DRA Newsletter März - April 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

vorgestern erreichte uns die Nachricht, dass die russische Führung das Netzwerk von Menschenrechtlern „Unabhängige Krim-Feldmission für Menschenrechte“ zur „unerwünschten ausländischen Organisation“ erklären will. Der Vorgang sollte bemerkt werden und das Netzwerk jegliche Unterstützung erhalten. Denn hier zeigt sich die repressive und reflexhafte Politik in Moskau wie unter dem Brennglas: Das Netzwerk ist kein „ausländisches“, geleitet wird es vom renommierten Aktivisten Andrey Yurov aus Moskau/Voronesh, der dem Präsidentenrat für Menschenrechte angehört, in der Initiative haben sich Kolleg_innen aus Russland, Belarus und der Ukraine gleich nach der Annexion der Halbinsel vereint, um zu beobachten und zu berichten, ob und wie die Besatzung vor Ort die Rechte der Bevölkerung verletzt. Dies geschieht tatsächlich laufend, so wurde vergangene Woche die Arbeit der Volksvertretung der Krimtataren – der Medschlis – kurzerhand untersagt. Da die Führung in Moskau die Annexion aber auf jeden Fall national und international durchsetzen will – und aus ihrer Logik „muss“ –, sind ihr Initiativen wie die „Feldmission“ zuwider. Hier sind nächste Verfolgungen leider bald zu erwarten.

Ansonsten berichten wir in unserem Frühlingsnewsletter vor allem über Erfolgsgeschichten: Das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) setzt sich bereits fünf Jahre für den europäischen Dialog mit Russland ein. Stipendiatinnen des Dönhoffprogramms schließen begeistert ihr halbes Jahr in Berliner NGOs ab. Ein Jugendprojekt hat Vorurteile gegenüber Minderheiten abgebaut, Schüler_innen aus Russland kommen weiter gerne nach Deutschland und suchen Gasteltern. Und vieles mehr! Gleichzeitig gibt es viel Mitmachpotenzial: Die Bewerbungsfristen für das Dialogprojekt EuropeLab, das Freiwilligenprogramm für junge Menschen aus Osteuropa, sowie Jobs beim DRA sind offen. Im Kommentar werfen wir einen kritischen Blick auf Europa und fragen uns, was uns Menschenrechte und Glaubwürdigkeit noch wert sind – angesichts unseres Umgangs mit Hilfesuchenden auf der einen und korrupten, demokratiefeindlichen Regierungen auf der anderen Seite.

Viel Anregung und Vergnügen bei der Lektüre!

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

PS: Wie immer freuen wir uns, wenn Sie unsere Arbeit unterstützen. Denn ohne Ihre Unterstützung wäre unser Einsatz für Demokratie, Dialog und Austausch nicht möglich!

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Inhalt

Kommentar: Wenn Menschenrechte an Ländergrenzen enden und wir an Glaubwürdigkeit verlieren

Viele Regierungen in Europa haben in den letzten Wochen eilfertig neue Grenzen errichtet, ohne größere Rücksicht auf Nachbarn und ohne den zentralen Wert zu reflektieren, den die Freizügigkeit, insbesondere in der Schengen-Zone, für die Menschen und das europäische Selbstverständnis bedeutet. Nachdem die deutsche Regierung im Herbst vielen Tausend Menschen, die vor Terror, Krieg und perspektivloser Armut fliehen, die humanitäre Chance auf Einreise, physischen Schutz und ggf. Asyl ermöglichte, hat sie nun als Hauptinitiatorin des EU-Türkei-Pakts das Grundrecht auf Asyl schwer beschädigt. Und getrieben von dem taktischen Versuch, die eigene Gesellschaft vor behaupteter oder tatsächlicher Überforderung zu schützen, endet ihr Interesse an den Menschenrechten nun auch in Idomeni am Stacheldraht der europäischen Außengrenzen.

All diese Handlungen werfen die Frage auf: Wie glaubwürdig sind wir, und was bedeutet uns Glaubwürdigkeit noch? Diese Debatte muss jetzt dringend beginnen. Sie darf nicht blind sein gegenüber Sicherheitserfordernissen auf dem Kontinent und muss doch die Prämisse der Grundfreiheiten garantieren und ungehinderte Bewegung so weit wie möglich bewahren.  

