DRA Newsletter Jauar - Februar 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

zu Beginn des neuen Jahres haben die internationalen Spannungen dramatisch zugenommen. Wenn wir Sie hier auf ein unheilvolles Gerichtsurteil aus dieser Woche im russischen Kasan hinweisen, mag das unpassend wirken – angesichts der täglichen Vernichtung von Menschenleben und Städten in Syrien, den Zehntausenden neuen Flüchtlingen, zu denen die russische Führung durch Stützung für Diktator Assad massiv beiträgt, auch angesichts der ungelösten Aufgaben in der EU. Doch mit dem Urteil wird nun erstmals in Russland eine Menschenrechtsorganisation auf Antrag des Justizministeriums geschlossen, und mit dem Juristen-Netzwerk „Agora“ trifft es jene, die den unabhängigen NGOs gegen die Repressionen im Land mit am stärksten geholfen hat – sie vertrat ihre Interessen in Behörden und Gerichten und zeigte öffentlich die Verbiegung des Rechts auf. Und gegen die Wahlrechtsbewegung Golos ist, im Duma-Wahljahr, ein gleicher Schritt schon angekündigt. Der Zusammenhang zwischen Außen- und Innenpolitik in Russland bleibt evident, es geht um Machtansprüche der aktuellen Elite. Mit diesem Newsletter laden wir Sie ein, aktuelle Einschätzungen zur Lage in Russland in dem ausführlichen Interview nachzuhören, das der Bayrische Rundfunk mit mir als DRA-Geschäftsführer geführt hat (siehe unten). Wir laden Sie ein, sich selbst für eine Fortsetzung direkter Kontakte mit den Menschen aus Russland zu engagieren – zum Beispiel als Gasteltern für interessierte Schüler_innen. Und wir danken Ihnen, wenn Sie uns in unseren Bemühungen beistehen, die wir trotz der widrigen Umstände im Konfliktfeld EU-Russland-Ukraine unternehmen – zur Wahrung der Menschenrechte, der Herstellung von neuen Dialogwegen, zur Unterstützung unabhängiger NGOs, zur Hilfe für Binnenflüchtlinge, der Entwicklung der Jugendbildung und auf vielen weiteren Gebieten. Wir bitten Sie auch diesmal um Spenden, ohne die vieles in unserer Arbeit nicht möglich wäre  – online, per Lastschrift oder Überweisung.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung!

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

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Inhalt

1) „Politik-Dossier“: Interview des DRA-Geschäftsführers im Bayrischen Rundfunk zu den deutsch-russisch-europäischen Beziehungen, Identität, Propaganda und Migration– zum Nachhören

Stefan Melle (Geschäftsführer des DRA) war am 3. Februar 2016 Studiogast im Bayrischen Rundfunk. In der rund einstündigen Radiosendung "Politik Dossier" auf Bayern2, die am 7. Februar wiederholt wurde, sprach er unter anderem über den Einbruch in den deutsch-russischen Beziehungen, dessen vieljährige Vorboten, über die Wirkung staatlicher Propaganda auf die Menschen in Russland und Deutschland, die Folgen der Wirtschaftskrise für die Bevölkerung in Russland und die Un-/Wahrscheinlichkeit sozialer Proteste, über Versäumnisse der EU und der USA sowie über die Identität russischsprachiger Migrant_innen in Deutschland. In der von Ina Krauss moderierten Sendung berichteten außerdem mehrere BR-Korrespondenten aus Russland, Deutschland und der EU-Metropole Brüssel über die Lage in Russland und den aktuellen Stand der Beziehungen mit dem Land. Der Mitschnitt ist nachzuhören in der DRA-Presse sowie per Podcast beim Bayrischen Rundfunk.

