Fachkräfteaustausch

 In den früheren Jahren waren es noch acht Fachkräfte, die sich von jeder Seite an dem Austausch beteiligt haben, seit einigen Jahren hat sich der DRA mit dem Jugendministerium auf fünf Teilnehmer pro Seite geeinigt. Für die Fachkräfte wird ein Programm erarbeitet, das es ihnen ermöglicht, die Arbeit der Träger vor Ort kennen zu lernen und sich in Gesprächsrunden mit den Mitarbeitern über die Formate und Methoden auszutauschen. Zusätzlich erhalten die Teilnehmer bei Gesprächen in Behörden und Ämtern Hintergrundinformationen über die normativen und gesetzlichen Grundlagen der Jugendhilfe im Partnerland, damit sie die Arbeit und Tätigkeit der Träger der Jugendhilfe im gesellschaftspolitischen Gesamtkontext verstehen und beurteilen können. Das Ziel des Fachkräfteaustauschs ist es, ein Verständnis für die Arbeit der Jugendhilfe im jeweiligen Partnerland zu erreichen, damit gemeinsam über Veränderungen und Adaptionen diskutiert werden kann. Damit auf der erarbeiteten Grundlage der Vorjahre aufgebaut werden kann und eine inhaltliche Entwicklung im Austausch erkennbar wird, sollen die Verantwortlichen auf jeder Seite dafür Sorge tragen, dass die Informationen an die neuen Teilnehmer weiter gegeben werden. Der Teilnehmerkreis der beteiligten Organisationen soll sukzessive erweitert werden, nach Möglichkeit und Interesse beteiligen sich jeweils ein oder zwei der Einrichtungen in einem der Folgejahre wieder am Austausch. Dies soll ihnen helfen, die Eindrücke und Informationen, die sie in dem einwöchigen Austausch bekommen haben, zu vertiefen.

Mit dem Fachkräfteaustausch der Jugendhilfe verfolgte der DRA mittel- und langfristig folgende Ziele:

  • ein Verständnis für die Jugendarbeit des jeweiligen Partnerlands zu entwickeln
  • die gesellschaftspolitischen Hintergründe der Jugendarbeit des jeweiligen Partnerlands zu verstehengemeinsame Methoden und Arbeitsansätze herauszuarbeiten
  • die gesellschaftspolitischen Hintergründe der Jugendarbeit des jeweiligen Partnerlands zu verstehen
  • die Entwicklung einer freien Trägerlandschaft in Russland zu unterstützen
  • die Gründung eines Dachverbands der Wohlfahrtspflege in Russland zu unterstützen

Die Begegnungen dienten dazu, die Arbeit und den gesellschaftlichen Kontext kennen zu lernen. Die Fachkräfte nahmen Informationen und Eindrücke über die Arbeit im Partnerland mit nach Hause und überlegten, welche Ansätze bei sich umgesetzt werden können. Den Einrichtungen in Berlin und Ishewsk soll mit dem Austausch die Möglichkeit gegeben werden, auch direkt und über die Austauschwoche hinaus untereinander zu kommunizieren und Netzwerke zu bilden.

Daneben diente der Fachkräfteaustausch auch dazu, gesellschaftspolitische Änderungen herbeizuführen. Die Jugendpolitik, die in Russland in vielen Bereichen noch starker politischer Beeinflussung unterliegt, sollte mittelfristig an freie Träger übertragen werden. Deshalb legt der DRA Wert darauf, auch Vertreter von Jugendämtern und anderen öffentlichen Trägern der Jugendhilfe nach Berlin einzuladen, um ihnen die Art und Weise der Zusammenarbeit der freien mit den öffentlichen Trägern der Jugendhilfe in Berlin vor Augen zu führen und ihnen die daraus resultierenden Vorteile für alle drei Seiten – den Staat, die Träger und selbstverständlich auch für die Jugendlichen selbst – vor Augen zu führen. Ein wichtiger Bestandteil des Austauschprogramms war es auch, den russischen Kollegen die Entwicklung der deutschen Jugendschutzgesetze und die Entwicklung des KJHG sowie die Finanzierungsmodelle der freien Träger durch den Staat zu vermitteln.

In den vergangenen Jahren wurden bereits erste Ansätze unternommen, um in Ishewsk die Gründung eines Dachverbands der Wohlfahrtspflege in die Wege zu leiten; durch den Wechsel der Verantwortlichen in der Programmgestaltung auf beiden Seiten ist dieser Prozess allerdings ins Stocken geraten. Zwar kann man in Russland bisher noch nicht von einer freien Trägerlandschaft wie in Deutschland sprechen, doch gibt es einige Organisationen, die nicht direkt vom Staat abhängig sind und somit für eine unabhängige Arbeit in Frage kommen. Ein Dachverband, der die Interessen seiner Mitglieder vor den staatlichen Strukturen gebündelt vertritt, ist eine Stärkung der Träger der Jugendhilfe und damit auch ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft. 2012 wurde beim Empfang der russischen Delegation aus Ishewsk in Berlin mit dem Jugendminister Wladimir Solowjow dieser Punkt erneut thematisiert, und es konnte bei ihm ein Grundverständnis der Arbeit eines Dachverbands und der Bedeutung für die Gesellschaft erreicht werden. 

Der Fachaustausch der Jugendhilfe mit Ishewsk wird von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert und mit freundlicher Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin durchgeführt.

2012

Ende April fuhr der für den Fachaustausch mit Udmurtien verantwortliche DRA-Projektleiter Holger Löbell nach Ishewsk, um mit dem Jugendminister Wladimir Solowjow über die terminliche und inhaltliche Vorbereitung des Fachkräfteaustauschs zu sprechen.

Nachdem die Themenbereiche festgelegt waren, wurden in Berlin passende Träger der Jugendhilfe zur Teilnahme am Fachkräfteaustausch mit Ishewsk eingeladen und die teilnehmenden Fachkräfte ausgewählt. Folgende Organisationen und ihre Vertreter nahmen daran teil und fuhren unter der Leitung des DRA-Projektleiters Holger Löbell in der Woche vom 17. bis 24. Juni nach Ishewsk:

  • Dr. Jochen Gollbach, Leiter der Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf
  • Helga Thalhammer, Mitarbeiterin der „Initiative für Berliner Einzelfall- und Familienhilfe e.V. (IBEF e.V.)“
  • Ursula Röhr, Leiterin des Projekts „Arbeit statt Haft“ des Trägers „Mittendrin in Hellersdorf e.V.“
  • Philipp Meißner, Leiter der therapeutischen Wohngruppe „Koralle“ des Pestalozzi-Fröbel-Hauses

Die Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf beteiligt sich bereits seit 2010 am Fachkräfteaustausch. Damals ermöglichte sie es der Leiterin der Ishewsker Freiwilligenagentur, Oxana Kowal, in Form einer zweitägigen Hospitation einen intensiven Einblick in die strukturelle Arbeit zu gewinnen; 2011 fuhr die Mitarbeiterin Yvonne Woile nach Ishewsk.

„Mittendrin in Hellersdorf e.V.“ beteiligte sich 2009 am Hospitationsprogramm und stellte den Teilnehmern aus Ishewsk, die im Rahmen ihrer Hospitation wöchentlich jeden Freitag bei unterschiedlichen Terminen Informationen zur gesellschaftspolitischen Bildung erhielten, seine Arbeit vor.

Für alle vier Beteiligten war es allerdings persönlich die erste Reise nach Russland, sie wurden in mehreren Vorgesprächen von Holger Löbell über den Entwicklungsstand der vergangenen Jahre in Kenntnis gesetzt und über die inhaltlichen Ziele und Absprachen mit dem Jugendministerium informiert.

In Ishewsk erhielten die deutschen Teilnehmer ein umfangreiches und gut sortiertes Programm. In verschiedenen Gesprächen bei Trägern der Jugendhilfe gab es für sie die Möglichkeit, sich die Einrichtungen vor Ort anzuschauen und in Diskussionen mit den russischen Kollegen inhaltlich auszutauschen. Neben der Arbeit der Träger wurde die Gruppe auch über die Aufgabe der Jugendämter auf kommunaler Ebene informiert. Die Teilnehmer erfuhren auch viel über die russische und udmurtische Kultur und konnte damit die Arbeit in den gesellschaftlichen Kontext stellen. Bei abendlichen Gesprächen innerhalb der Gruppe wurden die Eindrücke gemeinsam diskutiert und kulturelle Unterschiede, die sich in der Jugendhilfe widerspiegeln, erörtert.

