Liebe Leserinnen und Leser,
am kommenden Sonntag, dem 4. März, ehrt der DRA gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung, Memorial Deutschland, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde und dem Lew-Kopelew-Forum den im Dezember 2017 verstorbenen russischen Menschenrechtler und Mitgründer von Memorial, Arsenij Roginskij. Zu der öffentlichen Veranstaltung laden wir alle Interessierten herzlich ein (weitere Infos im Newsletter)!
Zu einem solchen Gedenken gehört der Blick in die Vergangenheit, unbedingt aber ebenso der auf Gegenwart und Zukunft. Das vorgelebte Engagement für Menschenrechte, Bürgerrechte, Demokratie und Frieden gilt es - gerade unter heutigen Bedingungen und angesichts innergesellschaftlicher wie auch internationaler Konflikte und Spannungen - fortzusetzen.
Zu den weiteren Themen unseres vorliegenden Newsletters gehören Schulungen für NGOs aus Russland und Belarus, politische Jugendbildung in Georgien, Menschenrechtsmonitoring und Konfliktnachsorge in der Ostukraine und anderes mehr.
Wir danken wie immer für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung!
Ihr Stefan Melle und das Team des DRA
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Am 18. Dezember 2017 starb in Tel Aviv der Historiker und Mitgründer der wohl bekanntesten russischen Menschenrechtsorganisation „Memorial“, Arsenij Roginskij. Eine gemeinsame Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung mit der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, Memorial Deutschland, dem DRA und dem Lew-Kopelew-Forum ehrt den herausragenden Bürger- und Menschenrechtler und verknüpft den Rückblick auf sein Lebenswerk mit einem deutlichen Zeichen der Solidarität für Memorial und der Frage, wie die Arbeit der Organisation unter derzeitigen Bedingungen fortgeführt und unterstützt werden kann.
Die Gedenk-Matinée für Arsenij Roginskij findet am Sonntag, dem 4. März, von 11:00 bis ca. 14:15 Uhr in den Räumen der Heinrich-Böll-Stiftung statt (Schumannstr. 8, 10117 Berlin). Die Mitwirkenden der zwei vorgesehenen Podiumsgespräche sind Wolfgang Eichwede (Historiker, Bremen), Elena Zhemkova, Nikita Petrov, Alexandra Polivanova und Irina Sherbakova (Memorial Moskau), Marieluise Beck (Zentrum Liberale Moderne, Berlin), Elisabeth Weber (Lew-Kopelew-Forum, Köln) sowie Jens Siegert und Sergej Parchomenko (beide Moskau). Es moderieren Thomas Roth (Journalist, Berlin) und Manfred Sapper (DGO, Berlin). Musikalische Beiträge liefert Jascha Nemtsov (Pianist, Haifa/Berlin).
Die Veranstaltung wird deutsch-russisch simultan übersetzt. Weitere Unterstützer sind die Körber Stiftung, die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft und die Lagergemeinschaft Workuta/GULag Sowjetunion. Programm und Anmeldung HIER.
Den Nachruf des DRA auf seinen Freund und Partner Arsenij Roginskij finden Sie HIER, auf Russisch HIER.
Als eine der letzten Maßnahmen im Projekt “Independent Resources for Civil Society!”, das der DRA in Kooperation mit dem CRNO in St. Petersburg und der belarussischen NGO „Soziale Projekte“ (SP) bis Ende 2017 verwirklicht hat, fand im Dezember in St. Petersburg die Abschlussveranstaltung des Moduls „Laboratorija uspecha“ statt.
Bei diesem „Erfolgslabor“ handelte es sich um einen sogenannten Accelerator für Social Business-Startups, also um ein individuelles, kuratiertes Trainingsprogramm für angehende Sozialunternehmer/innen. Die Veranstaltungsreihe hatte im April 2017 mit einer Ausschreibung begonnen. Unter den Bewerbungen wurden 15 Geschäftsideen ausgewählt, die Nachhaltigkeit und sozialen Mehrwert versprachen. Mindestens zehn der teilnehmenden Teams sollten ihre Vorstellungen unter professioneller Anleitung im Laufe des Jahres in die Tat umsetzen können. Dank engagierter Teilnehmer/innen und der fachlichen Erfahrung des für die Realisierung verantwortlichen CRNO (Zentrum für die Entwicklung von NGOs) gelang es tatsächlich, sogar 12 geplante Startups durch das gesamte Programm zu führen. Die Teilnehmer/innen stellten einen Businessplan auf, entwickelten Finanzierungsmodelle und suchten nach passenden Förderern, Sponsoren oder Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit lokalen Behörden.
