DRA Newsletter Mai 2009


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Russisches NGO-Gesetz soll verbessert werden

Das erste Treffen des russischen Präsidenten Dmitrij Medvedev mit dem von ihm berufenen „Rat für die Entwicklung der Zivilgesellschaft“ am 15. April habe möglicherweise sein reales Interesse an einer Erleichterung der Arbeitsbedingungen für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Russland gezeigt: So lautete das vorsichtig optimistische Fazit von Ella Pamfilova, Svetlana Gannuschkina und Jurij Dschibladse, drei namhaften russischen Menschenrechtler_innen und Mitgliedern des Rates, bei getrennten Besuchen im Mai in Berlin. Die Ratsvorsitzende, Ella Pamfilova, sagte im Auswärtigen Amt, sie sehe eine Chance, dass der im Februar erneut eingesetzte Rat der Staatsspitze dank seiner professionellen, mehrheitlich kritischen Mitglieder „reale Information über die Lage im Land“ vermitteln könne. Inzwischen ernannte die Präsidialadministration eine Arbeitsgruppe aus eigenen Vertretern sowie Abgesandten beider Parlamentskammern und der Zivilgesellschaft, die kurzfristig Korrekturen am drakonischen NGO-Gesetz von 2006 erarbeiten soll. Das Ziel der NGOs sei es dabei, sagte Jurij Dschibladse, einer ihrer Vertreter in der Arbeitsgruppe und Leiter des Zentrums zur Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten Moskau, „zuerst die schädlichsten Regelungen zu Registrierung und Berichtspflichten zu eliminieren, dann finanzrechtliche Erleichterungen und schließlich eine insgesamt neue, förderliche Gesetzesbasis für Bürgerorganisationen zu erreichen“.

2) Zur Auflösung der Homosexuellen-Parade in Moskau

In der russischen Hauptstadt nutzten rund 100 homosexuelle Aktivist_innen vor wenigen Tagen den „Eurovision Song Contest“ dazu, ganz Europa auf die Restriktionen aufmerksam zu machen, denen Schwule und Lesben in Russland oft unterliegen. Russland hat die kleine Aktion gewaltsam verhindert und damit eine Chance vertan, sich der europäischen Öffentlichkeit gegenüber tolerant zu präsentieren – während nur Tage zuvor russische Politiker, darunter Michail Gorbatschov, erneut beklagt hatten, dass ausländische Medien ihr Land nur negativ darstellten. Moskaus Bürgermeister Jurij Luschkov erklärte sein Einschreiten, das vor Ort durchaus mehrheitsfähig ist, damit, dass Homosexualität „teuflisch“ und Russlands Traditionen fremd sei. Sein Widerstand wirkt dabei wie ein Kampf gegen die Realität: Auch in der russischen Bevölkerung wird die Einsicht Raum gewinnen – und sei es wie in Deutschland erst nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung – , dass gleichgeschlechtliche Beziehungen eine selbstverständliche Facette der menschlichen Gesellschaft sind. Der DRA wird sich für diese Öffnung auch weiterhin mit einsetzen.

3) DRA ist Partner bei internationaler n-ost Medienkonferenz in Rostov

Mit einem Workshop des Umweltjournalisten Grigorij Pasko zu ethischen Fragen in Recherche und Berichterstattung und mit einer Exkursion zum Thema „Zukunft der Energie“ wird sich der DRA an der der Internationalen Medienkonferenz des Netzwerks für Osteuropa-Berichterstattung n-ost vom 7.-11. Oktober in Rostov am Don beteiligen. Die Exkursion, organisiert von Angelina Davydova vom DRA St. Petersburg, soll die Medienvertreter_innen aus Russland, Deutschland und weiteren Ländern mit den Konzepten regionaler Behörden und Umweltorganisationen bekannt machen. Außerdem wird die DRA-Mitarbeiterin Unternehmen vorstellen, die in Südrussland bereits im Sektor „alternative Energien“ arbeiten. Workshop und Exkursion stehen im Zusammenhang mit dem DRA-Projekt „Fortbildung für russische Journalisten zu Umweltthemen“, das von mehreren deutschen und russischen NGOs und Stiftungen unterstützt wird. Thematisiert werden auf der Internationalen Medienkonferenz, die n-ost bereits zum fünften Mal organisiert, u.a. auch das Verhältnis von Medien und Geschichtsbildern in Russland und Deutschland, die journalistische Bedeutung von Internetblogs, die Schnittstellen zwischen elektronischen und traditionellen Medien oder die Rolle von Rostov als interkulturelle Stadt.