Auch gegenüber der Regierung der Türkei wirkt das Interesse an den Menschenrechten nur noch deklarativ, denn dort können nicht nur zwangsweise zurückgebrachte Flüchtlinge kaum auf einen Rechtsstaat hoffen – auch die kritischen Stimmen im Lande selbst werden verfolgt. Das Gleiche gilt im Verhältnis der EU zum belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, der sich als Gastgeber der Minsk-Verhandlungen um die Beendigung des Krieges in der Ukraine in Szene setzt und dessen Mittäter nun von den Sanktionen befreit wurden, ohne dass es im Lande relevante Verbesserungen der Grundrechtelage gäbe.

Je mehr sich die Eliten und Gesellschaften in der EU mit solchen Schritten selbst in Frage stellen, desto weniger werden sie überzeugende Antworten auf die Destabilisierung finden, die in der EU fortschreitet und die heute in Vielem von innen heraus kommt, aber auch von außen – etwa über diverse Einflussinstrumente der russischen Führung. Bei einer solchen Unsicherheit in der eigenen Position werden auch die deutlichsten Warnsignale, wie etwa die Enthüllungen aus den Panama Papers, ohne Folgen für die praktische Politik bleiben. Diese Dokumente haben auch westeuropäische Politiker und Institutionen entblößt – doch die Verquickung von politischer Führung und Korruption in Russland zeigte auch in ihnen wieder ein Ausmaß, das den Staat letztlich reformunfähig und gefährlich macht.

Umso wichtiger bleibt die öffentliche, nicht zuletzt zivilgesellschaftliche Aufklärung von unten. Sie kann und soll dazu beitragen, das Funktionieren und die Glaubwürdigkeit der demokratischen Institutionen wieder zu sichern und zu stärken. Dafür setzen sich der DRA und seine Partner in Osteuropa seit Jahren ein.

1) Glückwunsch an das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum zum 5-jährigen Jubiläum – Erfolgsgeschichte in schwieriger Zeit

Vor fünf Jahren, vom 27.-29. März 2011, fand in Prag die Gründungskonferenz des EU-Russia-Civil Society Forum (CSF) statt. 57 NGOs und Bürgerinitiativen hatten nach teilweise hitziger Diskussion die Dokumente unterschrieben. Die Idee zu dem Forum war Ende 2009 von einer Arbeitsgruppe im DRA mit Beteiligung des Europäischen Austauschs ausgegangen, als einer von mehreren Vorschlägen, wie die liberalere Präsidentschaft von Dmitrij Medvedev für eine Stärkung der Kooperation der Zivilgesellschaften und Besserung der EU-Russland-Beziehungen genutzt werden sollte. Der Aufruf wurde im August 2010 von 17 Organisationen aus 7 Ländern offiziell publiziert, im November 2010 in Berlin von 35 NGOs aus Russland und der EU genauer debattiert. Es ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte daraus erwachsen, für heute bereits 158 NGOs – ein selbst organisiertes interdisziplinäres und cross-sektorales Netzwerk, das die Kooperation von NGOs aus der EU und Russlands erweitert. Eine Plattform, die Anliegen für die russische Gesellschaft und die Gesellschaften der EU entwickelt und hörbar gegen die Gefährdungen der Demokratie und zivilgesellschaftlicher Akteure auftritt. Die im besten Sinne europäische Projekte etabliert wie das Forum „EuropeLab“ für junge Fachleute (s.u.), das Programm „Rechtsdialog“, die AG Visafragen, die Aufklärung von grenzüberschreitender Korruption oder die Ausstellung zur Wahrnehmung des Zweiten Weltkriegs in den Schulbüchern verschiedener europäischer Länder (s.u.). Seit Ende 2013 und noch bis 2018 werden das Sekretariat und die Projektarbeit des Forums vom DRA betreut. Den ausführlichen Text über das Jubiläum des CSF gibt es hier.

