DRA Newsletter Mai 2007


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) DRA bei Konsultationen der EU mit russischen Menschenrechtlern

Bei Konsultationen der EU mit VertreterInnen führender Organisationen der russischen Zivilgesellschaft am 2.5. im Auswärtigen Amt in Berlin, an denen auch der DRA und Amnesty International teilnahmen, zeichneten die Gesprächspartner aus Russland ein Besorgnis erregendes Bild. Einen Tag vor den offiziellen Gesprächen der EU mit der russischen Regierung zum Thema Menschenrechte schilderten sie die zunehmenden Beschränkungen von Versammlungs-, Vereinigungs- und Wahlrecht in ihrem Land. Nichtregierungsorganisationen würden zunehmend in einen kriminellen, terroristischen, antirussischen oder Geheimdienstkontext gestellt, und politischer Protest werde vor den Wahlen nicht geduldet. Zugleich wüchsen nationalistische Tendenzen und steige die Zahl rechtsradikaler Verbrechen. In Tschetschenien komme es mittlerweile weniger häufig zu Mord, Folter und Verschleppung, doch herrsche weiterhin Willkür – ausgeübt jetzt nicht mehr von den russischen Truppen, sondern vom Kadyrow-Klan. Notwendig sei eine Aufnahme der Menschenrechtsprinzipien in den neuen EU-Russland-Grundlagenvertrag. Auch solle die EU darauf dringen, dass Russland nach Verurteilungen durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nicht nur individuelle Entschädigungszahlungen leistet, sondern auch seine Rechtspraxis korrigiert. Umgekehrt habe jedoch die Versetzung des Soldatendenkmals in Tallinn unmittelbar vor dem Gedenktag am 9. Mai eine unnötige Provokation Russlands seitens des EU-Mitglieds Estland dargestellt. Die russischen Menschenrechtsorganisationen waren vertreten durch Swetlana Gannuschkina und Oleg Orlow (beide Memorial), Swetlana Alexejewa (Moskauer Helsinki-Gruppe), Jurij Dschibladse (Zentrum für die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten), Tatjana Lokschina (Institut Demos) sowie Alexander Verchowskij (Zentrum „Sowa“) und Alexej Simonow (Stiftung für die Verteidigung von Glasnost).

2) Konferenz zu EU-Russland-Beziehungen am 13.6. in Berlin

Eine internationale Konferenz zum Thema „Deutschlands Rolle in der zukünftigen Entwicklung der europäisch-russischen Beziehungen“ findet am 13.6. von 14-18.30 Uhr im Berliner Hotel Maritim statt. Podiumsteilnehmerin ist auch die Journalistin Barbara von Ow-Freytag, die dem Vorstand der Stiftung Deutsch-Russischer Austausch angehört. Weitere Redner sind unter anderem der Koordinator für die deutsch-russischen Beziehungen im Auswärtigen Amt, Andreas Schockenhoff, der tschechische Vizepremierminister Alexandr Vondra, der ehemalige Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Putin, Andrei Illarionov, die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag, Herta Däubler-Gmelin sowie die Leiterin des Politischen Stabes im Rat der EU, Helga Schmid. Diskutiert werden sollen die Chancen auf eine Werte- und Rechtsgemeinschaft in den beiderseitigen Beziehungen sowie der Einfluss der Energiewirtschaft und der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Veranstalter sind das EU-Russia-Centre und die Konrad-Adenauer-Stiftung.

3) Politische Bildung in der Ukraine: Publikationen und Empfehlungen

Zu einem weiteren zweimonatigen Aufenthalt ist der DRA-Experte im EU-Projekt „Civic Education“, Karlheinz Dürr, Anfang Mai in die Ukraine gereist. Vorbereitet werden mit seiner Hilfe unter anderem zwei Publikationen zur politischen Bildung – eine „Materialsammlung für Lehrer“ (Teacher´s Resource Manual), die an mehrere Tausend Pädagog_innen im Land verteilt werden soll, sowie ein „Handbuch für die Lehrerfortbildung“ für alle Lehrerbildungsinstitute der Ukraine und weitere Fachbibliotheken. Außerdem ist geplant, bis zum Projektende im März 2008 der Kiewer Regierung ein Strategiepapier mit Empfehlungen zur weiteren Ausgestaltung der politischen Bildungsarbeit inner- und außerhalb der Schulen vorzulegen. An dem EU-Projekt sind außer dem DRA die britische Organisation Cambridge Education, die ukrainische Stiftung „Step by Step“, das polnische „Zentrum für bürgerschaftliche Bildung“ und das ukrainische Ministerium für Bildung und Wissenschaft beteiligt.

4) Freiwilligenarbeit in Gomel kann beginnen

Feierlich wurde am 24.4. die unter Mitwirkung des DRA ins Leben gerufene Freiwilligenagentur im belarussischen Gomel eröffnet. Dazu waren Vertreter_innen zahlreicher Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie auch staatlicher Einrichtungen in die im Südosten des Landes gelegene Stadt angereist. Auf der Eröffnungsveranstaltung erhielten sie Informationen zu Bedeutung und Potenzialen der Freiwilligenarbeit sowie eine Einführung in die Wirkungsweise einer Freiwilligenagentur. Viele der Anwesenden ließen ihre Organisationen umgehend in die Datenbank der neuen Einrichtung eintragen. Belarussische NGOs suchen oftmals dringend nach weiteren Mitstreiter_innen und hoffen nun auf die Vermittlungstätigkeit der Agentur.

