DRA Newsletter Juli - August 2007


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

ist Ihnen etwas aufgefallen? Unser Newsletter hat ein neues Design - und nicht nur dieser! Unsere Website ist ebenfalls neu gestaltet und moderner geworden. Schauen Sie doch gleich mal nach unter www.austausch.org.

In diesem Newsletter informieren wir Sie wie immer über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org).

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Herzlichen Dank für Ihr Interesse! Wir wünschen Ihnen eine frohe Adventszeit. 

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

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Inhalt

1) DRA recherchiert erneut für die Stiftung EVZ

Von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ) erhielt der DRA Anfang Juli im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung den Auftrag zu einer Recherche in Russland, der Ukraine und Belarus. Untersucht werden soll, auf welche Weise Opfer der NS-Diktatur nicht nur wie bisher in ihrem Alltag unterstützt, sondern wie ihre Begegnung untereinander und mit jüngeren Menschen gefördert werden kann. Ebenfalls berücksichtigt wird die Frage, wie durch gezielte Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit die Schicksale ehemaliger KZ-Häftlinge und ZwangsarbeiterInnen, aber auch die Bedürfnisse der älteren Generation insgesamt mehr öffentliche Beachtung finden können. Beteiligt sind seitens des DRA für die Ukraine Evelyn Scheer (Leiterin der DRA-Freiwilligenagentur und Autorin mehrerer Ukraine-Bücher), für Russland Hanno Gundert (bis vor kurzem Leiter des DRA St. Petersburg) sowie für Belarus Susanne Müller (DRA-Projektleiterin mit mehrjähriger Arbeitserfahrung in diesem Land). Erschienen ist kürzlich die 2006 von der Stiftung EVZ in Auftrag gegebene Studie zu Stand und Chancen der „Demokratiebildung in Russland, der Ukraine und Belarus“. Die Kapitel zur Ukraine und zu Belarus schrieb Stephan Malerius (damals DRA) im Auftrag des Europäischen Austauschs; Autorin des Beitrags zu Russland ist Annegret Wulff vom Theodor-Heuss-Kolleg. Das Buch kann über die Stiftung (www.stiftung-evz.de) kostenlos oder beim DRA (info@austausch.org) gegen die Versandgebühr von 2,20 Euro bestellt werden. Bei der EVZ ist es außerdem als pdf-Datei zugänglich.

2) EU Study Schools für Studierende im nordwestrussischen Karelien

Mit zwei Sommerschulen nahe der karelischen Hauptstadt Petrosawodsk wurde die Seminarreihe für russische Studierende und DoktorandInnen fortgesetzt, die der DRA im Auftrag der EU-Kommission durchführt. Rund 60 Teilnehmer_innen aus Hochschulen zwischen Murmansk an der Barentsee und Krasnodar in Südrussland nutzten die Chance, von Expert_innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Genaueres zum aktuellen Verhältnis zwischen Russland und der EU sowie zu internen Entwicklungen der EU zu erfahren. So sprach der Vizeminister für wirtschaftliche Entwicklung der Republik Karelien, Dmitrij Koslow, über die regionale Kooperation in Bereichen wie Ökologie, Hochtechnologie und Migration entlang der 800 Kilometer langen Grenze mit dem EU-Mitglied Finnland. Olga Potemkina vom Moskauer Europa-Institut schilderte offene Fragen der Integration und Erweiterung innerhalb der EU sowie der angestrebten Visafreiheit mit Russland. Stefan Melle, Geschäftsführer des DRA Berlin, diskutierte mit den Studierenden über die Bedeutung der Menschenrechte in den EU-Russland-Beziehungen und über den Anspruch, die Menschenrechte als universelle Basis der Gesellschaft zu achten. Astrid Schorn, Geschäftsführerin des DRA St. Petersburg, verglich in ihrem Vortrag die Rolle von Nichtregierungsorganisationen in Russland und der EU, insbesondere nach dem 2006 verabschiedeten neuen NGO-Gesetz in Russland. Die vom DRA-Büro in Petersburg organisierten Seminare werden 2008 fortgesetzt. 