Anbei werden exemplarisch vier der besuchten Einrichtungen kurz vorgestellt.

Zentrum für Kinder- und Jugendarbeit – Freiwilligenagentur „DA!“

Das „Zentrum für Entwicklung der Kinder- und Jugendarbeit“ ist eine Dachorganisation für mehrere Jugendorganisationen in Ishewsk und ein langjähriger Mitspieler und Partner im Fachaustausch – sowohl im Bereich des Fachkräfteaustauschs als auch bei der Hospitation. In den Räumen des Zentrums befindet sich auch die Freiwilligenagentur „DA!“, bei deren Gründung 2009 der DRA beratend zur Seite stand. Bei dem Treffen wurden von verschiedenen Jugendorganisationen ihre Arbeit und ihre Projekte vorgestellt; meist handelt es sich dabei um verschiedene Aktionen wie z.B. Tanz-, Spiel- oder Theateraufführungen in Rahmen von Festen, die Planung von Sommerferienlagern und ähnliches. Im Unterschied zu verschiedenen Jugendclubs, die im Verlauf der Woche auch besucht werden konnten, haben diese Organisationen meist keine eigenen Räumlichkeiten, sondern können für die Planung ihrer Aktionen auf die Ressourcen des Zentrums zurückgreifen. Die Kinder- und Jugendorganisationen gewinnen ihre Teilnehmer und Mitglieder in erster Linie in den Schulen; einige der anwesenden Mitglieder erzählten von ihren Aktionen, die sie zur Zeit planen oder aktuell durchgeführt hatten.

Anschließend stellte Oxana Kowal, Leiterin der Freiwilligenagentur und Teilnehmerin aus dem Fachkräfteaustausch von 2010, die Arbeit der Agentur vor und diskutierte mit den deutschen Teilnehmern – in erster Linie mit Jochen Gollbach – über die Gewinnung von Freiwilligen und die Zusammenarbeit mit Einsatzstellen für die Freiwilligen.

Jugendclub "Orfej"

Bei dem Jugendclub handelt es sich um einen typisch russischen Nachbarschaftsclub, der in einem Wohnhaus untergebracht ist und ganztägig für alle Kinder und Jugendliche der Umgebung offen steht. Die Kinder und Jugendlichen können sich dort in angebotene Kurse einschreiben, proben für verschiedene Theater-, Tanz- oder Musikaufführungen oder können sich auch frei mit den vorhandenen Möglichkeiten beschäftigten. Betreut werden sie dabei von Pädagogen oder auch Freiwilligen, die den Jugendlichen beispielsweise Unterricht in einem Musikinstrument geben oder sie bei Ballspielen betreuen.

Jugendsommerlager „Jolotschka“ (Tannenbäumchen)

Das Jugendsommerlager „Jolotschka“, im Wald ca. 30 km entfernt von Ishewsk gelegen, ist erst vor einigen Jahren in die Trägerschaft des Jugendministeriums übergegangen, das Lager selbst existiert schon seit über dreißig Jahren und hat bei den Jugendlichen einen besonderen Status – es gilt als unangepasst, unabhängig und alternativ. Das Lager war von der Schließung bedroht und wurde in die Verantwortung des Jugendministeriums übergeben, welches an dem besonderen Status, den das Lager genießt, auch nichts ändern will. Die deutsche Delegation hatte die Möglichkeit, die Abschlussfeier einer zehntägigen Lagerschicht zu besuchen, wo die Teilnehmer ihre in dieser Zeit erarbeiteten Projekte präsentierten. Die Jugendlichen präsentierten beeindruckende Theater-, Tanz- und Filmvorführungen, die den eigenwilligen Status des Lagers unterstrichen. Das Lager hat zwar keine moderne Infrastruktur und auch nicht den besten Standard, doch ist deutlich spürbar, dass die Jugendlichen stolz auf dieses Lager sind, was insgesamt zu einer einzigartigen und positiven Atmosphäre beiträgt.

"Psycholog Plus"

Das Krisenberatungszentrum ist eine Einrichtung, in der die Mitarbeiter landesweit in ganz Udmurtien über eine einheitliche Krisentelefonnummer rund um die Uhr erreichbar sind. „Psycholog Plus“ richtet sich in erster Linie an Jugendliche in Krisensituationen. Viele der Anrufer sind suizidgefährdet oder fühlen sich in einer ausweglosen Situation aufgrund von familiären, schulischen oder freundesbezogenen Schwierigkeiten. Die Beratung erfolgt ausschließlich am Telefon und anonym. Neben der telefonischen Krisenberatung führt das Team von „Psycholog Plus“ auch Seminare für Schulpädagogen und -soziologen durch, damit diese in der Lage sind, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Neben dieser präventiven Arbeit arbeiten die Mitarbeiter auch postsuizidal und betreuen das persönliche Umfeld – Freunde und Familienangehörigen – im Falle eines erfolgten Suizids.

Vom 28. Oktober bis 4. November besuchte die vierköpfige udmurtische Delegation (der fünfte Teilnehmer musste kurzfristig absagen) unter der Leitung des Jugendministers Wladimir Solowjow Berlin. Es war das erste Mal seit seinem Amtsantritt 2009, dass Wladimir Solowjow in seiner Funktion als Jugendminister und Projektpartner des DRA die Delegation anleitete. Er nahm bisher einmal im Jahr 2002, als Stellvertreter des damaligen Vorsitzenden des Jugendkomitees, am Fachkräfteaustausch in Berlin teil. Aus diesem Grund wurde bei der Programmplanung besonderer Wert darauf gelegt, den Teilnehmer am Ende der Woche ein abgerundetes Bild über die Jugendarbeit in Deutschland im Allgemeinen und Berlin im Besonderen zu vermitteln, auf dessen Grundlage in Zukunft aufgebaut werden soll. Der DRA-Projektleiter Holger Löbell organisierte für die Ishewsker Teilnehmer ein umfangreiches Programm, in welchem die russischen Fachkräfte mit verschiedenen Ebenen der Berliner Jugendhilfe ins Gespräch kamen. So wurden die Einrichtungen besucht, deren Vertreter im Juni dieses Jahres in Ishewsk waren, und wo der russischen Delegation die Arbeit vorgestellt wurde und es Zeit und Raum für einen intensiven Meinungsaustausch gab. Der Jugendminister Wladimir Solowjow zeigte sich sehr interessiert daran, nicht nur die Jugendarbeit in Berlin kennen zu lernen, sondern auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erfahren und die Ziele der Berliner Jugendarbeit zu verstehen.

Das Programm für die russische Delegation war inhaltlich in drei Bereiche aufgeteilt:

  • die praktische Jugendhilfe am Beispiel der vier Einrichtungen, die im Juni in Ishewsk waren, kennen zu lernen
  • einen Einblick in die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Jugendhilfe und die Zusammenarbeit der öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe zu erhalten
  • die Vorstellung eines Dachverbands der Wohlfahrtspflege am Beispiel des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin

Bei der Vorstellung der Arbeit der vier am Austausch in Ishewsk beteiligten Träger erhielten die russischen Fachkräfte die Möglichkeit, sich intensiv über die Jugendarbeit in Berlin auszutauschen und über ähnliche oder unterschiedliche methodische Ansätze zu diskutieren. Gleichzeitig wurde den russischen Fachkräften auch die Formen der Zusammenarbeit der freien Träger mit den Jugendbehörden aus der Sichtweise der Träger selbst erläutert.

Bei Treffen mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft sowie im Jugendamt Marzahn-Hellersdorf wurden der russischen Delegation die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit der öffentlichen und der freien Träger aus der Sichtweise der Behörden deutlich gemacht. Weiter erhielten die Fachkräfte einen Vortrag über die Finanzierung der freien Träger im Rahmen des KJHG. Die Verknüpfung der theoretischen und der praktischen Treffen ermöglichten es der Fachgruppe, die erhaltenen Informationen bei den Gesprächen mit den Mitarbeitern in den Jugendhilfeeinrichtungen zu vertiefen, so dass sie am Ende der Woche ein abgerundetes Bild über die Jugendhilfe in Berlin erhielten, auf dem zukünftige Begegnungen inhaltlich vertiefend aufbauen können.

