DRA Newsletter 1/2021

Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

Am vorigen Wochenende wurde der 76. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges, der Befreiung vom Faschismus begangen, den die deutsche Gesellschaft damals selbst herangezogen und mit der sie Dutzende Länder weltweit überzogen hat. Wo unsere Vorfahren, teilweise gemeinsam mit anderen, Millionen Menschen ermordet haben. Es sind Ereignisse, die uns auch für immer an die Gesellschaften in Osteuropa binden, an Polen, Belarus, an Russland, die Ukraine, die uns verantwortlich machen für das Gedenken an die Verbrechen und ihre Opfer, eine unverstellte, die Probleme nicht übergehende geschichtliche Erinnerung – und dafür, dass auch echte Verbindung zu diesen Gesellschaften, ihren Menschen gelingt. Es ist ein Tag, der uns weiter mahnt: Frieden, Verständigung, demokratische und inklusive Gesellschaften, Achtung der Menschenwürde und Menschenrechte, gleiche Rechte und Unverletzlichkeit der Grenzen aller Länder – das sind die Ziele und die Grundbedingungen, damit so etwas nie wieder geschieht.

Leider hat sich die Situation in Russland und Belarus seit Jahresbeginn erneut verschärft, sind die Bedingungen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die Zivilgesellschaft weiter erschwert. In Belarus werden Vertreter:innen von Medien und zivilgesellschaftlichen Initiativen jetzt unverhüllt und in großer Zahl der Verfolgung ausgesetzt. Viele sind auch weiter in Haft. In Russland muss demnächst jede internationale Bildungskooperation durch das neue Gesetz über „Aufklärung“ genehmigt werden; wurden die Proteste gegen die Haft Alexey Navalnyjs per Polizei und Gesichtserkennungs-Software verfolgt, haben mit Meduza und Doxa weitere unabhängige Medien Razzien erlebt. Viele Wissenschaftler:innen, Journalist:innen, Aktivist:innen schreiben nun offen von Selbstzensur – und das Nachdenken über Emigration hat sich noch einmal intensiviert. An der Grenze zur Ukraine wurden Truppen auf- und wieder abgezogen, mehrere Seiten haben Diplomaten ausgewiesen, einige Botschaften die Visavergabe eingestellt.

Wir sehen die wachsenden internationalen Spannungen gerade in dem Bereich, in dem wir uns seit Jahren für mehr Dialog, Kooperation, für demokratische Werte und respektvolle Gesellschaften, für das Gedenken an gewaltvolle Geschichte einsetzen mit Sorge. Die aktuellen Entwicklungen erfordern umsichtiges Handeln, sind aber auch Verantwortung. Es wird weiter darum gehen, Frieden und Achtung des Rechts, pluralistische Gemeinschaft und Schutz der Schwächeren mit der Verständigung zu vereinen.

In unserem Newsletter blicken wir dieses Mal auf mehrere Monate der Projektarbeit zurück, in denen es uns gemeinsam mit vielen Partnern in verschiedensten Ländern Mittel-/Osteuropas und dank der Unterstützung unserer Förderer weiterhin gelungen ist, zu zahlreichen Themen im Gespräch zu bleiben, Austausch zu ermöglichen, neue Ansätze zu erproben und das gemeinsame zivilgesellschaftliche Engagement zu stärken.

Auch möchten wir diesmal eine Mitarbeiterin ehren, die sonst nie im öffentlichen Licht steht, die uns aber eine absolut unverzichtbare Stütze in all unserer Arbeit ist – und dies länger als jede:r sonst im DRA: unsere Hauptbuchhalterin Constanze Anthes hat vor 25 Jahren ihre Tätigkeit im Verein begonnen. Ihr gilt daher unsere Hochachtung – und die erste Meldung.

Weitere Informationen zu unserer Arbeit und Kommentare zum aktuellen Geschehen finden Sie auch auf unserem Facebook-Account.



Wir danken Ihnen für Ihr Interesse!

Ihr Stefan Melle und das Team des DRA

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1) In eigener Sache: Wir gratulieren Constanze Anthes zum 25-jährigen Dienstjubiläum!

Am 1. Mai 1996 trat sie an - im ersten „echten“ Büro des Vereins in der Berliner Czarnikauer Straße unter der Geschäftsführung von Rudi Piwko. Ihm folgten in dieser Funktion Stefanie Schiffer und Stefan Melle, und noch zweimal ist der DRA seither in Berlin umgezogen (in die Brunnenstraße und die Badstraße). Constanze blieb und verwaltete mit größter Sorgfalt und Umsicht die finanziellen Grundlagen der wachsenden Projektarbeit, erklärte auf den Mitgliederversammlungen des Vereins geduldig und genau bisher mehr als 20 Jahresabschlüsse und ging als eine zentrale Identifikationskraft des Teams mit uns durch dick und dünn. In komplizierten Situationen weiß sie sich und uns kompetenten Rat, auf ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit ist immer Verlass. Jede NGO kann sich glücklich schätzen, eine so kenntnisreiche, engagierte, zugleich menschliche Mitarbeiterin an einer so wichtigen Position zu haben. Jede:r, der im Verein tätig war, behält sie warm im Gedächtnis.

Liebe Constanze: Wir gratulieren herzlich, aber vor allem können wir Dir nicht genug danken. Bleib so, wie du bist, und bleib uns erhalten! Wir möchten noch viel tun – und das mit Dir! Der Vorstand und das Team des DRA

2) International Accountability Platform for Belarus zur Aufklärung und Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen gegründet – Civic Solidarity Platform trägt zu Konzept bei

Am 24. März 2021 nahm die neu gegründete International Accountability Platform for Belarus (Internationale Plattform für Rechenschaftspflicht zu Belarus, IAPB) ihre Arbeit auf. Die IAPB wird von den NGOs „Dignity“ (Dänemark), „Viasna“, „Legal initiative“ (beide Belarus), „Redress“ (Großbritannien) und einem “Internationalen Komitee für Ermittlungen zu Folter in Belarus” koordiniert. Weitere NGOs sind zudem im Aufsichtsrat der Plattform vertreten, darunter belarusische Menschenrechtsorganisationen und Mitglieder der Civic Solidarity Platform (CSP), dem Netzwerk von Menschenrechts-NGOs im OSZE-Raum, dem auch der DRA angehört und für das er Projekte koordiniert. Die CSP hatte bereits nach der Veröffentlichung des OSZE-Berichts über die Rechtsverletzungen in Belarus einen Ermittlungsmechanismus gefordert, darunter bei zwei Runden Tischen im November 2020, bei denen der DRA e. V. Mitveranstalter war. Der DRA hat auch die Sondierungsgespräche vor Etablierung der IAPB unterstützt.