2) „Der Moment, der die Welt verändert“ : Transition-dialogue.com mit Erinnerungen an die 90er Jahre aus Bulgarien, Kroatien, der Ukraine und einer Debatte im Sakharov-Zentrum Moskau

„Welches war der Moment, in dem Du gespürt hast, dass sich die Welt verändert?“ Diese Frage nach der Erinnerung an die Zeit des Umbruchs der 90er stellte das Team des „Transition Dialogue“-Projekts im Herbst Teilnehmern einer internationalen Konferenz über politische Bildung (Citizenship Education). Die Antworten finden sich als Text und Video nun im Projekt-Blog. Thema des von Christine Wetzel (DRA) initiierten und koordinierten Transition Dialogues sind die persönlichen Erfahrungen der Transformationszeit in Mittel-, Ost- und Südeuropa nach 1989 und ihre Folgen für gesellschaftliche Teilhabe heute. Eine ausführliche Diskussion über die Transformation und die Generation dieser Zeit in Russland, die im Sakharov-Center, unserem Moskauer Projektpartner, stattfand, ist als Video und Transkription zu sehen bzw. nachzulesen (auf russ.,). Weitere aktuelle Artikel im Blog kommen von Projektbeteiligten aus Kroatien („Croatia in Transition“), Bulgarien („Bulgaria: Erinnerung versus Ignoranz – der Kommunismus und seine langen Schatten“, auf engl.,) und aus der Ukraine („A letter from Transition in Ukraine“).

3) Ein Beitrag zur Verständigung: Werden Sie Gastfamilie für Schüler_innen aus Russland!

2015 war kein einfaches Jahr für das Schüleraustauschprogramm des DRA. Die wachsenden Spannungen zwischen Russland, Deutschland und der Welt waren auch in unserer Arbeit spürbar. Die Zahl der Bewerbungen von deutschen Schülern war so niedrig wie noch nie. Allerdings ist die Nachfrage von russischer Seite konstant hoch. Durch das Engagement einiger deutscher Gastfamilien kamen viele schöne und spannende Begegnungen zustande. Auch dieses Jahr erwarten wir Ähnliches und möchten trotz allem das Programm am Leben erhalten und weiter entwickeln, auch weil wir so ein Zeichen setzen möchten: Wir arbeiten für die Verständigung der Menschen, für tolerante Gesellschaften und den Dialog der Kulturen.

Daher suchen wir auch dieses Jahr engagierte Gastfamilien, die bereit sind, dieses Programm mit zu tragen und eine/n Jugendliche/n aus Russland im Alter zwischen 14 und 18 für einen oder mehrere Monate aufzunehmen. Auch für die Gastfamilien ist es immer ein Erlebnis, mit dem neuen Familienmitglied Freude zu teilen, eine neue Kultur kennenzulernen und manchmal auch eigene Grenzen zu spüren und zu überwinden. Wir verstehen unter „Gastfamilie“ ein offenes, tolerantes Haus. Sie müssen dazu nicht unbedingt ein Kind gleichen Alters haben oder Russisch sprechen können – die meisten unserer Bewerber verfügen bereits über Grundkenntnisse im Deutschen und können noch mehr von dem Aufenthalt profitieren, wenn sie direkt in die andere Sprache „eintauchen“ können. Als Gastfamilie können Sie dem Schüler Deutschland aus Ihrer individuellen Perspektive zeigen, damit er oder sie eigene Eindrücke sammelt und neue Kontakte knüpfen kann.

Wer kann sich als Gastfamilie bei uns bewerben? Wie läuft alles ab? Wer organisiert die Schule und holt den Gastschüler vom Flughafen ab? Bei diesen und vielen anderen organisatorischen Fragen erhalten Sie Unterstützung von unseren Mitarbeitern. So können auftretende Unsicherheiten oder Verständigungsprobleme sofort geklärt werden. Wir helfen gerne dabei. Der DRA trägt die Verantwortung für das Wohlergehen und die Sicherheit der Jugendlichen im Rahmen des Schüleraustauschprogramms, die Gastfamilie gewährleistet das Wohlergehen im Alltag. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, informieren Sie sich auf www.austausch.org oder schreiben Sie uns eine E-Mail. Bei Fragen stehen wir Ihnen immer zur Verfügung. Tel. +49 (0) 30 4466 80 28, schueler@austausch.org. Mehr Information finden Sie hier.