Bei der Abschlussveranstaltung wurden die Vorhaben mit aktuellem Stand präsentiert. Eine externe Expertenjury verlieh nach kritischer Prüfung den fünf besten Startups ein Preisgeld. Der erste Platz ging an das Vorhaben, gehörlosen Menschen über eine professionelle Fotografenausbildung berufliche Perspektiven zu eröffnen. Das passionierte, dynamische Team konnte sowohl die Jury als auch das Publikum überzeugen. Wir wünschen allen sozialen Startups, die beim „Erfolgslabor“ teilgenommen haben, gutes Gelingen bei der Umsetzung ihrer weiteren Pläne!
Bei der Veranstaltung wurde außerdem in angeregten Gesprächen die geplante Fortsetzung des vom Auswärtigen Amt unterstützten Kooperationsprojekts von DRA, CRNO und SP diskutiert. Analysiert wurde nicht zuletzt, wie sich vergleichbare Ideen auch in den Regionen von Belarus umsetzen lassen. Dass dort großer Bedarf an qualitativ hochwertigen Fortbildungsangeboten zur Weiterentwicklung und finanziellen Konsolidierung von NGOs besteht und dass davon spürbare positive Impulse für das bürgerschaftliche und soziale Engagement im Land zu erwarten sind, war dabei Konsens.
Am 13.
Während sich die unmittelbare Kooperation von russischen und deutschen Rechtsextremen derzeit auf sporadische Kontakte beschränkt, sind die wechselseitige ideologische Beeinflussung und gemeinsame Bezugnahmen auf bestimmte Autoren - z. B. solche der sogenannten konservativen Revolution in der Weimarer Republik sowie russische Vertreter des Eurasismus - im Augenblick der eigentliche Motor der Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit wird auch durch Personen aus dem Umfeld der russischen Führung unterstützt.
Ein differenziertes Bild davon zu gewinnen, wie die russischsprachigen Communities in Deutschland zum Rechtspopulismus stehen, wird dadurch erschwert, dass wissenschaftliche Erhebungen zu diesem Thema fehlen. Deutlich wurde in der Diskussion, dass innerhalb dieser Communities ein breites politisches Meinungsspektrum mit zum Teil je nach Herkunft, Generation und Wohnort sehr starken Differenzierungen vorliegt.
Die Teilnehmer/innen des Fachaustauschs waren sich einig, dass zum Thema „Rechtspopulismus/Rechtsextrem
Wie seit Jahren führt der DRA weiterhin im Auftrag der Marion Dönhoff Stiftung regelmäßig ein Programm durch, das jungen Menschen aus Osteuropa einen Stipendiumsaufenthalt in Deutschland ermöglicht. Neue Koordinatorin ist seit September 2017 Maria Mutjewa.
Im Rahmen des Programms haben drei Stipendiatinnen aus Russland und Belarus von September bis November 2017 bei der Berliner Aidshilfe e.V., der Berliner Kinderhilfe Schutzengel e.V. und dem Zivilgesellschaftsforum EU-Russland (CSF) mitgearbeitet. Seit Dezember 2017 und noch bis Ende Februar waren drei weitere Stipendiat/innen in Berlin. Sie kamen aus Chabarovsk im russischen Föderationskreis Fernost sowie aus Usbekistan und unterstützen ebenfalls die Aidshilfe, die Berliner Kinderhilfe sowie den DRA.