Die IAPB hat zum Ziel, Beweise für schwere Menschenrechtsverletzungen einschließlich Folter, die von belarusischen Behörden vor und nach den Präsidentschaftswahlen 2020 begangen wurden, zu sammeln, zu verifizieren und zu sichern. Diese Dokumentation soll bei zukünftigen unabhängigen strafrechtlichen Ermittlungen und Strafverfahren verwendet werden, die nach Standards des internationalen Rechts von nationalen, regionalen oder internationalen Gerichten oder Tribunalen durchgeführt werden.

Die Initiative zu der Plattform geht auf einen Bericht zurück, den Prof. Wolfgang Benedek im Rahmen des „Moskauer Mechanismus“ der OSZE im Oktober 2020 erstellt hat und in dem er die damalige Menschenrechtslage in Belarus analysiert und konkrete Empfehlungen formuliert hat, so auch die Schaffung eines internationalen Ermittlungsgremiums. 19 Staaten unterstützten diese Initiative, darunter v. a. die Mitinitiatoren des Moskauer Mechanismus. Die Schaffung der IAPB-Plattform wurde insbesondere von den Außenministerien Dänemarks, Deutschlands und des Vereinigten Königreichs vorangetrieben.

Umstritten waren die Form der zu gründenden Ermittlungsstelle, die Trägerschaft und das Ausmaß der Beteiligung osteuropäischer NGOs. In der Vorbereitungsphase hatte der DRA in zahlreichen Gesprächen versucht, zu einer Einigung beizutragen, und war für eine möglichst starke Rolle erfahrener Menschenrechts-NGOs aus Mittel-/Osteuropa eingetreten. Gleichzeitig wünschen wir uns – wie die gesamte CSP – eine starke öffentliche, rechtliche sowie längerfristige finanzielle Unterstützung durch die europäischen Regierungen für die IAPB.

Ebenfalls am 24. März 2021 nahm der UN-Menschenrechtsrat mit 20 Ja-Stimmen die Resolution „Lage der Menschenrechte in Belarus vor und nach den Präsidentschaftswahlen 2020“ (engl.) an. Mit der Resolution beauftragt der Rat den Hohen Kommissar für Menschenrechte mit einem Monitoring der Menschenrechtslage in Belarus sowie mit einer umfassenden Untersuchung aller mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen, die seit dem 1. Mai 2020 in Belarus begangen wurden, um Verantwortliche zu identifizieren, Täter zur Rechenschaft zu ziehen und zur Gerechtigkeit für die Opfer beizutragen.

Inzwischen ist in Deutschland außerdem eine Klage gegen Alexander Lukashenka eingereicht worden. Sie setzt auf das in einigen Ländern bereits etablierte System einer „universellen Justiz“, wonach die internationalen Menschenrechtsstandards weltweite Gültigkeit haben und ihre Verletzungen auch in einem anderen als dem Land der mutmaßlichen Straftat verfolgt werden können.

3) Programm „Transition Dialogue“ (TD) über die 90-er Jahre in Mittel- und Osteuropa: Veranstaltungen in Litauen, Kroatien und demnächst in Kiev und Berlin

Der jüngste mehrwöchige Aufmarsch russischer Truppen und die Schusswechsel an der Grenze zur Ostukraine haben es erneut deutlich gemacht: Der bewaffnete Konflikt im Donbas bleibt auch im 7. Jahr hochgefährlich – für die Region, ihre Bewohner:innen, für die Ukraine und ganz Europa.  

Als ein Element zur friedlichen Bewältigung des Konfliktes setzt der DRA nun seit Ende März sein 2018 begonnenes Projekt „Dialog für Verständigung und Recht: Stärkung des zivilgesellschaftlichen Beitrags zur Konfliktbearbeitung in der Ostukraine“ fort. Die anspruchsvolle Initiative in Partnerschaft mit zahlreichen NGOs aus der Ukraine, Russland und weiteren Ländern Europas soll helfen, eine weitere Eskalation zu verhindern, den Schutz der Menschenrechte und die Zivilgesellschaft in der Region zu stärken und die Chancen für eine baldige sichere und friedliche Reintegration der Gebiete Donezk und Luhansk zu vergrößern. Das Projekt beruht auf vier Säulen, 1. der internationalen NGO- und Experten-Plattform CivilM+, 2. einem Monitoring der Konfliktregion beidseits der Frontlinie, begleitet vom Ausbau des multilateralen Netzwerks beteiligter Fachleute, 3. das zivilgesellschaftliche Zentrum „Drukarnia“ des DRA in Slovjansk (Gebiet Donezk/Ostukraine) und 4. einer internationalen Öffentlichkeitsarbeit zum Konflikt – mit Erfahrungen, Konzepten und Positionen der NGOs, länder- und sektorenübergreifend. 

Zu den Aufgaben des Projektes gehört es unter anderem, im Rahmen von Teilvorhaben der Plattform CivilM+ mit Bewohner:innen der Region Diskussionen über die disparate Wahrnehmung der jüngsten Geschichte zu etablieren, Dialogformate für Menschen beidseits der „Kontaktlinie“ zu schaffen, aber auch die Ahndung von Menschenrechtsverbrechen auf den Weg zu bringen. Alle Projektaktivitäten sollen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene die Zivilgesellschaft stärken. Die neuerliche Ausweitung des russisch-ukrainischen Konflikts im März/April hat gezeigt, dass die politischen und diplomatischen Bemühungen noch verstärkt werden müssen. Es ist dabei das erklärte Ziel der Zivilgesellschaft, den Friedensprozess durch breite Beteiligung und Konsultationen zu verstärken. 

