DRA Newsletter Juni 2007


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Ukraine: EU-Projekt zur Stärkung der Zivilgesellschaft erfolgreich abgeschlossen

Mit der Vergabe von Höchstnoten hat die Europäische Kommission das EU-Projekt „Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ukraine“ abschließend als eines der besten in den letzten Jahren gewürdigt. Am 12.6. ging die zweijährige Arbeit offiziell zu Ende. Der DRA bedankt sich sehr herzlich bei seiner Mitarbeiterin Christine Leiser, die das Projekt leitete, sowie bei seinen Partnern, den belgischen Gesellschaften Transtec als Konsortialführer und ACE Europe sowie der ukrainischen Organisation Ednannia. Gemeinsam mit dem Kiewer Ministerium für Familie, Jugend und Sport wurden u.a. Gesetzesentwürfe zur Einbindung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in die Politik erarbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Förderung der Kooperation von NGOs untereinander sowie von Kleinprojekten. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören fünf „Zentren für soziale Partnerschaft“, die in den Städten Riwne, Tscherniwzi (Czernowitz), Donezk, Sumy und Cherson als Foren für eine bessere Kooperation von regionalen Verwaltungen und NGOs aufgebaut wurden. Die Zentren werden nun eigenständig weiterarbeiten und auch künftig wichtige Partner des DRA bleiben. Derzeit sind dort bereits vier Freiwillige tätig, die der DRA mit Hilfe des Fonds „Erinnerung und Zukunft“ entsenden konnte.

2) Erstes Deutsch-Russisches Jugend-Regionalparlament in Hamburg

Unter dem Motto „Jugend.Städte.Partnerschaften“ fand vom 11.-17.7. in Hamburg das 1. Deutsch-Russische Jugend-Regionalparlament statt, zu dem die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch eingeladen hatte. Inhaltlich vorbereitet und moderiert wurde es von der DRA-Mitarbeiterin Evelyn Scheer und der Hamburger Trainerin Oksana Kutsin. 25 Jugendliche aus dem Nordwesten Deutschlands und 21 Altersgenoss_innen aus dem Nordwesten und weiteren Regionen Russlands verbrachten gemeinsam erlebnisreiche Tage und Nächte: Sie diskutierten über Städtepartnerschaften und über Möglichkeiten, sie für junge Menschen attraktiver zu gestalten, besuchten Hamburger Organisationen, die aktiv mit russischen Partnern zusammenarbeiten, und trafen mit Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Birgit Schnieber-Jastram sowie dem Generalkonsul der Russischen Föderation Sergey Ganzha zusammen. Mit großem Enthusiasmus diskutierten sie außerdem bis in die Morgenstunden eigene Projektideen, die sie in der Hamburger Bürgerschaft und auf der IX. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz vorstellten. Kritisch anzumerken hatten die meisten der Jungparlamentarier_innen nur eines: dass das Treffen so schnell vorüber war.

3) „Ökologische Modernisierung“ ist Thema der 12. Deutsch-Russischen Herbstgespräche

Am 26./27.10.2007 veranstalten der DRA, die Evangelische Akademie Berlin und die Heinrich-Böll-Stiftung wieder ihre gemeinsame jährliche Herbstkonferenz. In Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppen werden deutsche und russische Expert_innen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft sich dieses Mal mit den Chancen und Ausgangsbedingungen einer ökologischen Modernisierung in beiden Ländern befassen. Welchen Rang haben Umweltfragen im gesellschaftlichen Bewusstsein? Welchen Anteil hat die Umweltökonomie an den boomenden deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen? Und mit welchen Zielen gehen die Regierungen in die Weltklimakonferenz Ende 2007 auf Bali? Welche Projekte sind vor Ort möglich, um mehr Energieeffizienz oder nachhaltige Stadtentwicklung zu erreichen? So lauten einige der Themen für die Debatte. Am Abend des ersten Konferenztages findet traditionsgemäß außerdem der jährliche Empfang der Stiftung Deutsch-Russischer Austausch statt. Veranstaltungsort ist erneut die Französische Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt. Anmeldung und weitere Informationen unter: www.austausch.org/herbstgespraeche.

