Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,
hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)
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Den Dialog zwischen Russland und Deutschland bzw. der Europäischen Union fortzuführen, ist in diesen Wochen eine oft geäußerte, gut begründete Erwartung und Empfehlung. Sie ist selbstverständlich für eine NGO wie den Deutsch-Russischen Austausch, deren ständiges Engagement und tägliche Arbeit es ist, Menschen beider Länder durch fachliche wie persönliche Verbindungen einander anzunähern. Doch diese Erwartung und Empfehlung entgleitet auch oft. Sie wird zu bloß wohlfeilem und gar unverantwortlichem Reden, wenn die Ratgeber nicht auch darauf bestehen, dass Grundregeln des demokratischen Dialoges eingehalten werden.
Dazu gehört u.a.: Er darf nicht die Rechte Dritter beschädigen. Er muss frei geführt werden, die Begegnung muss auch Unterschiede aushalten und benennen können. Und er muss, gerade wenn er auch gesellschaftsübergreifend sein will, all die diversen Kräfte gleichberechtigt zusammenführen, die sich mit den diskutierten Themen beschäftigen.
Der Petersburger Dialog (PD), obwohl er den Anspruch im Namen trägt, hat dies kaum erfüllt, weil es in seinen Lenkungsausschüssen auf deutscher wie russischer Seite an Verständnis für diese Art von Dialog fehlt. Vorige Woche haben nun die deutschen Mitglieder PD erneut getagt. Leider zeigt sich, dass der Kreis auch nach der vorläufigen Aussetzung des PD 2014 nicht zu substantiellen Reformen bereit ist. Zwar soll die Mitgliedschaft von 25 auf 49 erweitert werden (bislang war sie identisch mit der des entscheidenden Lenkungsausschusses). Zugleich beharren die aktuell Beteiligten auf ihren Sitzen. Die zivilgesellschaftlichen Organisationen werden schon jetzt auf enge Grenzen ihrer Beteiligung verwiesen. So warnte Ernst-Jörg Studnitz, langjähriger Mitgestalter des PD und Botschafter a.D., in der Süddeutschen Zeitung, er „fürchte, dass die NGOs es schwer haben werden, die wenigen Plätze, die es für sie geben wird, untereinander aufzuteilen“.
Der PD plant in seiner erneuerten Satzung zudem die institutionelle Bindung an einen zunehmend umstrittenen Akteur zu erhalten – das Deutsch-Russische Forum, dessen Vertreter auch schon mit der Forderung nach einer Akzeptanz der Krim-Annexion, der Selbstanzeige russischer Menschenrechtsorganisationen als „ausländische Agenten“ und der Absage an die Debatte kontroverser Themen beim PD aufgetreten sind.
Es ist zu wünschen, dass der designierte neue Vorsitzende des Petersburger Dialogs, Ronald Pofalla, trotz dieser Signale die dringend notwendige Öffnung des PD verwirklichen kann – die Standards einer pluralistischen Gesellschaft zu etablieren. Dass er diese Aufgabe in Einklang bringen muss mit seiner Rolle als Generalbevollmächtigter der Deutschen Bahn für politische und internationale Beziehungen, macht es nicht einfacher.
Andernfalls wird es im PD weitergehen wie bisher: Der PD suchte vor allem eine „Verständigung mit Russland“, die explizit auf dessen Führungszirkel gerichtet war. Eine „Verständigung“, die nur zu erlangen war durch die Tabuisierung der Rechtsbrüche und autoritären Praxis dieser Führung. Der PD schwieg daher auch zu den Themen, die leider heute das Handeln der russischen Führung mit prägen: dass russische unabhängige NGOs verfolgt werden (s.u.), dass Waffengewalt in der Ukraine aus Russland gesteuert, propagandistisch und militärisch befeuert wurde. Es ist jetzt der rechte Zeitpunkt, um die notwendige Basis für die Herstellung eines pluralistischen Dialoges beim Petersburger Dialog zu schaffen.