Am 9. April veröffentlichte CivilM+ in Reaktion auf die Truppenverlegung und das dadurch gestiegene Risiko einer militarischen Auseinandersetzung ein  Statement. Darin appellierten die NGOs an die russische Führung und die internationale Gemeinschaft, eine Eskalation zu verhindern; die internationalen Mediatoren und Beobachter wurden aufgefordert, auf Basis der vereinbarten  Entzerrungsmechanismen zu agieren und konstruktive Verhandlungen zu führen. In einer weiteren Veröffentlichung zur fragilen Lage im Donbas weiteren Veröffentlichung zur fragilen Lage im Donbas erklärte sich CivilM+ mit der Ukraine solidarisch und forderte Politiker:innen und Diplomat:innen sowie die internationale Gemeinschaft auf, die Belastungen für die Zivilbevölkerung zu lindern. 

Um wöchentliche und monatliche Updates zur Situation in der Ukraine zu erhalten, abonnieren Sie hier den CivilM+-Newsletter. Weitere Informationen zur Plattform CivilM+, zum Civic Monitoring und zum Zentrum Drukarnia (siehe auch folgende Meldung) finden Sie unter den jeweiligen Links und unter #CivilSocietyCooperation.  

Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt finanziell gefördert.

4) DRA-Projekt „Dialog für Verständigung und Recht“ zur Konfliktbearbeitung in der Ostukraine wird fortgesetzt – NGO-Partner wenden sich gegen militärische Eskalation

Der jüngste mehrwöchige Aufmarsch russischer Truppen und die Schusswechsel an der Grenze zur Ostukraine haben es erneut deutlich gemacht: Der bewaffnete Konflikt im Donbas bleibt auch im 7. Jahr hochgefährlich – für die Region, ihre Bewohner:innen, für die Ukraine und ganz Europa.

Als ein Element zur friedlichen Bewältigung des Konfliktes setzt der DRA nun seit Ende März sein 2018 begonnenes Projekt „Dialog für Verständigung und Recht: Stärkung des zivilgesellschaftlichen Beitrags zur Konfliktbearbeitung in der Ostukraine“ fort. Die anspruchsvolle Initiative in Partnerschaft mit zahlreichen NGOs aus der Ukraine, Russland und weiteren Ländern Europas soll helfen, eine weitere Eskalation zu verhindern, den Schutz der Menschenrechte und die Zivilgesellschaft in der Region zu stärken und die Chancen für eine baldige sichere und friedliche Reintegration der Gebiete Donezk und Luhansk zu vergrößern. Das Projekt beruht auf vier Säulen, 1. der internationalen NGO- und Experten-Plattform CivilM+, 2. einem Monitoring der Konfliktregion beidseits der Frontlinie, begleitet vom Ausbau des multilateralen Netzwerks beteiligter Fachleute, 3. das zivilgesellschaftliche Zentrum „Drukarnia“ des DRA in Slovjansk (Gebiet Donezk/Ostukraine) und 4. einer internationalen Öffentlichkeitsarbeit zum Konflikt – mit Erfahrungen, Konzepten und Positionen der NGOs, länder- und sektorenübergreifend.

Zu den Aufgaben des Projektes gehört es unter anderem, im Rahmen von Teilvorhaben der Plattform CivilM+ mit Bewohner:innen der Region Diskussionen über die disparate Wahrnehmung der jüngsten Geschichte zu etablieren, Dialogformate für Menschen beidseits der „Kontaktlinie“ zu schaffen, aber auch die Ahndung von Menschenrechtsverbrechen auf den Weg zu bringen. Alle Projektaktivitäten sollen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene die Zivilgesellschaft stärken. Die neuerliche Ausweitung des russisch-ukrainischen Konflikts im März/April hat gezeigt, dass die politischen und diplomatischen Bemühungen noch verstärkt werden müssen. Es ist dabei das erklärte Ziel der Zivilgesellschaft, den Friedensprozess durch breite Beteiligung und Konsultationen zu verstärken.

Am 9. April veröffentlichte CivilM+ in Reaktion auf die Truppenverlegung und das dadurch gestiegene Risiko einer militarischen Auseinandersetzung ein Statement. Darin appellierten die NGOs an die russische Führung und die internationale Gemeinschaft, eine Eskalation zu verhindern; die internationalen Mediatoren und Beobachter wurden aufgefordert, auf Basis der vereinbarten Entzerrungsmechanismen zu agieren und konstruktive Verhandlungen zu führen. In einer weiteren Veröffentlichung zur fragilen Lage im Donbas weiteren Veröffentlichung zur fragilen Lage im Donbas erklärte sich CivilM+ mit der Ukraine solidarisch und forderte Politiker:innen und Diplomat:innen sowie die internationale Gemeinschaft auf, die Belastungen für die Zivilbevölkerung zu lindern.

Um wöchentliche und monatliche Updates zur Situation in der Ukraine zu erhalten, abonnieren Sie hier den CivilM+-Newsletter. Weitere Informationen zur Plattform CivilM+, zum Civic Monitoring und zum Zentrum Drukarnia (siehe auch folgende Meldung) finden Sie unter den jeweiligen Links und unter #CivilSocietyCooperation.

Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt finanziell gefördert.

5) „Drukarnia“ in Sloviansk (Ostukraine): Projekt „Stimmen des Donbas“ zu lokalen NGOs und internationalen Akteuren, Dokumentarfilm zur europäischen Geschichte der Stadt

Das Jahr begann in der Ukraine turbulent, vor allem in den vom Konflikt betroffenen Regionen Donezk und Luhansk. Die Covid-19-Situation bleibt unberechenbar, die Impfungen kommen nur langsam voran, so dass sich sämtliche Regionen des Landes beständig zwischen strengem Lockdown und eingeschränkten Freiheiten bewegen.

Dennoch konnte das Team des DRA-Ressourcenzentrums Drukarnia in Slovjansk vom 23.–25. April die Veranstaltung „Voices of Donbas“ in hybrider Form durchführen. Die Teilnehmer:innen aus verschiedenen Städten der Regionen Donezk und Luhansk durchliefen einen Schnupperkurs zu Projektmanagement, Leadership, Cyber-Security und strategischer Kommunikation im NGO-Sektor. Zugleich lernten sie die Arbeit internationaler Akteure wie der OSZE in der Ukraine kennen, darunter des OSZE-Project-Co-ordinators (PCU) und der Special Monitoring Mission (SMM) der OSZE. Ziel von „Voices of Donbas“ war es, jungen Menschen aus der Konfliktregion die Wechselbeziehungen zwischen Aktivismus auf lokaler Ebene und internationaler Politik zu vermitteln. Diskutieren konnten sie u. a. mit Julian Krizak, dem Leiter des Nationalen Jugendrates der Ukraine (NYCUkraine) und mit Alumni der vom PCU unterstützten „Jugend-Kontakt-Gruppe“. Die Veranstaltung wurde vom Charkiver Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung und SlovakAid finanziell unterstützt.