Beide Stipendiatengruppen haben sich neben ihrem Engagement in Berliner NGOs auch mit den Themen Populismus, Radikalismus und Fremdenfeindlichkeit auseinandergesetzt. Dies ist Teil eines größeren Bildungsprogramms innerhalb der Dönhoff-Stipendien, der sich mit der Aufarbeitung der Geschichte, Formen von Engagement und Zivilgesellschaft sowie Verantwortung und Politik befasst. Die erste Gruppe produzierte dazu unter professioneller Regieanleitung den kleinen Animationsfilm „Zusammenpassen - dazugehören“ (Arbeitstitel), der in Kürze online zugänglich sein wird (Infos dazu in unserem nächsten Newsletter). Die zweite Gruppe erstellt zum selben Themenkomplex eine Abschlussarbeit in einem anderen Format.
Die nächste Ausschreibungsrunde für die Stipendien der Marion Dönhoff Stiftung ist für März 2018 vorgesehen. Nähere Infos zum Programm finden Sie auf der Website des DRA, wo auch die aktuelle Ausschreibung erscheinen wird.
In dem DRA-Projekt "Fankurve Ost" zur Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft sind seit Jahresbeginn bereits mehrere Ausgaben des zweiwöchentlichen Newsletters erschienen. Sie bieten wieder neue Infos zu gesellschaftspolitischen Diskussionen rund um die bevorstehende WM 2018 in Russland und zu fan-internen Diskursen aus Russland, Belarus und der Ukraine. Frühere Ausgaben sind im Web-Archiv des Projekts zu finden.
Mit dem neuen Jahr gibt es für diesen Newsletter auch einen neuen Kooperationspartner. Das renommierte Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung (n-ost) verbreitet ihn seit Januar in einer kuratierten Fassung auch über den eigenen Newsletter. Zudem werden künftig auch auf den Seiten des Osteuropa-Magazins ostpol ausgewählte ausgearbeitete Beiträge von Fankurve Ost erscheinen. Wir freuen uns sehr über die neue Partnerschaft, da sie uns neue Wege eröffnet, vielen Osteuropa-Interessierten einen tieferen Einblick in die Diskussionen und Ereignisse rund um die anstehende WM in Russland zu ermöglichen.
N-ost und Fankurve Ost haben zudem mit der Stiftung des DFB (Deutschen Fußballbundes) die Vorbereitung eines Russland-Reiseführers für Fans zur Fußball-WM vereinbart, der außer fußballspezifischen Informationen auch Porträts der WM-Ausrichterstädte sowie einen Überblick zu den politischen Umständen und Problemen in dem autoritär regierten Land enthalten wird.
Bereits Ende März wird in Berlin erneut das Seminar "Fußball-Fankultur in der Offenen Gesellschaft" stattfinden, das sich an junge Sportjournalist/innen, aktive Fans und Fanbetreuer/innen aus Russland, Belarus und der Ukraine richtet. „Fankurve Ost“ wird vom Auswärtigen Amt gefördert.
Gemeinsam mit seiner georgischen Partnerorganisation SIQA veranstaltete der DRA am 15. Dezember in Tiflis eine öffentliche Fachtagung im Rahmen des DRA-Projekts „Mehr bewegen! – Für eine starke Kinder- und Jugendbeteiligung in Osteuropa“. Erörtert wurden die Ergebnisse der zweiten U18-Jugendwahlen (U18: „unter 18“), die von den Projektpartnern am 9.-13. Oktober 2017 in dem Südkaukasusland organisiert worden waren. NGO-Mitarbeiter/innen, Lehrer/innen und Schüler/innen aus ausgewählten Regionen Georgiens berichteten von ihren dabei gesammelten Erfahrungen. Insgesamt hatten über 7.000 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Sieger der Wahlsimulation mit den Jugendlichen war die neugegründete Partei „Für ein europäisches Georgien“, die bei den tatsächlichen Regionalwahlen am 21. Oktober den zweiten Platz belegte.
Vorgestellt wurde auf der Konferenz auch die erste georgische Version eines Methodenhandbuchs zur politischen Bildung, das derzeit im Projekt „Mehr bewegen!“ in vier Sprachen (Deutsch, Russisch, Ukrainisch und Georgisch) erarbeitet wird. Nach der öffentlichen Präsentation hatten die im Projekt involvierten Multiplikator/innen Gelegenheit, in einem zweitägigen Seminar gemeinsam mit zwei der Autor/innen die im Handbuch vorgeschlagenen Methoden näher kennen zu lernen, in der Gruppe zu erproben und ein Feedback zu erarbeiten. Darüber hinaus vermittelte die U18-Jugendwahlkoordinatorin Deborah Kröger aus Berlin mögliche Strategien des Netzwerkausbaus zu Jugendwahlen und zwischen den mittlerweile schon zehn georgischen Regionen, die sich an „Mehr bewegen!“ beteiligen.
