DRA Newsletter Juni 2004


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Menschenrechtler Nikolaj Girenko in St. Petersburg ermordet

Am 19. Juni wurde der Ethnologe und wissenschaftliche Mitarbeiter der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften Nikolaj Girenko in St. Petersburg von Unbekannten erschossen. Als Experte für Verbrechen mit rassistischem Hintergrund wurde er regelmäßig von der Staatsanwaltschaft St. Petersburg als Sachverständiger bei Prozessen gegen Neonazigruppen herangezogen. Nikolaj Girenko arbeitete auch als Sachverständiger für Partnerorganisationen des DRA e.V., so für Memorial, Bürgerkontrolle und für das Netzwerk russischer NGOs gegen Rassismus, Xenophobie und Intoleranz. Die russische Menschenrechtsbewegung hat mit Nikolaj Girenko einen ihrer engagiertesten und kenntnisreichsten Vertreter verloren. Der DRA e.V. ist entsetzt über das brutale Verbrechen und erwartet eine gerichtliche Klärung der Hintergründe.

2) Russische und internationale NGOs und Stiftungen im Blickfeld des Kreml

In seiner Rede vor beiden Parlamentskammern Ende Mai hat der russische Präsident Putin sich in scharfer Form gegen die Tätigkeit einiger russischer NGOs ausgesprochen, die den Interessen "einflussreicher ausländischer Stiftungen", nicht aber denen der russischen Bevölkerung diene. Am 22.6. lud nunmehr Außenminister Lawrow 48 Vertreter_innen kremlfreundlicher NGOs zu Gesprächen ein. Erklärtes Ziel dieses Treffens war es unter anderem, das "Ansehen der Russischen Föderation im Ausland zu verbessern". Renommierte Menschenrechtsorganisationen und langjährige Kooperationspartner des DRA e.V. wie Memorial, die Soldatenmütter oder die Moskauer Helsinki Gruppe wurden zu dem Treffen nicht eingeladen. - Kommentare zu Putins Rede.

3) Polizei und Minderheiten: Russische Fachleute informieren sich in Berlin und Brandenburg

Elf Expert_innen aus Moskau und verschiedenen Regionen der Russischen Föderation werden vom 10.-17.7. in Berlin und Brandenburg eine vom DRA organisierte Studienreise absolvieren. Die Teilnehmer_innen sind hochrangige Beamte des russischen Innenministeriums, Wissenschaftler_innen, Führungskräfte der Stavropoler Filiale  des Russischen Instituts zur Aus- und Weiterbildung von Sicherheitskräften sowie Mitarbeiter_innen der NGO "Network of Ethnic Monitoring and Early Warning". Sie alle arbeiten im Rahmen des EU-geförderten Projekts "Promoting Tolerance and Interethnic Relations" an der Entwicklung von Curricula, vermittels derer Mitarbeiter_innen der Polizei und Behörden in Russland im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen geschult werden sollen. Die Studienreise wird es den Besuchern ermöglichen, die Aus-und Fortbildung der deutschen Polizei im Bezug auf Minderheiten und die Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte mit Migrantenorganisationen und anderen NGOs kennen zu lernen. Informieren wollen sie sich ferner auch über die Praxis anderer europäischer Staaten auf diesem Gebiet.

4) Fortbildung für Betreuende ehemaliger Zwangsarbeiter_innen

Im Auftrag der Stiftung "Erinnerung Verantwortung Zukunft"  wird der DRA in den kommenden 18 Monaten eine Fortbildungsreihe für Partnerorganisationen der Stiftung anbieten, die in Osteuropa ehemalige Zwangsarbeiter_innen und Opfer des Nationalsozialismus betreuen. Vorgesehen sind insgesamt neun Seminare für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter_innen entsprechender Dienste in Estland, Russland, Belarus, Polen und der Ukraine. Die Interessenvertretung gegenüber Kommunen, strategisches Planen und Fundraising sowie der Einsatz von Freiwilligen und Ehrenamtlichen sind dabei als inhaltliche Schwerpunkte vorgesehen.

5) NS-Zwangsarbeit ist Schwerpunktthema neuer Freiwilligeneinsätze

Für elf Freiwillige aus Russland, der Ukraine, Belarus und Polen beginnt am 1. Juli ein sechsmonatiger Aufenthalt in Berlin, bei dem die Auseinandersetzung mit der NS-Zwangsarbeit und der daraus für Gegenwart und Zukunft erwachsenden Verantwortung im Mittelpunkt stehen wird. Als Einsatzstellen sind Einrichtungen vorgesehen, die sich mit diesen Fragen bzw. allgemein mit der Menschenrechtsproblematik befassen (so die Gedenkstätte Sachsenhausen, die Koordinierungsstelle für Auskunftsersuche ehemaliger Zwangsarbeiter, der Bund gegen ethnische Diskriminierung u.a.m.). Einführungs- und Begleitveranstaltungen werden den Freiwilligen Gelegenheit bieten, das Thema zu vertiefen; diskutiert werden soll dabei auch, wie in ihren Ländern mit der eigenen Geschichte umgegangen wird. Die Durchführung des Programms mit dem Titel " Responsibility and Understanding in Past, Present and Future" wird dem DRA durch Zuwendungen des EU-Programms "Jugend für Europa" und der Marion-Dönhoff-Stiftung ermöglicht.

6) Seminar zu HIV- und Aids-Prävention in Wolgograd

Mit Unterstützung des DRA veranstaltet die Organisation „Marija – Mütter gegen Drogen“ am 29.-31. Juli in Wolgograd das interaktive Seminar "Prävention von HIV und Aids: Theorie und Praxis. Erfahrungen aus Deutschland und Russland". Es richtet sich an HIV-infizierte Menschen und an Fachleute (SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, medizinisches Personal) aus Wolgograd und Wolschskij. Zum einen soll ein Vergleich der Erfahrungen in Russland und Deutschland unternommen und nach der Übertragbarkeit deutscher Modelle auf russische Verhältnisse gefragt werden; zum anderen ist vorgesehen, auf konkrete Anliegen einzugehen, die sich für HIV-infizierte Menschen aus ihrer Lebenssituation ergeben. Als Referenten werden deutsche Experten von Connect plus e.V. sowie voraussichtlich von der Kölner Aidshilfe an dem Seminar mitwirken (Projekt: "Stärkung der Interessenvertretung sozial benachteiligter Gruppen in Südrussland").

7) "T in B"! Osteuropäische Freiwillige des DRA präsentieren eigene CD

"T in B" ("Toleranz in Berlin"): So lautet der Titel einer CD zum Thema "Toleranz und Identität". Entstanden ist sie als Abschlussprojekt eines vom DRA organisierten Freiwilligendienstes, den 20 junge Mittel- und Osteuropäer_innen bis Ende Februar diesen Jahres in Berlin absolvierten. Mit ihrer nunmehr vorliegenden Hördokumentation vermitteln sie lebendige Eindrücke von ihrem Aufenthalt in Deutschland. Die insgesamt 50 Minuten und acht Tracks umfassende CD eignet sich als Einstiegsinformation für alle, die an den Freiwilligenprogrammen des DRA interessiert sind. Aufschlussreich ist sie aber auch für jeden, der mehr darüber erfahren möchte, wie Mittel- und OsteuropäerInnen über Deutschland und seine Bewohner denken. "T in B" ist beim DRA zu einem Unkostenbeitrag von 5 Euro zzgl. Versandkosten erhältlich.