in Köln, Sabine Lienen-Kraft (Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz,per Video) und Diana Bisembina aus dem zentralen Ausstellungssaal „Manezh“ in St. Petersburg. Die Teilnehmende erwarten nun vier Webinare, die sich mit den Themen vertiefend befassen. Weitere Präsenzseminare finden Ende Januar in Pskow und im April in Sankt Petersburg statt.

Die Gesetze in Russland fordern von Kultureinrichtungen inklusiv gestaltete Programme und Zugangsmöglichkeiten. Akteure im Kulturbereich wissen jedoch häufig nicht, was dies in der Praxis bedeutet. Das zu erarbeitende Konzept soll daher Kulturschaffenden als Leitfanden dienen und neben infrastrukturellen auch soziale, inhaltliche und kommunikative Hürden behandeln.

Im Rahmen dieses Projektes traf sich am 15./16. Oktober 2018 daher erstmals eine Expertengruppe zur Erarbeitung eines Konzeptes zu Barrierefreiheit in Kultureinrichtungen in Pskow. Die Gruppe analysiert bis Ende 2019 Barrieren in russischen Kultureinrichtungen und erarbeitet Umsetzungsmöglichkeiten von inklusiven Strukturen – zunächst für die Sparten Theater, Museen und Kinos, auf der Basis eines breiten Inklusionsverständnisses, dass Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sieht und die Teilhabe aller Menschen meint. Zur Expertengruppe gehören Andrej Afonin, Leiter des integrativen, russlandweit bekannten Theaterstudios „Krug II“, Julia Galagusova, Professorin aus Jekaterinburg, die zahlreiche inklusive Projekte umgesetzt hat, Vlad Kolesnikov, ein Gehörlosen-Sonderpädagoge und Kurator für Zugänglichkeitsprogramme des Staatlichen Historischen Museums Moskau sowie Karina Chupina, eine deutsch-russische Expertin für Inklusionsfragen und Beraterin des Europarats zu Behindertenrechtsaspekten. Hinzu kommen weitere Berater/*innen. Das nächste Treffen findet vom 11. bis 15. Februar in Berlin statt und wird von einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit deutschen Expert*innen begleitet.

#CivilSocietyCooperation #INKuLtur #KulturFürAlle #AccessToCulture #ИнклюзияВКультуре

6) NGO-Civic Solidarity Platform übergibt Milano-Deklaration an OSZE – Protest gegen Zugangssperre zum Ministerratstreffen – DRA koordiniert CSP-Projekte

Am 4./5. Dezember fand in Mailand (Italien) die Parallelkonferenz des NGO-Netzwerks Civic Solidarity Platform (CSP, www.civicsolidarity.org) zum jährlichen OSZE-Ministerratstreffen statt. Vom DRA, der seit 2016 Mitglied der CSP ist und für die Plattform mehrere Projekte betreut, waren Anna Osypova und Liliia Ahdhomeladze vor Ort. Am 5. Dez übergab das CSP-Koordinationskomitee dem italienischen OSZE-Vorsitz und dem OSZE-Generalsekretär Thomas Greminger die Empfehlungen der Konferenz.

Die sog. Milano-Deklaration enthält Vorschläge, wie das OSZE-Sicherheitskonzept erweitert werden sollte – und wie darin auch die Stärkung demokratischer Institutionen und die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaften gegen antidemokratische Tendenzen verankert werden sollten. Ein zweites Dokument ruft dazu auf, die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen an der Arbeit der OSZE zu erhalten und auszubauen – in den vergangenen Jahren war die Unzufriedenheit der NGOs angesichts ihrer oft nur formalen oder folgenlosen Einbeziehung gewachsen. Daher dringt das dritte Dokument darauf, die Zivilgesellschaft und ihre Anliegen insgesamt stärker wahrzunehmen.

