DRA Newsletter Juli 2010


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

ist Ihnen etwas aufgefallen? Unser Newsletter hat ein neues Design - und nicht nur dieser! Unsere Website ist ebenfalls neu gestaltet und moderner geworden. Schauen Sie doch gleich mal nach unter www.austausch.org.

In diesem Newsletter informieren wir Sie wie immer über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org).

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft! Der Verein finanziert sich ausschließlich durch projektgebundene Zuwendungen, Mitgliedsbeiträge und private Spenden. Ohne Ihre Unterstützung ist unsere Arbeit unmöglich.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse! Wir wünschen Ihnen eine frohe Adventszeit. 

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

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Inhalt

1) Russischer Zivilgesellschaftsrat gegen Ausweitung von FSB-Vollmachten

Der „Rat zur Unterstützung der Entwicklung der Zivilgesellschaft und Menschenrechte beim russischen Präsidenten“ hat an Dmitrij Medvedev appelliert, die geplante Ausweitung der Rechte des Inlandsgeheimdienstes FSB auf „spezielle prophylaktische Maßnahmen“ zu verhindern. Medvedev solle die laufende Annahme des von der Regierung eingebrachten entsprechenden Gesetzentwurfs durch die Staatsduma „unverzüglich stoppen“, schrieb der Zivilgesellschafsrat unter Leitung von Ella Pamfilova in einer Erklärung am 24. Juni (siehe sovetpamfilova.ru/pressrel/2487). Laut dem Gesetzentwurf, gegen den russische Menschenrechtler_innen seit Wochen protestieren und den die Duma in erster Lesung bereits bestätigt hat, darf der FSB Bürger_innen künftig „vorbeugend“ verwarnen und sie auffordern, ihr „Verhalten zu ändern“. Dies gilt auch, wenn dieses Verhalten keine Rechtsverletzung darstellt, aber angeblich „Ursachen oder Bedingungen für die mögliche Verübung eines Verbrechens“ schaffen kann, das der FSB aufzuklären hätte. Der FSB soll zugleich die Vollmacht erhalten, „Bürger einzubestellen und die Verwarnungen zu veröffentlichen – ohne irgendeine Auflage, diese Maßnahme zu begründen, und ohne Einhaltung der gesetzlichen Verfahren bei Einschränkung von Bürgerrechten“, kritisiert der Rat. „Eine derartige Wiedergeburt der schlimmsten gesetzwidrigen Praktiken eines totalitären Staates, die darauf abzielt, Angst und Misstrauen unter den Menschen zu verbreiten, kann von der Gesellschaft nicht anders verstanden werden denn als Legitimierung des Drucks auf die Freiheitsrechte der Bürger und auf abweichende Meinungen.“ Der Rat leitete dem Präsidenten eine Rechtsstudie zum Gesetzentwurf zu, die dessen „verfassungsfeindlichen und politisch fehlgerichteten Charakter“ belege.

2) Neu: Deutsch-Russisches Internetportal „professija.DE“ jetzt online

Umfangreiche Informationen für russischsprachige Zuwanderer und Zuwanderinnen zu Fragen der beruflichen Integration und des unternehmerischen Handelns bietet das vor wenigen Tagen freigeschaltete Internetportal www.professija.de. Das zweisprachige Angebot ist ein zentraler Baustein des DRA-Projekts „professija.DE – Deutsch-Russische Unternehmen engagiert für Integration und Ausbildung“. Thematische Schwerpunkte sind die Anerkennung von in Russland und anderen GUS-Staaten erworbenen Ausbildungs- und Berufsabschlüssen, das deutsche Ausbildungs- und Qualifizierungssystem sowie aktuelle Hinweise auf Beratungsangebote und Veranstaltungen speziell für russischsprachige Unternehmer_innen. Zugleich wendet sich das Portal auch an Schüler_innen, Eltern und Lehrer_innen, die mehr über russischsprachige Unternehmen erfahren möchten, insbesondere hinsichtlich eventueller Ausbildungs- und Praktikumsplätze oder aber eines Zusammenwirkens bei gemeinnützigen Aktivitäten. Weiterführende Links und Tipps und ein umfangreiches Glossar vervollständigen das Portal, das ständig erweitert und aktualisiert wird. Besuchen Sie www.professija.de! Ermöglicht wird das Projekt im Rahmen des Programms „Xenos – Integration und Vielfalt“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, den Europäischen Sozialfonds, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, den Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin und weitere Förderer, unterstützt wird es u.a. vom Bundesverband deutsch-russischer Unternehmer (BDRU).

3) Russischsprachige Unternehmer_innen für Fotoausstellung gesucht!