2012 jährte sich der Fachkräfteaustausch der Jugendhilfe zwischen Berlin und Ishewsk zum 15. Mal, was der DRA zum Anlass nahm, eine öffentliche Diskussionsrunde zu organisieren, die von der Vorstandsvorsitzenden des Paritätischen Berlin, Frau Prof. Barbara John, mit einer Begrüßungsrede an die Gäste aus Ishewsk eröffnet wurde. Zu der Diskussion wurden alle Akteure auf deutscher Seite, die sich in den vergangenen 15 Jahren am Fachkräfteaustausch mit Ishewsk beteiligt haben, eingeladen. Unter den ca. 20 Anwesenden entspann sich eine spannende Diskussion, welche Änderungen in der Jugendarbeit dank des Fachkräfteaustauschs in Ishewsk und Berlin eingetreten sind und auf welche Weise der Austausch auch zukünftig möglichst effizient und erfolgreich durchgeführt werden kann.

Die Evaluation der Fachwoche ergab insgesamt ein sehr positives Bild des durchgeführten Jahres, wozu auch die Woche der deutschen Delegation in Ishewsk gehört. Allen Beteiligten ist klar, dass man innerhalb einer Woche nur einen oberflächigen Einblick in die Jugendarbeit des Partnerlandes erhalten kann, dass aber die Woche jeweils einen starken Impuls gegeben hat, sich intensiver als bisher Gedanken über die eigene Arbeit zu machen und sie mit den gewonnenen Erkenntnissen aus dem Besuch zu vergleichen. Sowohl das Programm in Ishewsk als auch das Programm in Berlin gab den Teilnehmern jeweils eine Vorstellung, wie die Jugendhilfe im Partnerland arbeitet und wie sie auch, die kulturellen Mentalitätsunterschiede berücksichtigend, im gesellschaftlichen Kontext eingeordnet werden kann. Der DRA-Projektleiter Holger Löbell und der Jugendminister Wladimir Solowjow vereinbarten, dass die Programme zukünftig stärker als bisher inhaltlich auf den Ergebnissen der Vorjahre aufgebaut werden sollen, damit die vermittelten Inhalte von Mal zu Mal tiefer in die Fachdetails gehen können. Dabei sind die jeweiligen Projektverantwortlichen dafür zuständig, dass die vermittelten Inhalte an die neuen Teilnehmer des Fachkräfteprogramms weitergegeben werden.

Am Ende der Fachwoche wurde zwischen dem DRA-Projektleiter Holger Löbell und dem Jugendminister Wladimir Solowjow eine gemeinsame Zielvereinbarung für die nächsten Jahre unterzeichnet, die die inhaltliche Entwicklung festlegt und außerdem den Willen der beiden Partner bekräftigt, den Fachkräfteaustausch in den nächsten Jahren durchzuführen und inhaltlich weiter zu entwickeln. Gleichzeitig machte der DRA dadurch gegenüber dem Jugendministerium auch noch einmal deutlich, dass die Ausweitung des Fachkräfteaustauschs über Ishewsk hinaus in die benachbarten Großstädte der Wolga-Region lediglich eine Erweiterung darstellt, aber nichts daran ändert, dass der Projektpartner im Fachkräfteaustausch das Jugendministerium für Jugendangelegenheiten von Udmurtien ist und alle Maßnahmen mit diesem gemeinsam geplant, koordiniert und durchgeführt werden.

Der Fachaustausch der Jugendhilfe mit Ishewsk wird von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert und mit freundlicher Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin durchgeführt.

2011

Der Deutsch-Russische Austausch e.V. (DRA) führte mit Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Berlin, einen alljährlichen Fachkräfteaustausch mit der ca. 1.500 km östlich von Moskau gelegenen russischen Teilrepublik Udmurtien durch. Der russische Partner des Austauschs für Fachkräfte der Jugend- und Sozialarbeit ist das Ministerium für Jugendangelegenheiten von Udmurtien. Mitte Mai traf für eine Woche eine fünfköpfige Delegation unter der Leitung des stellvertretenden Jugendministers Maxim Sorokin in Berlin ein und erhielt ein umfangreiches Programm, in dem die Teilnehmer über die theoretischen und praktischen Aspekte der Jugend- und Sozialarbeit in Berlin informiert wurden.

Das Schwerpunktthema des Austauschs, die Straßensozialarbeit, wurde bei einem ganztägigen Besuch der „Villa Schöneberg“ des Trägers Outreach e.V. exemplarisch erläutert.

Für die theoretische Abrundung sorgte unter anderem Andreas Schulz, Jugendhilfereferent beim Paritätischen Berlin, der der russischen Delegation unter Bezug auf § 4 KJHG die Zusammenarbeit der öffentlichen mit den freien Trägern der Jugendhilfe erläuterte und das sozialrechtliche Dreiecksverhältnis zwischen Staat, freien Trägern und Hilfebedürftigen aufzeigte.

In der Woche vom 10. bis 17. Juli erfolgte der Gegenbesuch der deutschen Delegation in der udmurtischen Hauptstadt Ischewsk. Unter der Leitung des DRA-Projektleiters Holger Löbell fuhren Gunter Groß von Outreach e.V./Villa Schöneberg, Angela Hofmeister und Christine Ruschke vom Krisen- und Beratungsdienst KUB e.V. und Yvonne Woile von der Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf nach Russland, um sich vor Ort über die Arbeit der Träger der Jugend- und Sozialarbeit zu informieren und um gemeinsame Arbeitsansätze, die beim Erstbesuch in Berlin erkannt wurden, auszubauen.

Neben der Möglichkeit, in Ishewsk verschiedene Einrichtungen der Jugend- und Sozialhilfe zu besuchen und mit den Leitern über die Arbeitsansätze zu diskutieren, erhielten die deutschen Teilnehmer auch einen Einblick in die Zusammenarbeit der Staatsstrukturen mit den Trägern. Auch wenn von einer freien Trägerlandschaft wie in Deutschland nicht gesprochen werden kann, gibt es dennoch in der Umsetzung der Aufgaben bereits viele Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten.

Zukünftig soll der Fachkräfteaustausch inhaltlich und personell kontinuierlicher gestaltet werden, um eine Weiterentwicklung der Austauscharbeit zu gewährleisten und auch eine direkte Zusammenarbeit der deutschen mit den udmurtischen Trägern zu ermöglichen. Außerdem wurde mit dem Jugendministerium vereinbart, dass das dreimonatige Hospitationsprogramm zwischen Berlin und Ischewsk, das der DRA 2011 zum dritten Mal durchführt, zukünftig enger mit dem theoretischen Fachkräfteaustausch verbunden wird, sodass ein intensiver Arbeits- und Erfahrungsaustausch möglich sein wird.

Der Fachaustausch der Jugendhilfe mit Ishewsk wird von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert und mit freundlicher Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin durchgeführt.

2010

2010 sah sich die udmurtische Seite gezwungen, den jährlichen Gegenbesuch der deutschen Delegation in Ishewsk wegen starker Budgetkürzungen in Folge der globalen Finanzkrise auszusetzen. Der DRA konnte die udmurtische Delegation in der Woche vom 16. bis 23. Mai in Berlin empfangen.

Für 2010 hatte sich der DRA vorgenommen, dieses Anliegen inhaltlich und thematisch weiter zu entwickeln. Konkret wurde dabei Folgendes anvisiert:

  • den 2009 neu ernannten Jugendminister Wladimir Solowjow für eine konzeptionell ausgerichtete Zusammenarbeit zu gewinnen
  • über das Jugendministerium hinaus weitere unmittelbare Partner für Berlin zu gewinnen
  • die Zusammenarbeit im Rahmen des Besuchs in Berlin durch individuelle Hospitationstage thematisch zu vertiefen
  • mehr Öffentlichkeit für das Programm in Deutschland und Russland herzustellen

Zwar konnte 2010 der Jugendminister Wladimir Solowjow aus Zeitgründen nicht persönlich an dem Fachkräfteaustausch teilnehmen, aber er zeigte sich sehr an der Durchführung des Programms interessiert und sorgte dafür, dass die Auswahl der teilnehmenden udmurtischen Fachkräfte in enger Absprache mit dem DRA erfolgte. Diese inhaltliche und thematische Abstimmung ermöglichte es dem DRA, auch die anderen geplanten Punkte erfolgreich umzusetzen. 