Beim Ministerratstreffen kam es dann zu einem bisher beispiellosen Vorgang: Entgegen OSZE-Regeln wurde den NGOs der Zugang zur Haupttagung der multilateralen Organisation versagt. Der CSP-Koordinationsrat publizierte dazu eine Protestnote. Die italienische Vorsitz-Delegation entschuldigte sich später bei Vertretern der CSP. (http://civicsolidarity.org/article/1566/highlights-osce-parallel-civil-society-conference-2018)

Der DRA betreut für die CSP mit Fördermitteln des Auswärtigen Amtes Projekte erstens zur Stärkung der NGO-Kooperation bei der „Wahrung der Menschenrechte im Kontext von Anti-Terror-Maßnahmen“, zweitens zu Aktivitäten der Gender-Arbeitsgruppe, die sich im September in Hamburg traf. Themen waren dort u.a. die Lage von Binnenflüchtlingen im OSZE-Raum, das Monitoring von Menschenrechtsverstößen gegen Frauen an der georgisch-abchasischen Grenze und das von Gerichtsverhandlungen zu häuslicher Gewalt in Russland. Die Expert*innen forderten insgesamt mehr Gender-Sensibilität in den OSZE Richtlinien: Die vier Grundsteine der Agenda zu Frauen, Frieden und Sicherheit (Prävention, Schutz, Teilhabe, Strafverfolgung) und die drei Dimensionen in der OSZE (politisch-militärische, wirtschaftlich-ökologische und humanitäre) müssten verbunden sein.

Schließlich ist der DRA auch Partner von Swisspeace und der Austrian Helsinki Association bei der Betreuung der AG zur Zusammenarbeit von Menschenrechts-NGOs und Friedensinitiativen. Die AG traf sich vom 29. Oktober bis 2. November in der Friedensburg Schlaining, Österreich. Das Seminar schuf Raum für den internen Austausch, aber auch für eine Begegnung mit OSZE-Vertreter*innen, um die Kooperation zu Konfliktvorbeugung, -transformation, -mediation, Postkonflikt-Rehabilitation und Vergangenheitsarbeit zu sondieren. Das Treffen wurde vom Deutschen und Schweizern Außenministerium kofinanziert.

Beim DRA besteht auch ein OSZE-Info-Netzwerk – ein Email-Verteiler, der in unregelmäßigen Abständen Informationen zu OSZE-Aktivitäten und Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Beteiligung weitergibt. Bei Interesse ist eine Eintragung über die Email-Adresse osze-infonetz@austausch.org möglich, der Verteiler wird von Peter Wittschorek betreut.

7) Mehr bewegen!: Zehntausende bei U18-Wahlen in Georgien, Ukraine, Russland – Projekt „Mitwirkung gestalten“ zu jugendfreundlichen Kommunen geplant

Eine Hinführung zur Praxis von Wahlen und Bürgerbildung erlebten allein 2018 fast 40.000 Jugendliche unter 18 Jahren durch das Projekt "Mehr bewegen!", in dessen Rahmen der DRA und seine Partner seit 2017 in rund 30 Regionen Georgiens, Russlands und der Ukraine „U18/M18“-Wahlen (Under 18/ Molozhe 18) organisierten und das nun vorerst ausläuft. So beteiligten sich etwa 14.000 Jugendliche, nach vorbereitenden Bildungsprojekten, an M18-Wahlen in zehn der elf Regionen Georgiens unmittelbar vor der „echten“ Präsidentschaftswahl. Am 11. Dezember präsentierten unser Projektpartner SIQA und die aus allen Landesteilen angereisten Regionalkoordinator_innen in Tbilisi die Ergebnisse des Projektes. Auch Jugendliche berichteten von "M18" an ihren Schulen und wie sie dort ihre Ideen eingebracht haben. Am 8. Dezember hatte auch der russische Projektpartner, Maksim Ivantsov von der NGO „Schulprojekte“, das Konzept Jugendwahlen in Moskau auf dem Allrussischen Zivilgesellschaftsforum unter Schirmherrschaft von Aleksej Kudrin vor Fachkolleg_innen aus dem ganzen Land vorgestellt.