Der DRA lädt herzlich zu seiner 1. Mitgliederversammlung (MV) 2015 ein. Das Treffen findet am Samstag, den 25. April 2015 von 14:30 bis 18:00 Uhr im DRA-Büro in der Badstr. 44, 13357 Berlin statt. Es ist öffentlich, Gäste sind willkommen. Nach der Besprechung der Jahresberichte 2014 und der Vorstandswahl möchten wir offene Gespräche zu den deutsch-russischen Beziehungen nach dem konfliktreichen Jahr 2014 und zur Lage des DRA St. Petersburg führen: Hat der DRA angemessen auf die Geschehnisse in Russland und in der Ukraine reagiert? Hat er sein Potential zu Information, Differenzierung und neuen Initiativen genutzt? Welche Entwicklungen sind 2015 zu erwarten, welche Aktivitäten und Partnerschaften sind jetzt prioritär? Wie sollte der DRA öffentlich auftreten – und wie nicht? Was können wir zur Unterstützung unserer russischen Partnerorganisation DRA St. Petersburg (NRO) tun, die derzeit von den Behörden vor Ort überprüft wird und vermutlich bald von der Zwangsregistrierung als angeblicher „ausländischer Agent“ und von Strafen betroffen sein wird? Als Gäste sind Vorstandsmitglieder des DRA St. Petersburg anwesend. Im Anschluss gibt es ein freundschaftliches Beisammensein bei russischem Buffet.
Das Forum „Europe Lab“ ist ein europaweites Kommunikations- und Austauschtreffen für junge Menschen, die Veränderungen anstoßen möchten. „EuropaLab“ richtet sich an junge Fachkräfte im Alter von 25 bis 35 Jahren, die in NGOs, der öffentlichen Verwaltung, in der Wirtschaft, Universitäten, Think Tanks und anderen Bereichen bereits beruflich tätig sind. Es wird vom EU-Russland Zivilgesellschaftsforum (CSF) mit Unterstützung des DRA und weiterer NGOs organisiert. „Europe Lab“ will eine sektorübergreifende Kooperation ermöglichen, den Ideen- und Meinungsaustausch vorantreiben, Partner-Netzwerke aufbauen und gemeinsame Projekte junger Fachkräfte in Europa fördern. Dieses Jahr findet das Forum von 23. bis 26. Juli in Vilnius und in der zentrallitauischen Stadt Raseiniai statt. Das Programm umfasst u.a. Workshops zu den Themen Erinnerungskultur, Migration und Grenzen in Europa, Entwicklung urbaner Räume, Korruption und Graswurzel-Journalismus. Die besten der in den Workshops erarbeiteten Projekte werden finanziell unterstützt und erhalten eine professionelle Beratung durch die Koordinatoren bzw. Moderatoren der Workshops sowie führenden ExpertInnen auf dem jeweiligen Gebiet. Die Ergebnisse werden auf der Jahresversammlung des EU-Russland-CSF vom 7. bis 9. Dezember 2015 vorgestellt. Die Kosten für die Workshops, Unterkunft und Verpflegung übernehmen die Organisatoren, die Reisekosten tragen die TeilnehmerInnen selbst. Bewerbungen sind bis 15. Mai möglich, Fragen werden über die E-Mail-Adresse beantwortet. Aktuelle Informationen auf Englisch siehe HIER sowie auf der [DRA-Website|http://www.austausch.org/aktuelle-meldungen/newsdetail/article/1/call-for-app.html?no_cache=1&cHash=5913bfb878]. „Europe Lab“ hat seine Wurzeln in dem Forum „PiloramaLab“ (siehe [www.piloramalab.org|http://www.piloramalab.org]), das 2012 und 2013 vom CSF, MitOst e.V. und dem DRA im „Gedenkzentrum für die Geschichte der politischen Repressionen Perm36“ veranstaltet wurde (siehe www.piloramalab.org). Es wird 2015 durch die Europäische Kommission und die Stephan-Báthory-Stiftung unterstützt.