 

4) Monitoring zur Menschenrechtslage in der Ostukraine beim Europarat in Strassburg, in Warschau und in Paris vorgestellt – internationale NGO-Koalition hält Fortsetzung 2016 für erforderlich

Der DRA und die polnische Helsinki-Stiftung für Menschenrechte haben am 28. Januar in Warschau die Berichte zur Menschenrechtssituation in der Ostukraine sowie dazugehörige kurze Dokumentationsvideos vorgestellt. Die Berichte entstanden in internationaler Zusammenarbeit von NGOs aus der Ukraine, Deutschland, Russland, Polen und Belgien nach mehreren Beobachtungsmissionen im Herbst 2015 in die Gebiete Donezk und Luhansk. Sie beschreiben die Lage der Zivilbevölkerung entlang der Kontaktlinie zwischen den selbsterklärten „Volksrepubliken“ und den von der ukrainischen Regierung kontrollierten Territorien.

Die Menschen im Donbas sehen den bewaffneten Konflikt als Krieg: Dicht besiedelte Gebiete wurden kontinuierlich beschossen, die Versorgung mit Strom, Heizmaterialien, Lebensmitteln, Medikamenten war unterbrochen, zum Teil dauerhaft. Nicht gekennzeichnete Minenfelder bedrohen die Zivilisten, Ärzte und Feuerwehr haben während militärischer Auseinandersetzungen keinen Zugang zu den Orten. Der Konflikt hat Familien getrennt und Verwaltungseinheiten und lokale Ökonomien gespalten. Zudem ging mit der Etablierung der „Volksrepubliken“ die Gründung illegaler Gefängnisse und Arrestkeller einher – die Berichte erhalten dazu Zeugenaussagen früherer Insassen für die NGO-Koalition „Justice for Peace in Donbas“. Die illegalen Hafteinrichtungen führten  zu systematischen Verletzungen von Grundrechten wie dem auf Leben, auf die Freiheit von Folter und das auf effektiven Rechtsschutz.

Nach der Monitoring-Präsentation diskutierten Tim Bohse (DRA Berlin), Julia Krasilnikova und Konstantin Reutski (beide Vostok SOS), Olexandr Pavlichenko (Charkower Menschenrechtsgruppe), Olga Salomatova (Helsinki-Stiftung Warschau), Volodymyr Shcherbachenko (East Ukrainian Center for Civic Initiatives / Koalition „Justice for Peace in Donbas“) aktuelle Probleme der Ukraine. Sie zeigten, dass es der Regierung weiterhin nicht gelingt, die mehr als eine Million Binnenvertrieben (IDP) angemessen zu unterstützen und ein Hilfssystem für Kriegstraumatisierte aufzubauen. Bis heute fehlt auch ein System, das die Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen im Donbas flächendeckend erfasst. Vor allem aber ist der Konflikt politisch nicht gelöst, der Waffenstillstand wird regelmäßig verletzt, eine erneute militärische Eskalation ist nicht ausgeschlossen. Zu einer Lösung des Konflikts mit friedlichen Mitteln und durch Kompromisse könnten auch die europäische, darunter die polnische und die deutsche Zivilgesellschaft beitragen, indem sie gemeinsam ukrainische Bürgerinitiativen sowie deren Partner in Russland unterstützen.

Auch bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Strassburg am 26. Januar waren ukrainische NGOs durch die Unterstützung des DRA präsent, für den Verein war Martina Steis in Strassburg. In der Begleitveranstaltung „Das Recht auf Freiheit und Sicherheit im Osten der Ukraine“ traten die Menschenrechtsbeauftragten der Verchnaja Rada, Valeriya Lutkovska, sowie Volodymyr Shcherbachenko und Olexandr Pavlichenko auf.