Bei einer Bildungsreise Mitte November erkundeten unsere Projektpartner aus Osteuropa eine Woche lang Jugendbildungseinrichtungen in Berlin, tauschten sich mit deutschen Experten zu neuen Methoden der politischen Jugendbildung aus und erarbeiteten gemeinsam Konzepte für die Arbeit in den Regionen ihrer Länder. Ein Höhepunkt der Reise war ein Treffen unserer Gruppe mit Staatsminister Michael Roth im Auswärtigen Amt, der umfassend Einblick in die Projektarbeit vor Ort erhielt.

Mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche hatten zuvor im Oktober in 12 Regionen der Ukraine die "Partei ihrer Träume"gewählt. Sie konnten dort auch eigene „Parteien“ mit eigenen Programmideen entwerfen und sie in „Wahlkämpfen" in ihren Schulen vorstellen – parallel zur Beschäftigung mit den realen (aber anonymisiert vermittelten) Programmen und Inhalten, die in der Ukraine zur Wahl standen (vgl: www.fb.com/m18.ukr). Begleitend dazu fand am 28.10. das zum dritten Mal von „Mehr bewegen!“ organisierte „Kiewer Jugendforum“ statt, im Hause des Kiewer Jugendparlaments mit rund 2.000 jungen Gästen. Nach der Eröffnung durch unsere Projekt-Partnerin Ludmila Parashenko (AEPD), durch Nikolai Poworosnik, Erster Stellvertreter des Kiewer Bürgermeisters Vitalij Klitschko, und Daniel Lissner von der Deutschen Botschaft bildete den Auftakt eine gemeinsame Sitzung von Kiewer Senat und Jugendparlament. Es folgten Debatten mit Abgeordneten der städtischen Rada, Kulturevents und der Besuch prominenter Gäste, so von Svjatoslav Vakarchuk, dem aktuell wohl bekanntesten Rockmusiker der Ukraine, der mit einem Statement für Mut, Engagement, demokratische Kompetenzen und die Notwendigkeit, andere Meinungen auszuhalten, auftrat. Viele Jugendliche entwarfen Projektideen für die Entwicklung ihrer Bezirke. Im Studio von TRK Kiew erörterten schon am Vortag Ludmila Parashenko und Roman Elsner, Leiter des DRA-Projekts, wie man Kinder und Jugendliche heutzutage für Politik und Wahlen interessieren und ihr gesellschaftspolitisches Engagement fördern kann.

In einer Weiterentwicklung des Projektes sollen ab 2019 unter dem Arbeitstitel „Mitwirkung gestalten!“ die Möglichkeiten zur Jugendbeteiligung von Jugendlichen, Jugendorganisationen und Kommunalbehörden gemeinsam verbessert werden mit dem Ziel, auf diesem Weg eine „Jugendfreundliche Stadt“ („Youthfriendly City“) zu werden. Partner wird dabei u.a. Unicef sein, das diese Entwicklung für die Altersgruppe der Kinder vorantreibt („Childfriendly City“).

Das DRA-Projekt „Mehr bewegen!" wurde gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Paritätischen Berlin und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Partner in der Ukraine sind die Agentur für die Entwicklung der Bildungspolitik (AEPD) und der Landesjugendrat.

#M18 #CivilSocietyCooperation #mehrbewegen #M18 #AEPD #DRA #Irpin #Ukraine

8) Umwelt-NGOs aus Osteuropa und Zentralasien beraten gemeinsam auf UN-Klimagipfel, 15 wurde Einreise nach Polen verwehrt – Kohleregionen im Fokus

Unter Moderation unserer langjährigen Projektmitarbeiterin, der Umwelt-Journalistin und -expertin Angelina Davydova (RNEI / DRA), fand bei der jüngsten UN-Klimakonferenz in Katowice ein erstes gemeinsames Beratungs- und Vernetzungstreffen von Klima- und Umweltaktivist*innen aus allen Teilen Osteuropas, aus dem Südkaukasus und Zentralasien statt. Initiiert und organisiert wurde es vom Climate Action Network Eastern Europe, Caucasus and Central Asia sowie der Friedrich Ebert Stiftung (FES) Mittel- und Osteuropa.