Erstmals vorgestellt wurde auch ein 25-minütige Dokumentarfilm über die europäische Geschichte des Druckerei-Gebäudes, in dem das Ressourcenzentrum 2019 eröffnet wurde. Er zeigt Sloviansk und die „Drukarnia“ im Kontext der 375-jährigen Stadtentwicklung, dem Beginn der Industrialisierung der Region Donezk ab dem 19. Jahrhundert bis zur Besetzung der Stadt durch den russischen Offizier Igor Girkin und seine Anhänger 2014. Koordiniert wurde die Erstellung des Films 2020 durch die PR-Managerin der Drukarnia, Veronika Perepelytsia, und den Sloviansker Videojournalisten Dmytro Shuravlev. Zur Filmpräsentation kamen u.a. lokale Journalist:innen, Aktivist:innen und die Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Maryna Oliynyk.

Die Drukarnia förderte weiter die internationale Integration der Stadt und der Region durch On- und Offline-Präsentationen junger Freiwilliger. So stellte etwa Jonas Maurrant einige europäische und deutsche Freiwilligenprojekte vorstellte, in denen er selbst aktiv war, während der derzeitige Drukarnia-Freiwillige Dmytro Mamayev von seinen Erfahrungen als Student und Freiwilliger in Italien berichtete.

Die Arbeit der Drukarnia wurde zuletzt nicht nur durch Corona erschwert: Im März und April standen die Ukraine und Russland durch die Stationierung von russischem Militär und schwerem Geschütz an der ukrainischen Grenze am Rande einer militärischen Eskalation. Die Schusswechsel an der etwa 70 km von der Drukarnia entfernten Kontaktlinie nahmen massiv zu und hebelten den seit Juli 2020 weitgehend eingehaltenen Waffenstillstand aus. Büroleiter Igor Mitchnik kommentierte in der Jüdischen Allgemeinen die Lage in der Region und die Sicherheit in der Ostukraine.

Seit April 2021 wird die Arbeit der Drukarnia vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Fortsetzungsprojekts des DRA „Dialog für Verständigung und Recht: Stärkung des zivilgesellschaftlichen Beitrags zur Konfliktbearbeitung in der Ostukraine“ (s. Meldung oben) zum zweiten Mal gefördert.

6) Ein Jahr DRA-Inklusionsprogramm „INKuLtur“: Barrierefreiheit in Einrichtungen u.a. in Pskov, Omsk, Lviv gestärkt, Wanderausstellung „ÜberZEUGEN“ entwickelt

Das Programm “INKuLtur – für Inklusion und kulturelle Teilhabe”, das der DRA seit Januar 2020 umsetzt, bot im Herbst und Winter 2020 vielfältige Veranstaltungen zu Inklusion und Barrierefreiheit in den vier Programmbereichen: Arbeit mit Kultur-Piloteinrichtungen in russischen Regionen; Vorbereitung einer deutsch-russisch-ukrainischen multimedialen Wanderausstellung; Weiterbildungsmodule in Russland und der Ukraine; Multi-Stakeholder-Dialog in der Ukraine.

Als Piloteinrichtungen in Russland ausgewählt wurden die regionale wissenschaftliche Bibliothek Pskov, das Innovative Kulturzentrum (IKZ) in Pervouralsk, das regionale Bernsteinmuseum Kaliningrad sowie das Museum „Omsker Kunst“. Von Oktober bis Dezember 2020 führten Inklusionsexpert:innen aus Deutschland und Russland hier umfassende Analysen zu Fragen der Barrierefreiheit durch. Anschließend wurden Maßnahmenpläne für 2021 erstellt, mehrere Trainings für die Mitarbeitenden abgehalten sowie Kunst- und Forschungsprojekte entwickelt, die in nächster Zeit umgesetzt werden. Im Dezember 2020 organisierte der DRA gemeinsam mit lokalen Partnern ferner ein Weiterbildungsseminar zur Gestaltung einer barrierefreien Ausstellung in Sankt Petersburg und fünf Seminare zu Inklusion im Kulturbereich in der Ukraine. Im Mittelpunkt standen dabei die Sensibilisierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, die Vermittlung von Besonderheiten der Kommunikation mit ihnen sowie Diskussionen über bestehende Barrieren in Kultureinrichtungen und Strategien für deren Abbau.

Am 22. Dezember 2020 folgte in Lviv (Ukraine) ein Multi-Stakeholder-Dialog zum Thema „Inklusion. Kultur. Öffentlichkeit“ unter Beteiligung von Mitarbeiter:innen von Kultureinrichtungen und NGOs, Menschen mit Behinderung,Inklusionsexpert:innen sowie Vertreter:innen lokaler Behörden und der Medien. Sowohl der Multi-Stakeholder-Dialog als auch einige der Seminare stehen auf dem YouTube-Kanal von INKuLtur zur Verfügung.

Parallel wurde an der Wanderausstellung „übeZEUGEN – Geschichten von Menschen mit Behinderung“ über das Leben von Menschen mit Behinderung zwischen 1945 und 2020 gearbeitet. Im August übernahmen Vlad Kolesnikov, Gehörlosenpädagoge und Programmleiter für Inklusion im Kulturbereich, und die Kulturwissenschaftlerin Maria Sarytscheva die konzeptionelle Betreuung der Ausstellung. Im Oktober und Dezember 2020 folgten mehrere Arbeitstreffen mit Expert:innen, die selbst eine Behinderung haben. Derzeit werden noch Interviews mit Protagonist:innen geführt und Lebenszeugnisse gesammelt. Insgesamt sind an der Ausstellung 20 Expert:innen und Fachkräfte aus Russland, Deutschland und der Ukraine sowie das internationale Programmteam des DRA beteiligt.

Die flexible und vertrauensvolle Kooperation, der kollegiale Zusammenhalt und die engmaschige Kommunikation zwischen den Programmpartnern in den drei Ländern wie auch den Programmförderern – der Europäischen Union und dem Auswärtigen Amt – waren entscheidend dafür, dass das Programm trotz der corona-bedingten außergewöhnlichen Umstände erfolgreich umgesetzt werden konnte.

