DRA Newsletter Februar 2009


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) DRA-Vortrag auf Konferenz im Auswärtigen Amt

Ein Impulsreferat zur deutsch-russischen zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit hielt der DRA-Geschäftsführer Stefan Melle auf einer Konferenz mit dem Titel „Neues Russland?“ am 13. Februar im Auswärtigen Amt. Der zuständige Koordinator der Bundesregierung und Initiator der Veranstaltung, Andreas Schockenhoff, unterstrich in seiner Einführung, dass es im deutsch-russischen Verhältnis heute um eine gleichberechtigte Kooperation gehe. Stefan Melle konstatierte, dass in Russland derzeit einerseits auch staatliche Instanzen mehr Interesse an Themen wie dem bürgerschaftlichen Engagement zeigen und dabei zum Teil mit ausländischen NGOs zusammenarbeiten, während andererseits insbesondere viele Menschenrechtsfragen tabu blieben. Die Rolle neuer staatsnaher Geldgeber für den Dritten Sektor sei bisher ambivalent, und generell fehle Bürgerinitiativen noch ein begünstigender Rahmen. Melle mahnte weitere politische Initiative zur Lösung von Visafragen an und kritisierte die Verringerung russlandbezogener Förderprogramme in Deutschland sowie das stärker auf Repräsentation als auf Debatten setzende Konzept der jährlichen bilateralen Konferenz „Petersburger Dialog“. Der russische Wirtschaftsexperte Jewgenij Gontmacher und der Soziologe Lew Gudkow warnten vor einer zu engen Anlehnung an die russische Staatsführung, die Modernisierungschancen nicht genutzt habe und insgesamt zu autoritär sowie dem Ausland gegenüber zu misstrauisch agiere. Thomas Kunze von der Konrad-Adenauer-Stiftung beschrieb Möglichkeiten zur Annäherung über einen konkreten Rechtsdialog. Auf der Konferenz präsentierten darüber hinaus zahlreiche Initiativen und Organisationen die von ihnen praktizierten Formen deutsch-russischer zivilgesellschaftlicher Kooperation. Der vollständige Vortrag von Stefan Melle ist hier nachzulesen.

2) Neue Kooperationen in Nordossetien

Das Berufsbildungszentrum des DRA und der Menschenrechtsorganisation Memorial im Prigorodnyj-Bezirk von Nordossetien (Nordkaukasus) bringt neue Kooperationen in der von wirtschaftlicher Rückständigkeit und dem ethnischen Konflikt zwischen Inguschen und Osseten geprägten Krisenregion auf den Weg. So wurde im Januar ein Runder Tisch mit Vertretern von Politik und Verwaltung sowie örtlichen Banken initiiert, bei dem es um vergünstigte Kredite zur Unterstützung neuer Kleingewerbebetriebe ging. In dem Bildungszentrum, in dem Inguschen und Osseten gemeinsam unterrichtet werden, findet derzeit der zweite Kurszyklus für potentielle Existenzgründer statt. Für die besten Businesspläne des ersten Zyklus wurden vorige Woche im Rahmen eines Gründerwettbewerbs Starthilfen vergeben. In der Jury saßen Vertreter des Zentrums und der Bezirksverwaltung sowie die DRA-Projektbetreuerin Stephanie Weber-Tsomakaeva – letztere allerdings nur per Internetschaltung aus Vladikavkas, da der Sicherheitsdienst FSB ihr erneut keine Einreiseerlaubnis für den Konfliktbezirk erteilte. Auf einer Schuldirektorenkonferenz stellten außerdem am 19. Februar zwei junge Dozenten des Bildungszentrums – ein Ingusche und eine Ossetin – das Angebot vor, an Schulen über das Thema „berufliche Selbstständigkeit“ zu informieren und dabei zugleich eine Debatte über mehr Verständigung zwischen den in Nordossetien lebenden Volksgruppen anzuregen. Mehrere Schulleiter sprachen bereits eine Einladung aus. Bisher lernen nur in 2 von 30 Schulen des Bezirks Kinder ossetischer und inguschischer Familien gemeinsam.