Allerdings war es vorher zu einem aufsehenerregenden Vorfall gekommen, als die polnischen Grenzkräfte 15 NGO-Vertreter*innen aus osteuropäischen Ländern nicht einreisen ließen. Darunter waren auch drei Mitarbeiter*innen unseres Projektpartners Ecodiya (Ecoaction) aus Kiew, die deshalb wieder zurückreisen mussten. Als einer der möglichen Gründe für die Zurückweisung wurde ein Konflikt polnischer Behörden mit osteuropäischen Umweltaktivist*innen wegen der konservativen Kohlepolitik in Polen diskutiert. Die Frage, wie man über Konferenzerklärungen hinaus tatsächlich zu einer anderen Energie- und Ressourcenpolitik kommt, hing daher nicht nur über dem UN-Klimagipfel, der immerhin einen Minimalkonsens erreichte. Letztlich sind immer auch Alternativangebote für die betroffenen Menschen erforderlich, was konfliktträchtig und kostenaufwändig ist.

Das Thema prägt auch einen mehrteiligen Jugendaustausch, den der DRA seit dem Sommer zwischen Russland, Deutschland und der Ukraine mit Förderung des Programms „Europeans for Peace“ der Stiftung EVZ organisiert. Dabei geht es um die Gebiete Kusbass (Russland), Lausitz und Ruhr (Deutschland) sowie Donbass (Ukraine), für deren (post-)industrielle Nachnutzung nach Verringerung oder Aufgabe der Kohleförderung neue Wirtschaftszweige entwickelt werden müssen. Nach der neuerlichen Verschärfung des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland konnte eine geplante gemeinsame Reise in den Kusbass nicht stattfinden. Das dritte gemeinsame Treffen wird nun im Januar in Belarus stattfinden – das damit einmal mehr zum „dritten“, hinreichend „neutralen“ Ort auch für die NGO-und Jugend Zusammenarbeit wird und wo ähnliche Umweltfragen durch die Torfförderung bestehen.

9) Sprache und Bild: Fotoausstellung von Dmitry Vyshemirsky (Kaliningrad/ Berlin) zu Texten von Johannes Bobrowski – DRA Herausgeber des Katalogs

Unter dem Titel „aus Spiegeln beschoß uns das Licht" waren vom 12. Oktober bis 25. November in Berlin Bilder des Fotografen Dmitry Vyshemirski zu Orten und Texten des bedeutenden deutschen Lyrikers und Erzählers Johannes Bobrowski zu sehen – als ein Dialog zwischen Sprache und Bild in der Galerie Kulturhaus Karlshorst und im Rathaus Berlin-Lichtenberg. Zugleich erschien im Anthea-Verlag ein Katalog zur Ausstellung, dessen Herausgeber der DRA ist und der die Fotos mit Gedichten Bobrowskis, Essays zu dessen Texten und einen Brief Lew Kopelews über den Dichter vereint.

Was Fotograf und Autor verbindet, ist die Herkunft aus dem heutigen Kaliningrader Gebiet, bis 1945 Ostpreußen / Königsberg. Bobrowski wurde 1917 in Tilsit geboren, in Königsberg ging er zur Schule. Aus dem tiefen Bewusstsein der historischen Schuld der Deutschen gegenüber den Völkern Osteuropas, so berichtete die Kuratorin Brigitte Graf (Art-InterWall e.V.), entwickelte Bobrowski sein literarisches Programm. Es ging ihm um eine poetische Beschreibung der osteuropäischen Kultur- und Geschichtslandschaft, und auch darum, zur Verständigung zwischen den Völkern beizutragen. Als Dmitry Vyshemirsky, geb. 1958 in Shitomir, Ukraine, 1960 nach Kaliningrad kam, lag die Stadt größtenteils in Trümmern. Sit den späten 80er befasst er sich mit der Geschichte Kaliningrads, aber auch Russlands. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Fotoserien „Spuren des Gulag“, entstanden in der Zeit der Perestroika an Orten der Stalinschen Lager im Norden der Sowjetunion, sowie „Königsberg verzeih“ und „post“, die sich Ostpreußen bzw. der Geschichte des Kaliningrader Gebiets widmen (siehe www.vyshemirsky.com).