Russischsprachige Unternehmerinnen und Unternehmer sind aus dem deutschen Wirtschaftsleben nicht mehr wegzudenken. Zu den Anliegen des DRA-Projekts „professija.DE – Deutsch-Russische Unternehmen engagiert für Integration und Vielfalt“ gehört es, die Leistungen dieser Bevölkerungsgruppe in unserer Gesellschaft sichtbarer zu machen und Vorurteile abzubauen. Als Beitrag dazu bereitet der DRA derzeit eine Fotoausstellung vor, die ab Herbst zunächst in Leipzig und dann an anderen Orten zu sehen sein wird. Ihr Thema sind die Lebensrealitäten russischsprachiger Unternehmer_innen in Deutschland: Geschichten von kleinen und größeren Kämpfen, von Wirtschaftskraft, Lebensmut und Engagement, aber auch die Frage, was die Beteiligten am deutschen Alltag mögen (oder vielleicht nicht) und worin ihre besondere Verbindung zu Deutschland besteht. Sie sind russischsprachige/r Unternehmer/in in Deutschland und möchten dabei sein? Oder Sie kennen jemanden, der daran Interesse hätte? Dann melden Sie sich bitte bei uns! Wir führen ein Interview mit Ihnen und porträtieren Sie in Ihrem Unternehmen, Ihrem familiären Umfeld oder an Orten, die Ihnen besonders wichtig sind!

4) Deutsche und russischsprachige Unternehmer in Leipzig gründen Verband

Mit Unterstützung des DRA-Projekts „professija.DE – Deutsch-Russische Unternehmen engagiert für Integration und Ausbildung“ wurde in Leipzig am 19. Juni der „Interessenverband deutscher und russischsprachiger Unternehmer“ (IDRU) gegründet. An der konstituierenden Sitzung nahmen etwa 40 Personen teil, darunter für den DRA Roman Elsner, Mitarbeiter des Projekts „professija.DE“. Ziel des neuen Verbandes ist es, die russischsprachigen Firmen in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken und ihre Kontakte zu Unternehmen in Deutschland, Russland und anderen GUS-Staaten zu fördern. Dabei werden im Anschluss an die noch andauernde Gründungsphase zunächst regionale Aktivitäten im Vordergrund stehen. Unter anderem wird der IDRU an der derzeit entstehenden DRA-Fotoausstellung über russischsprachige Unternehmer_innen in Deutschland mitwirken. In näherer Zukunft ist als erste größere Veranstaltung eine Podiumsdiskussion in Leipzig geplant.

5) 29./30. Oktober: Herbstgespräche zu Demografie und Sozialpolitik

Unter dem Titel „Russland schrumpft“ widmen sich die 15. Deutsch-Russischen Herbstgespräche am 29./30. Oktober den Herausforderungen durch die sinkende Einwohnerzahl sowie den Wandel in der Familien- und Sozialstruktur in Russland seit 1991. Zu der Tagung in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt laden der DRA, die Heinrich-Böll-Stiftung und die Evangelische Akademie zu Berlin alle Interessierten herzlich ein. Wissenschaftler prognostizieren eine Verringerung der Bevölkerung in Russland um bis zu zehn Millionen Menschen bis 2025. Ursache sind vor allem niedrige Geburtenraten und geringe Lebenserwartung, hinter denen komplexere Gründe liegen, wie Zukunftsängste, die schwierige ökonomische Lage vieler junger Familien, die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Gesundheitsprobleme. Wie kann Russland auf die demografischen Veränderungen reagieren, sein Arbeitskräftepotential erhalten, die Sozialsysteme trotz Alterung wahren und die Entleerung ganzer Regionen verhindern? Wie haben sich die Geschlechterrollen verändert? Welche familienpolitischen Maßnahmen greifen, welche nicht? Wie werden diese Fragen in Politik und Zivilgesellschaft artikuliert? Am 29. Oktober, 18 Uhr, findet im Rahmen der Herbstgespräche zudem der Empfang der Stiftung Deutsch-Russischer Austausch statt.

6) DRA Study Tours: Bildungsreise für Agrarexpert_innen aus Russland

In Kooperation mit der Stolypin-Akademie für Verwaltung in Saratov (Wolga), einer staatlichen Fachhochschule, führte der DRA im Juni für elf Landräte, Behördenmitarbeiter und Leiter von Agrargenossenschaften aus den Gebieten Saratov und Astrachan eine neuntägige Bildungsreise in Berlin und Brandenburg durch. Im Mittelpunkt standen Themen aus Politik und Landwirtschaft. Die Reise gehört zum Programm „Study Tours“, mit dem der DRA russischen Fachinstitutionen thematische Informationsreisen nach Deutschland anbietet. So erfuhren die Gäste diesmal bei Führungen durch Bundestag und Bundesrat Näheres über die föderale Struktur Deutschlands, aber auch zur aktuellen Bundespräsidentenwahl. Ein Gespräch mit dem grünen Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff galt vor allem der deutschen Agrarpolitik, während im brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft ein Vortrag über die Agrarwirtschaft des Bundeslandes und über Fördermaßnahmen des Bundes und der EU auf der Tagesordnung stand. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Fehrbellin, Ute Behnicke, berichtete aus der Praxis der kommunalen Verwaltung in ländlichen Gebieten. Mit der Gläsernen Molkerei in Münchehofe und dem Ökodorf Brodowin (Biosphärenreservat Schorfheide) lernten die Besucher_innen aus Russland erfolgreiche Betriebe einer innovativen biologischen Landwirtschaft kennen. Zum Programm gehörte auch ein Termin beim Deutschen Bauernverband, bei dem nicht nur dessen Arbeit in Deutschland, sondern auch seine auf langjährigen Partnerschaften beruhenden Aktivitäten in Russland vorgestellt wurden. Die nächste Bildungsreise in Kooperation mit der Stolypin-Akademie ist für Mitte Oktober vorgesehen.

