Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,
hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)
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Die Flughäfen von Moskau gehören zu jenen Orten, an denen in den vergangenen Jahren für die BürgerInnen und Gäste Russlands eine Atmosphäre selbstverständlicher Weltoffenheit entstanden ist. Gerade hier haben Terroristen am Montag erneut 35 Menschen ermordet. Die Getöteten wurden zufällige Opfer eines aus jahrzehntelanger Feindschaft hervorgegangenen Wahns, der erbarmungslos ausnutzt, dass eben an solchen Plätzen jede modernere Gemeinschaft verwundbar ist. Der bestürzende Anschlag zeigt erneut, wie weit die Gesellschaft Russlands – zu dem unverändert auch der Nordkaukasus gehört – noch von einer Aussöhnung entfernt ist, womöglich noch Generationen. Eine solche Verständigung ist nur zu erreichen, wenn frühere aneinander begangene Verbrechen aufgedeckt werden und sich alle Beteiligten zu Schuldeingeständnissen bereit zeigen. Selbst dann sind noch weitere Attentate zu befürchten. Aber gefährlicher wäre jetzt die Repression oder Diskriminierung ganzer unschuldiger Bevölkerungsgruppen, denn Xenophobie bringt weitere Xenophobie und Gewalt hervor. Der DRA teilt die Trauer mit den in Russland und im Ausland betroffenen Familien und Freunden der Getöteten.
Im Rathaus der Stadt Rostock wird am 14. März um 19 Uhr die Ausstellung „Mittendrin! –Russischsprachige Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland“ feierlich eröffnet. Bis zum 25. März wird sie dort beispielhaft Einblicke in die Leistungen beruflich eigenständiger russischsprachiger Zuwanderer geben, anschließend geht sie an weitere Orte. Für die Schau, die Teil des DRA-Projekts „professija.DE“ ist, wurden 28 russischsprachige Migrant_innen in Potsdam, Rostock und in Leipzig interviewt und fotografiert, die sich in verschiedensten Branchen selbstständig gemacht haben: als Möbelrestaurator oder Floristin, mit einer Anwaltskanzlei, als Inhaberin eines Reisebüros oder einer Tanzschule, als Kosmetikerin oder Klavierbauer. Dabei sind einige im selben Berufsfeld tätig wie schon im Herkunftsland, während andere in Deutschland ganz neue Wege eingeschlagen haben. Möchten Sie die deutsch-russische Wanderausstellung auch in Ihrer Einrichtung zeigen? Gern stellen wir die 30 Fotobanner (selbststehend, 70 x 200 cm) zur Verfügung.
Wie leben russischsprachige Unternehmer_innen in Deutschland? Zeigt sie uns – im Betrieb, bei der Ausbildung von Jugendlichen, in ihrem Engagement für unsere Gesellschaft! Am 15. Januar startete der DRA den Videowettbewerb „Werde professija.DE-Reporter!“ Teilnehmen können in Deutschland lebende junge Leute (Höchstalter: 27 Jahre), die Lust haben, allein oder in einer Gruppe/mit ihrer Klasse ein Video über den Berufsalltag russischsprachiger Unternehmer_innen zu drehen. Die Videos sollen zwischen 20 Sekunden und 5 Minuten lang sein und können mit einem Handy oder mit einer Kamera erstellt werden (bevorzugt im flv-Format; ebenfalls möglich sind die Formate wmv, mpg, avi, mov). Einsendeschluss ist der 15. Juni 2011. Es winken tolle Preise! Interessiert?
Der DRA hat gemeinsam mit weiteren 116 Nichtregierungsorganisationen aus 28 Ländern einen Aufruf unterzeichnet, der die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zur Auslösung des so genannten „Moskau-Mechanismus“ auffordert, um den Schutz der Menschenrechte in Belarus wieder herzustellen. Der Aufruf war nach der brutalen Niederschlagung der Opposition in Belarus und angesichts der fortgesetzten Inhaftierung zahlreicher Regimekritiker durch russische Menschenrechtler initiiert worden. (Aufruf und Unterzeichnerliste siehe HIER). Der 1991 von den OSZE-Staaten vereinbarte „Moskau-Mechanismus“ sieht vor, dass Experten der Organisation bei Menschenrechtsverletzungen eine unabhängige Vor-Ort-Untersuchung im fraglichen Staat vornehmen können. Die OZSE ist aufgefordert, die von der Regierung in Minsk notwendige Einwilligung zu erreichen. Das Verfahren wurde bisher in den 90er-Jahren in Estland, Moldawien, Kroatien, Bosnien-Herzegovina und Serbien sowie 2002/03 in Turkmenistan angewendet. Der DRA unterstützt zugleich Forderungen, die Zugänglichkeit des EU-Raumes für belarussische Staatsbürger_innen kurzfristig zu erleichtern und im Sinne eines ersten Schrittes die – gemessen an den geringen lokalen Einkommen sehr hohen - Visakosten zu erlassen.