Erstmals beteiligte sich in diesem Jahr das Sozialministerin der russischen Teilrepublik Udmurtien in der Person der stellvertretenden Sozialministerin Jelena Salamatowa an dem Fachkräfteaustausch. Das udmurtische Sozialministerium zeigte sich sehr an einer Beteiligung an dem Fachkräfteprogramm interessiert, da es inhaltlich in vielen Bereichen Berührungspunkte in der Tätigkeit der beiden Ministerien gibt.

Die Delegation aus Ishewsk

  • Die udmurtischen Fachkräfte
  • Elena Salamatowa, stellv. Sozialministerin der Republik Udmurtien
  • Oksana Kowal, Leiterin der Ishewsker Freiwilligenagentur „DA“
  • Anna Kiljakowa, Direktorin der „Jugendarbeitsbörse“
  • Tatjana Wawilowa, Direktorin des Beratungszentrums „Psycholog Plus“
  • Gorbunowa Irena, Psychologin im Familienberatungszentrum „Molodaja Semja“

Die Programmbesprechung der Woche fand am ersten Tag in den Räumen des PARITÄTISCHEN Berlin statt, wo die udmurtische Delegation sehr herzlich von Frau Elke Krüger, der stellvertretenden Geschäftsführerin des PARITÄTISCHEN Berlin, begrüßt wurde.

Der Jugendhilfereferent Andreas Schulz vom PARITÄTISCHEN Berlin hielt einen Vortrag über die Rolle und Funktion der Wohlfahrtsverbände. Fragen der konkreten Umsetzung der Kooperation von staatlichen und nichtstaatlichen Strukturen sowie das Themenspektrum und die öffentliche Arbeit des Dachverbandes standen im Zentrum der Diskussion.

Neben der Etablierung freier Träger als anerkannte, gesetzlich verankerte und geschützte Akteure der Sozialarbeit in Russland war und bleibt es ein weiteres Anliegen des Fachaustauschs, in Udmurtien einen Dachverband für diese freien Träger zu gründen. In den vergangenen Jahren wurden bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen. Auf Anfrage des Jugendministers Wladimir Solowjow, der ein ausdrückliches Interesse an der Fortführung des Vorhabens „Dachverband für freie Träger“ geäußert hat, wird dieser Punkt 2011 eine wichtige Rolle spielen. Bei der Programmplanung für Berlin und der Auswahl der russischen Teilnehmer soll dieses Thema berücksichtigt und der PARITÄTISCHE Berlin noch einmal als Modell erläutert und diskutiert werden. Nach Möglichkeit soll die udmurtische Delegation einen Vertreter entsenden, der mit der konzeptionellen Durchführung dieses Anliegens betraut wird.

Margita Bodrow, beim PARITÄTISCHEN Berlin zuständig für Stiftungsmittelmanagement, erläuterte der Delegation in einem Vortrag die Details der Projektarbeit und die Finanzierung dieser Arbeit mit Hilfe von Stiftungsmitteln. 

In den Auswertungsgesprächen war zu erleben, dass die Beteiligung und Kompetenz der MitarbeiterInnen des PARITÄTISCHEN von der Delegation hoch eingeschätzt und für den Fachaustausch als eine wichtige Säule gesehen werden.

Die Hospitationstage

Neu war am Fachaustausch 2010 das Konzept der direkten Hospitationstage an zwei Programmtagen, an denen die udmurtischen Teilnehmerinnen die Möglichkeit hatten, intensiven und unmittelbaren Einblick in den Arbeitsablauf der deutschen Fachorganisationen zu bekommen. Während in den Vorjahren kürzere Besuche von Organisationen im Vordergrund standen, konnten hier detailliertere Fragen in der direkten Kommunikation erörtert werden. Dieses Konzept wird auch in Zukunft beibehalten und zu einem direkten Hospitationsaustausch in Udmurtien weiterentwickelt. 

Dank der guten Abstimmung mit dem udmurtischen Jugendministerium in der Vorbereitung gelang es, rechtzeitig passende Berliner Organisationen der Jugend- und Sozialhilfe zu finden, die die Fachkräfte an den geplanten Hospitationstagen aufnahmen und betreuten. Für die Umsetzung des Konzepts der Hospitation wurden kleine Arbeitsgruppen gebildet, damit einige russische Teilnehmerinnen in zwei Organisationen hospitieren konnten. Jede der Kleingruppen wurde an den Hospitationstagen von Sprachmittlern begleitet, so dass die udmurtischen Fachkräfte sich mit den Betreuern in den gastgebenden Organisationen ausführlich und persönlich über Fachfragen austauschen konnten.

Mittwoch, 19.05.

  • Neuhland e.V. (Suizidprävention) - Tatjana Wawilowa, Jelena Salamatowa
  • pad e.V. (Familienberatung) - Irena Gorbunowa
  • Freiwilligenagentur Marzahn - Oxana Kowal
  • SOS Berufsausbildungszentrum - Anna Kiljakowa

Donnerstag, 20.05.

  • pad e.V. - Irena Gorbunowa, Tatjana Wawilowa
  • Freiwilligenagentur Marzahn - Oxana Kowal, Anna Kiljakowa, Jelena Salamatowa

Als Neuerung 2010 wurde im Rahmen des Fachaustauschs erstmals eine öffentliche Podiumsdiskussion organisiert. Thema war die „Freiwilligenarbeit in der Jugend-, Sozial- und Altenhilfe“ mit Fachreferenten beider Länder.  Als Leiterin der russischen Delegation nutzte die stellvertretende Sozialministerin dabei die Möglichkeit, in einem Vortrag über den Stand und die Pläne der Regierung ihrer Republik im Bereich der lokalen ehrenamtlichen Arbeit zu referieren. Sie legte dar, dass dieser Bereich als eines der grundlegenden Entwicklungsgebiete der sozialen und Jugendarbeit in Russland sowohl auf föderaler wie regionaler Ebene betrachtet wird. Darüber hinaus stellte Oxana Kowal, Leiterin der Freiwilligenagentur „DA!“, die ersten Projekte dieser Neugründung vor. Auf deutscher Seite traten neben dem DRA auch Frau Dr. Schlimper vom PARITÄTISCHEN Berlin und Frau Oster von der BBJ Unternehmensgruppe als Referenten auf, die Berliner Erfahrungen und Bundesmodelle vorstellten, aber auch Einblick in ein langjähriges Partnerschaftsprojekt Berlin-Moskau gaben. Die Diskussion fand im großen Seminarraum des PARITÄTISCHEN Berlin statt.

Die Evaluation des Fachaustauschs zeigte auf deutscher Seite deutlich, dass die Hospitationstage von den teilnehmenden Organisationen sehr positiv bewertet wurden. Teilgenommen haben mit pad e.V. und Neuhland e.V. zwei Einrichtungen, die schon mehrmals bei dem Austausch in Ishewsk beteiligt waren. Zusätzlich wurden mit der Freiwilligenagentur Marzahn und dem SOS-Berufsausbildungszentrum zwei neue Beteiligte für das Projekt gewonnen und auch das Feld potenzieller zukünftiger Mitwirkender vergrößert.

Auch in Udmurtien wurde die Woche des Delegationsbesuchs in Berlin durch das Jugendministerium ausgewertet und die Ergebnisse dem DRA kommuniziert. So wurde deutlich, dass die konzeptionelle Weiterentwicklung in Form der Hospitationstage auch in Udmurtien als positiv gewertet wurde.

Auch wenn die Podiumsdiskussion weniger besucht war als erwartet, hat sie die Aufmerksamkeit der interessierten Fachöffentlichkeit an der Arbeit des DRA und des PARITÄTISCHEN Berlin bezüglich des Fachaustauschs in der Jugend- und Sozialarbeit mit Russland verstärkt. Dies geschah zum einen durch den gezielt ausgewählten Verteiler von Organisationen der Jugend- und Sozialhilfe der Einladung und zum anderen durch die Ankündigung der Podiumsdiskussion in verschiedenen Medien der Öffentlichkeitsarbeit des DRA und des PARITÄTISCHEN Berlin. Außerdem bot sie den anwesenden Experten die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen.