7) Nachhaltige Perspektiven ländlicher Regionen in Russland und der Ukraine: Projektabschluss mit Roadmaps – weitere Arbeit zum Thema in Vorbereitung

Im Januar 2021 ging das DRA-Projekt Nachhaltige Perspektiven auf dem Land in Russland und der Ukraine zu Ende – verbunden mit Plänen sowohl zu einer Projektfortsetzung als auch für die konkrete weitere Arbeit an Zukunftsperspektiven für die zwei Regionen Russlands (Udmurtien und Kalmückien) und die sechs Gemeindeverbände in der Ukraine, in denen seit April 2020 Maßnahmen zur Förderung von Initiativen, Organisationen und Akteuren im ländlichen Raum entwickelt und durchgeführt wurden.

Dabei hatten zunächst Expert:innen gemeinsam mit Vertreter:innen der beteiligten Gemeinden die ökologischen, sozialen und ökonomischen Ressourcen der Regionen analysiert. Es folgten Trainings für lokale Stakeholder mit dem Ziel, sie für eine Umsetzung von Entwicklungsprozessen zu gewinnen und weiter zu qualifizieren. Schließlich erstellen die Gemeindevertreter:innen zusammen mit Expert:innen Roadmaps, auf deren Basis regionale Initiativgruppen eigene Projekte entwickeln konnten. Inhaltlich ging es um Umweltmaßnahmen und -bildung, neue Geschäftsmöglichkeiten und regionale Wertschöpfungsketten, die Schaffung neuer Netzwerke, Aktivitäten für einen regionalen und nachhaltigen Tourismus u.a.m. In Kalmückien etwa wurde ein Festival ins Leben gerufen, das mit vielfältigen Veranstaltungsformaten Aufmerksamkeit auf die kulturelle und ökologische Einzigartigkeit der Region lenken soll, um touristische Potenziale zu nutzen, die Kreativwirtschaft zu fördern und Investitionsanreize zu schaffen.

Wir danken dem Auswärtigen Amt und Brot für die Welt für die Förderung des Projekts. Das Team des DRA-Arbeitsbereiches „Klima und Umwelt“ wird sich mit dem Thema einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Regionen in Russland und der Ukraine auch weiterhin befassen.

8) Umweltbildungsprojekt „ACCT!“: Ausbildung von Klimatrainer:innen begonnen, Methoden-Handbücher zu Bildungsformaten veröffentlicht

Fünf neue Bildungsformate sind planungsgemäß seit Januar 2019 im Projekt ACCT! – Acting on Climate Change Together! entstanden. Sie sollen helfen, junge Menschen in Russland über den Klimawandel aufzuklären und für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Dazu gehören die Formate „Klimabotschafter“, Klima-Sommerschule, „Schul-Aktionsplan“, ein Simulationsspiel zu dem Thema sowie das Diskussionsformat „Klima-Battle“. Entwickelt wurden sie von in Kooperation mit den Projektpartnern – dem Russisch-Deutschen Büro für Umweltinformation (RNEI, St. Petersburg), den Umweltschutzorganisationen Movement „42“ (Archangelsk) und Friends of the Baltic (St. Petersburg), der Polytechnischen Universität Peter der Große (St. Petersburg) und dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen UfU. Die Methoden waren bis Ende Februar 2021 ausgearbeitet und liegen nun auch in digitaler Form (Handbücher) auf Russisch vor.

Damit konnte das Projekt in seine nächste Phase gehen: Am 25./26. März sowie am 23./ 24. April 2021 fanden die ersten zwei von insgesamt vier Workshops statt, in denen Pädagog:innen dazu ausgebildet werden, die Bildungsformate anzuwenden, um Schüler:innen und Student:innen mehr Wissen rund um Klimawandel und Umweltschutz zu vermitteln bzw. gemeinsam zu erarbeiten. Die Leitung der Workshops lag bei Mitarbeiter:innen von Movement „42“, RNEI und Friends of the Baltic.

Das Projekt ACCT! wird von der Europäischen Union im Rahmen von EuropeAid gefördert.

9) DRA und DRA/NRO St. Petersburg gemeinsam für mehr Bürgerbeteiligung! – Austausch von lokalen Abgeordneten und Bürgerinitiativen

„Mehr kommunale Bürgerbeteiligung in St. Petersburg“: Unter diesem Titel verwirklichte der DRA zusammen mit dem Deutsch-Russischen Austausch (NRO) St. Petersburg von Juli bis Dezember 2020 ein Projekt, das darauf abzielte, über einen bilateralen Fach- und Bürgeraustausch zur Stärkung der Bürgerbeteiligung und einer Verbesserung der lokalen Selbstverwaltung beizutragen.

Die in diesem Rahmen geplanten zwei Studienreisen von Vertreter:innen aus der Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft in St. Petersburg nach Berlin und umgekehrt konnten aufgrund der Pandemie leider nicht stattfinden. Als sehr produktiv erwiesen sich jedoch die Alternativveranstaltungen einer Studienreise nach Pskov sowie einer deutsch-russischen Online-Diskussion im November 2020.

Zu den unmittelbaren Ergebnissen gehörten fünf innovative lokale Subprojekte, die in St. Petersburg durchgeführt wurden, darunter die Erstellung von Infomaterialien zur lokalen Selbstverwaltung und Öko-Aktionen wie eine wie eine Schulung zur Begrünung öffentlicher Räume und die Einführung beweglicher Container zur Mülltrennung. Dazu kamen Diskussionen zu weiteren städtischen Projekten.

Die Subprojekte werden derzeit, also über das Projektende hinaus, unter Beteiligung von lokalen Politiker:innen und Bürger:innen fortgesetzt – ein überzeugender Beleg dafür, wie stark der Bedarf nach und das Interesse an solchen neuen Formen der kommunalen Kooperation sind. Mehrere interne und öffentliche Online- und Offline-Veranstaltungen unter aktiver Beteiligung lokaler Politiker:innen und Aktivist:innen aus dem Petersburger Stadtbezirk Vladimirski und dem Berliner Stadtteil Pankow haben zusätzlich zur Reflexion über die Projektergebnisse und zur Verbreitung der Projektideen beigetragen.

