DRA Newsletter Februar 2010


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Zu den Wahlen in der Ukraine

Es ist für die Ukraine ein wichtiger Schritt, dass die Bevölkerung demokratisch einen Präsidenten gewählt und die unterlegene Kandidatin ihren Widerstand gegen das Ergebnis beendet hat. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die darin enthaltene Chance auf einen Neustart genutzt wird – trotz des Sieges eines Mannes, der 2004 Wahlbetrug beging, trotz der ungeschmälerten Risse in der Gesellschaft, trotz der Gefahr, dass das alte politische Personal seine jahrelangen Blockaden fortsetzt. Land und Bevölkerung brauchen – und zwar schon seit der Wahl 2004 – vor allem eine politische Führung im Präsidentenamt und in der Regierung, die ungeachtet der in der Verfassung gründenden Widersprüche zu Kompromissen und pragmatischem Wirken auf demokratischer Basis fähig und bereit ist. Die Stabilität, die dadurch nach Jahren wieder möglich würde, könnte auch der Entwicklung der ukrainischen Zivilgesellschaft neue Impulse geben. Die EU muss sich unterdessen weiterhin der Aufgabe stellen, angemessene Beziehungen zur Ukraine zu entwickeln – einem Land, das nicht nur über sein Verhältnis zu Russland, sondern als eigenständiger, großer europäischer Staat wahrgenommen werden muss. Die Eastern Partnership der EU ist hier nur ein vorsichtiger Anfang. Handlungsbedarf besteht aber nicht allein auf höchster politischer Ebene. Für den Auf- und Ausbau gut nachbarschaftlicher Beziehungen bedarf es zugleich sehr, sehr vieler direkter Begegnungen, Partnerschaften und Kooperationen auf allen Ebenen der Gesellschaft.

2) Essay-Wettbewerbssieger_innen aus Moskau zu Gast in Berlin

Für die fünf russischen Gewinner_innen eines Essay-Wettbewerbs, den die Staatliche Geisteswissenschaftliche Universität (RGGU) in Moskau zum 20-jährigen Jubiläum des Falls der Mauer auslobte, hat der DRA vom 8. bis 12. Februar in Berlin ein umfangreiches Aufenthaltsprogramm zum Thema des Wettbewerbs konzipiert und durchgeführt. Dazu gehörten u.a. Gespräche mit Dr. Andreas Schockenhoff, dem Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-russische zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit, sowie mit Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestags, der von seinen Erfahrungen in der ostdeutschen Opposition und im bundesdeutschen Parlamentarismus berichtete. Bei einem gemeinsam mit der Humboldt-Universität und der Freien Universität veranstalteten Workshop hielten die russischen Wettbewerbssieger_innen Kurzreferate zum Thema „Das wiedervereinigte Deutschland 1990-2010: Ansichten aus Russland und Deutschland“. Ferner besuchten die Teilnehmer_innen das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen, das Archiv der Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes („Birthler-Behörde“) und die Organisation MitOst e.V., wo sie verschiedene Jugendaustauschprogramme mit Osteuropa kennen lernten. Ermöglicht wurde der Berlin-Aufenthalt der Gruppe von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch (www.stiftung-drja.de), der Robert Bosch Stiftung und dem Koordinationsbüro für den deutsch-russischen Jugendaustausch in Moskau.

3) Seminare zu Behindertenpädagogik in Pavlovsk

Im Qualifizierungskurs für staatliche und nichtstaatliche Mitarbeiter_innen des Heims für schwerstbehinderte Kinder Nr. 4 in Pavlovsk, den die Petersburger Organisation Perspektivy, der DRA und zwei Hamburger Behinderteneinrichtungen seit Mai 2009 organisieren, ist inzwischen fast die Hälfte des Lehrprogramms absolviert. Unter Leitung von Natalja Kniasjeva (Perspektivy) wurden die Themenblöcke „Hinwendung zum Menschen/Menschenbild“ und „Grundkenntnisse der Pflege“ abgeschlossen. Expert_innen aus Hamburg und Zürich sowie aus russischen Einrichtungen sensibilisierten die rund 40 Teilnehmer_innen u.a. dafür, wie lernfähig auch schwerbehinderte Kinder sind, welche Kommunikationsbedürfnisse sie haben und wie mit der Pflege auch die Selbstständigkeit der Kinder und emotionale Bindungen entwickelt werden können. Für die meisten der beteiligten staatlichen Hilfspfleger_innen war es die erste Qualifikation in ihrem Beruf überhaupt. Als nächstes stehen Fragen der Pädagogik, wie z.B. der Kontaktaufbau zu schwerstbehinderten Kindern und spielmethodische Ansätze auf dem Programm. Das Projekt wird vom Diakonischen Werk Stuttgart und der Caritas Osnabrück gefördert. Zusätzlich soll ab Herbst ein Modell für die Teamarbeit staatlicher und nichtstaatlicher Mitarbeiter_innen innerhalb des Heims entwickelt werden. Diese Frage gewinnt auch für die Heimleitung und die städtische Sozialverwaltung immer mehr Bedeutung, da sie juristisch abgesicherte Strukturen suchen und als Voraussetzung für eine langfristige Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen ansehen.