Das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) und Amnesty International (AI) luden vom 2. bis 5. März Sergej Lukashevskij, den Direktor des Sacharov-Zentrums Moskau, und Tatjana Kursina, die Direktorin der NGO „Gedenkzentrum für die Geschichte der politischen Repressionen Perm-36“, nach Berlin ein. Im Rahmen mehrerer Treffen und Veranstaltungen wurden aktuelle Fragen der Geschichtsaufarbeitung und -bildung in Russland sowie die schwierige Lage dieser beiden NGOs und generell für zivilgesellschaftliche Aktivitäten in Russland diskutiert. Das Sacharov-Zentrum wurde im Dezember 2014 ins Register „ausländischer Agenten“ eingetragen – sein Bestand ist nun gefährdet, selbst sein Recht auf die Durchführung von Bildungsveranstaltungen wird angefochten. Noch düsterer sieht es für die NGO Perm36 aus: Am 2. März beschloss ihr Vorstand die Organisation aufzulösen, da sie keinen Zugang zur Gedenkstätte mehr hat, seit diese 2014 in staatliche Hand überging, und weil alle Verhandlungen mit der Permer Gebietsverwaltung ergebnislos geblieben seien. In Berlin wurden eine Podiumsdiskussion, ein Runder Tisch mit Historikern aus Deutschland, Russland und Tschechien, an dem auch Arsenij Roginskij (Menschenrechtsorganisation „Memorial“, Moskau) teilnahm, eine Pressekonferenz sowie Treffen im Außenministerium und im Bundeskanzleramt organisiert. Die Gespräche machten erneut klar: Die russische Zivilgesellschaft braucht die Unterstützung ihrer Partner und der Öffentlichkeit aus ganz Europa. Für sie sei es gerade unter den schwierigen Umständen des staatlichen Drucks auf russische NGOs besonders wichtig, die Zusammenarbeit mit Deutschland auszuweiten und so auch die internationale Unterstützung für die gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte zu stärken, sagte Anna Sevortian, die Direktorin des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums. Den Besuch in Berlin ermöglichten mehrere Partner von Perm-36 und des Sacharov-Zentrums in Deutschland gemeinsam – das EU-Russland Zivilgesellschaftsforum, Amnesty International, der DRA, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Memorial Deutschland und die Stiftung „Haus der Demokratie und Menschenrechte“.
Das Internationale Grüne Filmfestival „Ecocup“ fand in diesem Jahr vom 26. Februar bis 2. März in St. Petersburg und Moskau statt. Das RNEI ist seit vielen Jahren Partner des Festivals und war einer seiner Mitgründer. Die Filmabende zu Umweltthemen boten erneut die Chance, mit Regisseuren und AutorInnen sowie UmweltaktivistInnen und BehördenvertreterInnen zu diskutieren. Gezeigt wurde u.a. am 1. März der Dokumentarfilm „The Climate Blueprint“ der spanischen Regisseurin Ruth Chao, die die Geschichte der Klimaverhandlungen und deren Akteure thematisiert. Anschließend sprachen die Klimajournalistin und Direktorin des Russisch-Deutschen Büros für Umweltinformation, Angelina Davydova, und der Leiter der Abteilung für multilaterale Umweltkooperation im Departement für Internationale Organisationen des russischen Außenministeriums, Oleg Schamanow, über den Verlauf der Klimaverhandlungen, Russlands Rolle darin und die Erwartungen an das neue Klimaabkommen, das Ende 2015 in Paris zustande kommen soll. Zudem stellten sie sich den Fragen des Publikums. Im Dezember 2014 hatte in Peru der jüngste UN-Klimagipfel getagt, um die neue Klimaschutz-Vereinbarung vorzubereiten. Bereits seit 20 Jahren treffen sich Vertreter von mittlerweile 194 Ländern mindestens einmal pro Jahr, um Entscheidungen zu treffen, Strategien zu erarbeiten – und überhaupt irgendetwas gegen den Klimawandel zu tun. „The Climate Blueprint“ zeigt auch, was bei den Klimaverhandlungen falsch läuft und wieso sie zu einem „beängstigenden Countdown“ geraten sind, wie es ein Konferenzteilnehmer ausdrückte. Nach dem Ende des Festivals startete eine Öko-Kino-Tour in andere Städte Russlands. Die Klimaschutzkooperation von RNEI und DRA wird von „Brot für die Welt“ finanziell gefördert.
Auch 2015 schreibt der DRA wieder vier Stipendien der Marion-Dönhoff-Stiftung aus, die es engagierten jungen Menschen aus Russland, Belarus, der Ukraine und erstmals auch den baltischen Staaten ermöglichen, einen spannenden Freiwilligendienst bei gemeinnützigen Organisationen in Berlin zu absolvieren. Die Aufnahmeorganisationen werden entsprechend den Vorkenntnissen und Interessen der StipendiatInnen ausgewählt. Die Betreuung der Freiwilligen übernimmt der DRA (Projektleiterin: Elena Stein). Die Stipendien umfassen auch ein Begleitprogramm zu Geschichte, Gesellschaft, Politik, Kultur und Ökologie Deutschlands. Die Freiwilligen sollten gesellschaftlich engagiert sein, gut Deutsch sprechen und Lust auf selbstständige Projektarbeit haben. Das sechsmonatige Stipendien-Programm beginnt am 1. September. Bewerbungsschluss ist der 3. Mai 2015.