Wir danken in diesem Zusammenhang Almuth Tharan, die das Projekt gemeinsam mit Elena Belokurova (NRO) koordiniert hat und die selbst langjährige Bezirksverordnete von Berlin-Pankow ist. Das Projekt wurde vom Auswärtigen Amt aus dem Programm zur Förderung der Zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit mit der Östlichen Partnerschaft und Russland unterstützt.

10) DRA-Projekt "Stärkung der Radikalisierungsprävention im Nordkaukasus und Tatarstan“ mit internationaler Fachkonferenz zu „Multi-Agency-Ansatz“ abgeschlossen

Am 22. Januar fand die internationale Online-Konferenz „Multi-Agency zur Stärkung der Radikalisierungsprävention – Perspektiven aus Deutschland, Russland und Frankreich” statt. Die Veranstaltung bildete den Abschluss einer zweijährigen Projektarbeit im russischen Nordkaukasus und in Tatarstan, in deren Rahmen der DRA und seine Partner "Women for Development" aus Russland und „d’est“ aus Frankreich 20 ausgewählte Praktiker:innen in der Anwendung moderner Methoden der Radikalisierungsprävention fortbilden konnten. Die ausgebildeten Trainer:innen und Jugendarbeiter:innen führten danach über 40 Maßnahmen der Radikalisierungsprävention in den Projektregionen durch. So wurden mehr als 1.200 Kinder und Jugendliche erreicht. Die eingebundenen Praktiker:innen der Jugendarbeit hatten ferner im Rahmen zweier Bildungsreisen nach Berlin und Paris Gelegenheit zum Austausch mit deutschen und französischen Kolleg:innen. Auch die Herbstgespräche des DRA 2019 waren dem Thema der Radikalisierungsprävention gewidmet.

Bei der Abschlusskonferenz im Januar diskutierten Expert:innen aus den drei Ländern Perspektiven des ganzheitlichen Ansatzes in der Präventionsarbeit, der in der Fachwelt als Multi-Agency-Ansatz bezeichnet wird. Im engeren Sinne ist damit das Zusammenwirken verschiedener relevanter Akteure und Institutionen gemeint. Der zukunftsweisende Kern des Konzepts liegt in der gezielten Aufwertung von Akteuren aus der Sozialarbeit und Sozialverwaltung gegenüber den traditionell mit der Gefahrenabwehr befassten Sicherheitsbehörden. Hiermit wird eine Präventionspraxis angestrebt, die jenseits der stigmatisierenden Logik einer Fokussierung auf Sicherheitsaspekte bzw. Repression liegt. Die Konferenzteilnehmenden konstatierten, dass deutsche Präventionsakteure im Vergleich zu Russland und Frankreich in vielfacher Hinsicht einen Erfahrungsvorsprung in dem Feld hätten. Für Frankreich und Russland wurde ein starker Trend zur Hinterfragung überkommener Konzepte und zur Entwicklung neuer Formate im Sinne von Multi-Agency festgestellt. Die Konferenz unterstrich die Bedeutung einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Kritisch merkten Vertreter:innen aus allen drei Ländern an, dass der nachhaltigen Verwirklichung eines integrierten Multi-Agency-Ansatzes in der Radikalisierungsprävention oft stark divergierende institutionelle Kulturen im Wege stünden. Dies sei vor allem zwischen Akteuren der sozialen Arbeit und den Sicherheitsbehörden spürbar. Teilweise fehle den Beteiligten auch gegenseitiges Vertrauen.

Wir danken unserem Förderer, dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland, für die engagierte Unterstützung des Projektes.

11) Gegen Corona hilft die Robotermaus! 28. Mai, 16 Uhr: Einladung zur Online-Premiere des Films „bin zuhause. und du?“ ¬– Kreativworkshops in Berlin und Sovjetsk

„Ich würde eine Robotermaus bauen, die das Coronavirus überall auffrisst!“, sagt ein russischer Junge in dem Film „bin zuhause. und du?“ auf die Frage nach einer Idee zur Bekämpfung der Pandemie. Die halbstündige Dokumentation wurde von dem DRA-Partner ATELIER film mobil im Auftrag der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch (Stiftung DRJA) gedreht. Zu sehen sind Eindrücke und Ergebnisse von zwei Kreativworkshops mit Kindern und Jugendlichen in Berlin und Sovjetsk (Gebiet Kaliningrad), die 2020 im Rahmen des Projekts „Stay Home“ in Trägerschaft des DRA nach einem Konzept von ATELIER film mobil und mit Förderung der Stiftung DRJA durchgeführt wurden.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, was die Corona-Situation für Kinder und Jugendliche in Deutschland und Russland bedeutet. Die phantasievollen Vorschläge der jungen Teilnehmer:innen dazu, wie dem Virus wohl beizukommen wäre, setzten die Gleichaltrigen aus dem jeweils anderen Land zeichnend, malend und bastelnd in bunte Animationsclips um. Dazu kamen zwei Online-Begegnungen, die nicht zuletzt den Wunsch der Kinder und Jugendlichen verdeutlichten, sich bald auch einmal real besuchen zu können.

Wir laden hiermit herzlich ein zur Online-Filmpremiere von „bin zuhause. und du?“! Sie findet am 28. Mai um 16 Uhr (Berliner Zeit) statt – zweisprachig moderiert, mit (sofern die Corona-Situation es erlaubt) einigen Gästen in Berlin, einer Live-Schaltung nach Sovjetsk, Kurzinterviews und mehr. Weitere Infos dazu (Trailer, Anmeldungslink) gibt es seit dem 10. Mai auf der Microsite zum Film www.binzuhauseunddu.de. Nach der Premiere werden wir zudem die in den Workshops entstandenen Clips auf der Website des DRA hier präsentieren.

12) Deutsch-russisches Online-Schulungsprogramm zur Familienmediation für Fach- und Führungskräfte der Sozialarbeit – mehr als 1600 Teilnehmende

Seit vielen Jahren unterstützt der DRA mit Weiterbildungsmaßnahmen und Austauschprojekten sozialpädagogische Fachkräfte in Deutschland und Russland. Mit einem deutsch-russischen digitalen Fortbildungsprogramm setzten wir im November und Dezember 2020 unsere bisherigen erfolgreichen bilateralen Begegnungen in diesem Bereich fort. Die digitale Reihe sollte dabei die gewohnten Fachaustauschformate im „Coronajahr“ 2020 ersetzen und als Vorbereitung und Impuls für zukünftige Kooperationsprojekte mit deutschen und russischen Partnern im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe dienen.