Das Methodenhandbuch wird insgesamt ein halbes Jahr lang in allen vier Projektländern von den jeweiligen Multiplikator/innen getestet, das dabei formulierte Feedback fließt in die Endversion ein. Die Schlussfassung wird Ende des Jahres auf der Projektseite veröffentlicht. Weitere Informationen zu „Mehr bewegen!“ HIER, zu den georgischen U18-Wahlen HIER und HIER. „Mehr bewegen!“ wird durch das Auswärtige Amt, die Berliner Senatsverwaltung und den Paritäter Berlin gefördert.
Seit 2014 findet der Krieg in der Ostukraine viel Aufmerksamkeit in den russischen Medien. Was und wie berichten russische Zeitungen über das Geschehen im Konfliktgebiet und die damit eng verbundenen gesellschaftspolitischen Prozesse?
Im Rahmen des DRA-Projekts „Dialog für Verständigung und Recht: Europäische NGOs gemeinsam für die Konfliktbewältigung in der Ostukraine“ wurde dazu im Januar 2018 die Publikation “Der bewaffnete Konflikt im Donbass in russischen Zeitungen“ vorgelegt. Sie basiert auf insg. 190 Berichten, Reportagen und Meldungen zur Ukraine, die vom 1. April bis zum 30. Juni 2017 in den Druckausgaben von vier einflussreichen russischen Zeitungen erschienen sind. In den Blick genommen wurden die staatliche „Rossijskaja Gaseta“, die Boulevardzeitung „Argumenty i Fakty“, die oppositionelle „Novaja Gaseta“ und die wirtschaftsnahe Zeitung „Kommersant“. Der Monitoringbericht untersucht Aspekte wie: Welche Fragestellungen werden gewählt? Entsprechen die Meldungen internationalen Standards des Qualitätsjournalismus? Werden Mittel der Meinungsmanipulation eingesetzt?
Das Fazit lautet: Generell haben russische Leser/innen eine Wahl zwischen verschiedenen Informationsquellen, darunter auch solchen, die bezüglich des Donbass-Konflikts nicht der offiziellen russischen Regierungspropaganda folgen. In regierungsnahen Zeitungen, die viele Leser/innen erreichen, wird jedoch tendenziell voreingenommen und negativ über die Ukraine berichtet. Die Festigung negativer Stereotype über das Nachbarland im russischen Leserbewusstsein verschlechtert nicht zuletzt immer wieder die Bedingungen für einen russisch-ukrainischen (zivil)gesellschaftlichen Dialog zum Konflikt in der Ostukraine und seiner Überwindung.
Die internationale zivilgesellschaftliche Plattform CivilM+, zu deren Gründung im Dezember 2017 das DRA-Projekt maßgeblich beigetragen hat, gibt seit Jahresbeginn den Newsletter „Puls of Peace in Donbass“ heraus. Zwei Ausgaben sind bereits online zugänglich (englisch HIER, russisch HIER). Der Newsletter wird regelmäßig über zentrale Ereignisse informieren, die den Konflikt in der Ostukraine betreffen, und zivilgesellschaftliche Aktivitäten dokumentieren, die auf eine Bewältigung des Konflikts und die Unterstützung der Bevölkerung gerichtet sind.
Der Konflikt dauert an und fordert immer neue Opfer. Eine Überwindung des Konflikts mit friedlichen Mitteln kann durch mehr zivilgesellschaftliches Engagement gefördert werden, durch Arbeit vor Ort, Regelungsvorschläge, aber auch öffentlichen Druck auf Entscheidungsträger. Unter den zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich in diesem Sinne engagieren, sind neben ukrainischen NGOs auch zahlreiche Initiativen in Russland und in anderen europäischen Ländern.