Das russisch-deutsche Projekt fand nachträglich zum 100. Geburtstag Bobrowskis im Rahmen des Kulturaustauschs in der Städtepartnerschaft Berlin-Lichtenberg-Kaliningrad statt und wurde vom Bezirkskulturfonds Lichtenberg gefördert. Die Publikation des Katalogs (gestaltet von Alexandra Goloborodko) wurden vom Bezirksamt und durch eine großzügige Spende der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius ermöglicht. Organisatoren des Projekts waren ART - interWall, Bezirk Berlin-Lichtenberg, DRA, Johannes-Bobrowski Gesellschaft, Deutsches Kulturforum östliches Europa, Stiftung West-Östliche Begegnungen. Zur Eröffnung sprach der Schirmherr des Projekts, Michael Grunst, Bezirksbürgermeister von Berlin-Lichtenberg. Den Abschluss fand das Programm mit einem eindrucksvollen, persönlichen Künstlergespräch der Soziologin Olga Sentsova (Kaliningrad/ Amsterdam) mit Dmitry Vyshemirsky und einer Präsentation des Katalogs. Dieser ist beim Anthea-Verlag erhältlich. Mehr Informationen und auch Fotos siehe u.a. hier hier und  hier.

10) DRA-Bildungsreisen: Fachleute aus Russland und Belarus lernen zu nachhaltiger Entwicklung, modernen Bildungsräumen und Krisenberatung

Im Programm „Bildungsreisen“ des DRA kamen seit Oktober erneut mehrere Gruppen von Fachleuten nach Berlin.

Bis zum 02.11. organisierte der DRA in Berlin und Brandenburg eine Studienreise zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ für ca. 40 Pädagogen, Schuldirektoren, Psychologen und Vertreter von Bildungseinrichtungen aus Belarus. Ihr Ziel war es, sich zu modernen Ansätzen im Bereich Bildung für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung zu informieren und die neuen Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Belarus anzuwenden. Besucht wurden Schulen, staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen sowie Projekte, die für einen bewussten Umgang mit Energiekonsum, Produktion und Ernährung stehen, die Recycling bzw. Mülltrennung praktizieren sowie Lernmaterialien zu den Themen erarbeiten. Zudem tauschten sich die Teilnehmer_innen über Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Kinder- und Jugendarbeit in Belarus und Deutschland aus. ´

Vóm 2.-9. Dezember kamen 14 Pädagog_innen und Leiter_innen von Bildungseinrichtungen aus Moskau zu einer Studienreise zum Thema „Moderne Bildungsräume in der schulischen und außerschulischen Jugendbildung" nach Berlin und Brandenburg. Sie besuchten Schulen, Kindergärten, Universitäten und NGOs, berieten sich zum Qualitätsmanagement und lernten Methoden kennen, die Schülern bei der Berufswahl helfen sollen. Partner des DRA in der Vorbereitung war die Weiterbildungsorganisation „Kontrast“ (Moskau). Mehr Informationen zu der Reise hier.

Eine dritte Bildungsreise brachte vom 11.-16. Dezember 12 Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen aus Moskau zum Thema „Familie und Jugendliche in krisenhaften Situationen" nach Berlin und Brandenburg. Sie besuchten Einrichtungen, die finanzielle und soziale, aber auch therapeutische Hilfe für Jugendliche, für Familien und schwangere Frauen in Not leisten. So lernte die Moskauer Gruppe Inklusionsmethoden für Schulkinder und Wege der Integration und Rehabilitation psychisch kranker Menschen kennen. Auf besonderes Interesse stießen therapeutische Ansätze in der Arbeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen sowie die Hilfe für Familien in Krisensituationen seitens staatlicher und nichtstaatlicher Einrichtungen. Organisiert wurde das Programm in Kooperation mit dem Institut für Weiterbildung von Fachkräften der Sozialarbeit der Stadt Moskau (IDPO DTSZN), siehe auch hier.