Eine weitere Präsentation der Monitoring-Berichte zur Menschenrechtslage in der Ostukraine aus dem DRA-Projekt sowie von der NGO-Koalition "Justice for Peace in Donbas" wurde am 9. Februar gemeinsam mit der französischen Liga für Menschenrechte (Ligue des Droits de l'Homme) und der Pariser NGO Ukraine-Action organisiert.  Bei den Veranstaltungen wurde darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, Informationen über die Lage in der Ostukraine zu erheben und dies gerade auch als breites internationales Bündnis zu tun, das russische Menschenrechtler einschließt – ein Vorhaben, an dem sich der DRA auch 2016 wieder beteiligen will. Die Berichte auf Deutsch und Russisch siehe hier.

5) Deutsche und ukrainische Akteure der Jugendarbeit für Broschüre gesucht – Jugendwahlen „M18“ des Projekts „Mehr bewegen“ finden großes Echo in Medien, Fachwelt und Politik

Zum DRA-Projekt „Mehr bewegen! – Stärkung der Demokratie in der Ukraine durch Förderung einer zivilgesellschaftlichen politischen Jugendbildung“ erscheint demnächst eine zweisprachige (DE/UKR) Infobroschüre, die außer Projektergebnissen und Interviews auch eine Liste deutscher und ukrainischer Organisationen enthalten wird, die in der politischen Jugendarbeit tätig sind. Wir laden hierfür alle deutschen Organisationen zur Jugendarbeit und Jugendbildung herzlich ein, uns bis zum 19. Februar 2016 ihre Kontaktinformation sowie eine kurze Tätigkeitsbeschreibung per Formular zu schicken, damit wir ihre Daten in die Infobroschüre aufnehmen und somit zu ihrer Vernetzung mit ukrainischen Partnern beitragen können. Damit endet zunächst das Projekt, das der DRA 2015 gemeinsam mit den Partnern „Agentur für Entwicklung der Bildungspolitik“ (Kiew) und dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Erlangen-Nürnberg organisiert hat. Der große Erfolg des Projektes war die erstmalige Durchführung der M18-Jugendwahlen in Anlehnung an das deutsche U18-Modell (http://www.u18.org/) mit 20 Schulen und 3572 beteiligten Jugendlichen in drei ukrainischen Städten (Kiew, Irpin und Saporischja)  vor den Kommunalwahlen im Oktober. Die Jugendwahlen erregten sehr große Aufmerksamkeit auch bei Vertretern von Politik und Verwaltung, die die Durchführung von M18 in der Ukraine aktiv unterstützten. Es erfolgte eine intensive Medienberichterstattung durch Fernsehen und Radio, Online-Artikel, Aufsätze in pädagogischen Zeitschriften und YouTube-Videos. Einen Überblick finden Sie auf der Projektseite des DRA, sowie auf dem im Rahmen des Projektes erstellten M18-Internetportal. Auf einer internationalen Fachkonferenz in Kiew wurden die Resultate von M18 präsentiert und mit ausländischen Experten aus Deutschland, Georgien, Polen und Russland diskutiert. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Partner_innen, Unterstützer_innen und Teilnehmer_innen des Projektes für die intensive und erfolgreiche Kooperation bedanken, nicht zuletzt für die finanzielle Unterstützung durch das Auswärtige Amt und die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin. Wir hoffen sehr, dass wir auch im Jahre 2016 unsere gemeinsamen Ziele weiter erreichen können.

6) Elena Belokurova vom DRA St. Petersburg leitet Jury des internationalen Galina-Starovojtova-Gedenkwettbewerbs – Einsendeschluss für Arbeiten zum Thema Zivilgesellschaften bis 25. April