Vom 27. Februar bis 1. März fand in Vilnius die erste EU Study Week dieses Jahres für russische Studierende statt. Auf Initiative des EU-Botschafters in Russland, Vygaudas Usackas, fand damit erstmals eine Study Week, die der DRA seit 2013 in Kooperation mit der EU-Delegation in Russland organisiert, in der Hauptstadt eines EU-Landes statt. So konnten nicht nur wichtige Experten aus Litauen, sondern auch eine Gruppe litauischer Studierender eingeladen werden. Die Study Week in Vilnius war zudem eine besondere, weil sie vor dem Hintergrund eines offenen Konflikts zwischen Russland und der EU stattfand, der während des dreitägigen Seminars durch WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen, JournalistInnen und NGO-AktivistInnen aus der EU, Russland und der Ukraine von allen Seiten diskutiert wurde. Beim Eröffnungsabend schilderten auch der Vize-Außenminister Litauens und der russische Botschafter in Litauen ihre Einschätzung der Situation. Auch eine ausführliche Diskussion mit HistorikerInnen beider Länder über die differierenden Interpretationen der gemeinsamen sowjetischen Geschichte ermöglichte es den TeilnehmerInnen, die aktuellen Beziehungen besser zu verstehen. Darüber hinaus besuchten sie das Parlament in Litauen und erkundeten die Stadt, um sich mit Bewohnern zu unterhalten und im Rahmen eines Quiz Fragen aus den Bereichen Geschichte und Kunstgeschichte zu beantworten. So fanden die Gruppen in der Stadt Spuren deutscher und russischer, polnischer, jüdischer und natürlich litauischer Geschichte und Kultur. Im gegenseitigen Austausch über ihre Erkenntnisse konnten die TeilnehmerInnen schließlich verstehen, wie stark die Geschichte und Kultur verschiedener Völker in einer Stadt verflochten sein können, wie sie nebeneinander existieren und einander bereichern können. Die Seminarreihe hat noch einmal gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch und Diskussionen in der jetzigen Krise der europäischen Beziehungen sind.
15 MitarbeiterInnen und Lehrkräfte aus dem Institut für Weiterbildung von Fach- und Führungskräften des Sozialsystems der Stadt Moskau waren vom 7. bis 12. März im Rahmen einer Weiterbildung in Berlin, um soziale Einrichtungen sowie die Weiterbildung von SozialarbeiterInnen und -pädagogInnen kennenzulernen. Bei den durch Roman Elsner und Marta Kirschner (DRA) organisierten Treffen erfuhren sie im Berliner Abgeordnetenhaus Genaueres über den städtischen Haushalt, Probleme im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit und Bildung sowie über Maßnahmen zur individuellen Förderung von Kindern, Jugendlichen und Familien in Krisensituationen. Tiefer erörtert wurden vor allem Probleme durch Schulabbruch sowie Mechanismen der Finanzierung und Projektförderung. Im Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) lernten die Moskauer die Situation der Fachkräfte, die Struktur der Weiterbildungsmaßnahmen und deren gesetzliche Grundlagen kennen. Erstaunlich fanden sie die hohe Eigenmotivation von Fachkräften in Deutschland zur freiwilligen Teilnahme an Kursen. In Russland sind Fachkräfte gesetzlich verpflichtet, einmal in fünf Jahren Weiterbildungsmaßnahmen zu absolvieren. Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung Dr. Jürgen Schneider erläuterte, wie dieses Amt entstand und wie Menschen mit Behinderung in Deutschland in den Arbeitsmarkt integriert werden. Besonders interessant fanden die Gäste die gesetzliche Verpflichtung von Firmen mit mehr als 20 Mitarbeitern, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung zu besetzen. Einen praktischen Einblick in die Jugendarbeit bekam die Gruppe beim Berliner Jugendnotdienst, dessen Arbeit anhand verschiedener Fälle erklärt wurde. Der DRA organisiert im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Moskau seit 2011 Bildungsreisen für verschiedene Abteilungen und Institute der Stadt Moskau. Die Zusammenarbeit mit dem Institut für Weiterbildung von Fach- und Führungskräften des Sozialsystems besteht seit 2014 und kann trotz der angespannten politischen Lage hoffentlich weitergeführt werden.