Die wöchentlichen Online-Schulungen richteten sich an Fach- und Führungskräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie an alle, die Interesse an mediativen konfliktfreien Problemlösungen im familiären Bereich haben. Insgesamt nahmen 1.633 Personen aus Deutschland und Russland daran teil. Die Schulungen wurden über Zoom durchgeführt, simultan gedolmetscht und aufgezeichnet.

Bei jeder der sechs zweistündigen Einheiten sprachen ein bis zwei deutsche und russische Referent:innen über folgende Themen: aktuelle Tendenzen bei der Mediation in Familienkonflikten in Deutschland und Russland; Kinder-Entwicklungspsychologie und der begleitete Umgang mit Kindern; Familienkonferenz – Erkennen und Vorbeugen von familiären Konflikten mithilfe mediativer Methoden; normabweichendes Verhalten versus Symptomsprache – pädagogische und mediative Interventionen in der Sozialarbeit im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe; Genogramm als mediative Methode zur Identifizierung von Familienproblemen; Supervision als Instrument zur Qualitätsverbesserung eines Mediationsdienstes.

Weitere Informationen, die aufgezeichneten Schulungen sowie die dort gezeigten Präsentationen finden Sie auf der Projektseite.

Das Fortbildungsprogramm wurde durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert. Partner der Schulungsreihe waren die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin.

13) Menschenrechte in Deutschland und Kasachstan im Vergleich – DRA und „Dignity“ mit einer Reihe von Videos und Podcasts

Die Meinungs- und Redefreiheit, die Versammlungsfreiheit und die Gewissens- und Religionsfreiheit sind nach wie vor überaus relevante Themen für die Arbeit der Zivilgesellschaft. Während der Corona-Pandemie wurden diese Grundfreiheiten in vielen Ländern noch stärker eingeschränkt als zuvor. Oftmals greifen Menschenrechtsorganisationen zu internationalen Mechanismen, um Grundrechte zu schützen. Die Umsetzung von Entscheidungen und Empfehlungen internationaler Gremien zum Schutz dieser Freiheiten, wie des UN-Menschenrechtsausschusses und des UN-Menschenrechtsrates, bedarf wiederum einer stärkeren Beteiligung von Regierungen sowie der Überwachung durch die Zivilgesellschaft.

Wie ist es in Kasachstan und wie in Deutschland um die Einhaltung der Grundfreiheiten bestellt? Antworten dazu sind einer Reihe von Videos und Podcasts zu entnehmen, die der DRA gemeinsam mit der NGO „Kadyr-Kassiyet“ („Dignity“, Astana/Kasachstan) im Rahmen eines gemeinsamen Projekts erstellt hat. Deutsche und kasachische Expert:innen sprechen hier über die Menschenrechte und Probleme bei deren Einhaltung in ihren Ländern und ermöglichen es so, die Erfahrungen und die jeweilige Situation vor Ort zu vergleichen.

So sprach Dr. Silke Voß-Kyeck vom Deutschen Institut für Menschenrechte in ihrem Beitrag über die Einhaltung von internationalen Menschenrechtsverpflichtungen in Deutschland. Dr. Vivian Kube von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) zeigte auf, wie die Versammlungsfreiheit in Deutschland gesetzlich geregelt ist und welche Durchsetzungsschwierigkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie entstanden sind. Luisa Podsadny, ebenfalls von der GFF, stellte die Situation der Meinungsfreiheit in Deutschland dar, und Jaroslavna Sytschenkova (European Center for Constitutional and Human Rights) schilderte den Bereich der Folterbekämpfung und ging darauf ein, wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach dem Weltrechtsprinzip verfolgt und geahndet werden können.

Die kasachischen Experten erläuterten die problematische Menschenrechtslage in ihrem Land, insbesondere im Bereich der Terrorismus- und Extremismusbekämpfung (Johar Utebekov) und der Meinungsfreiheit (Lukpan Achmedyarov). Menschenrechtler:innen in Kasachstan werden oft aufgrund ihrer Arbeit von staatlichen Behörden verfolgt, was die Gewährleistung von Grundrechten und -freiheiten deutlich erschwert (Dosym Satpayev).

Die Videos sind hier abrufbar.

Das Kleinprojekt wurde im Rahmen des CrossCulture Programms (CCP) Synergy umgesetzt und vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) gefördert.

14) Renaissance der Atomkraft im postsowjetischen Raum. Gedenken an den 35. Jahrestag von Tschernobyl

Am 26. April 1986 kam es zur bislang schwersten Katastrophe in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Wir dokumentieren als Rück- und Ausblick leicht gekürzt einen Beitrag unserer Mitarbeiterin Maria Rudz aus diesem Anlass:

In Folge einer Explosion wurde der Reaktorblock 4 des AKW Tschernobyl vollständig zerstört und infolgedessen 23 % des Territoriums von Belarus mit radioaktivem Cäsium-137 kontaminiert.

Der Unfall hat gezeigt, wie wichtig ein zeitnaher und uneingeschränkter Zugang zu Umweltinformationen ist: Der erste Medienbericht zu dem folgenschweren Geschehen erschien erst am Abend des 28. April, und die Evakuierung der Stadt Pripyat, die drei Kilometer vom AKW Tschernobyl entfernt lag, begann erst 36 Stunden nach der Katastrophe. Viele Todesfälle und schwerwiegende gesundheitliche Folgen hätten durch rechtzeitiges Handeln vermieden werden können.

Etwa 350.000 Menschen wurden evakuiert, umgesiedelt oder verließen freiwillig die betroffenen Gebiete. Mehr als 600.000 Personen beteiligten sich an der Beseitigung der Folgen des Unfalls. 60.000 von ihnen starben, 165.000 leben seitdem mit Behinderungen. Radioaktives Cäsium-137 wurde weit über Zentraleuropa bis in den Norden Skandinaviens verteilt. Auch Regionen in Deutschland, wie der südliche Teil Bayerns sowie der Bayerische Wald, sind bis heute betroffen.

Mittlerweile ist die Sperrzone ein außergewöhnliches ökologisches Reservat, in dem das natürliche Ökosystem ohne menschliches Eingreifen in seine ursprüngliche Form zurückkehrt. Die einzigartigen Populationen von Braunbären, Elchen, Wölfen, Luchsen, Hirschen und Przewalski-Pferden konnten wieder wachsen.