4) Mehr Lebensqualität für ältere Menschen in Gomel

Gemeinsam mit seiner langjährigen Partnerorganisation „Soziale Projekte“ in Gomel (Belarus) hat der DRA soeben ein neues Projekt begonnen, das die Lebensqualität von älteren Menschen, insbesondere NS-Opfern, in der Stadt und im Gebiet Gomel verbessern wird. Im Rahmen des von Evelyn Scheer betreuten zweijährigen Vorhabens „Ältere für Ältere“, das von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ finanziell unterstützt wird, besuchen ältere Ehrenamtliche und junge Freiwillige hilfsbedürftige ältere Menschen zu Hause. Sie unterstützen sie bei der Verrichtung alltäglicher Dinge, verbringen Zeit mit ihnen und kommen mit ihnen ins Gespräch. Die Initiierung von zwei Selbsthilfegruppen für ältere Menschen, Fortbildungsseminare für Mitarbeiter_innen der Territorialen Sozialzentren und für Ehrenamtliche, ein deutsch-belarussischer Fachkräfteaustausch und eine Wanderausstellung sind ebenso wichtige Bausteine des Projekts wie zwei Fachkonferenzen, auf denen mit Expert_innen und einer breiten Öffentlichkeit die Lage älterer Menschen in der Region Gomel thematisiert und diskutiert wird. Das Projekt reagiert damit auf deren schwierige Situation und dringenden Bedürfnisse und gibt angesichts der anstehenden drastischen demografischen Veränderungen einen Anstoß zum Umdenken.

5) Dokumentation der 13. Deutsch-Russischen Herbstgespräche

„Annäherung oder Entfremdung? Einfluss der Geschichtspolitik auf das Verhältnis EU-Russland“: So lautete das Thema der 13. Deutsch-Russischen Herbstgespräche, die der DRA, die Heinrich-Böll-Stiftung und die Evangelische Akademie Berlin am 21. und 22. November 2008 in Berlin veranstalteten. Die Referent_innen der Tagung, die aus Estland, Polen, Russland und Deutschland kamen, befassten sich mit divergierenden Erinnerungstraditionen in den Staaten Mittel- und Osteuropas und den daraus bis heute erwachsenden Konfliktpotentialen. Im Mittelpunkt standen die zentralen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts in Europa, darunter die totalitären Diktaturen und das Ende des Kalten Krieges. Diskutiert wurden auch das heute in Europa vorherrschende Bild von Russland und die in Russland zu beobachtenden Geschichts- und Eigenwahrnehmungen. Ein weiteres Thema waren die Möglichkeiten gesellschaftlicher Akteure wie NGOs, an internationaler Verständigung mitzuwirken und die Aufarbeitung von Geschichtserfahrungen zu fördern. Die Dokumentation, deren Redaktion die DRA-Projektleiterin Susanne Konschak übernahm, steht auf der Webseite vorläufig als russisch-deutscher Text bereit.

