DRA Newsletter November 2007


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Zu den Parlamentswahlen in Russland am 2. Dezember

In den letzten Wochen und Monaten stellten immer mehr Informationen einen freien Verlauf des Wahlkampfes und der Wahlen zur russischen Duma am 2. Dezember infrage. Diese Medienberichte wecken unsere ernste Besorgnis. Wir, der DRA Berlin, sind seit 15 Jahren in der deutsch-russischen Zusammenarbeit auf dem Feld des bürgerschaftlichen Engagements, der Annäherung der Menschen und der Basisdemokratie tätig. Unsere Aufgabe sehen wir in der Durchführung konkreter sozialer, ökologischer, Kultur- und Bildungsprojekte, im Freiwilligen-, Schüler-, Experten- und Journalistenaustausch, um so in beiden Ländern zur Stärkung von Nichtregierungsorganisationen und ihrer Vernetzung mit den anderen Sektoren der Gesellschaft beizutragen. Die Wahlen in Russland haben große Bedeutung – für das Land und seine Bewohner_innen, aber auch für das übrige Europa und die Welt. Wir hoffen, dass die Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit für die russische Gesellschaft weiterhin Bestand haben und dass die aktuelle politische Zuspitzung die Demokratisierung und die Entwicklung einer Bürgergesellschaft in Russland nicht gefährden wird. Zugleich erinnern wir daran, dass die Grundwerte der Menschenrechte und der Bürgergesellschaft nicht aus machtpolitischen Erwägungen aufgegeben werden dürfen.

2) DRA und „Memorial“ schaffen Berufsbildungszentrum in Nordossetien

Ab 1. Dezember beginnen der DRA und die russische Menschenrechtsorganisation Memorial mit dem Aufbau eines Berufsbildungszentrums im Bezirk Prigorodny von Nordossetien. Diese Region der nordkaukasischen Teilrepublik Russlands war 1992 Schauplatz eines blutigen Bürgerkriegs zwischen den Volksgruppen der Inguschen und Osseten. Die starken ethnischen Spannungen bestehen bis heute fort, zugleich herrschen hohe Arbeitslosigkeit und Armut. Mit Kursen zur Gründung und Führung von Kleinunternehmen, die von jungen Inguschen und Osseten gemeinsam besucht werden, soll das Weiterbildungszentrum den Konflikt mindern helfen und die Teilnehmer_innen dabei unterstützen, ihre soziale Lage aus eigener Kraft zu verbessern. Projektleiterin ist Stephanie Weber-Tsomakaewa, die 2001 für den DRA bereits ein ähnliches Projekt in einem inguschetischen Flüchtlingslager geleitet hat. Das Berufsbildungszentrum wird für zwei Jahre vom katholischen Hilfswerk Renovabis und dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland gefördert. Der DRA muss einen Eigenanteil aufbringen und bittet Sie daher herzlich, das Projekt mit Ihrer Spende zu unterstützen!

3) Das neue „Deutsch-Russische Handbuch zum Berufseinstieg“ ist da

Anfang Dezember erscheint die Neuauflage des „Deutsch-Russischen Handbuchs zum Berufseinstieg“. Diese Veröffentlichung des DRA wendet sich an junge Spätaussiedle_innen bzw. Russlanddeutsche sowie generell an junge Menschen, die sowohl Russisch- als auch Deutschkenntnisse haben. Mit Tipps, Links und Adressen informiert es sie zu berufsqualifizierenden Aufenthalten in Russland bzw. Deutschland, wie Betriebs- und Sozialpraktika, Schüleraustausch oder Auslandssemester. Für die Neuauflage wurden die Adressteile komplett aktualisiert und alle Erläuterungstexte in erweiterter Form neu erstellt. Online ist das Handbuch ab 1. Dezember sowohl als pdf-Dokument wie auch als Datenbank unter www.austausch.org kostenlos zugänglich. Vorbestellungen für die Druckversion sind ab sofort möglich (Zusendung nur innerhalb Deutschlands. Die Neuauflage wurde von der Robert Bosch Stiftung sowie im Auftrag und aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern von der GTZ gefördert.