Im belarussischen Gomel führte im Dezember 2010 ein „Marktplatz der Möglichkeiten“ Studierende und Dozent_innen verschiedener Hochschulen mit Vertreter_innen zahlreicher Wirtschaftsunternehmen der Region zusammen. Verwirklicht wurde die Veranstaltung im Rahmen des vom DRA unterstützten und durch das IBB-Förderprogramm Belarus finanziell geförderten Projekts „Schaffung eines Modells sozialer Partnerschaften“. Dessen Ziel besteht darin, das gemeinsame Engagement von sozialen Einrichtungen und NGOs, staatlichen Organen und der Wirtschaft zur Lösung sozialer Probleme in der Region Gomel voranzubringen, zu denen auch eine verdeckte Jugendarbeitslosigkeit gehört. Den „Marktplatz der Möglichkeiten“ nutzten die Studierenden dazu, persönliche Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern zu knüpfen und ihnen ihr Wissen und Können darzustellen. Den Unternehmen bot das Treffen die gern genutzte Gelegenheit, nach geeigneten Nachwuchskräften für ihre Branche zu suchen.
Vom 17. -20. Februar findet in der russischen Hauptstadt das 2. Umweltfilmfestival EcoCup (EkoTschaschka) statt, das 2010 mit Unterstützung des DRA-Projekts "Russisch-Deutsches Büro für Umweltinformation" (RNEI) aus der Taufe gehoben wurde. Auch in diesem Jahr ist das RNEI vertreten. Nach dem deutschen Festivalbeitrag „Die 4. Revolution — Energy Autonomy“ von Carl-A. Fechner, der den Umstieg von der fossil-atomar geprägten Weltwirtschaft auf ein nachhaltiges System propagiert, leitet die RNEI-Mitarbeiterin und Journalistin Angelina Davydova am Sonnabend, den 19. Februar im Moskauer Polytechnischen Museum eine Podiumsdiskussion über die Rolle und Chancen der erneuerbaren Energien in Russland. Außerdem werden im Rahmen des Festivals mehrere Dokumentar- und Kurzfilme zu ökologischen Themen gezeigt, so zur Abfallvermeidung und –entsorgung, zum Schutz des Regenwaldes oder dem bevorstehenden, durch die Klimaerwärmung geförderten Ringen um die Rohstoffförderung in der immer eisärmeren Arktis. Vorgesehen sind auch Diskussionen mit den Regisseuren, die u.a. aus Schweden, den USA und Dänemark kommen. Zum Programm gehören außerdem thematische Seminare und Workshops. Der DRA und das RNEI unterstützen das Festival auch organisatorisch und finanziell. Das vollständige Programm von „Eko-Tschaschka“ ist auf dem Webportal www.rnei.de zu finden.
Für deutsche Jugendliche, die am Schüleraustauschprogramm des DRA teilnehmen möchten, steht ab sofort zusätzlich zu St. Petersburg und Petrosavodsk (Karelien) auch Kaliningrad, das ehemalige Königsberg, zur Wahl. Die Bewerbungsfrist für alle drei Städte wurde daher für das Sommerprogramm 2011 bis zum 27. Februar verlängert. Die deutschen Teilnehmer_innen haben ihre russischen Austauschpartner_innen von Juni bis August zu Gast und fahren selbst von September bis November nach Russland, wo sie in deren Familien wohnen und gemeinsam mit ihnen zur Schule gehen. Das Auswahlseminar wird Ende März bei Berlin stattfinden. Die Vorbereitungsveranstaltung für das Frühjahrsprogramm, an dem erstmals auch eine Schülerin aus Österreich teilnimmt, fand am 21.-23. Januar in Berlin statt. Für das Austauschprogramm können sich SchülerInnen aus Deutschland und Österreich bewerben, die 14 bis 18 Jahre alt sind. Alle weiteren Informationen unter Schüleraustausch.
Für den 14-jährigen Vladislav Tjurin aus Tver und für die 16-jährige Nadeschda Larionova aus St. Petersburg sucht der DRA noch kurzfristig Gastfamilien. Beide nehmen am Schüleraustausch teil, den der DRA in Kooperation mit dem DRA St. Petersburg durchführt. Aus Gründen, die nicht vorhersehbar waren, können die Jugendlichen nicht in der Familie ihrer jeweiligen deutschen Partnerschüler unterkommen, die 2010 bereits bei ihnen in Russland zu Gast waren. Interessierte Familien, die bereit sind, im Zeitraum März bis Mai Vladislav oder im Zeitraum Mai bis Juni Nadeschda für je sechs bis acht Wochen bei sich aufzunehmen.
Erneut rufen Amnesty International und Memorial Deutschland und der DRA am 31. des Monats zu einer Mahnwache vor der Russischen Botschaft in Berlin (Unter den Linden 63-65) auf, diesmal von 17 bis 18.30 Uhr. Die Organisationen möchten damit die Aktionen von Bürgerrechtler_innen unterstützen, mit denen diese am gleichen Tag in Russland für die Einhaltung von Artikel 31 der russischen Verfassung, der Garantie der Versammlungsfreiheit, eintreten. Die Aktionen finden seit 2009 in jedem Monat mit einem 31. genau an diesem Datum statt und werden seit Oktober endlich auch am symbolträchtigen Moskauer Triumfalnaja-Platz genehmigt – allerdings nur die der Bürgerrechtler, und das bei engen Auflagen. Der parteipolitische Teil der Opposition wird dagegen immer noch regelmäßig bei Demonstrationen festgenommen, zuletzt am 31. Dezember. Damit bleibt das Grundproblem bestehen: der Mangel an rechtlich und politisch geschütztem Pluralismus in der Öffentlichkeit.