Elena Belokurova, Vorstandsmitglied des DRA in St. Petersburg, ist zur Jury-Vorsitzenden des 17. „Galatej“-Wettbewerbs für wissenschaftliche Arbeiten ernannt geworden. Der Wettbewerb wird seit 2010 von der Petersburger Stiftung „Galina Starovojtova-Museum“ zur Erinnerung an die 1998 ermordete demokratische Politikerin ausgerichtet. Das Thema des Jahres 2016 heißt „Die modernen Herausforderungen für Zivilgesellschaften und Staaten in Europa und Russland: Bedrohungen und Sicherheit vs. Solidarität und Menschenrechte“. Teilnehmen können junge Wissenschaftler und Studierende aus Russland und den Ländern Europas, die GUS sowie die Balten- und Kaukasusstaaten im Alter von bis zu 30 Jahren. Einsendeschluss ist der 25. April 2016. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden im Mai 2016 auf einer wissenschaftlichen Konferenz in Vorträgen der Teilnehmenden vorgestellt und dort auch die Preisträger verkündet. Im Herbst 2016 wird ein Sammelband mit den besten Arbeiten der Wettbewerbsteilnehmer herausgegeben. Ein Sonderpreis erinnert an den bekannten Petersburger Menschenrechtler und Anthropologen N.M. Girenko, ein weiterer für die wird von der Behandlung Friedrich-Naumann-Stiftung für eine besonders gelungene Erörterung von Freiheitsprobleme im modernen Europa verliehen. Ausführlichere Informationen über den Wettbewerb siehe auf vk und facebook.

7) Traumata-Informationsbroschüren jetzt auch auf Ukrainisch – Evaluationstreffen in Jerewan zeigte Bedarf an Zusammenarbeit von NGOs in Nachkriegsländern

Die im DRA-Projekt „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ geschaffenen Broschüren zum Thema Trauma-Bearbeitung für Binnenvertriebene bzw. ehemalige aktive Kriegsteilnehmer stehen nun auch in ukrainischer Sprache auf der Projektwebseite zum Download bereit . Sie sollen traumatisierte Menschen dieser beiden Gruppen motivieren, sich psychologische Hilfe zu suchen, und langfristig der Stigmatisierung von Psychiatrie und Psychotherapie entgegenwirken. Die Broschüren stießen bei der öffentlichen Präsentation zum Projekt-Abschlusstreffen in Charkiv im Dezember 2015 auf großes Interesse und werden, so die Berichte unserer Partner, mittlerweile auch von vielen ukrainischen NGOs aktiv genutzt, die nicht an den Projektmaßnahmen teilgenommen haben.

Außerdem fand Ende Januar in Jerewan ein nachträgliches Evaluationstreffen mit der tschetschenischen Trainerin der Forumtheater-Schulung statt, die im Dezember in Charkiv aus politischen Gründen nicht teilnehmen konnte. Die unerwartete Abwesenheit der Trainerin hatte auch produktive Folgen – da die Teilnehmerinnen selbst die Forum-Diskussion moderieren mussten, erhielten sie Praxiserfahrung und auch Ermutigung für eigene Forumtheater-Stücke. So führten zwei Teilnehmerinnen kurz darauf nahe Kiew ein Stück auf, das die starke Belastung von Freiwilligen bis hin zum Burn-Out-Risiko thematisiert und öffentlich Lösungsoptionen diskutiert. Unmittelbares Ergebnis war u.a. die Gewinnung mehrerer dringend benötigter Volontäre direkt aus dem Publikum heraus für ein Kinderferienlager, in dem sich Kinder von Binnenvertriebenen und Kriegsteilnehmern kostenlos erholen können und sozial-therapeutisch versorgt werden.

In Jerewan traf die Projektleiterin Maria Slesazeck außerdem den Kooperationspartner Caritas Armenien. Dieser ist im Bereich Community Development in Vertriebenen-Siedlungen an der Grenze zu Aserbaidschan sehr erfolgreich. Zugleich verfügt die ukrainische Zivilgesellschaft über Erfahrungen in der humanitären Versorgung einer sehr großen Anzahl von Bedürftigen sowie über Konzepte und Spezialisten in der Trauma-Arbeit, die für Armenien von großem Nutzen wären. Dort, so die Aussagen unserer Partner,  hat außer einer therapeutischen Versorgung durch internationale NGOs direkt nach dem Krieg von 1992-1994 bislang fast keine Trauma-Bearbeitung stattgefunden. 2016 soll daher im Rahmen eines geplanten Nachfolgeprojekts der Erfahrungsaustausch zwischen den Zivilgesellschaften aus (Nach-)Kriegsländern noch einmal verstärkt werden.