3) Freiwilligenarbeit ausbauen: Anhörung in Udmurtien

Eine Anhörung zum Entwurf einer staatlichen Konzeption für die Förderung des freiwilligen Engagements in Udmurtien findet am 3. März in Ischevsk, der Hauptstadt der westlich des Urals gelegenen russischen Teilrepublik, statt. Der DRA, der die Regionalregierung Udmurtiens zu diesem Thema berät, hat für diese Veranstaltung eine Stellungnahme erarbeitet, die in Form einer Videoeinspielung präsentiert werden soll. An der vom Staatlichen Jugendkomitee organisierten Anhörung beteiligen sich zahlreiche mit Freiwilligen arbeitende Organisationen sowie die für Sozial- und Bildungsfragen zuständigen udmurtischen Ministerien. Die Zusammenarbeit zwischen der Regierung Udmurtiens und dem DRA war 2008 mit Vermittlung des Berliner Paritätischen Wohlfahrtsverbands zustande gekommen, der mit Udmurtien seit Jahren einen Fachaustausch zur Kinder- und Jugendhilfe unterhält. In diesem Rahmen kommt Ende März erneut eine Delegation aus Udmurtien nach Berlin. Im Auftrag des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin bereitet der DRA dafür derzeit ein Programm zu den Themen Kinderschutz, Gewalt in Familien und Freiwilligenarbeit vor.

4) Engagement in Gomel künftig auch für Senior_innen

Seit Ende 2006 haben der DRA und seine Partnerorganisation „Soziale Projekte“ in Gomel (Belarus) gemeinsam die Freiwilligenagentur „Convivere“ aufgebaut. Mit einem Fest wurde im Januar der Abschluss dieser EU-geförderten Gründerphase begangen. „Convivere“ wird auch weiterhin Freiwillige in Einsatzstellen in und um Gomel vermitteln sowie Seminare und Trainings zur Freiwilligenarbeit anbieten. Ausgebaut werden soll der Bereich Internationale Freiwilligendienste für junge Menschen. Zudem realisieren der DRA und „Soziale Projekte“ in Gomel ab April 2009 ein neues Vorhaben: Im Rahmen des Projektes „Ältere Menschen für ältere Menschen“ wird das freiwillige Engagement von SeniorInnen gefördert, darüber hinaus werden Selbsthilfegruppen von RentnerInnen sowie zusätzliche Angebote für diese Altersgruppe unterstützt. Zugleich sollen durch einen lebendigen Generationendialog das Ansehen älterer Menschen und ihre Integration in die Gesellschaft gestärkt werden. Das neue Projekt wird von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ finanziell unterstützt.

5) Neue Stipendien der Marion-Dönhoff-Stiftung ausgeschrieben

Mit Unterstützung der Marion-Dönhoff-Stiftung kann der DRA 2009 erneut vier Interessent_innen aus Russland, der Ukraine und Belarus in einen halbjährigen Freiwilligendienst nach Berlin vermitteln. Noch bis zum 10. März können sich junge Menschen aus diesen drei Ländern dafür beim DRA bewerben. Der Freiwilligendienst beginnt im Juni. Voraussetzungen für die Teilnahme sind gesellschaftliches Engagement im Heimatland sowie gute Deutschkenntnisse. Die Stipendiat_innen erwartet neben der Arbeit in Berliner gemeinnützigen Organisationen, die gemäß ihren individuellen thematischen Interessen und Vorkenntnissen ausgewählt werden, auch in diesem Jahr wieder ein vielseitiges Programm zur politischen Bildung.

