DRA Newsletter März 2009


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Der DRA dankt Rudi Piwko für sein langjähriges Engagement!

Ohne ihn wäre unsere Organisation nicht denkbar: Der Deutsch-Russische Austausch bedankt sich sehr, sehr herzlich bei seinem bisherigen Vorstandsmitglied Rudi Piwko, der nach zwölf Jahren Tätigkeit im Vorstand des DRA diese Aufgabe nun weitergegeben hat. Als einer der Initiatoren und Gründer des DRA 1992 und anschließend erster Geschäftsführer bis 1996 hat Rudi Piwko mit enormer Energie die Aufbauphase des Vereins angeführt und die lebendige und vielfältige Projektarbeit und den hervorragenden Ruf des DRA mit begründet. Unter seiner Initiative gingen 1992 die ersten deutschen Sozialarbeiter_innen nach Petersburg, baute der DRA später u.a. Ressourcenzentren für NGOs in mehreren russischen Städten und das langjährige Journalistenprogramm des Vereins auf. Rudi Piwko widmet sich nun noch stärker dem Ausbau seiner Agentur für Organisationsentwicklung „Socius“, die er 1998 gegründet hat, dafür wünschen wir ihm gutes Gelingen. Der DRA freut sich, dass Rudi Piwko dem Verein als Mitglied verbunden bleibt. Neu im Vorstand ist seit der Mitgliederversammlung am 14. März die Osteuropaexpertin Sabine Erdmann-Kutnevic, die ebenfalls schon seit 1992 Mitglied ist und bereits früher einmal im Vorstand war. Dem Gremium gehören aktuell außerdem Volkmar Deile (früher Generalsekretär Amnesty Deutschland und Geschäftsführer Aktion Sühnezeichen Friedensdienste) sowie Hanno Gundert (früher Geschäftsführer DRA St. Petersburg) an.

2) Dritter Sektor in Russland spürt Finanzkrise

In Russland geraten Nichtregierungsorganisationen infolge der internationalen Finanzkrise zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Viele der in den vergangenen Jahren entstandenen Verbindungen zwischen Vereinen und privaten Spendern bzw. Sponsoren wurden sofort mit Beginn der Aktien- und Geldentwertung brüchig. So berichtete der bekannte Ökologe Vladimir Slivyak vom Umweltnetzwerk Ecodefense schon Ende Januar der Moscow Times von einer deutlich verschlechterten Lage – russisches Geld, das zuvor an NGOs ging, liege jetzt „auf Eis“. Auch Partner des DRA berichten von einer verschärften Situation, so etwa Maria Ostrovskaya, die Direktorin der Petersburger Behindertenhilfe-Organisation „Perspektivy“, die erklärt: „Geld für unsere Arbeit bei einheimischen Spendern zu finden ist weiterhin möglich, aber es ist viel schwieriger geworden“. Die ohnehin meist geringen Gehälter in den NGOs wurden durch den Rubelverfall noch einmal um bis zu 30 Prozent abgewertet. Viele Organisationen hoffen nun, ihre Arbeit mit ausländischer Hilfe fortsetzen zu können. Doch ist auch dafür der Rahmen enger geworden: Die EU-Kommission, traditionell einer der größten Förderer, schreibt nur noch wenige Programme aus, die russische Bürgerinitiativen einbeziehen. Zudem schreckt die russische Regierung viele ausländische Stiftungen ab, indem sie deren Projektfördergelder seit Jahresbeginn mit Steuern belegt. Bisher hat die Regierung weder die Forderung der NGOs nach Streichung dieser Steuer erfüllt noch (wie angekündigt) die Liste der steuerbefreiten ausländischen Förderer erweitert.

3) Gegen Fremdenfeindlichkeit: NGO-Kampagne in Petersburg

Seit dem 15. und noch bis zum 29. März wird in St. Petersburg die Toleranzkampagne „Xenophobie.NET“ durchgeführt. Dazu haben sich NGOs und jugendpolitische Organisationen und Bewegungen zu einer Koalition zusammengeschlossen, die es in der Stadt in dieser Breite bisher noch nicht gegeben hat. Beteiligt sind u. a. der Deutsch-Russische Austausch St. Petersburg, die Russische Sozialdemokratische Jugendunion, die LGBT (= Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual)-Organisation „Exit“, die Petersburger Gruppe der internationalen Bewegung „Food Not Bombs“, Antifa-Gruppen und die Vereinigung „Für ein Russland ohne Rassismus“. Die Kampagne, die im Rahmen der Europäischen Woche gegen Rassismus und Xenophobie und der Russlandweiten Woche gegen Homophobie stattfindet, umfasst über 30 Veranstaltungen, darunter Straßenaktionen („Flash mobs“), Diskussionen, Seminare und Filmvorführungen zu Themen wie Nationalsozialismus, Intoleranz und Homophobie (Programm). Am Filmfestival „Open Eyes“ (25.-29. März), das in diesem Jahr Teil der Kampagne „Xenophobie.NET“ ist, beteiligt sich der DRA mit einer Vorführung des Films „The Burning Wall“ (USA, 2003) zum 20-jährigen Jubiläum des Falls der Berliner Mauer und – unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung – mit einer Diskussion zum Thema: „Das Leben der Anderen? Vergangenheitsbewältigung: Totalitäre Geschichte im persönlichen und gesellschaftlichen Bewusstsein".