4) Fachtreffen: NS-Opfer und jüngere Generation zusammenbringen

Umfangreiche Recherchen in Russland, der Ukraine und Belarus haben die DRA-Mitarbeiter_nnen Hanno Gundert, Evelyn Scheer und Susanne Müller seit Juli im Auftrag der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ) durchgeführt. In zahlreichen Gesprächen mit Opferverbänden und Organisationen der Alten- und Geschichtsarbeit gingen sie der Frage nach, inwiefern die Opfer der NS-Diktatur in diesen Ländern (über die bereits gewährte Hilfe im Alltag hinaus) auch durch die Förderung von Projekten unterstützt werden könnten, die ihnen Begegnungen untereinander und mit jüngeren Menschen ermöglichen. Zugleich untersuchten sie, wie durch Vernetzungen und Öffentlichkeitsarbeit den Schicksalen ehemaliger KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter_innen sowie den Bedürfnissen der älteren Generation insgesamt mehr Beachtung zu verschaffen ist. Die vorläufigen Ergebnisse der Recherchen wurden am 6. November bei einem Fachtreffen der Stiftung EVZ und des Heidelberger Instituts für Gerontologie in Berlin präsentiert und von ExpertInnen der Bereiche Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus Osteuropa, Deutschland und Großbritannien diskutiert.

5) Dönhoff-StipendiatInnen schließen Freiwilligenaufenthalt ab

Die vier Stipendiat_innen der Marion-Dönhoff-Stiftung aus Russland und der Ukraine, die der DRA seit Juni betreut, kehren Ende November in ihre Heimat zurück. Parallel zu ihrem sechsmonatigen Freiwilligendienst in Berliner Bürgerinitiativen erhielten sie Deutschunterricht und erlebten ein umfangreiches Besuchs- und Diskussionsprogramm, so zu den Themen Pressefreiheit, Parlamentarismus, freiwilliges Engagement und NGO-Arbeit in Berlin, aber auch zur Wahrnehmung des Tschetschenienkonflikts in Deutschland. Zwei der Freiwilligen führten zudem eigene Projekte durch. So organisierte Myroslava Dubinetska aus Riwne (Ukraine) die „ErneuerBar“, einen Abend zu ökologischen Fragen in ihrem Heimatland. Oleksiy Druzhynin aus Donetzk lud ukrainische Fotografen zu einem Wettbewerb mit dem Thema „Alltag meiner Region“ ein. Die besten Fotos werden im Dezember in der Berliner Bereznitsky-Galerie gezeigt. Eine Auswahl war bereits am 19.11. im Berliner Café „Glutrosa Seegras“ zu sehen.

6) Ukraine: Demokratie lernen in und nach der Schule

„Organisation eines Debattenclubs am Gymnasium Nr. 9 von Simferopol (Krim)“, „Schutz des Donezker Bodens vor Erosion, Dorf Uspenka (Gebiet Lugansk)“, „Was meine Rechte verletzt – das Problem der Gewalt gegen Kinder (Chmelnizki)“, „Freiwilligenarbeit – der erste Schritt zur Demokratie, Dorf Klenowe (Gebiet Lugansk)“: So heißen nur einige der Aktionen, die Schüler_innen und Lehrer_innen im Miniprojekte-Programm des EU-Projekts „Civic Education“ („Politische Bildung“) in der Ukraine initiiert und realisiert haben. Für die Jugendlichen soll so erlebbar werden, welche Möglichkeiten ein eigenständiges Handeln als BürgerIn eröffnet. Mehr als 100 Projekte entstanden dabei landesweit. Die besten werden am 7. Dezember auf einer Konferenz „Außerunterrichtliche politische Bildung“ des EU-Projekts in Kiew vorgestellt. Als weiterer Veranstaltungspunkt sind Erfahrungsberichte zur politischen Bildung in Polen und Deutschland vorgesehen, darunter ein Referat der DRA-Expertin Ingrid Halbritter zum System der Schülervertretungen in der Bundesrepublik. Das EU-Projekt wird vom DRA gemeinsam mit den Organisationen Cambridge Education (Großbritannien), Centrum Edukacji Obywatelskiej (Polen) und Step by Step (Ukraine) durchgeführt. Die Miniprojekte sind (auf Ukrainisch) aufgelistet.

7) Berliner Fachkräfte der Sozialarbeit besuchten Udmurtien

Bei einem viertägigen Treffen mit VertreterInnen von rund 40 Nichtregierungsorganisationen aus ganz Russland hat das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Berlin die Perspektiven der Zusammenarbeit bei sozialen Projekten erörtert. Dazu gehörten die Verbesserung der Ausbildung und Standards in der Pflege alter und behinderter Menschen, in der Aids-Aufklärung oder der Betreuung von Heimkindern, aber auch die aktuellen Bedingungen für soziale Arbeit und den Einsatz für soziale und Menschenrechte. Die russischen Sozialarbeiter_innen berichteten von mehr Bürokratie seit dem „Gesetz zu nichtkommerziellen Organisationen“ von 2006 und kritisierten, dass die Fokussierung der russischen Öffentlichkeit auf eine einzige Partei und den Präsidenten die NGO-Arbeit vielfach wieder an den Rand der Wahrnehmung dränge. Auf einer Podiumsdiskussion sprach der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle, über die gewachsene Eigenständigkeit und hohe Qualifikation der russischen Partner, zu der die jahrelange internationale Kooperation viel beigetragen habe. Das Diakonische Werk fördert derzeit zwei Projekte des DRA – neben dem Berufsbildungszentrum in Nordossetien auch die Umgestaltung einer Behindertenstation in Peterhof durch die Organisation „Perspektivy“, für die der DRA-Projektunterstützung leistet.