4) Programm für neue Dönhoff-Stipendiat_innen beginnt

Bis zum November 2007 betreut die Freiwilligenagentur des DRA erneut vier Stipendiat_innen der Marion-Dönhoff-Stiftung bei ihrem halbjährigen Freiwilligendienst in Berlin. Alexey Sutotsky (Perm/Russland) arbeitet derzeit in der Panke-Schule für geistig behinderte Kinder, Vera Razumova (St. Petersburg) beim Jugendclub „Magdalena“ der Caritas, Myroslawa Dubinetska (Riwne/Ukraine) in der Landesgeschäftsstelle der BUNDjugend, und Oleksiy Druzhynin (Donezk/Ukraine) unterstützt den DRA sowie das russischsprachige Kino „Krokodil“. In ihrer Heimat waren die vier Freiwilligen bereits in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen aktiv: Alexey Sutotsky bei Memorial, Vera Razumova im DRA St. Petersburg, Myroslawa Dubinetska in der Umweltorganisation „Ekoklub“ und Oleksiy Druzhynin in Kulturprojekten. Der DRA organisiert für sie auch ein umfangreiches Programm zur politischen Bildung, darunter Besuche im Bundestag, in einer Zeitungsredaktion und in Museen sowie Vorträge und Diskussionen zum freiwilligen Engagement in Deutschland, zu Themen wie Rechtsextremismus oder Pressefreiheit in Osteuropa und vielem mehr. Außerdem erhalten die Stipendiat_innen Deutschunterricht und nehmen am bestvorbereitetem Kulturprogramm teil.

5) Konferenz des EU-Russia Centre – Plädoyer für eine offene Debatte

Weder politische Differenzen noch langfristige wirtschaftliche Interessen sollten die EU davon abhalten, das Ziel einer Werte- und Rechtsgemeinschaft mit Russland zu verfolgen: Darin waren sich alle Referent_innen einer Konferenz des Brüsseler EU-Russia Centre und der Konrad-Adenauer-Stiftung am 13. Juni in Berlin einig – nicht aber darin, wie dies durchsetzbar ist. Der Russland-Koordinator der Bundesregierung, Andreas Schockenhoff, und die FDP-Abgeordnete Herta Däubler-Gmelin hielten auch eine direkte Einmischung der EU in Fragen des Rechtsstaats in Russland für legitimiert. Grundlage bleibe das EU-Russland-Partnerschaftsabkommen und die UN-Menschenrechtscharta. Russische Expert_innen warfen der EU dagegen eine zu kritische Sicht auf ihr Land vor: Russland habe die unter Präsident Putin erreichte Stabilität dringend gebraucht. Barbara von Ow-Freytag vom Vorstand der Stiftung DRA betonte, Stabilität sei auch in der EU ein hoher Wert, doch habe bereits das Scheitern der Sowjetunion erwiesen, dass echte Stabilität nur aus einem aktiven Zusammenwirken von Regierenden und Regierten entstehe. Der EU-Russland-Gipfel im Mai in Samara habe gezeigt, dass Russland durch begründete Kritik zu Korrekturen bewegt werden könne. Barbara von Ow-Freytag rief dazu auf, der russischen „Machtvertikale“ eine breite „horizontale“ Kooperation entgegenzusetzen, die „Wege der Begegnung mit allen Regionen und Bereichen der russischen Gesellschaft und vor allem den Jugendaustausch gezielt fördere“.

6) Preis der Robert Bosch Stiftung für deutsch-russisches Zivildienstprojekt

Der diesjährige Hauptpreis der Robert Bosch Stiftung für deutsch-russisches Bürgerengagement ist am 15.7. in Hamburg an die Essener Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung und das Gebietskrankenhaus Nischnij Nowgorod verliehen worden. Sie hatten es erreicht, Parlamentariern aus Nischnij Nowgorod das Thema „Zivildienst“ durch eine Studienreise nach Deutschland nahezubringen und so erstmals russischen und deutschen Wehrdienstverweigerern einen gemeinsamen Zivildienst in dem russischen Krankenhaus zu ermöglichen. Der zweite Preis ging an Vereine aus Köln und Wolgograd für den Aufbau von sechs Seniorenklubs in Wolgograd, der dritte an das „Kino Krokodil“ in Berlin für seine Arbeit zugunsten des russischen Films. Der bilateralen Jury hatte unter anderem der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle, angehört. Eine von zehn weiteren Anerkennungen erhielt auch der Straßenkinderzirkus „Upsala“, den Astrid Schorn, die heutige Geschäftsführerin des DRA St. Petersburg, aufgebaut und mittlerweile an ihre russischen KollegInnen weitergegeben hat.