Für die Erweiterung der Kooperationen im Rahmen des Fachaustausches war es wichtig, dass der DRA-Geschäftsführer Stefan Melle und der Projektleiter Holger Löbell auch gesonderte Gespräche mit der stellvertretenden Sozialministerin führen konnten. Im Rahmen dieser Gespräche wurde die generelle Beteiligung des Sozialministeriums am Fachaustausch vereinbart. Dies betrifft den jährlichen Fachaustausch als Studienwoche in Berlin und Ishewsk, aber auch die mehrwöchige Hospitation, die im jährlichen Wechsel in Berlin und Ishewsk stattfindet.

Die positiven Resultate der Hospitationstage und die Form des Besuchs und Gegenbesuchs sollen 2011 der konzeptionellen Weiterentwicklung des Fachkräfteaustauschs dienen. So wird angestrebt, dass jene deutschen Einrichtungen, die als aufnehmende Hospitationsorganisationen am Fachkräfteaustausch beteiligt sind, auch ihrerseits Vertreter für den Gegenaustausch in Udmurtien stellen. Diese sollen in der udmurtischen Organisation hospitieren, dessen Vertreter sie selbst betreut haben. So soll die inhaltliche Ausrichtung des Fachkräfteaustauschs gestärkt und der Erfahrungstransfer durch diese Erfahrung erleichtert werden.

Die bisher eher abwartende Haltung des udmurtischen Jugendministeriums hinsichtlich Vorbereitung und Programmplanung des Fachkräfteaustauschs 2011 zeigt jedoch auch, dass weiterer intensiver Gesprächsbedarf besteht. Eine mittelfristige Weiterführung des Fachaustauschs mit der Regierung in Ishewsk ist nach Erachten des DRA nur dann sinnvoll, wenn auch die udmurtische Seite an der inhaltlichen und thematischen Weiterentwicklung aktiv teilnimmt. So ist es wichtig, neue Elemente wie die direkte gegenseitige Hospitation zu erläutern, die zugleich die Vorbereitung auf die Delegationsreisen intensivieren würde. Auch bleibt  es für das Programm notwendig, rechtzeitig die teilnehmenden russischen Organisationen sowie deren Vertreter abzuklären, um in Berlin passende Hospitationsorganisationen identifizieren und gewinnen zu können.

Der Fachaustausch der Jugendhilfe mit Ishewsk wird von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert und mit freundlicher Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin durchgeführt.

2009

Vom 29. März bis 05. April besuchte die Delegation aus Ishewsk unter Leitung des Vorsitzenden des Staatskomitees für Jugendangelegenheiten, Igor Krasnow, Berlin. Auf deutscher Seite wurde die Woche vom Jugendreferenten beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, Konrad Koschek, geleitet und vom zuständigen DRA-Projektleiter Holger Löbell unterstützend begleitet.

Montag, 30.03.2009

Vorstellung des Projektes „Koordinations- und Konsultationsbüro für gemeinnützige Organisationen“ in Ishewsk, Udmurtien, durch Konrad Koschek. Ziel war es, ein Koordinations- und Beratungsbüro (KBB) zu gründen, welches NGOs in Udmurtien unterstützt. Das KBB soll gegenüber dem Staat und seinen Einrichtungen als unabhängiger Ansprechpartner und Lobbyist der zivilgesellschaftlichen Initiativen auftreten.

Das Konzept wurde vom Leiter der udmurtischen Delegation und Leiter des Staatlichen Jugendkomitees, Igor Krasnov, positiv aufgenommen. Die ersten Schritte in Richtung einer Realisierung seien vor Ort bereits unternommen worden. Bis Jahresende soll das Republikanische Zentrum für Jugendkoordination in eine Autonome Organisation umgewandelt werden und vom Staat unabhängig agieren können. Es wird der Grad der Unabhängigkeit einer solchen Ausgründung von bisherigen staatlichen Rahmen erörtert.

Dienstag, 31.03.2009

Freiwilligenagentur Kreuzberg-Friedrichshain, Gneisenaustraße 6A, 10961 Berlin

Andrea Brandt, Leiterin der bezirklichen Freiwilligenagentur seit 2004, erläuterte die Struktur, die Arbeitsweise und den Aufgabenbereich einer bezirklichen Freiwilligenagentur.

Ziel ist die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements und vorhandene Potenziale auf Bezirksebene zu verbessern.

Aufgabe der Agentur ist die kompetente Beratung von Interessenten, deren Vermittlung an eine passende Einrichtung, die mit der FWA zusammen arbeitet. Die Delegation interessiert sich vor allem für Fragen der konkreten Vermittlung und Gewinnung von Freiwilligen.

Landesfreiwilligenagentur Berlin, Torstraße 231, 10115 Berlin

Dagmar Schmidt erzählte über die Entwicklung der Freiwilligenarbeit in der BRD und den Wandel des freiwilligen Engagements im Laufe der letzten Jahrzehnte von der „Erfüllung eines Auftrags“ und Engagement in erster Linie im Bereich der Kirche bis hin zu einer individuellen Selbstverwirklichung des Freiwilligen in allen sozial und ökologisch tätigen Einrichtungen heutzutage.

Außerdem verstehen sich die meisten jugendlichen Freiwilligen heute als politisch engagiert.

Treffen mit Berliner Student_innen

Am Abend fand im Rahmen des Deutsch-Russischen Stammtisches des DRA im Restaurant „Laika“ in Berlin-Neukölln ein Treffen mit StudentInnen statt, die sich für Russland interessieren und den Mitgliedern der Delegation Fragen über die Alltagssituation in Russland und die Arbeit der Jugendorganisationen vor Ort stellten. Es entstanden etliche auch persönliche Kontakte, die bei einer Intensivierung der Zusammenarbeit Berlin-Ishevsk hilfreich sein können. 

Mittwoch, 01.04.2009

Outreach e.V., Axel-Springer-Straße 40/41, 10969 Berlin

Willy Essmann erläutert die Arbeit des Verbandes für soziokulturelle Arbeit e.V.

Outreach ist bisher in 10 Berliner Bezirken mit 28 sozialen Anlaufpunkten tätig. Schwerpunkt der Straßensozialarbeit ist die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, insbesondere die Hinführung der Jugendlichen zu selbstverantwortlichem Handeln und Anerkennung ihrer Leistungen durch die Gesellschaft.

Dabei wird bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund bewusst auch mit Strukturen wie muslimischen Gemeinden oder so genannten Vorbildpersonen (z. B. Ladenbesitzer) gearbeitet, die ihnen gegenüber eine starke Autorität besitzen, als Respektpersonen anerkannt werden und die auf die Jugendlichen positiv einwirken können.

Die Straßensozialarbeit stieß bei den udmurtischen Fachkräften auf großes Interesse, in der Diskussion lag der Themenschwerpunkt auf der Frage, wie mit Randgruppen – z. B. HIV-infizierten Personen, die ihre Infektion seit der Geburt haben und die in Russland derzeit noch stark ausgegrenzt werden – gearbeitet wird und wie ihre Integration vorangetrieben wird. 

Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales

Ulrich Wiebusch, Referent für Bürgerengagement und Ehrenamt, erläutert die rechtliche und organisatorische Struktur der Freiwilligenarbeit im Land Berlin.

Für Igor Krasnov war die Frage von großer Relevanz, worin das Interesse des Staates für die Freiwilligenarbeit liegt, und wie die Auswahlmechanismen funktionieren, welche Wohlfahrtsverbände und Stadtteilzentren für eine Zusammenarbeit mit dem Senat im Bereich der Freiwilligenarbeit in Frage kommen.

Im Endeffekt konnte die Frage für Igor Krasnov nicht zufrieden stellend beantwortet werden, da die entsprechenden Mechanismen in Berlin einerseits vielfältig sind, andererseits nicht immer klaren Auswahlkriterien unterliegen. 