7) Schüleraustausch: Gastfamilien gesucht (Herbst) / Bewerbung für Petersburg (Winter)

Mehrere Schülerinnen eines Mädchengymnasiums im sibirischen Krasnojarsk kommen im September über den Deutsch-Russischen Schüleraustausch des DRA nach Deutschland, um hier einen Monat lang zur Schule zu gehen. Für die ca. vierzehn Jahre alten Mädchen werden noch Gastfamilien gesucht – bevorzugt in Berlin und gern solche mit Jugendlichen, die als Austauschpartner 2011 im Gegenzug nach Krasnojarsk fahren möchten (beides ist jedoch nicht Voraussetzung). Ebenfalls in Vorbereitung ist eine neue Runde des Austauschprogramms, die deutschen Schüler_innen im Winter 2010/11 einen Aufenthalt in St. Petersburg ermöglicht. Sie werden dort ein bis zwei Monate lang in Gastfamilien leben und eine Schule besuchen oder ein Sozialpraktikum absolvieren. Jugendliche, die sich für dieses Angebot interessieren, können sich noch bis zum 31. Juli bewerben (Mindestalter: 14 Jahre).

8) Bilaterale Fachkonferenz: Berufsbildungsaustausch stärker fördern

Der Berufsbildungsaustausch zwischen Deutschland und Russland ist bisher noch zu gering entwickelt – was insbesondere Jugendliche in nichtakademischen Bereichen benachteiligt, trotz zahlreicher eindrucksvoller Einzelprojekte. Dies ist das Resümee einer Fachkonferenz zu dem Thema, zu der sich vom 14.-16. Juni in Berlin rund 75 Vertreter_innen von Bildungsträgern, Behörden, NGOs, Politik und bilateralen Unterstützungsinstitutionen trafen, darunter auch der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch (DRJA, Hamburg), der Moskauer staatlichen „Stiftung für Internationalen Jugendaustausch“ und des bilateralen Jugendrates. Dabei besitze der Austausch auf diesem Gebiet großes Potential für die Verständigung in Europa, die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft, aber auch die Bewältigung des Fachkräftemangels, des demografischen Wandels und für die Kompetenzentwicklung der Azubis und jungen Berufstätigen, heißt es in einem Schlussdokument, das der DRA mit erarbeitet hat. Nötig seien dafür jedoch u.a. unbürokratische, föderale Förderprogramme beider Seiten. Empfohlen wurden u.a. die Schaffung gemeinsamer Datenbanken und Zertifikate sowie die Einführung geeigneter Visa- und Arbeitsrechtsregelungen. Veranstalter der Konferenz waren – unterstützt durch die Stiftung DRJA www.stiftung-drja.de – der Internationale Bund (IB) www.internationaler-bund.de und das Zentrum für Berufsbildung „Tair“ (Moskau) (Ergebnis-Dokument der Konferenz hier).

9) Neuer DRA-Infobrief erschienen / Email-Zusendung möglich

Mitte Juni erschien der DRA-Infobrief 1/2010 mit aktuellen Berichten zur Projektarbeit des Vereins. Leser_innen erfahren hier u.a., was der DRA und weitere NGOs und Stiftungen in einem Positionspapier für eine engere Zusammenarbeit der Zivilgesellschaften in Russland und der EU vorschlagen, wie ein Zahnarzt aus Moskau in Potsdam mit Unterstützung des Projekts „professija.DE“ beruflich weiterkommt, was bis Ende 2011 im Bildungs- und Versöhnungszentrum in Nordossetien geplant ist oder wie in der Ostukraine Sozialwaisen geholfen wird, wenn die Behörden sie schikanieren. Wenn Sie den Infobrief künftig zweimal jährlich zugesandt haben möchten (per Post oder Email) oder wenn Sie die Druckausgabe bereits erhalten, aber künftig lieber die PDF-Version per Email wünschen, schicken Sie bitte eine kurze Nachricht an info@austausch.org. Mit jedem Infobrief bittet der DRA auch herzlich um Spenden, ohne die die gesamte Arbeit des Vereins nicht möglich wäre. Für Ihre Unterstützung danken wir Ihnen schon jetzt! Nähere Hinweise zu Spenden finden Sie am Ende dieses Newsletters.