Zunehmend werden auch Versuche unternommen, wieder wirtschaftliche Aktivitäten in den kontaminierten Gebieten aufzunehmen. Projekte wie die geplante E40-Wasserstraße zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer bedrohen nicht nur die einzigartigen Ökosysteme der Region Polesien. Durch die Bauarbeiten entsteht auch radioaktiver Schlamm, der stromabwärts zum Kiewer Stausee fließt – der Hauptwasserquelle für 30 Millionen Ukrainer:innen. Zudem wirkt sich der Klimawandel negativ auf die Gebiete rund um Tschernobyl aus. So setzen die zunehmenden Waldbrände radioaktive Partikel in die Atmosphäre frei.

Die Katastrophe von Tschernobyl und ihre Folgen werden uns noch sehr lange begleiten:Gerade diese Woche wurde bekannt, dass tief im Inneren des Betonsarkophags offenbar noch – sich sogar steigernde – Kettenreaktionen ablaufen. Der vollständige Zerfall des letzten radioaktiven Elements Plutonium-239 in den kontaminierten Gebieten wird erst im Jahr 26486 eintreten. Der Umgang mit den Gebieten, die Unterstützung der Opfer und die Minimierung der Gesundheitsrisiken für die lokale Bevölkerung sollten nicht nur in Belarus und der Ukraine, sondern auch auf europäischer Ebene Gegenstand einer breiten gesellschaftlichen Diskussion sein. Auch in Deutschland gibt es politische Initiativen zur Hilfe für die Betroffenen, vor allem für Kinder, die bis heute andauern. Sie sind aber in der breiten Öffentlichkeit viel zu wenig präsent.

Der Jahrestag ist ein wichtiger Anlass, darüber nachzudenken, wie wir mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen umgehen, und was wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen wollen – zumal im postsowjetischen Raum eine Renaissance der Atomkraft zu beobachten ist: In Belarus, der Ukraine und Russland wurden zuletzt neue AKW in Betrieb genommen oder werden gerade gebaut. Die Bundesregierung hat den hochumstrittenen Export von Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage in Gronau nach Russland wieder aufgenommen, obwohl hierzulande Kernkraftwerke bis Ende 2022 vom Netz gehen sollen. Dies beeinträchtigt eine nachhaltige Energiewende in Ost und West. Die unkalkulierbaren Risiken tragen im Zweifelsfall Mensch und Natur.

15) Ausschreibung: Mitarbeiter:in für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (PÖA)

Der DRA sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt und spätestens zum 16. Juni 2021 eine:n erfahrene:n Mitarbeiter:in für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Stelle ist auf ein Jahr befristet, eine Verlängerung wird angestrebt. Es handelt sich um eine Teilzeitstelle (50% = 20 Std./Woche).

Die vollständige Stellenausschreibung mit genaueren Angaben zu Bewerbungsvoraussetzungen und Aufgaben finden Sie hier.

Ihre aussagekräftige Bewerbung, bestehend aus Lebenslauf, einem Motivationsschreiben, 1-2 Arbeitsproben (von Ihnen verfasste Texte/Meldungen /Posts) und ggfls. Arbeitszeugnissen, schicken Sie bitte in EINEM PDF-Dokument (nicht größer als 2MB) an assistenz@austausch.org.

Bewerbungsschluss ist der 16.05.2021. Die Bewerbungsgespräche werden am 19./20.05.2021 durchgeführt; corona-bedingt geschieht dies online.

16) Ausschreibung: Leiter:in des Ostukraine-Projekts „Dialog für Verständigung und Recht“

Im Büro des DRA in Berlin ist eine Stelle als Leiter:in des internationalen Projekts „Dialog für Verständigung und Recht: Stärkung des zivilgesellschaftlichen Beitrags zur Konfliktbearbeitung, zu demokratischer und regionaler Entwicklung und zur Vorbereitung von sicherer Reintegration in der Ostukraine“ in Vollzeit (40h/Woche) zu besetzen.

Der Beginn der Arbeit erfolgt möglichst ab 16. Juni 2021 oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Es handelt sich um eine zunächst bis zum 30.04.2023 (Projektabschluss) befristete Stelle. Eine Verlängerung wird angestrebt.

Die vollständige Stellenausschreibung mit genaueren Angaben zu Bewerbungsvoraussetzungen und Aufgaben finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung in EINEM PDF-Dokument (nicht größer als 2MB) an assistenz@austausch.org mit dem Betreff: „Konfliktbearbeitung Donbas“.

Bewerbungsschluss ist der 23. Mai 2021. Die Bewerbungsgespräche finden am 26.-27. Mai 2021 in Berlin statt, nach Vereinbarung sind Gespräche online möglich.

17) Ausschreibung: Freiwilliges Soziales Jahr Politik im DRA

Möglichst ab dem 1. August und spätestens ab dem 1. September 2021 bietet der DRA in seiner Berliner Geschäftsstelle die Möglichkeit zu einem einjährigen FSJ-Politik (in Vollzeit). Der Freiwilligendienst soll schwerpunktmäßig in dem DRA-Projekt „Dialog für Verständigung und Recht: Stärkung des zivilgesellschaftlichen Beitrags zur Konfliktbearbeitung, zu demokratischer und regionaler Entwicklung und zur Vorbereitung von sicherer Reintegration in der Ostukraine“ erfolgen. Das FSJ kann im Alter von 18-27 Jahren absolviert werden. Weitere Informationen (Voraussetzungen, Konditionen) finden Sie hier und hier.

Die vollständige Stellenausschreibung mit genaueren Angaben zu Bewerbungsvoraussetzungen und Aufgaben finden Sie hier.

Träger der FSJ-Freiwilligendienste im DRA sind die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd e.V.). Zum FSJ gehören bis zu 25 begleitende Seminartage, die von den ijgd durchführt werden.

Ihre aussagekräftige Bewerbung, bestehend aus einem Lebenslauf, einem Motivationsschreiben, und gegebenenfalls Zeugnissen, schicken Sie bitte bis zum 30. Juni 2021 in EINEM PDF-Dokument (nicht größer als 2MB) sowohl an assistenz@austausch.org als auch an fsj-p.berlin@ijgd.de.

Bewerbungsgespräche werden jeweils sowohl beim DRA als auch bei den ijgd geführt.