Am 31. März startete in der Siedlung Ordschonikidseskaya (Inguschetien) ein weiterer Wettbewerb um den besten Businessplan von GewerbegründerInnen. Es ist der zweite, den das im Sommer 2014 neu geschaffene „Zentrum für interethnische Verständigung und Unterstützung von Kleinunternehmen“ im Osten der kleinsten russischen Teilrepublik, nahe der Grenze zu Tschetschenien, organisiert. Ein erster hatte im Dezember stattgefunden, beide nach dreimonatigen Vorbereitungskursen für die meist inguschischen und teilweise auch tschetschenischen TeilnehmerInnen. Das neue Zentrum wurde von der NGO „Svoe Delo“ („Die eigene Sache“) unter Leitung von Julia Chardina mit Beistand des DRA eingerichtet – nach dem Vorbild eines gleichartigen Zentrums, das „Memorial Moskau“, Svoe Delo und der DRA über Jahre im Prigorodnyj Rajon in der Nachbarrepublik Nordossetien aufgebaut haben und das seit 2014 als privatrechtliche NGO ebenfalls von „Svoe Delo“ weitergeführt wird. Beide Zentren organisieren außerdem Veranstaltungen für Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Schwerpunkt interkulturelle Toleranz und Verständigung, in Inguschetien darüber hinaus für die Stärkung von Frauen. Unterdessen haben die kommunalen Verwaltungen in beiden Republiken erstmals entschieden, die besten TeilnehmerInnen der Gründerkurse und -wettbewerbe zu unterstützen. Mehrere erhalten eine Starthilfe aus lokalen Programmen zur Förderung der Selbstständigkeit. Die Arbeit von Svoe Delo und des DRA zur Unterstützung der sozioökonomischen Stabilisierung und interethnischen Verständigung im Nordkaukasus wird von Brot für die Welt gefördert. Die Situation in der Region bleibt insgesamt prekär. Durch den Krieg in der Ostukraine ist sie zwar in den Nachrichten derzeit kaum präsent, doch kommt es weiter zu Gewaltakten durch Untergrundkämpfer oder staatliche Sicherheitskräfte. Ramsan Kadyrov, Republikoberhaupt von Tschetschenien, verspricht regelmäßig Truppen für externe Konflikte, zudem drängt er in die Rolle eines obersten Islamhüters im Nordkaukasus und beansprucht Gebiete im Osten Inguschetiens für Tschetschenien.
Am 1. März fand im Rahmen des interreligiösen DRA-Jugendprojekts „glauben. Leben. in berlin“ ein Aktionstag statt - als „Tag des gemeinsamen Engagements für eine gute Sache“. Nach vielen spannenden Begegnungen zwischen Juni 2014 und Februar 2015 in Berliner Gemeinden der Weltreligionen sowie mehreren Videoworkshops, in deren Rahmen Clips zu interreligiösen Fragen entstanden, war der Aktionstag das dritte Modul des Projekts. Auf Wunsch der TeilnehmerInnen wurde ein Ausflug für eine rund zwanzigköpfige Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus dem Flüchtlingsheim Motardstraße in Berlin-Siemensstadt gestaltet. Nach Spielen und einer Kuchenparty ging es dabei gemeinsam ins Aquarium – kostenlos dank Unterstützung durch AquaDom & Sea Life Berlin. Am 25.3. wurde „glauben. leben. in berlin“ im ACUD Kunsthaus mit einer Foto- und Videorückschau auf das gesamte Projekt abgeschlossen. Es hatte insgesamt über 120 unmittelbare ProjekteilnehmerInnen, die meisten im Alter von 15 bis 25 Jahren. Die Website www.glaubenlebeninberlin.de, auf der u.a. auch die Projektvideos zu sehen sein werden, bleibt online. Der Sender RBB hatte über das Projekt einen Fernsehbeitrag gedreht, der noch bis Anfang 2016 HIER zu sehen ist. „glauben. leben. in berlin“ wurde in Kooperation mit dem muslimischen Interkulturellen Zentrum für Dialog und Bildung sowie der Jüdischen Gemeinde zu Berlin verwirklicht und durch den Europäischen Integrationsfonds und den Paritäter Berlin kofinanziert. Wir danken den Partnern und Zuwendungsgebern, außerdem allen, die am Projekt mitgearbeitet haben, insbesondere der Projektkoordinatorin Andrea Gotzes und ihren Mitarbeiterinnen Aeisha Malik und Maria Scattone, sowie nicht zuletzt den TeilnehmerInnen für ihre interessierte, aktive Mitwirkung!