Vom 17.- 22. Dezember 2017 fand in der Ostukraine eine weitere Monitoring-Mission statt, die der DRA zusammen mit der ukrainischen Partnerganisation VOSTOK SOS organisiert hatte. Sie erfolgte im Rahmen eines Projekts des DRA zum Menschenrechts-Monitoring in dem Konfliktgebiet (Förderung: Auswärtiges Amt). Die teilnehmenden NGO-Expert/innen aus Belarus, Deutschland, Russland, Tschechien und der Ukraine besuchten Ortschaften an der Kontaktlinie und sprachen mit vielen Einwohner/innen auf regierungskontrolliertem Gebiet.
Zu den zentralen Beobachtungen gehörte, dass sich im Vergleich zu 2014 und 2015 die Lage der Menschen in der Ostukraine etwas verbessert hat, weil der Waffenstillstand an vielen Abschnitten besser hält und weil die ukrainische Regional- und Lokalverwaltung trotz bestimmter Defizite funktioniert: Gebäudeschäden werden behoben, Renten und Sozialhilfe regelmäßig gezahlt. Die Schulen sind geöffnet, und selbst in den Kulturhäusern finden regelmäßig Veranstaltungen statt.
Wie brüchig diese Stabilität ist, zeigte sich allerdings, als am 18.12.2017 die Ortschaft Nowoluhanske im Gebiet Donezk mit Grad-Raketen beschossen wurde. Acht Menschen erlitten dabei zum Teil sehr schwere Verletzungen, Dutzende Häuser, ein Kindergarten und eine Schule wurden beschädigt. Hätten nicht viele Einwohner/innen, darunter zahlreiche Kinder, zu diesem Zeitpunkt ein Weihnachtskonzert im Kulturhaus besucht, das unbeschädigt blieb, hätte es Dutzende Tote geben können. Teilnehmer/innen der Monitoringmission besuchten am Tag nach dem Angriff Nowoluhanske, wo sie mit Einwohner/innen sprachen und die Sachschäden in Augenschein nahmen. Sie gelangten zu der Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um ein Kriegsverbrechen gehandelt habe (russischsprachiger Bericht auf Radio Svoboda HIER).
Voraussetzung für eine bessere Lebenssituation der Menschen in der Ostukraine ist ein dauerhafter Waffenstillstand entlang der gesamten Kontaktlinie. Den Mission-Teilnehmer/innen zufolge sollte die internationale Gemeinschaft 2018 ihr Engagement verstärken, um dieses Ziel zu erreichen, und zugleich Investitionen in die Modernisierung der ukrainischen Verwaltung, die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Erneuerung der Infrastruktur in den zugänglichen Bereichen der Konfliktregion tätigen. Ein ausführlicher Bericht zu der Monitoring-Reise wird demnächst veröffentlicht (nähere Informationen dazu im nächsten Newsletter).
Erschienen ist inzwischen der Bericht über die Ereignisse des Jahres 2017 in den selbsterklärten ostukrainischen "Volksrepubliken", den der Journalist Nikolaus von Twickel zum zweiten Mal nach 2016 für den DRA auf Basis eines fortgesetzten Distanzmonitorings erstellt hat.
Mit dem Ziel, die Ressentiments gegenüber psychologischen und psychotherapeutischen Hilfsangeboten in der Ukraine zu verringern und die Zahl therapierter Traumata zu erhöhen, wurden im Rahmen unseres Projekts „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ von September bis Dezember 2017 zwei überregionale Informationskampagnen durchgeführt. Sie umfassten Video- und Printveröffentlichungen in den Medien und zahlreiche Experten-Interviews. Dabei richtete sich die Kampagne „Traumatherapie – Der Weg zurück ins Leben“ (Durchführung: NGO „Mir domu Vaschemu“/„Frieden Ihrem Haus“, Kiev) an Ehrenamtliche und Sozialarbeiter/innen, die mit kriegstraumatisierten Menschen arbeiten. Unter dem Titel „Ich vertraue dem Psychologen“(Durchführung: Regionaler Wohlfahrtsfond aus Saporizhzhja „Ulybka rebenka“/“Kinderlächeln“) wurden hingegen unmittelbar Binnengeflüchtete, (ehemalige) Kriegsteilnehmer/innen sowie Menschen angesprochen, die im Kriegsgebiet in der Ostukraine leben.