4) Aufbruchstimmung in Gomel: neue Angebote für Senior_innen

Wirtschaftliche Umbrüche und demografische Veränderungen stellen die belarussische Gesellschaft vor große Herausforderungen: Bei einer schrumpfenden Bevölkerung wächst die Anzahl der älteren Menschen erheblich. Welche Folgen hat dies für die Situation älterer Menschen in Belarus? Welche Rolle spielen Ältere in der Gesellschaft, und wie kann man sie stärker einbinden? Diese und weitere Fragen erörterte die DRA-Projektleiterin Evelyn Scheer bei einem Besuch im belarussischen Gomel vom 2. bis 5. Februar mit den Leiterinnen zweier sozialer Stadtteilzentren sowie mit Vertreter_innen verschiedener Behörden und NGOs. Mit diesen Konsultationen begann die Fortsetzung eines von der Stiftung EVZ geförderten DRA-Projekts, das darauf abzielt, ältere Menschen in Gomel für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen und dauerhaft zu motivieren. An der Reise nach Gomel nahm auch Jana Berwig vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. teil, die in Berlin den ehrenamtlichen Großelterndienst KIKON leitet. Sie stellte das Projekt auf einem gemeinsam mit der DRA-Partnerorganisation „Soziale Projekte“ veranstalteten Seminar interessierten Organisationen und Freiwilligen vor. Die Idee, auch in Gomel einen ehrenamtlichen Großelterndienst zu initiieren, stieß auf lebhaftes Interesse, besonders bei älteren Freiwilligen, die so ein Gefühl von der in Gomel unter älteren Menschen herrschenden Aufbruchstimmung vermittelten. Zwar war man sich darin einig, dass die Umsetzung nicht einfach sein wird, doch konnten während des Seminars erste Vorschläge gesammelt und die weitere Vorgehensweise geplant werden.

5) Umwelt-Filmfestival in Moskau

Unter dem Titel „EkoTschaschka“ („Ecocup“) findet in Moskau dieser Tage erstmals ein Umwelt-Filmfestival statt, an dessen Durchführung der DRA St. Petersburg sich im Rahmen des Projekts „Deutsch-Russisches Büro für Umweltinformation“ beteiligt. Vom 24. bis 28. Februar werden Arbeiten bekannter Regisseure aus den USA, Großbritannien, Kanada, Finnland, Belgien und Russland gezeigt, die sich mit Umweltthemen befassen. Ihre Filme behandeln etwa den Klimawandel, Fragen der Müllentsorgung oder der Kunststoffüberproduktion, aber auch Lösungsansätze wie Ökoarchitektur, eine CO2-reduzierte Lebensweise und das freiwillige Engagement für den Umweltschutz. Im Anschluss an alle Vorführungen sind Diskussionen mit Expert_innen vorgesehen. Die Durchführung des Festivals liegt in Händen zweier junger Öko-Aktivistinnen, die auch die Idee und das Konzept entwickelten. Zu den Partnern des Festivals gehören der WWF, Greenpeace, Oxfam, das British Council, die Grüne Bewegung Russlands, das Umweltbildungszentrum „Zapovedniki“ sowie EcoWiki. Weitere Informationen unter www.ecocup.ru.

6) DRA-Schüleraustausch 2010/11 – Bewerbung noch bis 31. März möglich!

Ein bis zwei Monate in Russland eine Schule besuchen oder in einer gemeinnützigen Organisation ein Praktikum machen und dabei in einer Gastfamilie leben: Seit diesem Jahr bietet der DRA Schüler_innen diese Möglichkeit nicht nur in St. Petersburg, sondern auch in Petrosawodsk, der Hauptstadt der nordrussischen Region Karelien, sowie in der weit östlich des Urals gelegenen Stadt Nowosibirsk. Am 31. März 2010 endet die Bewerbungsfrist für Jugendliche aus Deutschland, die 2010/11 an diesem Programm teilnehmen möchten. Dabei kommen zunächst im Oktober/November 2010 die russischen Austauschschüler_innen nach Deutschland, während die deutschen Teilnehmer_innen im Januar/Februar 2011 nach Russland fahren. Der DRA Berlin organisiert den Schüleraustausch in Kooperation mit dem DRA St. Petersburg, der Organisation „Iniziativa“ in Petrosawodsk und dem Sibirischen Institut für Umweltinitiativen in Nowosibirsk. Alle weiteren Informationen unter www.austausch.org/schueleraustausch.