6) DRA lädt zur Teilnahme an Projekt zu Menschenrechtsbildung ein

Gemeinsam mit der Helsinkistiftung für Menschenrechte (Warschau, Polen) und den Vereinen Tsunami (Pionerskij, Kaliningrader Gebiet, Russland), Postup (Luhansk, Ukraine) und Viasna (Minsk, Belarus) beteiligt sich der Deutsch-Russische Austausch an einem neuen Projekt zur Bildung eines grenzüberschreitenden Netzwerks junger Multiplikator_innen im Bereich der Menschenrechtsarbeit. Die Projektpartner werden gemeinsam eine Sommerakademie für Menschenrechte vorbereiten, die vom 16. bis 25. August 2009 in Wielunia bei Warschau stattfinden wird und zu der junge Menschen aus Russland, Belarus, der Ukraine, Polen und Deutschland eingeladen sind. Der DRA hat die Möglichkeit, fünf Teilnehmer_innen zu entsenden. Informationen zu den Teilnahmebedingungen finden Sie demnächst auf der Seite des DRA. Interessent_innen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren mit Russischkenntnissen können sich schon jetzt vormerken lassen. Die Warschauer Helsinkistiftung, die die Gesamtkoordination des Projektes übernimmt, ist aus dem polnischen Helsinki-Komitee hervorgegangen, das BürgerrechtlerInnen 1982 gegründet hatten (siehe www.hfhrpol.waw.pl). Das Projekt wird durch die norwegische Regierung und das polnische Außenministerium gefördert.

7) DRA-Alumni trafen sich in Berlin

Mit einer Begegnung von rund 30 ehemaligen Freiwilligen und Mitarbeiter_innen des DRA hat der Verein seine Alumni-Aktivitäten wieder aufgenommen. In der Berliner Tagungsstätte „Alte Feuerwache“ diskutierten die Teilnehmer_innen des Treffens Möglichkeiten, enger miteinander in Kontakt zu bleiben sowie die Tätigkeit des DRA ehrenamtlich zu unterstützen und ihr bundesweit noch mehr Öffentlichkeit zu geben. Weitere Ehemalige sind herzlich willkommen! Das nächste Treffen für alle ist im Frühjahr 2010 geplant.

8) Drittes Vorbereitungsseminar im DRA-Schüleraustausch 2009

Vom 17.-19. Mai veranstaltete der DRA in Werftpfuhl bei Berlin ein Vorbereitungsseminar für sechs deutsche Schüler_innen, die im Herbst zu einem einmonatigen gemeinnützigen Praktikum nach St. Petersburg fahren möchten. Angesprochen wurden landeskundliche Aspekte und kulturelle Unterschiede zwischen Russland und Deutschland. Außerdem wurden die Schüler_innen von den OrganisatorInnen des Austauschprogramms, Susanne Konschak und André Rempel, intensiv auf das Leben in einer russischen Gastfamilie vorbereitet. Die Teilnehmer_innen kamen aus Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Das Schüler-Vorbereitungsseminar war bereits das dritte in diesem Jahr. Insgesamt vermittelt der DRA 2009 22 Schüler_innen zum Austausch nach Russland und betreut 25 russische Schüler_innen, die nach Deutschland kommen.

9) Publikationshinweis: „60 Jahre, 60 Köpfe“ von Andrea Gotzes

Unter dem Titel „60 Jahre, 60 Köpfe. Die Bundesrepublik Deutschland 1949 – 2009“ hat die Autorin, Übersetzerin und freie Mitarbeiterin des DRA Andrea Gotzes einen Überblick über die Geschichte des Landes vorgelegt. Dargestellt werden die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen in Politik und Wirtschaft, aber auch der kontinuierliche Wandel von Wertvorstellungen und Lebensgefühl und erinnerungswürdige Details aus Populärkultur und Sport. 60 Porträts prominenter Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Wirkungsbereichen – von Adenauer und Dutschke über Beuys und Bausch bis zu Meysel und Beckenbauer - sowie 150 Abbildungen ergänzen die Chronik (Sutton Verlag, Hardcover, 160 Seiten, 22 x 29 cm, 29,90 Euro, ISBN 978-3-86680-413-5).