Unsere (ausschließlich für männliche Teilnehmer bestimmte) Schulungsreihe „Von der Rehabilitierung hin zur Aktivierung von Männern für die Öffentlichkeitsarbeit gegen häusliche Gewalt als Kriegsfolge” wurde vom 27. bis 31. Januar in Odessa mit dem dritten von vier Modulen fortgesetzt. Nach den ersten zwei Modulen im Vorjahr haben die Teilnehmer in den Regionen Tscherkassy, Dnipro, Lugansk, Charkiv, Kiev und Odessa bereits selbst Seminare mit vom Krieg betroffenen Männern durchgeführt. Im dritten Modul lernten sie nun, unter Einbeziehung von Medien, sozialen Netzwerken und persönlichen Gesprächen Infokampagnen gegen häusliche Gewalt zu verwirklichen, und entwarfen erste Konzepte zu solchen Kampagnen, die sie von März bis Mai 2018 in den oben genannten sechs Regionen der Ukraine realisieren werden.
Auch im Rahmen unserer Projektkomponente „Soziales Unternehmertum als effektives Instrument in der sozioökonomischen Konfliktnachsorge“ wurden von September bis Dezember 2017 zwei überregionale Informationskampagnen ausgeschrieben und realisiert. Mit Kurzvideos über erfolgreiche ukrainische und internationale soziale Unternehmen im Bereich der Konfliktnachsorge sowie mit Plakatwänden in sieben Regionen der Ukraine u.a.m. zielten sie darauf ab, das soziale Unternehmertum als ein Instrument der sozioökonomischen Konfliktnachsorge zu popularisieren. Dabei wandte sich die Kampagne „Tu, was Du liebst, und hilf dadurch anderen!“ (Durchführung:Unternehmerverband ehemaliger Kriegsteilnehmer/innen) vorrangig an Kriegsveteranen und die Kampagne „NgoBiz“ (Durchführung: „Krigolam“) vor allem an Binnengeflüchtete, NGO-Vertreter/innen sowie Business-Akteure aus östlichen Gebieten der Ukraine (Donezk, Luhansk und Charkiv).
Am 8. Februar wurde an der Prager Karls-Universität das Boris-Nemtsov-Zentrum für Russlandstudien eröffnet. Diese neue, an die philosophische Fakultät der Hochschule angegliederte akademische Einrichtung wird von dem tschechischen Osteuropahistoriker Marek Příhoda und dem russischen Politikwissenschaftler Alexander Morosov geleitet. Mit Publikationen, internationalen Konferenzen und Stipendienprogrammen soll sie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der russischen Kultur und Politik fördern.
Zur Eröffnung sprach die Initiatorin des Zentrums, die Tochter des 2015 ermordeten demokratischen russischen Politikers Boris Nemtsov, Schanna Nemtsova. Sie erinnerte daran, dass ihr Vater als promovierter Physiker das wissenschaftliche Arbeiten sehr gemocht habe und in der Lage gewesen sei, komplexe Sachverhalte mit einfachen Worten zu erklären. In diesem Sinne solle das neue Zentrum wissenschaftliche Erkenntnisse auch an die breite Öffentlichkeit vermitteln.
Der tschechische Außenminister Martin Stropnický äußerte in einem Grußwort den Wunsch, dass die Arbeit des Boris-Nemtsow-Zentrums die Beziehungen zwischen der Tschechischen Republik und der Russischen Föderation intensivieren und verbessern möge. Es folgten ein Festvortrag des Moskauer Historikers und Sozialwissenschaftlers Sergej Medvedev über das Russland der Gegenwart sowie eine von Schanna Nemtsova moderierte Diskussion von Wissenschaftler/innen und Osteuropa-Expert/innen über die Zukunft Mitteleuropas und seine Beziehungen zu Russland, an der für den DRA Tim Bohse teilnahm.