2) Bewerben bis 1. Mai: Forum für junge Fachkräfte „Europe Lab“ in Kroatien

Das EU-Russia Civil Society Forum (CSF) lädt junge Fachkräfte im Alter von 25-35 aus der EU, Russland und anderen europäischen Staaten ein, sich für das diesjährige „Europe Lab“-Forum vom 21.-24. Juli 2016 in Kroatien zu bewerben. Europe Lab ist eine einzigartige Kommunikations- und Austauschplattform für junge Weltveränderer aus ganz Europa, die in der öffentlichen Verwaltung, Wirtschaft, in NGOs, Universitäten, Think Tanks und anderen Bereichen bereits beruflich tätig sind. „Europe Lab“ will eine sektorübergreifende Kooperation ermöglichen, den Ideen- und Meinungsaustausch vorantreiben, Partner-Netzwerke aufbauen und gemeinsame Projekte junger Fachkräfte in Europa fördern. In vier Workshops zu den Themen Aussöhnung nach den Kriegen ab 1989, gelenkte Medien, Umgang mit Geflüchteten, sowie Soziales Unternehmertum werden die Teilnehmer_innen auch dieses Mal eigene Projektideen entwickeln. Die besten der in den Workshops erarbeiteten Mikroprojekte werden finanziell unterstützt und erhalten eine professionelle Beratung durch die Koordinatoren bzw. Moderatoren der Workshops sowie anerkannte Expert_innen auf dem jeweiligen Gebiet. Die Kosten für die Workshops, Unterkunft und Verpflegung übernehmen die Organisatoren, die Reisekosten tragen die Teilnehmer_innen selbst. Die ausführliche Ausschreibung sowie Bewerbungsformular gibt es hier auf der Website des CSF. Fragen können vorab an europelab@eu-russia-csf.org gestellt werden. Bewerbungsfrist ist der 1. Mai 2016.

3) Ausstellung über verschiedene Sichtweisen auf den 2. Weltkrieg in Moskau eröffnet – russisches Fernsehen missbraucht sie für weitere Attacke gegen Memorial

Am 21. März eröffnete in Moskau die Ausstellung „Different Wars" des EU-Russia-Civil Society Forums (CSF), deren russische Fassung in Kooperation mit Memorial entstanden ist. Rund 100 Interessenten kamen, darunter der Vorsitzende des Menschenrechtsrats beim russischen Präsidenten, Michail Fedotov, der EU-Botschafter Vygaudas Ušackas, der Gesandte der Deutschen Botschaft, Hubert Knirsch, und zahlreiche Medien. Zwei Jahre lang hatte die CSF-Arbeitsgruppe „Geschichtliche Erinnerung und Bildung“, initiiert und koordiniert von Kristina Smolijaninovaite, untersucht, wie Schulbücher verschiedener Länder Europas den II. Weltkrieg darstellen und die in jeder Gesellschaft vorherrschenden und oft auch offiziell gewordenen Narrative spiegeln – „ein gigantisches Vorhaben“, wie Arsenij Roginskij, Vorsitzender von Memorial International, bei der Eröffnung sagte. Gigantisch, schwierig, heikel, aber unumgänglich. So berichtete Botschafter Ušackas, wie in seinem litauischen Herkunftsort erst nach Jahrzehnten der Fakt Eingang in die Erinnerung fand, dass auch dort – und von Einheimischen – Juden ermordet worden waren. Michail Fedotov betonte, dass diese verschiedenen Sichtweisen eben doch ein- und denselben Krieg beschrieben – und es zugleich wichtig bleibe, Geschichte auch anhand von Schritten der Zivilisierung, der Kultur- und Wissensentfaltung zu beschreiben. Die Ausstellung zeige auch die persönliche Verantwortung eines jeden in seiner Gesellschaft und vor der Geschichte, sagte die CSF-Direktorin Anna Sevortian. Vorerst wurden Lehrbücher aus sechs Ländern erkundet: Russland, Italien, Deutschland, Polen, Tschechien, Litauen, durch Autor_innen und Expert_innen aus den jeweiligen Ländern. Die Ausstellung ist noch bis 30. April von Mo-Fr, 11-19 Uhr, bei Memorial am Karetnyj Rjad 5-10 zu sehen. Sie soll anschließend in mehreren russischen Städten sowie in Strasbourg, Brüssel und weiteren Städten in der EU gezeigt werden. Das russische Staatsfernsehen Rossija24 nutzte die Ausstellungseröffnung für eine gezielte Attacke gegen Memorial und behauptete schon eine halbe Stunde nach Beginn in einem 10-minütigen vorbereiteten Beitrag, Ziel der Ausstellung sei ein „Umschreiben der Geschichte“ und die „Ablehnung des Großen Vaterländischen Krieges“ (siehe Link ab Min 50:10, Facebook). Die ausführliche Meldung finden Sie hier.