5) Leitfaden zum Thema „Spätaussiedler_innen und Ehrenamt“ erstellt

Unter dem Titel „Freiwillig aktiv!“ hat der DRA einen Leitfaden für Organisationen herausgegeben, die Spätaussiedler_innen für eine ehrenamtliche Mitwirkung gewinnen möchten. Die Veröffentlichung vermittelt zum einen grundlegende Kenntnisse der Arbeit mit Ehrenamtlichen, etwa zu Rechtsfragen und Qualitätsstandards. Zum anderen geht sie auf spezifische Aspekte der Freiwilligenarbeit mit Spätaussiedler_innen ein. So wird thematisiert, welche Formen der Ansprache bei dieser Zielgruppe am passendsten erscheinen, was sie typischerweise zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit motiviert oder davon abhält und anderes mehr. Erstellt wurde die von der Robert Bosch Stiftung in Auftrag gegebene Handreichung von Bettina Bofinger, der Leiterin der Deutsch-Russischen Ehrenamtsbörse des DRA.

6) Handbuch zum Berufseinstieg wird neu aufgelegt

Eine gründlich überarbeitete Neuauflage des „Deutsch-russischen Handbuchs zum Berufseinstieg“ erstellt der DRA derzeit in Zusammenarbeit mit der GTZ und mit Förderung des Bundesministeriums des Innern sowie der Robert Bosch Stiftung. Die zweisprachige Veröffentlichung wendet sich an junge SpätaussiedlerInnen und Russlanddeutsche sowie generell an Jugendliche und junge Erwachsene, die sowohl deutsche als auch russische Sprachkenntnisse haben. Mit Anregungen, Tipps und vor allem Adressen wird das Buch zu Möglichkeiten befristeter qualifizierender Aufenthalte in Deutschland oder Russland informieren (Schule/Studium, Betriebs- oder Sozialpraktika, internationale Austauschprogramme). Die 2001 erschienene erste Ausgabe war rasch vergriffen. Die neue Version wird als pdf-Dokument und zusätzlich als Datenbank auf der DRA-Website, auf den Internetseiten des Migrantenbeauftragten der Bundesregierung sowie auf dem vom Bundesministerium des Innern finanzierten Portal für Spätaussiedler ornis-press.de zugänglich sein. Die gedruckte Version (3.000 Exemplare) wird voraussichtlich ab Anfang September 2007 in Deutschland und Russland zielgerichtet verteilt werden und kann dann auch beim DRA gegen Versandkosten angefordert werden.

7) 2007 ist „Jahr der russischen Sprache“ – DRA beteiligt sich

Mehrere deutsch-russische Initiativen in Berlin haben eine Kooperation begonnen, um einen Beitrag zum derzeitigen „Jahr der russischen Sprache“ zu leisten und die Beschäftigung mit Russland und der russischen Sprache zu popularisieren. Der DRA bringt in diesen Kreis Erfahrungen aus seinem Schulprojekt „Vom anderen erfahren“ ein und gehört dem Organisationskomitee für die Abschlussveranstaltung an, die im November im Rahmen der Sprachenmesse „Expolingua“ stattfinden wird. Geplant sind mit Beteiligung u.a. der Russischen Botschaft, des Russischen Hauses der Wissenschaften und Kultur, des Deutsch-Russischen Forums und der Zeitung „Russkij Berlin“ außerdem ein Essay-Wettbewerb zum Thema „Russland in meinem Leben“, ein Infostand bei den Deutsch-Russischen Festtagen vom 8.-10.6. in Berlin-Karlshorst und weitere Aktivitäten. Das „Jahr der russischen Sprache“ wurde von der russischen Regierung Ende Dezember 2006 ausgerufen.

8) Petersburger Fotoausstellung zum Problem der Xenophobie

Anläßlich des Filmfestivals gegen Fremdenfeindlichkeit „Augen auf!“, das im März mit Beteiligung des DRA in Petersburg veranstaltet wurde, entstand auch die Ausstellung „Eigene Worte“ mit Arbeiten junger FotografInnen aus der Newastadt. Seit dem 15.5. ist sie in erweiterter Form im „Zentrum zur Entwicklung von Non-Profit-Organisationen“ am zentral gelegenen Ligowskij Prospekt zu sehen, in dem auch der DRA St. Petersburg seinen Sitz hat. Am Eröffnungstag wurden Kurzfilme gezeigt, die auf Zeichen von Xenophobie im Petersburger Stadtleben aufmerksam machen. Zudem fand am 22.5. eine Diskussion zum Problem der bewussten, oftmals staatlicherseits geförderten Schaffung von Feindklischees durch ausgrenzende „Anti-Bilder“ statt. Am 5.6. ziehen die Fotoarbeiten in die Ausstellungsräume des Stadtjournals „Chas Pik“ am Newskij Prospekt um.

9) Festival der sozialen Werbung in Uljanowsk

Ein Festival „Vinogradar“ für so genannte soziale Werbung hat das soziologische Zentrum „Region“ der Universität Uljanowsk (Wolgagebiet) Ende April organisiert. Der Name - übersetzt „Winzerstadt“ - war Programm: Die Beteiligten, zu denen auch Astrid Schorn vom DRA St. Petersburg gehörte, betätigten sich als „Winzer“, indem sie der sozialen Werbung, dem Aufmerksammachen auf soziale Anliegen und Bedürfnisse, fördernde Impulse gaben. Wissenschaftler_innen, Designer_innen, Studierende und Schüler_innen aus der Wolga-Region von Nischnij Nowgorod bis Orenburg hatten dazu über 250 Entwürfe eingereicht. Zum Programm gehörten ein öffentlicher Umzug vom Uljanowsker Leninplatz aus, das Rezitieren von Slogans der sozialen Werbung vom Balkon des benachbarten Puppentheaters herab sowie Seminare, Filmvorführungen und eine Ausstellung der eingesandten Exponate.