Deutsch-Russischer Austausch

Stefan Melle stellt das Konzept für ein Austauschprojekt ab Herbst vor. Geplant ist, dass im 2. Halbjahr 10 Fachkräfte aus dem Jugend- und Sozialhilfebereich für drei Monate nach Berlin fahren und dort in verschiedenen Organisationen ihres Fachgebiets hospitieren.

Von deutscher Seite aus ist ein Projektantrag an die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gestellt worden, der voraussichtlich eine Finanzierung der Verpflegungs- und Unterkunftskosten gewähren soll. Die russische Seite muss sich bemühen, eine Kof-Finanzierung in Höhe von ca. 10.000 Euro beizusteuern, damit die Kosten für Reise und die Betreuung der Fachkräfte gedeckt werden kann.

Igor Krasnov sieht diese notwendige Kofinanzierung als realistisch an, schwierig werde jedoch, genug Fachkräfte zu finden, die über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen, um in Berlin gemäß ihren Fähigkeiten eingesetzt werden zu können. Die udmurtische Seite werde die Ansprache in Udmurtien und eine sprachliche Vorbereitung aktiv unterstützen.

Donnerstag, 02.04.2009

Neuhland e.V., Nikolsburger Platz 6, 10717 Berlin

Der Geschäftsführer des Vereins, Michael Witte, referiert über die Hilfe für Kinder und Jugendliche insbesondere bei Suizidgefährdung.

Die Beratungsstele Neuhland besteht seit 25 Jahren. Jährlich wenden sich 600-700 Jugendliche dorthin, ca. 10% von ihnen werden in der Krisenwohnung aufgenommen.

Neuhland bietet sowohl Einzel- als auch Familiengespräche an und vermittelt an Psychotherapeuten, welche die Gespräche führen. Die erste Kontaktaufnahme erfolgt meist per Telefon oder Internet, wo absolute Anonymität gewährleistet ist. Das Erstgespräch erfolgt ohne Krankenschein oder Bezahlung zur Vertrauensbildung. Die Finanzierung erfolgt komplett über den Senat.

Die Arbeit von Neuhland stieß bei der russischen Seite auf großes Interesse. Jedoch erfolgt bei Neuhland gemäß Datenschutzbestimmungen keine Archivierung der Daten, so dass eine genaue Analyse, wie viele der suizidgefährdeten Jugendlichen, die um Hilfe gebeten haben, später dennoch Selbstmord begangen haben, nicht gegeben werden kann.

Paritätischer LV Berlin e.V.

Die Delegation aus Udmurtien erhielt die Möglichkeit, bei der feierlichen Verabschiedung von Konrad Koschek in den Ruhestand teilzunehmen und den Festvortrag von Prof. Johannes Münder zur Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe seit 1968 zu hören. Im Anschluss an die Festreden hielt der Delegationsleitre Igor Krasnov eine Dankesrede auf die langjährige Zusammenarbeit mit Konrad Koschek und dem Paritäter, und Konrad Koschek würdigte die Zusammenarbeit mit Igor Krasnov und dem Staatskomitee für Jugendangelegenheiten. Darüber hinaus fanden Gespräche mit dem Geschäftsführer des DPW, Herrn Oswald Menninger, sowie seiner Stellvertreterin, Frau Elke Krüger, statt.

Freitag, 03.04.2009 

PAD e.V., Haus am Akaziengrund, Allee der Kosmonauten 77-79, 12681 Berlin

Die Geschäftsführerin Heike Schmidt erläuterte die Arbeit im Haus am Akaziengrund im Bereich Kinderschutz, Familie und Prävention.

PAD e.V. arbeitet eng mit den Familien und mit den Mitarbeitern des Jugendamtes zusammen.

Die Arbeit stieß bei den udmurtischen Fachkräften auf großes Interesse. Nach einer Besichtigung des Hauses und einer Erörtung der Möglichkeiten vor Ort wurde die Frage aufgeworfen, wie die gewonnenen Erkenntnisse am ehesten in Ishewsk umgesetzt werden können.

Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Michaelkirchstraße 17/18, 10179 Berlin

Die Projektleiterin Susanne Rindt von der Koordinierungsstelle Jugendfreiwilligendienste sowie die Mitarbeiterin Irene Krug, entsandt vom Land Berlin und bei ISS zuständig für das Projekt „Migrantenorganisationen als Träger des Freiwilligendienstes“, erläuterten der Delegation die Zusammenarbeit von Bundesbehörden und zivilgesellschaftlichem Institut (NGO). Dazu wurden die allgemeinen Strukturen für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und die gesetzlichen Grundlagen vorgestellt.

Lebhaft diskutiert wurde der Ansatz von Igor Krasnov, dass Freiwilligenarbeit generell unbezahlt sein solle und nur tatsächlich entstandene Aufwendungen erstattet werden sollen.

Dem gegenüber steht der Einwand, dass dadurch ein großer Teil der Bevölkerung von der Freiwilligenarbeit ausgeschlossen wäre, da sie sich ihr Engagement nicht leisten könnte.

Allerdings wurde allgemein festgestellt, dass man eigentlich nur in den Bereichen FSJ und FÖJ von einer Bezahlung der Arbeit sprechen kann. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Russland sind jedoch noch nicht so weit entwickelt, um diese Form von bürgerschaftlichem Engagement bereits umzusetzen. 

Gangway e.V., Schumannstraße 5, 10117 Berlin

Auswertungsgespräch

Nachdem alle Teilnehmer Fazit gezogen haben, welches ausnehmend positiv ausgefallen ist, legten beide Seiten die allgemeinen Themen für den Austausch im Sommer fest.

Da sich die Mehrheit der udmurtischen Teilnehmer für den Bereich der Freiwilligenarbeit, der Hilfe bei Gewalt in der Familie und für die Arbeit mit suizidgefährdeten Jugendlichen und deren Familien interessieren und diese Themen daher vertiefen möchten, wurde vereinbart, dass beim Gegenbesuch im Juli diese drei Themen im Mittelpunkt stehen sollen.

Die udmurtischen Gäste wurden gebeten, konkret zu formulieren, welche Themenschwerpunkte sie wünschen, damit eine passende Auswahl der deutschen Delegationsteilnehmer erfolgen kann.

Konrad Koschek wird im Frühjahr und Sommer für einige Wochen in Ishewsk sein und äußerte den Wunsch, in dieser Zeit die Auswahl der für die Beratungsstelle KBB in Frage kommenden Personen vor Ort gemeinsam mit den zuständigen Organisationen und Einrichtungen vorzunehmen.

Abschlussabend im Kino Krokodil 

Gemäß der in Udmurtien erfahrenen Gastfreundschaft bei den bisherigen Fachaustauschreisen wurde am Abend vor der Abreise der Delegation ein festlicher Abschied für die Delegation organisiert. Eingeladen waren die Referenten der Fachaustausch-Begegnungen sowie die Organisatoren des Programms seitens des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und des Deutsch-Russischen Austausch, insgesamt rund 25 Personen.

* * * * *

In der Woche vom 05. bis 12. Juli fand der Gegenbesuch der deutschen Delegation in Ishewsk statt. Empfangen wurde die deutsche Fachgruppe erstmals von Wladimir Solowjow, dem langjährigen Stellvertreter und Nachfolger von Igor Krasnow. Im Mai 2009 wurde im Zuge einer administrativen Umstrukturierung das Staatskomitee für Jugendangelegenheiten in das Ministerium für Jugendangelegenheiten der Udmurtischen Republik umgebildet; der bisherige Leiter des Jugendkomitees Igor Krasnow wurde zum Minister für Sport ernannt, sein langjähriger und sehr erfahrener Stellvertreter Wladimir Solowjow wurde Jugendminister.

Auf deutscher Seite beteiligten sich am Austausch: Konrad Koschek, bisheriger Jugendreferent des Paritätischen Berlin, sowie Margita Bodrow, beim Paritätischen Berlin für Stiftungsmanagement zuständig; Michael Witte vom Berliner Krisennotdienst „Neuhland“; Heike Schmid, Koordinatorin des Jugendhilfezentrums „pad e.V.“ in Marzahn; Uwe Heide, Leiter des Teams Marzahn bei „Gangway“, einem Berliner Verein für Straßensozialarbeit; Stefan Melle, Geschäftsführer des DRA sowie Holger Löbell, beim DRA zuständiger Projektleiter für den Fachkräfteaustausch mit Udmurtien.