4) Einladung zur DRA-Veranstaltung „Rohstoffimport aus Russland – Welche Rolle spielen Umwelt- und Bürgerrechtsstandards?“ am 26. April 2016, 18:30 Uhr

Der DRA und das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation (RNEI) laden herzlich zur Diskussionsveranstaltung „Rohstoffimport aus Russland – Welche Rolle spielen Umwelt- und Bürgerrechtsstandards?“ am 26. April in der Heinrich-Böll-Stiftung (Schumannstr. 8, 10117 Berlin) ein. Im Rahmen der Veranstaltung wird auch die neue DRA/RNEI-Publikation „Rohstoffgewinnung“  präsentiert. Für Deutschland ist Russland seit vielen Jahren ein wichtiger Partner beim Import von Rohstoffen von Gas bis Aluminium. Die Konflikte, die oft mit der Förderung dieser Rohstoffe verbunden sind, bleiben in Deutschland meist unsichtbar: Umweltschäden, Enteignung und Vertreibung von Anwohnern, Zerstörung der traditionellen Lebens- und Wirtschaftsräume indigener Völker sowie intransparente Genehmigungsverfahren rufen in vielen Regionen Russlands Empörung und Proteste hervor. Auf der Veranstaltung möchten wir mit Vertreter_innen aus der russischen und deutschen Zivilgesellschaft sowie Wirtschaft über die Situation bei der Rohstoff-Förderung sprechen: Können die engen deutsch-russischen Handelsbeziehungen dazu genutzt werden, um auf die Einhaltung von Umwelt- und Bürgerrechten in Russland zu drängen? Unter der Moderation des Journalisten Nick Reimer diskutieren u.a. Vladislav Tannagashev (lokale Organisation „Wiederbelebung von Kazas und des Schorischen Volkes“), Konstantin Rubakhin (Journalist und Umweltaktivist) und Michael Reckordt (PowerShift e.V.) über kritische Förderprojekte in Russland und deren Kontext in den Handelsbeziehungen zu Deutschland. Die Veranstaltung findet mit Unterstützung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Um eine kurze Anmeldung bis 17.4.2016 wird gebeten: judith.kiss@austausch.org. Mehr Informationen zur Veranstaltung finden Sie bei DRA Online.

5) Treffen für alle interessierten Berliner Träger der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau am 28. April, Berlin

2016 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Moskau 25 Jahre. Um der zuletzt von diversen Hürden erschwerten Partnerschaft im Jubiläumsjahr einen neuen Impuls zu geben, laden der DRA und der Referent des Regierenden Bürgermeisters von Berlin für die Arbeit mit Russland, Olaf Kühl, am 28. April 2016 zu einem Treffen von 10.00 - 16.00 Uhr in das Rote Rathaus ein. Die Zusammenkunft dient der Vernetzung von interessierten Akteuren, dem informellen Erfahrungsaustausch und der Erörterung zukünftiger Pläne und Ideen für die Arbeit mit Moskauer Partnern. Diskutiert und abgestimmt werden u.a. mögliche Themenschwerpunkte und Formate, um nachhaltige Beziehungen zwischen den Berliner und Moskauer Akteuren aufbauen zu können. Eingeladen sind Interessenten u.a. aus der freien Trägerschaft von Sozialem bis Kultur in Berlin, aus Verwaltung, Jugendarbeit, regionaler Wirtschaft und weiteren Bereichen. Eine ähnliche Initiative ist auf Moskauer Seite vorgesehen und soll im Herbst zu einer Begegnung von Vertreter_innen beider Städte führen. Aufgrund der begrenzten Zahl an Plätzen bitten wir um eine Interessenbekundung bis 24. April per Onlineformular. Fragen beantwortet Roman Elsner (Mail: roman.elsner@austausch.org, Tel.: 030 44 66 80 25). Ort des Treffens: Rotes Rathaus (Jüdenstraße 1, 10178 Berlin), Raum 219, Zeit: 10.00 - 16.00 Uhr.