Das Programm „Bildungsreisen“ des DRA wird von Roman Elsner und Anna Emelianov koordiniert, die Gruppenaufenthalte fanden jeweils mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin statt.

11) Abschlusskonferenz zu „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ – Supervisions-Angebote in elf Städten – Videos zu Kampagnen gegen häusliche Gewalt

„Uns verbindet nicht der Krieg, sondern der Wunsch nach Frieden“ – dies war der zentrale Gedanke vieler Beiträge bei der zweitägigen Abschlusskonferenz des Projekts „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“, die am 23./24. November in Irpen (Gebiet Kiew) stattfand. Vorgestellt wurden die Ergebnisse aller 6 Arbeitsrichtungen im Projekt, zudem organisierten Teilnehmer*innen und Mikro-Projektgewinner eigene interaktive Master classes. Die Konferenz wurde zum Erfahrungsaustausch und zur Präsentation zweier neuer Publikationen aus dem Projekt genutzt – der Info-Broschüre „Erfolgreiche Praktiken zur Intregration von IDP (zeitweiligen Binnenflüchtigen) und Flüchtlingen in der Ukraine, Georgien, Armenien, Russland und Nordkaukasus“ sowie das Methodenhandbuch „Antidiskriminierungsarbeit in konfliktbetroffenen Regionen“.

Um die im Projekt „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ ausgebildeten ersten klinischen Supervisoren in der Ukraine in ihrer Arbeit weiter zu unterstützen, fanden vom 3.-4. November in Kiew zusätzliche Lehrsupervisionen für sie statt. Die Teilnehmenden wurden dabei in Kleingruppen in ihrer Rolle als Supervisor*innen durch die Trainerinnen, Nora Balke vom Berliner Zentrum „Überleben“ und Kathatrina Larondelle von Wildwasser e.V., supervidiert. Die 30-tägige zertifizierte Grundausbildung hatte von Januar 2017 bis Juni 2018 innerhalb des Projektbereichs „Bearbeitung von kriegsbedingten Traumata“ stattgefunden und war in Kooperation mit dem Zentrum „Überleben“ realisiert worden.

Die nach der Ausbildung zertifizierten Supervisor*innen bieten ihre Arbeit seit Juni 2018 für Fachkräfte an, die psychosoziale Hilfe für traumatisierte Menschen leisten. Unterschieden werden dabei individuelle, Fall- und Teamsupervision. Die Supervisionen sollen Burn-Out-Erkrankungen und Sekundärtraumatisierungen von Sozialarbeiter*innen und Traumatherapeut*innen vorbeugen, insbesondere in NGO-Strukturen. Sie werden in Charkiv, Dnipro, in den Gebieten Luhanks und Donezk, in Mariupol, Severodonezk, Kiew, Slavjansk, Zaporizhja, Mykolajiv und Tscherkassy angeboten. Damit soll langfristig auch die Überwindung der Kriegsfolgen in der Ostukraine gestärkt werden. Details zum Programm siehe www.kriegsfolgen-ueberwinden.de/aktuelles. Über ein Kontaktformular kann dort – auch anonymisiert – Kontakt mit den Supervisor*innen aufgenommen werden.

Veröffentlicht sind unterdessen auch mehrere Videos, die im Rahmen von Info-Kampagnen zur Reduktion und Prävention kriegsbedingter häuslicher Gewalt in sechs Regionen der Ukraine entstanden sind (Details zum Arbeitsbereich hier). Die Kampagnen hatten im Frühjahr Teilnehmer der Schulungsreihe zur Aktivierung von Männern gegen häusliche Gewalt als Kriegsfolge (zur Ausbildung: hier) und ihren Mitstreitern realisiert. Mehr über die Materialien und Kurzvideos der Informationskampagnen siehe hier: Männer gegen Gewalt“ in Dnipro, „Die Welt ohne Krieg – ein Zuhause ohne Gewalt“ in Severodonezk, „Der Mann – ‚Gewinner‘ in seiner Familie? in Odessa, „Männer schlagen nicht“ in Charkiv, „Initiative ‚PUD‘ gegen häusliche Gewalt“ in Kiew sowie „Der Kriegsveteran als Verteidiger seiner Familie“ in Tscherkassy.