8) Job-Ausschreibungen im EU-Russia-Civil Society Forum: Projektmanager für EuropeLab und Fundraiser – Bewerbungen bis 21./25. Februar

Das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (EU-Russia-Civil Society Forum – CSF), dessen Sekretariat vom DRA betreut wird, sucht kurzfristig zwei Mitarbeiter_innen für seine Projektentarbeit bzw. -entwicklung. Gesucht werden ein/e Koordinator/in für das Europäische Forum für Junge Fachkräfte „EuropeLab“,  das im Juli in Kroatien stattfinden wird, im Rahmen einer befristeten Anstellung, sowie  ein Fundraiser, der unter anderem Projektkonzepte mit entwirft und Förderer dafür gewinnen soll.  Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 21. Februar bzw. 25. Februar, die Arbeit soll bereits im März beginnen. Nähere Informationen auf www.eu-russia-csf.org.

9) Berliner NGOs suchen russisch- und ukrainischsprachige Ehrenamtliche – Einsatz in Flüchtlingshilfe bei Xenion e.V. bzw. in der Häftlingsunterstützung beim Freie Hilfe e.V.

Zwei Berliner Vereine suchen Ehrenamtliche mit Sprachkenntnissen in Russisch, Ukrainisch und weiteren Fremdsprachen.  Zum einen sucht die Organisation Xenion Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V. Freiwillige für ihr Mentor_innenprogramm, insbesondere mit Russisch-, Arabisch-, Kurdisch- oder Dari/ Farsi-Kenntnissen. Xenion unterstützt seit 30 Jahren traumatisierte Geflüchtete mit Therapieangeboten, Sozialberatung, Ehrenamtsprogrammen und anderen integrativen Angeboten.  Im Rahmen des Mentorenprogramms werden geflüchtete Einzelpersonen oder Familien ein Jahr lang von Freiwilligen unterstützt – u.a. durch die Begleitung zu Terminen, Hilfe bei der Suche nach Wohnungen, Deutschkursen, Ausbildung, Kita/Schule und Ämterzuständigkeiten. Wesentlich sind auch gemeinsame Aktivitäten und der gegenseitige Austausch: Deutsche und Geflüchtete können hier auf Augenhöhe eine Beziehung aufbauen, die auch stabilisierend auf die Situation der Geflüchteten in Deutschland wirkt. Für die Mentor_innen werden regelmäßig Unternehmungen in der Gruppe sowie Schulungen zu den Themen Asylrecht, Trauma u.a. organisiert.  Mehr Informationen über: mentoren@xenion.org, zuständig sind Anna Stammnitz und Anette Koch
(Kontakt: Xenion, Paulsenstr. 55-56, 12163 Berlin, Tel: 030 31012562, Mo/Di 15-19, Mi 18-19 Uhr)

Der Freie Hilfe e.V. vermittelt in seinem Projekt „Freiwillige Mitarbeit im und nach dem Justizvollzug“ ehrenamtliche Vollzugshelfer/-innen an inhaftierte Männer, Frauen und Jugendliche in den Berliner Justizvollzugsanstalten. Er sucht Engagierte Bürger_innen, die einen Inhaftierten im Vollzug besuchen oder die Freizeit-/Gesprächsgruppen in der JVA anbieten können. Die Besuche sollen der Entlastung des Inhaftierten durch Gespräche über allgemeine Probleme und den Haftalltag dienen und stellen einen wichtigen Beitrag zur Wiedereingliederung des Inhaftierten in die Gesellschaft dar. Geboten werden u.a. ausführliche Informationsgespräche, ein Einführungskurs , regelmäßige Austausch- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie Einzelfallberatungen zu Ihren Betreuungsfragen. Interessent_innen kontaktieren bitte Ana-Sofia Romero per Email: ehrenamt@freiehilfe.de oder

Tel.: (030) 4436 2440, www.freiehilfe.de