Freitag, 10. Juli 09, Abschlusskonferenz

Die Mitglieder der Berliner Delegation sind von den Treffen mit den Organisationen in Ishevsk insgesamt sehr positiv beeindruckt. Als besonders intensiv und fruchtbar wurden die Treffen bei Psycholog Plus, im Familienzentrum Semja (Leninskij Rajon) und bei der Jugendorganisation Junost genannt.

Angesichts der Gespräche und Eindrücke dieser Woche und der beteiligten Experten schlägt die Berliner Delegation vor, die Zusammenarbeit in den Bereichen Familienhilfe und Freiwilligenarbeit fortzusetzen und das Thema Suizidgefährdung und –prävention neu aufzunehmen. 

Die Rollen des Deutsch-Russischen Austauschs (DRA), des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (Pari) und von Konrad Koschek persönlich in dem Fachkräfteaustausch erläutert und festgelegt werden.

Michael Witte

Herr Witte, Leiter der Fachorganisation Neuhland e.V. und Vorsitzender  zeigte sich entsetzt über den hohe Suizidrate bei der Altersgruppe bis zu 17 Jahren, die 10 mal so hoch liegt wie in Deutschland, und sieht hier Handlungsbedarf, indem die vorhandenen Hilfsangebote ausgebaut und spezialisiert werden müssen.

Als ersten Ansatzpunkt sieht er, dass insgesamt die Prävention gestärkt werden muss und Ansätze für ein nationales Suizidpräventionsprogramm entwickelt werden sollen nach der Art und Weise, wie dies in Finnland geschehen ist.

Der zweite Ansatzpunkt betrifft speziell die Hilfe für junge Menschen und sieht die Entwicklung einer Kriseneinrichtung vor, die junge Menschen kurzfristig aufnehmen kann, nach dem Vorbild der Einrichtung „Neuhland e.V.“ in Berlin.

Dies bedeutet für die Betroffenen eine enorme psychische Entlastung, wodurch sie bereit sind, Hilfe von außen anzunehmen.

Ein Projekt Krisenwohnung wäre seiner Einschätzung nach sinnvoll, da diese Arbeit sich direkt an die bisherige hervorragende Arbeit von „Psycholog Plus“ anknüpft und diese erweitert.

Wladimir Solowjow

Der Jugendminister erwähnt, dass derartige Vorschläge früher nicht gemacht wurden, meint, dass es dafür Möglichkeiten gibt.

Heike Schmid

Frau Schmid meint, dass sie in der Woche viele interessante Einrichtungen kennengelernt hat, so wie den Jugendclub „Junost“ ab vorherigen Donnerstag. Am interessantesten war für sie jedoch der Besuch des Familienzentrums „Semja“ im Leninbezirk, wo sehr gute Arbeit und Betreuung geleistet wird. Ihr hat die vielfältige und professionelle Ausrichtung des Familienzentrums gefallen, und sie sieht in der Arbeit viele Parallelen und vergleichbare Ansätze zu „PAD e.V.“ in Berlin.

Gefallen hat ihr die Konzentration des Zentrums auf einen Bezirk, weil dies bedeutet, dass man sein Klientel besser kennt und auch von den Leuten gekannt wird. Desweiteren hat Frau Schmid die Kooperation der fünf Stadtteilzentren untereinander lobenswert erwähnt.

Als Unterschied in der Arbeit zwischen Berlin und Ischewsk hat Frau Schmid hervorgehoben, dass es in Ischewsk eine Kommission gibt, welche Entscheidungen trifft, wohingegen in Berlin das Jugendamt gemeinsam mit dem zuständigen Sozialarbeiter die Entscheidungen trifft.

Positiv aufgefallen ist Frau Schmid auch die Verteidigung der Kinderrechte, daraus ergibt sich bei ihr die Frage, wie in Ischewsk die Eltern, welche Hilfe benötigen, an diese herankommen. In Berlin gibt es ein System für Kinderschutz, und Frau Schmid sieht im gemeinsamen Aufbau eines vergleichbaren Systems für Ischewsk Ansätze für eine Zusammenarbeit.

Desweiteren betont Frau Schmid, dass es wichtig ist, nicht nur sozial schwache Familien zu beobachten, sondern ebenfalls gewöhnliche Familien, wenn Schwierigkeiten in der Beziehung zwischen Eltern und deren Kindern auftreten.

Als wichtigen Punkt hat Frau Schmid zum Abschluss ihrer Bewertung nochmals hervorgehoben, dass alle Einrichtungen, die in der Familienarbeit und Suizidprävention involviert sind, also auch die Miliz, Bescheid wissen, in welchem Stadium das Familienzentrum von Vorfällen benachrichtigt werden muss.

Wladimir Solowjow

Der Jugendminister erwähnt, dass der Präsident von Udmurtien, Aleksandr Wolkow, der Familienarbeit große Bedeutung beimisst und eine Kommission eingesetzt hat, die dafür zuständig ist. Das aktuellste Problem ist für junge Menschen momentan das Wohnungsproblem, welches dringend in Angriff genommen werden sollte.

2009 ist in Russland das Jahr des Kindes, und in Udmurtien gibt es eine Entwicklungsrichtung, Pflegekinder verstärkt in Pflegefamilien und nicht in Heimen unterzubringen.

Der Minister führt an, dass das Drogenproblem von Jugendlichen und jungen Familien in Angriff genommen werden muss, und erzählt, dass in diesem Jahr zahlreiche Sommerlager sich mit diesen Gruppen beschäftigen.

Heike Schmid

Frau Schmid erwähnt noch mal, dass man ein Programm zur Stärkung der Eltern entwickeln soll, weil man dadurch auch starke Kinder erhält.

Margita Bodrow

Frau Bodrow führt an, dass es nun einen Übergang von der Quantität der Programme hin zur Qualität der Programme geben wird. Es gibt eine neue Struktur in der Arbeit, wobei die fachliche Zusammenarbeit mehr hervorgehoben werden soll.

Im Unterschied zu dem Zeitpunkt vor 13 Jahren, als mit dem Fachkräfteaustausch begonnen wurde, gibt es nun eine breite Basis von Freien Trägern in Udmurtien, mit denen man zusammen arbeiten und die staatlichen Strukturen mit einbeziehen kann.

Holger Löbell

Herr Löbell führt an, dass ihn insbesondere die Weiterentwicklung der Freiwilligenarbeit beeindruckt und erfreut hat. Bei dem Besuch des Jugendzentrums wurde von Ljudmilla Koslowa das Konzept einer Freiwilligenagentur vorgestellt sowie erläutert, welche Schritte gegangen wurden, um der Freiwilligenarbeit in Udmurtien eine gesetzliche Grundlage zu verschaffen. Dieses Projekt wurde vor einem Jahr in einer Expertengruppe von Mitarbeitern im Jugendfreiwilligenbereich entwickelt, der Herr Löbell beratend zur Seite stand.

Uwe Heide

Herr Heide erwähnt, dass der BMX-Park in Ischewsk, der im vergangenen Jahr unter seiner Leitung von einer Gruppe jugendlicher BMX-Fahrer aus Berlin-Marzahn für die udmurtischen BMX-Fahrer gebaut wurde, nach wie vor steht und von der Jugend begeistert angenommen wurde. Er freut sich auf den Besuch einer BMX-Gruppe aus Ischewsk, die Ende Juli für eine Woche nach Berlin kommen wird.

Er führt an, dass ihn der Besuch im Jugendclub „Junost“ ebenfalls sehr beeindruckt hat und er der Meinung ist, dass dort hervorragende Straßensozialarbeit geleistet wird.

Außerdem dankt er Marina Dolmatowa sehr für die Betreuung und die individuelle Wunschberücksichtigung im Rahmen des Delegationsprogrammes.

Stefan Melle

Herr Melle dankt den beiden Gastgebern, dem Jugendminister Wladimir Solowjow sowie der Organisatorin Marina Dolmatowa für die intensive Woche, in welcher er viele hervorragende Einrichtungen erlebt hat. Einige Dinge, welche letztes Jahr begonnen wurden, konnten weiterentwickelt werden, Neues ist hinzugekommen.