Das Projekt „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ wird vom Auswärtigen Amt gefördert.

12) Kurze Hinweise auf weitere Projekte, Aktivitäten, Kommentare etc. des DRA:

Unbeirrt für die Würde des Menschen Nachruf des DRA auf Ludmila Alexejeva. Die Mitgründerin der Moskauer Helsinki-Gruppe war wegweisend für die osteuropäische Dissidenten- und Menschenrechtsbewegung. Sie starb am 8. Dezember 91-jährig.

Das Fußball-Fankultur-Projekt beim DRA (Koord.: Peter Liesegang/Ingo Petz) organisierte eine Begegnung von 50 Fans von Shakhtar Donetsk bei der TSG Hoffenheim und ein weiteres Seminar zur Fankultur. Außerdem erscheint ab sofort der neue Newsletter „Doppelpass und Grätsche“.

Am 28./29. November luden das Zentrum für Entwicklung von NGOs (ZRNO) und der DRA Sozialunternehmer*nnen aus Russland und Belarus zu Treffen und Disskussionen in Sankt Petersburg.

Das DRA-Projekt „Menschenrechtsmonitoring Ostukraine“ veranstaltete im November zum Thema Debatten in Dresden und Prag und ein Treffen mit Georg Milbradt, Beauftragter für Verwaltungsreform in der Ukraine. Fotos hierRadio Svoboda über den Runden Tisch.

Kommentar zur Verhaftung von Lev Ponomarev, Leiter der „Bewegung für Menschenrechte“, Moskau, und den fragwürdigen Verfahren gegen angebliche extremistische Jugendgruppen „Novoe velichie“ und „Setj“.

Der DRA war Ko-Organisator des 3. Boris-Nemtsov-Forums (BNF) am 9./10. Oktober in Prag, Thema war die "Russia: Strategies for the Society". Stefan Melle (DRA) moderierte dort die Arbeitsgruppe zu „Which Role could Civil Society Institutions Play in Future Russia?"

Gratulation und Kommentar zum Andrey Sakharov-Preis der EU für Oleg Sentsov, zur Inhaftierung Oyub Titievs (Memorial Grozny) und fraglichen Einflussmöglichkeiten der EU auf die russische Führung.

Protest des DRA gegen den Überfall auf unseren Kollegen Oleg Kozlovskij im Oktober in Inguschetien sowie Hintergründe der aktuellen Konflikte zwischen Inguschetien und Tschetschenien, siehe auch: https://amnesty.org.ru/ru/2018-10-15-russia/

Das DRA-Klima- und Umweltprogramm plant Projekte zur Verbesserung der Luftqualität mit kirgisischen Partnern – über Treffen in Bischkek und Berlin im Rahmen eines Twinning-Programms von GIZ/MitOst.

Präsentation des Dokumentar-Kurzfilms „Ich habe den Himmel gesehen“ von Elena Stein auf dem Moskauer ArtDocFest am 5.12. Der Film über Perestroika-Erinnerungen entstand im DRA-Dönhoff-Stipendien-Programm.

Tim Bohse vertrat den DRA beim ParisPeace Forum am 11. Nov. zum 100. Jahrestag des Endes des I. Weltkrieges. Es verband NGO-Aktivist*innen und Politiker wie Emanuelle Macron und Angela Merkel.  

Die Herbstgespräche des NRO (DRA) St. Petersburg fanden am 29.9. zum zweiten Mal stattt, diesmal zum Thema „Wie verändert sich Europa durch Informationstechnologien?“ Erörtert wurden die Folgen für die Arbeitswelt, Medien, Politik und unabhängigen Aktivismus. Bilder hier und hier.