4) Neue Kulturangebote für die Freiwilligen des DRA St. Petersburg

Im Januar 2009 erhielt das kulturelle Begleitprogramm für die Freiwilligen der Europäischen Freiwilligenagentur des Petersburger DRA und ihre Freund_innen ein neues Gesicht. Unter dem Titel „KultProswet“ („KultAufklärung“) organisiert eine Studentin der Kulturwissenschaften seitdem alle vierzehn Tage eine Veranstaltung, die den ausländischen Freiwilligen Gelegenheit gibt, die Stadt an der Newa auch aus ungewöhnlichen Perspektiven kennen zu lernen. So besichtigten sie diesmal unter anderem das Museum zur Blockade Leningrads (1941-1944), aber auch den Eisbrecher „Krasin“ und erlebten im Kleinen Dramentheater Tschechows „Onkel Wanja“ mit anschließendem Vortrag. Die Koalition Petersburger Freiwilligenorganisationen präsentierte außerdem am 27. Februar an der Europäischen Universität den Film „Die fetten Jahren sind vorbei“ (Deutschland 2004). Die Veranstaltung war zugleich der Startschuss für den „V-Klub“ – „V“ wie „volunteer“ („Freiwillige/r“). Diesen neuen Treffpunkt für Freiwillige haben mehrere Petersburger Organisationen gemeinsam eingerichtet.

5) Deutsche Gastfamilie für russische Schülerin gesucht (Sommer 2009)

Das Schüleraustauschprogramm des DRA sieht gegenseitige Besuche der beteiligten deutschen und russischen Jugendlichen vor. Eine deutsche Schülerin, die 2008 einen dreimonatigen Aufenthalt in Petersburg absolvierte, kann ihre russische Austauschpartnerin nun aber leider nicht bei sich aufnehmen. Daher suchen wir dringend eine andere Gastfamilie in Deutschland. Dascha kommt aus St. Petersburg, ist 14 Jahre alt und geht in die 9. Klasse. Sie spricht bereits etwas Deutsch und möchte gern vom 20. Juni bis zum 20. August 2009 nach Deutschland kommen. Sollte in dieser Zeit aufgrund der Ferien im jeweiligen Bundesland der Schulbesuch entfallen, wird der DRA versuchen, für Dascha ein Praktikum zu organisieren. Seitens der Familie sind Russischkenntnisse nicht erforderlich - wichtig ist nur, dass die Gastgeber bereit sind, ihr Leben zwei Monate lang mit einem Mädchen aus Russland zu teilen und ihm Unterkunft, Verpflegung und ein freundschaftliches Zuhause zu bieten. Dascha selbst wird über ein monatliches Taschengeld verfügen.

6) Filmabende in Greifswald und Göttingen

Jeweils mit einer Einführung von Stefan Melle, Geschäftsführer des DRA, wird am 25. April in Greifswald (19.30 Uhr, Ikuwo e.V.) sowie am 27. April in Göttingen (20 Uhr, Kino Lumière) der Film „Für Gott, Zar und Vaterland“ von Nino Kirtadze (D/F 2007) gezeigt. Er schildert das Leben einer christlichen, nationalistisch und sektenähnlich ausgerichteten „Klostergemeinschaft“ in der Nähe Moskaus. Sie wird als Heilseinrichtung propagiert, beruht aber vor allem auf der rigiden Unterordnung unter den Direktor Michail Morosov, der das Weltbild einer gottgewollten Hierarchie vorgibt, in der „die einen dazu bestimmt sind zu herrschen, und die anderen dazu, zu gehorchen.“ Zugleich zeichnet der Dokumentarfilm Verbindungen zwischen nationalistischen Kräften in der orthodoxen Kirche, der Duma sowie in Geheimdienst und Streitkräften sowie den Kult um Putin zur Zeit seiner Präsidentschaft nach. Im Anschluss an beide Filmvorführungen finden Publikumsgespräche statt. Die Veranstaltungen gehören zum bundesweiten Dokumentarfilmfestival „ueber Macht“ der „Aktion Mensch“, das in über 120 Städten gastiert. Der DRA, die Heinrich Böll Stiftung und Amnesty International stellten den Film bereits zum Auftakt des Festivals im Berliner Zeughauskino vor.