6) Dönhoff Stipendien-Programm für junge Menschen aus Russland, Ukraine, Belarus und dem Baltikum startet in neuem Format / Aktuelle Bewerbungsfrist: 10. Mai 2016

„Mein Leben hat sich völlig verändert“ berichtet Ekaterina Smirnova aus Kaliningrad von ihrer Zeit bei der Berliner Aids-Hilfe. Die zunächst große Herausforderung hätte sie enorm wachsen lassen. Die Journalistin ist eine der drei aktuellen Teilnehmerinnen des Stipendienprogramms der Marion Gräfin Dönhoff-Stiftung, das der DRA (Elena Stein) koordiniert. Das Stipendium ermöglicht engagierten jungen Menschen aus dem Baltikum, Russland, Ukraine und Belarus, ein mehrmonatiges Praktikum in Berliner NGOs zu absolvieren. Dieses Mal waren drei junge Frauen sechs Monate in Berlin unterwegs und sammelten dabei viele wertvolle Erfahrungen für ihre persönliche Laufbahn. Jeden Freitag stand außerdem ein Bildungsausflug zu Geschichte und Kultur auf dem Programm. „Mich hat besonders das Vertrauen bewegt, mit dem ich vieles selbstverantwortlich umsetzen konnte. Ich durfte sogar ein eigenes Projekt vorbereiten“, resümiert Alexandra Markianova aus Riga, die beim DRA in der politischen Jugendarbeit tätig war. Auch Zoia Zolovieva aus St. Petersburg schätzt ihre Erlebnisse: „Es war spannend, Berlin mit allen gesellschaftlichen Entwicklungen hautnah zu erleben, vor allem den Umgang mit der Flüchtlingsfrage.“ Denn: neben Praktikum und Kulturprogramm haben die Stipendiatinnen ein gemeinsames Projekt zu einem aktuell wichtigen Thema in Deutschland durchgeführt, der Flüchtlingspolitik. Im Fokus stand auch hier die Zivilgesellschaft. Als Ergebnis entstand eine Broschüre, die einen Überblick über Bürgerinitiativen gibt, die sich in Berlin und Umland sich auf die Inklusion von Geflüchteten spezialisiert haben, und stellt einige ausgewählte in einem Kurzporträt und Interviews zu den Beweggründen vor. Die Broschüre wird in Kürze auf der DRA-Website kostenlos zum Download bereitstehen.

Jetzt bewerben! Frist für das nächste Programm bereits am 10. Mai 2016

Auch 2016 wird das Programm dank der Unterstützung der Marion-Dönhoff-Stiftung fortgesetzt. Bereits jetzt geht es in die nächste Bewerbungsrunde für Herbst 2016. Allerdings wird die Dauer des Aufenthalts künftig drei statt sechs Monate betragen. Die Bewerber_innen können sich daher künftig für den Zeitraum September bis November oder Dezember bis Februar entscheiden. Auch wird es einen Themenschwerpunkt geben: Umwelt/Ökologie. Alle Informationen und Bewerbungsformulare sind auf der DRA-Website verfügbar. Bewerbungsschluss ist der 10. Mai 2016. Ansprechpartnerin für alle Fragen ist Elena Stein (elena.stein@austausch.org).

7) Bauen Sie mit uns Brücken in schwierigen Zeiten: Der DRA sucht deutschlandweit Gastfamilien für Austauschschüler_innen aus Russland

Zum festen Programm des DRA gehört seit vielen Jahren der Schüleraustausch aus und nach Russland. Zurzeit sind Schulaufenthalte in Sankt Petersburg, Moskau, Petrosawodsk und Krasnojarsk möglich. Gleichzeitig helfen wir jedes Jahr Austauschschüler_innen aus Russland nach Deutschland zu kommen. Die Jugendlichen möchten in der Regel ein bis drei Monate eine Schule in Deutschland besuchen, manchmal auch ein Praktikum absolvieren, die deutsche Kultur und Sprache lernen und deshalb am liebsten in einer Gastfamilie wohnen. Nur dort erhalten sie einen authentischen Einblick in den Alltag in einer deutschen Familie und können ihre Sprachkenntnisse abseits der Schule anwenden! Die Schüler_innen sind kulturell neugierig und weltoffen und damit eine Bereicherung für die aufnehmende Familie. Auch dieses Jahr suchen wir Familien, die ihr Zuhause für eine Schülerin oder einen Schüler aus einer anderen Kultur öffnen möchten. Detaillierte Informationen finden Sie auf der Website des DRA. Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um das Schüleraustauschprogramm ist Olga Mityshenkova (Tel. 030 4466 80 28, E-Mail: schueler@austausch.org).