6) Lesung zu „Jasnaja Poljana“ am 15. März in Berlin

Zu einer Autorenlesung des Buches „Tolstoiallee 25“ von Jörg Rathmann lädt der DRA am 15. März, 19 Uhr, in das Theater „Russkaja Szena“ in Berlin, Kurfürstenstr. 123, ein. Rathmann hat eine Sammlung von 25 Geschichten und Skizzen aus dem Alltag in Jasnaja Poljana vorgelegt. Auf dem in der russischen Region Tula gelegenen einstigen Landgut, dem Geburtsort des Schriftstellers Lew Tolstoj, hat Rathmann mehrere Jahre lang am Ausbau des dortigen Museums mitgewirkt und dabei eng mit dem Museumsleiter und Tolstoj-Urenkel Wladimir Tolstoj zusammengearbeitet. Heute ist er als Wirtschaftsberater in Kaluga tätig. Im Anschluss an die Lesung findet ein Gespräch mit Jörg Rathmann statt. Vorgesehene Themen sind der Umgang mit dem Tolstoj-Erbe in Jasnaja Poljana, die Entwicklung in den südlich von Moskau gelegenen Gebieten Tula und Kaluga, aber auch die in Rathmanns Buch mit angesprochenen Muster, nach denen Deutsche und Russen Russland wahrnehmen. Das Gespräch moderiert Stefan Melle, DRA. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

7) Newsletter zu Rechtsextremismus erscheint weiter

Dank einer Spendenaktion der Zeitschrift „Stern“ und weiterer Geldgeber kann das Berliner „Zentrum für Demokratische Kultur“ (ZDK) vorläufig weiterarbeiten. Wir gratulieren unseren KollegInnen vom ZDK und freuen uns, dass durch diesen Erfolg auch der monatliche Newsletter zu Osteuropa „Blickpunkt Demokratie und Extremismus“, den der DRA und das ZDK gemeinsam herausgeben, weiter erscheinen kann. Der von der ZDK-Mitarbeiterin Evgenija Hartleben und ehrenamtlichen Übersetzer_innen des DRA erstellte Newsletter berichtet über extremistische, insbesondere rechtsextremistische Entwicklungen und Vorfälle in Russland und weiteren postsowjetischen Ländern. Zugleich spiegelt er politische Handlungsansätze und Barrieren bei der Auseinandersetzung mit Extremismus in den verschiedenen Ländern.

8) DRA-Praktika: Geschäftsführungsassistenz, Veranstaltungsorganisation

In der Berliner Geschäftsstelle des DRA sind zwei Praktika zu vergeben: a) Die Assistenz der Geschäftsführung als Vollzeitpraktikum vom 30.03.-2.10.2009 (Bewerbung bis 15.3.). Der/die Praktikantin arbeitet in den Bereichen Projektentwicklung, -betreuung und –akquisition sowie in der Öffentlichkeits- und Spendenarbeit des Vereins mit sowie betreut daneben allgemeine Verwaltungsaufgaben (Büroorganisation, Korrespondenz, Datenbankpflege etc.). Die Vergütung beträgt 300 Euro/Monat; b) ein Teilzeitpraktikum (2-3 Tage/Woche nach Absprache, Bewerbung bis 5.3.) in der Veranstaltungsorganisation ab ca. 16.3. für mindestens 3 Monate, gern auch länger. Inhalt des Praktikums ist die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung von Lesungen, Podiumsdiskussionen, Filmabenden etc., der Öffentlichkeitsarbeit dafür sowie allgemeine Verwaltungsaufgaben. Das Praktikum kann leider nicht vergütet werden, gestattet aber einen Einblick in ein breites Spektrum der Arbeit des DRA und lässt viel Raum für Eigeninitiative. Bei beiden Praktika werden Interesse an Russland und Osteuropa, an der Organisation eigener Projekte, an gesellschafts-politischen und sozialen Fragen, selbstständiges Arbeiten sowie gute Russisch-, Englisch- und PC-Kenntnisse vorausgesetzt. Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit, Website-Pflege und Projektentwicklung sind von Vorteil. Bewerbungen mit Lebenslauf und Motivationsschreiben bitte per Email an assistenz@austausch.org.