Wie könnten internationale Partner helfen, die Zivilgesellschaften in Belarus, der Ukraine, Moldau und Georgien zu stärken, wie können diese Länder widerstandsfähiger gegen autoritäre Einflussnahme werden? Diese komplexen Fragen standen vom 13. bis 15. März im Mittelpunkt der Tagung „Neue Politik für den Osten“ in der Evangelischen Akademie Loccum. Tim Bohse und Anna Sevortian nahmen für den DRA bzw. das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum daran teil und sprachen darüber, welche Rolle die Zusammenarbeit mit der russischen Zivilgesellschaft dabei einnimmt. Die Tagungsbeteiligten waren sich darin einig, dass die sechs Staaten der Östlichen Nachbarschaft – Belarus, Ukraine, Moldau, Georgien, Aserbaidschan und Armenien – sich seit 1991 als eigenständige politische Subjekte emanzipiert haben. Gleichzeitig sei dort ein „Band der Angst und Armut“ entstanden, das über Abchasien, die Krim, den Donbass und Transnistrien führt und die Modernisierung der betreffenden Staaten und Gesellschaften im postsowjetischen Raum gefährdet. Spätestens seit der Annexion der Krim betreffen zwischenstaatliche Konflikte zwischen der Russischen Föderation und den Ländern der Östlichen Partnerschaft Europa als Ganzes. Aus den Gesprächen auf der Tagung ging hervor, dass die europäische Politik und Zivilgesellschaft deshalb eine erneuerte europäische Helsinki-Friedensordnung konzipieren und entsprechend handeln sollte. Die Chancen für Frieden und eine demokratische Erneuerung werden nur dann wachsen, wenn sich die Zivilgesellschaften trotz der verstörenden Folgen von Krieg und Propaganda nicht in eine nationale Abschottung hineinziehen lassen. Außerdem sollten bereits jetzt beispielhafte Verständigungsprojekte initiiert werden, die – auch wenn sie die aktuelle Situation nicht direkt beeinflussen können – doch wichtige Grundlagen für eine spätere friedliche und demokratische Entwicklung legen. Dafür können die Zivilgesellschaften in den Ländern der Östlichen Partnerschaft starke Impulse liefern. Die Tatsache, dass trotz des Krieges in der Ukraine die Zusammenarbeit zwischen der ukrainischen und der russischen Zivilgesellschaft nicht abgerissen ist, macht Hoffnung. Der Dialog mit der russischen Zivilgesellschaft ist zentral. Er findet vor dem Hintergrund eines Machtkonflikts zwischen der russischen Führung und dem Westen statt, den man nicht ignorieren darf, wenn man den Werten einer zivilen Gesellschaft treu bleiben möchte.
Zur Unterstützung seiner Projektarbeit vergibt der DRA ein Praktikum als Projektassistenz in Vollzeit (39h/Woche) ab dem 25. Mai. Die Tätigkeiten umfassen die Zuarbeit zu allen Bereichen der Projektarbeit, darunter Projektentwicklung, -durchführung, -abrechnung sowie Antragstellung und Berichterstattung, Recherchen, die Organisation von Veranstaltungen sowie Öffentlichkeitsarbeit und Zuarbeiten in der Büroführung. Thematische Schwerpunkte des Praktikums sind die Zusammenarbeit mit russischen und europäischen Nichtregierungsorganisationen, die Verständigungsarbeit im Nordkaukasus und die Vorbereitung der 20. Deutsch-Russischen Herbstgespräche.
Zum 4. Mai 2015 sucht der DRA eine/n PraktikantIn als Projektassistenz im Bereich Schüleraustausch in Teilzeit (20h/Woche nach Absprache). Die Tätigkeiten umfassen die Unterstützung der Projektarbeit, administrative Tätigkeiten sowie Öffentlichkeitsarbeit, darunter die Pflege der Webpräsenz des Schüleraustauschs auf austausch.org und Facebook. Das Praktikum richtet sich an Studierende.
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