Das Boris-Nemtsov-Zentrum für Russlandstudien kann an eine lange Tradition der Russlandforschung in Prag anknüpfen. So kamen vor rund hundert Jahren nach der Oktoberrevolution mit Unterstützung des ersten tschechoslowakischen Präsidenten und Russlandforschers Tomáš Garrigue Masaryk tausende Flüchtlinge aus Russland nach Prag. Das wissenschaftliche Leben in der mitteleuropäischen Metropole beeinflussten sie so intensiv, dass die Stadt damals als ein "russisches Oxford" galt.
In Prag soll in diesem Herbst, am 9. und 10. Oktober, auch das jährliche Boris-Nemtsov-Forum mit Diskussionen über die Entwicklungsbedingungen und –probleme in der erwarteten vierten Amtszeit Vladimir Putins stattfinden. Der DRA wird dann neben der Boris-Nemtsov-Stiftung und der Friedrich-Naumann-Stiftung einer der Veranstalter sein.
In Kooperation mit dem Paritätischen Berlin-Brandenburg und den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) betreut der DRA Stellen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (BFD). Das Programm wird vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) gefördert.
Zum 1. Juli 2018 besetzt der DRA einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst in Vollzeit (40 Wochenstunden) oder Teilzeit (ab 30 Wochenstunden) in seinem Berliner Büro. Schwerpunkte sind die Mitwirkung an gegenwärtigen Projekten und an der Entwicklung künftiger Projekte sowie die Unterstützung der Geschäftsführung. Zu den konkreten Aufgaben gehören u.a. die Website- und Social-Media-Pflege und weitere Öffentlichkeitsarbeit, die Korrespondenz/Kommunikation mit Partnern in Deutschland, Russland, der Ukraine und weiteren Ländern, Zuarbeit zur Datenbankpflege, allgemeines Büromanagement und Recherchen. Vorausgesetzt werden u.a. Interesse an Osteuropa, an politischen und sozialen Fragen in Europa allgemein, an der Arbeit von NGOs und an der internationalen Zusammenarbeit, Flexibilität und Freude an der Arbeit im Team, Deutsch als Muttersprache sowie nach Möglichkeit Englisch- und/oder Russischkenntnisse.
Zur Bewerbung HIER.
Der DRA vergibt zum 15. Mai 2018 ein dreimonatiges Praktikum in seinem Berliner Büro als Assistenz der Geschäftsführung in Vollzeit (40h/Woche). Die Tätigkeiten umfassen die Unterstützung bei Projektarbeiten (Antragstellung, Durchführung, Abrechnung und Berichterstattung), die Unterstützung der Geschäftsführung, die Kommunikation mit Partnern, Recherchen, Zuarbeiten zu Analysen, Übersetzungen, Öffentlichkeitsarbeit sowie allgemeine Büroorganisation. Das Praktikum wird betreut und mit 350 Euro monatlich vergütet. Interessierte senden ihre Bewerbungen bitte bis zum 19. März 2018 per E-Mail an assistenz@austausch.org.
Die ukrainische Umweltorganisation Ecodija führt derzeit im Rahmen des DRA-Umweltprogramms eine Kampagne zu Fragen der Energieeffizienz durch. Im Dezember verwirklichte sie dazu in Kiev eine kreative Straßenaktion: Mitarbeiter/innen und Freiwillige von Ecodija luden an der U-Bahn-Station Khreschatyk Menschen dazu ein, an einem interaktiven Quiz zur Energieeffizienz teilzunehmen. Ziel war es, den Passant/innen Kenntnisse zu Energiesparmaßnahmen im Alltag und im eigenen Zuhause zu vermitteln und sie zugleich über die Lobbyarbeit von Ecodija für eine Erhöhung des staatlichen Budgets für Energieeffizienzmaßnahmen zu informieren. Wer mitmachte, erhielt als Geschenk eine LED-Lampe. Über 100 Personen versuchten sich an dem Quiz und nahmen das energiesparende Präsent mit nach Hause!
Das DRA-Programm “Klima- und Umweltschutz durch Erhöhung von Wissen und Handlungspotentiale zivilgesellschaftlicher Akteure in Osteuropa” wird von Brot für die Welt gefördert. Infos zu weiteren Aktionen von Ecodija zum Thema Energieeffizienz HIER.