7) DRA St. Petersburg weitet Arbeit auf Nordwestregion Russlands aus

Die Freiwilligenbörse EVA (European Volunteer Agency) des DRA St. Petersburg hat mit der Ausweitung ihrer Vermittlungsdienste auf die gesamte Nordwestregion Russlands begonnen. Erster Schritt war ein Seminar am 28.5. in Pskow für dortige Nichtregierungsorganisationen, die bereits Erfahrungen mit russischen Freiwilligen gesammelt haben und künftig gern weitere Mitstreiter_innen aus Westeuropa aufnähmen. Die 15 Vertreter_innen von fünf NGOs aus den Bereichen Soziales, Recht und Menschenrechte zeigten sich insbesondere von dem vorgestellten partizipatorischen Ansatz beeindruckt. Die DRA-Mitarbeiter_innen machten ihn anschaulich, indem sie mit ihren eigenen internationalen Freiwilligen auch heikle Fragen diskutierten: Was bewegt eine/n Freiwillige/n wirklich? Verfolgt die Aufnahmeorganisation eventuell versteckte Ziele? Wem werden in der Organisation welche Aufgaben zugewiesen? Als förderlich erwies sich das Seminar auch im Hinblick auf die Netzwerkarbeit, die der DRA zum Thema „Antirassismus“ leistet: Dank neu vereinbarter Kooperationen wird das vom DRA mit organisierte Petersburger Filmfestival gegen Rassismus „Augen auf!“ im Herbst 2007 auch in Pskow zu erleben sein.

8) Aktion „Foto-Flashmob“ warb für ein tolerantes Petersburg

Der Anblick war ungewöhnlich: Mit Scheren, Verpackungsfolien und Absperrband ausgerüstet, fanden sich am 5.6. junge Antifaschist_innen, Freiwillige und DRA-Mitarbeiter_innen im DRA St. Petersburg zusammen, in dessen Räumen die Fotoausstellung „Augen auf!“ aufgebaut war. Das Hauptmotiv dieser Schau, die im Frühjahr 2007 zum gleichnamigen Filmfestival entstand, bilden Petersburger Graffitis antifaschistischen Inhalts. Die Ausstellung wandert monatlich an einen anderen Ort der Stadt, um überall für ein tolerantes Miteinander zu werben. Der aktuelle Umzug in die Zeitungsredaktion „Tschas pik“ am Newskij prospekt 82 wurde von den Aktivist_innen spektakulär inszeniert; sie trugen bunte Kleidung und weiße Bauhandschuhe und reichten die abgenommenen Fotos auf der Straße untereinander und an zuschauende PassantInnen weiter. Die Fernsehsender 5. Kanal und ntv hatten mit kurzen Vorberichten auf die Aktion aufmerksam gemacht. Die Ausstellung wird regelmäßig durch neues Material bereichert - dieses Mal mit Fotostillleben des aktiven Antifaschisten Timur Katscharawa, der am 13.11.2005 in der Petersburger Innenstadt von einer Gruppe Neonazis erstochen wurde. Die Täter stehen derzeit in Petersburg vor Gericht.

9) Neues russisches Theater in Berlin

Mit Unterstützung des DRA eröffnet am 5.-8.7. in Berlin das neue russischsprachige Theater „Russkaja szena“ („Russische Bühne“). Es übernimmt die Räumlichkeiten der Filmbühne am Steinplatz und startet dort mit drei Inszenierungen: Guilherme Figueiredos „Äsop – Der Fuchs und die Trauben“, 5.7./7.7., 20 Uhr), „Die jüdische Frau“ (nach B. Brecht, 6.7./8.7., 20 Uhr) und mit dem Märchenspiel für Kinder „Die Stadt der Meister“ von Tamara Gabbe (7.7./8.7., 12 Uhr). Künstlerische Leiterin des Theaters ist Inna Sokolova-Gordon, Regisseurin und Dozentin der Moskauer Universität für Kultur und Künste. Sie hat sowohl in der russischen Hauptstadt als auch in Berlin die Jugendtheaterstudios „Debut“ aufgebaut und beide nun zur Inszenierung der „Stadt der Meister“ zusammengeführt. Der DRA stand „Russkaja szena“ bei der Organisation des Gastspiels der Moskauer Schauspieler_innen und bei der Öffentlichkeitsarbeit zur Seite. Adresse: Filmbühne am Steinplatz, Hardenbergstrasse 12, 10623 Berlin, U+S Zoologischer Garten.