3) EU-Projekt „Civic Education Ukraine“ tritt in die Schlussphase

Das abschließende Arbeitsprogramm für das im März 2008 auslaufende EU-Projekt „Civic Education“ in der Ukraine haben die beteiligten Organisationen Cambridge Education (Großbritannien), Centr Edjukacii Obywatelski (Polen) und der DRA Ende Juni auf einem Konsortiumstreffen in Krakau beschlossen. Ziel des Projekts ist es, die fächerübergreifende soziale und politische Bildung in den ukrainischen Schulen auszubauen, Qualifizierungskurse für PädagogInnen sowie Lehrpläne zu erarbeiten und beides auch für lernbehinderte Kinder anzupassen. Außerdem werden Lehrerverbände unterstützt und Erfahrungen aus der außerschulischen Bildungsarbeit anderer Länder für die Ukraine aufbereitet. Noch im Juli wird die Redaktion eines Materialien-Handbuchs und eines Lehrbuchs für die Weiterbildung abgeschlossen. Die Entwürfe, die Bücher und die Kursmodule werden anschließend dem ukrainischen Ministerium für Bildung und Wissenschaften als Projektpartner zur Prüfung vorgelegt. Allerdings ist die Kooperation mit dem Ministerium wegen der wechselnden politischen Machtverhältnisse in der Ukraine und der im September anstehenden Wahlen derzeit schwierig. Für den Herbst sind landesweite Tests der Materialien und Kurse an Pilotschulen bzw. Lehrerbildungsinstituten geplant. Auf einer großen Abschlusskonferenz im Februar werden die Projektergebnisse präsentiert. Zugleich wird dort eine Studie vorgestellt, die Empfehlungen für die Weiterentwicklung der sozialen und politischen Bildung in der Ukraine gibt und die wesentlich von dem durch den DRA entsandten Experten Karlheinz Dürr erarbeitet wird.

4) Seminar in Irkutsk zur ökologischen Lage in der Baikalregion

Auf Einladung des Deutsch-Russischen Forums kamen 36 Nachwuchsführungskräfte aus deutsch-russischen Unternehmen und Organisationen am 18.-24.6. in Irkutsk zusammen. Schwerpunktthema des Treffens, an dem für den DRA Robert Sperfeld teilnahm, war die Umweltverträglichkeit aktueller wirtschaftlicher Entwicklungen in der Region des Baikalsees. Die lebhaften Diskussionen galten umstrittenen Bauprojekten und der prekären Abfallentsorgung an den Ufern des Sees. Umweltschützer befürchten eine Gefährdung des sensiblen Ökosystems durch zunehmende Bautätigkeit und steigende Touristenzahlen. Existierende Umweltgesetze werden derzeit oft nicht eingehalten, da zu wenig wirksame behördliche Kontrollen stattfinden. Für die Arbeit des DRA erbrachte die Veranstaltung viele neue Kontakte und Hintergrundkenntnisse. Wichtig sind sie insbesondere im Hinblick auf die diesjährigen Deutsch-Russischen Herbstgespräche zum Thema „Potenziale ökologischer Modernisierung in Deutschland und Russland“ am 26.-27.10.2007 in Berlin, zu denen alle Interessierten schon jetzt herzlich eingeladen sind (weitere Informationen demnächst unter www.austausch.org).

5) Expertenrunde zum Thema Xenophobie in Moskau

Über Fremdenfeindlichkeit, Identitätspolitik und Integrationsfragen diskutierten deutsche und russische Wissenschaftler_innen und Vertreter_innen der Zivilgesellschaft am 10. und 11. Juli in Moskau, darunter Stefan Melle, Geschäftsführer des DRA. Beim Runden Tisch zum Thema „Xenophobie“ wurde deutlich, dass in beiden Ländern die Immigration zur politisch anerkannten Tatsache geworden ist. Zugleich wird der gewaltbereite Nationalismus durch radikale Ideologien, das Gefühl sozialer Unsicherheit sowie in Russland auch durch bestimmte Behördenvertreter und etablierte Parteien bestärkt. Die ExpertInnen waren sich einig, dass die Anstrengungen zur Rückgewinnung Rechtsradikaler für die Demokratie in Russland noch kaum vorhanden und auch in Deutschland, wo sich in einigen Regionen zunehmend eine neofaschistische Nebenöffentlichkeit etabliert, unzureichend seien. Erforderlich seien insbesondere umfassendere Angebote in den Bereichen Bildung, Beruf und Alltagsgestaltung. Das Treffen war im Herbst 2006 von der AG Zivilgesellschaft des Petersburger Dialogs vereinbart und von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Moskauer Informationszentrum „Sowa“ und weiteren Partnern organisiert worden. Ein weiterer Runder Tisch, organisiert von der Menschenrechtsgesellschaft „Memorial“ und der Friedrich-Naumann-Stiftung, analysierte den Umgang mit der Geschichte in Russland und Deutschland.