8) Videoclip und Bericht zu den 20. Herbstgesprächen online – die Rückkehr zum Konsens in Europa braucht jahrelange Arbeit

Ein Tagungsbericht und ein sechsminütiger Videofilm zum Verlauf der Debatten sowie eine Fotogalerie erlauben jetzt im Internet einen Rückblick auf die 20. Deutsch-Russischen Herbstgespräche im November 2015. Mit dem Thema „Wieder unerwünscht? – Europa in der Zerreißprobe“ hatten der DRA und sein Kooperationspartner, die Evangelische Akademie zu Berlin, in der Jubiläumskonferenz die grundsätzlichen Streitfragen zusammengeführt, die den Kontinent nach der Annexion der Krim und den Kämpfen in der Ostukraine, nach der „Grexit“-Krise, der Flüchtlings- und Integrationsdebatte und angesichts neonationaler und -autoritärer Tendenzen belasten und spalten. Die namhaften Expert_innen aus Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur und Medien in Russland, Deutschland, Polen, Ungarn und Frankreich hatten auf der Tagung ein zerklüftetes Bild der Lage gezeichnet, in dem „Enttäuschung“, „Vertrauensverlust“ bzw. „Misstrauen“ zentrale Vokabeln waren. Doch stand der Anspruch auf Herstellung von neuem Vertrauen immer wieder im Widerspruch dazu, dass es dafür praktischer Schritte der Politik bedarf, die diese nicht leistet – sei es die Freigabe okkupierter Gebiete in der Ukraine, eine überzeugende Lösung für die Frage nach Einsatz oder Nichteinsatz gegen autoritäre Regime wie in Irak, Libyen, Syrien, eine nachhaltige, innovative, solidarische Wirtschaft in der EU, die Wahrung der Sicherheit und der Schutz vor Terror. Für die Rückkehr zu einem Konsens braucht es dafür noch jahrelange Arbeit – und selbst die Ausarbeitung der Wege dorthin steht noch bevor. Der DRA bedankt sich herzlich bei Polina Baigarova (Gesamtkoordination der Konferenz), bei Maria Ugoljew (Redaktion Bericht /Video) und Evy Schubert (Foto/Filmschnitt) sowie bei den Förderern Heinrich-Böll-Stiftung, ZEIT-Stiftung und der Bundeszentrale für Politische Bildung.

9) Hinschauen, Nachfragen, Verstehen – Jugendprojekt zu Antiziganismus von Memorial Deutschland, Deti Peterburga und DRA abgeschlossen

In Deutschland ist die politisch korrekte Bezeichnung für sie „Sinti und Roma“, in Russland „Zigeuner“ – wer sind sie, wo kommen sie her, und wann werden sie wie, worin und warum diskriminiert? Das deutsch-russische Jugendaustauschprojekt „Vorurteile ins Abseits“ zu Antiziganismus in beiden Ländern, initiiert von Marit Cremer (MEMORIAL Deutschland) gemeinsam mit Deti Peterburga und unterstützt vom DRA, ging diesen Fragen bei zwei einwöchigen Seminaren in Berlin und St. Petersburg nach. Das Programm enthielt viele Aspekte: Die Jugendlichen sprachen mit der Berliner Grünen-Politikerin Susanna Kahlefeld über Strukturen der Diskriminierung zugewanderter Rroma in Berlin. Sie informierten sich bei einer Podiumsdiskussion in der Humboldt-Universität über die Situation der Rroma in der Ostukraine, erfuhren in der Gedenkstätte Sachsenhausen von der Verfolgung der Sinti während der NS-Zeit, sprachen mit russischen Stipendiaten des Roma Education Fund über deren Leben und Erfahrung mit Benachteiligung. Sie sahen Dokumentarfilme zu den Tabors, den sog. „Zigeunersiedlungen“, in Nordwestrussland, erfuhren von staatlichen Übergriffen auf diese Siedlungen, hörten von der jahrhundertelangen Wanderungsbewegung der Rroma aus Indien über Spanien und dem Balkan bis nach Russland... und verstanden am Ende des Seminars, dass es zahlreiche Gruppen und Untergruppen von Rroma gibt, von denen manche sich ähneln, aber andere völlig eigenständig in Sprache, Herkunft und Kultur sind. Sie begriffen, dass Antiziganismus in beiden Ländern sehr unterschiedliche Hintergründe und Ausprägungen hat und dass – wie so oft im Leben – alles weit komplexer und vielschichtiger ist als zunächst gedacht. Mehr Informationen über die Begegnung in Berlin von Radio Alte Feuerwache hier und hier. Die Organisatoren danken der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) für die finanzielle Förderung des Projekts!