8) Diakonisches Werk trifft Partner aus Russland

Mit einer Studien- und Kontaktreise haben Berliner Fachkräfte der Sozialarbeit ihre Beziehungen in die Udmurtische Republik der Russischen Föderation ausgebaut. Im Rahmen der vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin organisierten Fahrt, die das udmurtische Staatskomitee für Jugend vorbereitet hatte und begleitete, besuchte die Gruppe Einrichtungen der Jugendsozialarbeit in der Hauptstadt Ischewsk und nahm an einer Konferenz zur Sozialarbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Familien teil. Bei einem Treffen mit der udmurtischen Vizepräsidentin stellte Bettina Bofinger, Leiterin der Deutsch-Russischen Ehrenamtsbörse des DRA, den Verein und seine Projekte vor, insbesondere die Freiwilligenarbeit. Das udmurtische Staatskomitee für Jugend zeigte sich interessiert, in diesem Bereich mit dem DRA und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, der bereits seit zehn Jahren Projektbeziehungen in die Republik am Ural pflegt, zu kooperieren. Details der möglichen Zusammenarbeit werden derzeit abgestimmt.

9) Internet-Forum zu russischem Rechtsextremismus

Als wissenschaftlich-politisches Forum zum russischen Nationalismus und Rechtsextremismus hat der Historiker Andreas Umland, DAAD-Lektor und DRA-Mitglied, die neue Yahoo Group „Russian Nationalism“ ins Leben gerufen. Die Plattform mit bereits über 250 Mitgliedern soll der Verbreitung von Informationen und der Auseinandersetzung mit einschlägigen Erkenntnissen aus den Disziplinen Vergleichende Politikwissenschaften, Internationale Beziehungen, Gegenwartsgeschichte sowie Kultur- und Regionalstudien dienen. Der russische Nationalismus ist seit dem Zerfall der Sowjetunion deutlich erstarkt, was unter anderem eine wachsende Fremdenfeindlichkeit zur Folge hat. 2006 waren diese Entwicklungen bereits Thema der Deutsch-Russischen Herbstgespräche von DRA, Heinrich-Böll-Stiftung und Evangelischer Akademie Berlin.

10) Musikalische Russlandwerbung bei Schulveranstaltung auf Usedom

Mitreißende Musik und duftende Speisen begeistern oft mehr für eine andere Kultur als hundert sonstige Argumente – das bewiesen der Auftritt der deutsch-russisch-ukrainischen Band „Apparatschik“ und eine russische Koch-Session im Oktober in der Regionalschule Karlshagen auf der Ostseeinsel Usedom. Mit dem Russland-Tag endete ein Preisausschreiben, dass der DRA im Rahmen seines Schulprojekts „Vom anderen erfahren“ gemeinsam mit der Schülerzeitung „Spiesser“, der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch und der Stiftung West-Östliche Begegnungen organisiert hatte. Der Russischkurs der 9. Klasse in Karlshagen hatte den ersten Preis errungen. Köstliche Piroggen und Pelmeni und ein Mix aus Rock, Polka, Volxmusik und Ska, der die SchülerInnen, LehrerInnen und Gäste zum Tanzen brachte, weckten Begeisterung und eine größere Neugier auf Russlands Alltag, Sprache und Kultur.

11) Der DRA dankt Robert Sperfeld

Nach rund einem Jahr fruchtbarer Arbeit wechselt der DRA-Projektkoordinator Robert Sperfeld zur Heinrich-Böll-Stiftung. Ab 1. Dezember wird er in Berlin die Arbeit der Stiftung im Südkaukasus betreuen. Für den DRA hat Robert Sperfeld unter anderem die 11. und 12. Deutsch-Russischen Herbstgespräche zu den Themen „Xenophobie“ und „Ökologische Modernisierung“ inhaltlich mit vorbereitet sowie zahlreiche Projekte im Freiwilligen-, Umwelt- und Bürgerrechtsbereich auf den Weg gebracht. Für seine kluge, vielseitige und engagierte Arbeit danken wir Robert Sperfeld sehr herzlich. Wir wünschen ihm in seiner neuen Tätigkeit viel Erfolg, aufgeschlossene Partner und interessante Projekte – und uns auch weiterhin einen freundschaftlichen und anregenden Kontakt mit ihm.