6) DRA-Freiwillige helfen Kindern in Nischnij Nowgorod

Mehrere soziale Einrichtungen in Nischnij Nowgorod – davon eine in kommunaler, die übrigen in freier Trägerschaft - erhalten ab September 2007 ein halbes Jahr lang Unterstützung durch fünf neue DRA-Freiwillige. Hauptsächliches Wirkungsfeld wird die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Lernschwächen und leichten Behinderungen sein. Als Partner des DRA vor Ort fungiert die Organisation „Sfera“, die sich für eine Stärkung des freiwilligen Engagements in Nischnij Nowgorod einsetzt. Möglich wurde die Entsendung der Freiwilligen dank einer Förderung im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD/EVS), der zu dem EU-Programm „Jugend in Aktion“ gehört.

7) Wohin geht Russlands Zivilgesellschaft? DRA-Expertise gefragt

Mit dem Thema „Engagement von unten versus Lenkung von oben: Zivilgesellschaftliche Aktivitäten in Russland“ befasste sich eine gemeinsame Veranstaltung des Bildungswerkes Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und der Organisation Youth Human Rights Movement am 30.6. in Wernsdorf bei Berlin. Als einer der Referenten zur aktuellen Entwicklung des Dritten Sektors in der Russischen Föderation war der Projektkoordinator des DRA, Robert Sperfeld, eingeladen. Die Nachfragen und Beiträge der Teilnehmer_innen galten vor allem den Problemen, die durch die seit April 2006 geltende NGO-Gesetzgebung aufgeworfen werden, sowie den derzeitigen Strategien und Zukunftschancen russischer Nichtregierungsorganisationen.

8) Internationaler Poetry Slam für Toleranz in St. Petersburg

„Rasnye k rasnym“ - „Wir sind verschieden, ihr seid verschieden“: Unter dieser Überschrift stellten 14 junge Dichter_innen aus drei Ländern am 30.6. beim ersten Petersburger „Poetry Slam für Toleranz“ in der Sprache der Poesie ihren Blick auf die Welt dar. Organisiert wurde die Veranstaltung unter Mitwirkung des DRA als erstes Freiwilligenprojekt des Netzwerks für Toleranz „Augen auf!“, das im März in Petersburg gegründet wurde. Mal lautstark und temperamentvoll, mal in leiseren Tönen trugen die Sprachkünstler_innen ihre russisch-, deutsch- und englischsprachigen Texte im Hof des Kulturzentrums „Puschkinskaja 10“ vor. Die mehr als 80 Zuschauer zeigten sich von den Performances begeistert. Zur Gewinnerin des Slams wählten sie die 28-jährige gebürtige Kasachin Shanar. Sie hatte in einem Gedicht geschildert, wie sie in einem Bus aufgrund ihres Kopftuchs für eine Tschetschenin gehalten wurde und ausstieg - aus Rücksicht auf ein kleines Mädchen, das Angst vor ihr hatte. Die besten Gedichte des Abends wurden bereits als eigene Sammlung veröffentlicht (auf den Websites www.obmen.org, www.tac/info.spb.ru sowie als Publikation des DRA und in der Studentenzeitschrift „Gaudeamus“ und der Zeitung „Put domoj“).

9) Aktionstag zur Freiwilligenvermittlung des DRA St. Petersburg

Zu einem Tag der offenen Tür hatte am 27.6. die Europäische Freiwilligenagentur des DRA St. Petersburg eingeladen. Eine Vermittlungsbörse unter dem Motto „Freiwillig aktiv – fühl dich wie Superman!“ brachte innerhalb weniger Stunden viele Nichtregierungsorganisationen (vor allem aus dem sozialen und dem kulturellen Bereich) und künftige Freiwillige zusammen. Zugleich bestand Gelegenheit, sich ausgiebig über viele Fragen auszutauschen, so etwa über Motive und Gründe für ein gemeinnütziges Engagement oder über erfolgversprechende Mittel zur Gewinnung neuer Freiwilliger. Ein weiterer Programmpunkt war ein Konzert in einem Straßenzirkuszelt, bei dem vier Petersburger Bands spielten. In den Pausen zwischen den Auftritten berichteten aktive Freiwillige von ihren Erfahrungen. Insgesamt nahmen an der Veranstaltung rund 80 Personen teil.