10) Planspiele, Recycling und kritische Comic-Kunst: DRA St. Petersburg bei der 13. Deutschen Woche ab Donnerstag

Unter dem Motto „Transparenz - Dialog - Verantwortung“ findet vom 14. bis 21. April 2016 die 13. Deutsche Woche in St. Petersburg statt. Auch in diesem Jahr wird deutlich, wie vielfältig die deutsch-russischen Kooperationen in verschiedenen Bereichen von Wirtschaft, Kultur bis Gesellschaftpolitik sind. Der DRA St. Petersburg ist seit vielen Jahren als Partner engagiert und bringt sich auch 2016 wieder mit vier Veranstaltungen zu den Themen Jugendaustausch, Antidiskriminierung, Bildungsarbeit und Umweltschutz in seinem Konferenzsaal ein. Los ging es am 15. April mit dem Diskussionsabend „Internationale Jugendaustauschprogramme - Möglichkeiten und Perspektiven“. Dort konnten sich die Teilnehmenden über unterschiedliche Formen von Jugendaustausch informieren, mit Vertreter_innen der Petersburger Organisationen aktuelle Entwicklungen der Austauschprogramme diskutieren und eigene Projektideen entwickeln. Am 16. April zeigte die deutsche Zeichnerin Olivia Vieweg in einem Workshop für Jugendliche, wie mit Kunst Antidiskriminierungsarbeit geleistet werden kann. Für Bildungsfachkräfte gab es am 17. April ein Seminar zu pädagogischen Planspielen und Antworten auf die Fragen: Welche Vorteile haben diese im Vergleich zu anderen Bildungsmethoden? Wie kann man selbst ein Planspiel entwickeln und durchführen? Bei einer zweiten Diskussionsveranstaltung am 18. April mit dem Titel „Gesellschaft, Macht und Geschäft auf dem Weg zur selektiven Mülltrennung“ stand schließlich der Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und russischen Aktivist_innen im Fokus. Das ausführliche Programm ist auf www.deutsche-woche.ru zu finden.

11) Stellenausschreibungen: Projektassistenz (20Std.)/Redaktionsassistenz (Honorarbasis)

Ab 1.6.: Projektassistenz im Umwelt-/Klimabereich des DRA (20Std.)
Der DRA sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens zum 1. Juni 2016, Verstärkung für den Umwelt- und Klimabereich in Teilzeit (20h/Woche). Anforderungen sind u.a. gute Kenntnisse zu Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes in Deutschland und Osteuropa, gute Russisch- und Englischkenntnisse sowie Erfahrung in der Projektarbeit. Bewerbungsfrist ist der 1. Mai. 2016. Die detaillierte Ausschreibung finden Sie hier


EU-Russia-CSF sucht Redaktionsassistent/in auf Honorarbasis für Entwicklung eines Online-Journals zur Rechtsfragen
Das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) sucht kurzfristig eine/n motivierte/n Redakteur/in auf Tagesbasis mit Erfahrung zur Unterstützung bei der Entwicklung und Herausgabe eines Online-Journals zu Rechtsfragen im Kontext zivilgesellschaftlicher Anliegen im Raum EU-Russland. Das Journal soll vierteljährlich auf Englisch und Russisch erscheinen und ist Teil des CSF-Programms „EU-Russia Legal Dialogue“ (LD) unter Leitung von Polina Baigarova. Es soll dazu beitragen, die Ansätze und Bedeutung von Rechtsrahmen auf nationaler und multilateraler Ebene zu analysieren, auf relevante Entwicklungen in der Gesetzgebung und juristischen Praxis zu reagieren, best-practice-Modelle aus der NGO-Arbeit zu verbreiten und Expertendiskurse und Veranstaltungsangebote in den Ländern der EU und Russland zu begleiten. Einen Ausgangspunkt bildet die LD-Publikation „Voices from Civil Society”. Die Zusammenarbeit soll möglichst bereits Anfang Mai beginnen und ist zunächst bis zum Jahresende befristet. Weitere Informationen siehe hier. Bewerbungen bitte bis 24. April an legal.dialogue@eu-russia-csf.org.