Herr Melle führt an, dass die beiden Einrichtungen „Psycholog Plus“ und „Semja“ gezeigt haben, dass die selbstverständliche Zusammenarbeit unter Kollegen auch in Udmurtien vorhanden ist.

Als neuer und interessanter Bereich wurde auch die Technische Universität aufgenommen, wo eventuell eine Partnerschaft aufgebaut werden kann, sodass das Netz zwischen Ischewsk und Berlin noch enger geknüpft werden kann. Hier wären sowohl die Wirtschaft als auch die Studenten eine interessante Zielgruppe.

Anschließend erläuterte Herr Melle nochmals Ziel und Inhalt des angestrebten Hospitationsprogramms und nahm eine Abgrenzung zur Freiwilligenarbeit vor. Ziel der Hospitation sei es auch, die Verbindung zwischen den Städten Ischewsk und Berlin zu verstärken, aber im Vordergrund steht der Erfahrungsaustausch der Arbeit.

Herr Melle führt an, dass sowohl die Budgetierung des Ministeriums als auch die Projektplandung des DRA einen längeren Vorlauf benötigt und schlug vor, an dieser Stelle zu beraten und entscheiden, wie 2010 verfahren werden soll. Er hob nochmals deutlich die Entwicklung des Jugendzentrums von Frau Schtschenina hervor und machte deutlich, dass die unter Leitung von Frau Koslowa entstehende Freiwilligenagentur eine Basis für einen Freiwilligenaustausch mit dem DRA bieten kann, wenn die Freiwilligenagentur bis 2010 gegründet wurde.

Abschließend bemerkte Herr Melle, dass im Lauf der Woche viel über Änderungen und Wechsel im Rahmen des alljährlichen Fachaustausches gesprochen wurde, und regte an, diese Gespräche weiterhin fortzusetzen. Desweiteren betonte Herr Melle, dass er froh sei, den Fachkräfteaustausch für 2010 zu organisieren, und gab sich bezüglich der Durchführung sehr zuversichtlich.

Konrad Koschek

Herr Koschek sprach die Frage an, was für 2010 und die nähere Zukunft an Themen ansteht. Für 2010 ist dies das bereits angestoßene Hospitatiosprojekt, wofür zukünftig zwischen beiden Parteien ein schnellerer und häufigerer Informationsaustausch vonnöten ist. Als zweiter Punkt wurde die Zusammenarbeit des Jugendministeriums mit dem DRA hinsichtlich des alljährlichen Fachkräfteaustauschs angesprochen. Da in der gemeinsamen Woche durch Kommunikationsdefizite diese beiden Punkte inhaltlich durcheinandergebracht wurden, gab es sicherlich Missverständnisse und Spannungen, welche vermeidbar gewesen wären. Herr Koschek dankte Frau Dolmatowa dafür, dass sie die für beide Seiten nicht sehr leichte Situation gemeistert hat.

Ungeachtet dessen wird der Austausch weitergehen, und die Ergebnisse der Woche werden zusammengefasst werden und an das Jugendministerium zur Abstimmung weitergeleitet.

Für die Zukunft sieht Herr Koschek Ansatz in der Entwicklung der strukturellen Angebotsebene und auf der fachlichen Ebene, wo sehr gute Angebote vorgefunden wurden. Er machte den Vorschlag, dass die beiden Organisationen „Psycholog Plus“ und „Semja“ jeweils für die deutschen potenziellen Partner „Neuhland“ bzw. „PAD e.V.“ detailliert ausformulieren, welche Erwartungen sie an den Austausch im März 2010 in Berlin stellen. Er vertrat die Meinung, dass es sinnvoll sei, dass jeweils ein Mitarbeiter der beiden Organisationen an dem Besuch teilnehmen solle, um die in Frage kommenden Themen zu bearbeiten.

Bezüglich der sich in Gründung befindlichen Freiwilligenagentur schlug Herr Koschek ebenfalls vor, dass die dafür verantwortlich zeichnende Person teilnehmen solle.

Als nächster Punkt wurde der Dachverband für die Freien Träger angesprochen. Auch hier zeichnet sich eine positive Weiterentwicklung ab, und es ist offensichtlich, dass die Udmurtische Republik den richtigen Weg eingeschlagen hat. Herr Koschek macht deutlich, dass in dem sich an die Abschlusskonferenz anschließendem Gespräch zwischen Herrn Melle, Herrn Koschek, Frau Dolmatowa und Frau Koslowa erörtert werden soll, wie in diesem Punkt weiter verfahren werden kann. Sollte dieser Trägerdachverband über das Jugendzentrum von Frau Schtschenina geleitet werden, würde dies positiv aufgenommen werden, weil der Dachverband dadurch demonstriere, dass er nicht der verlängerte Arm des Ministeriums sei. Deshalb schlug Herr Koschek vor, dass ein Vertreter des Dachverbandes ebenfalls 2010 im Rahmen des Fachkräfteaustauschs nach Berlin reisen sollte. Desweiteren lud Herr Koschek selbstverständlich als Vertreter des Jugendministeriums Frau Dolmatowa und den Jugendminister Wladimir Solowjow ein.

Abschließend dankte Herr Koschek dem Ministerium für die fruchtbare Zusammenarbeit, die nun auf eine neue Ebene gehoben wird. Dies macht die Arbeit sicherlich nicht leichter, führte er an, sondern eher schwerer und umfangreicher und kurzfristig auch teurer, aber sie gewährleistet, dass die Zielgruppe langfristig besser betreut werden kann.

Herr Koschek erläuterte noch einmal die strukturelle Seite des zukünftigen Fachkräfteaustauschs und stellte auch seine zukünftige Rolle innerhalb dieser Konstruktion klar. Im Prinzip hat der Paritätische Wohlfahrtsverband seine Partnerrolle des Ministerium nicht aufgegeben, sondern lediglich die Dienstleistung, welche bisher von Konrad Koschek und Margita Bodrow erbracht wurde, an den DRA übertragen. Der Paritäter ist demnach auch weiterhin an dem Fachkräfteaustausch interessiert, wird in weiterhin unterstützen und auch die Ergebnisse veröffentlichen. Herr Koschek wird sich aus seiner Funktion nicht völlig zurückziehen, sondern er wird für Herrn Melle eine beratende Funktion ausüben, wo er seine 13jährige Erfahrung im Fachkräfteaustausch einbringen und, in Absprache mit Herrn Melle, auch eine führende Rolle spielen wird. 

Wladimir Solowjow

Der Jugendminister dankt für die guten Wünsche und für die gemeinsam geleistete Arbeit. Leider, so führt er an, konnte aus objektiven Gründen nicht alles Geplante auch umgesetzt werden. Die gemeinsamen Projekte, die von Herrn Koschek angesprochen wurden, werden innerhalb des Ministeriums diskutiert und besprochen werden, bevor entschieden wird. Wichtig sei, wie der Minister unterstrich, die beständige Kommunikation.

Alle Wünsche und Anregungen wurden notiert, bis zur nächsten Anreise in Udmurtien wird sicherlich noch einiges ergänzt werden. Allerdings muss er als Minister auch stets auf sein Budget achten, und wie der Haushalt 2009 im Zuge der Krise um 25% gekürzt wurde, so steht auch schon fest, dass der Haushalt für 2010 noch knapper ausfallen wird. Der Budgetplan für 2010 liegt vor und sieht Kürzungen um 35% vor. Während der Fachkräfteaustausch für 2009 noch aufrechterhalten werden konnte, bedeutet dies, dass es für 2010 schlecht aussieht, aber genaueres kann erst im November/Dezember entschieden werden, wenn der Haushalt verabschiedet wurde.

Der Minister unterstreicht, dass er persönlich auf die beste Variante hofft, und schlägt vor, regelmäßig zu kommunizieren, um danach zu einer Entscheidung zu kommen.

Abschließend dankt Herr Solowjow für die Wünsche und die wertvollen Vorschläge.

Der Fachaustausch der Jugendhilfe mit Ishewsk wird von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert und mit freundlicher Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin durchgeführt.

 

2008

In der westlich des Urals gelegenen russischen Teilrepublik Udmurtien wird der DRA Berlin die Regierung künftig bei der Entwicklung der Freiwilligenarbeit beraten. Dies hat der Verein mit dem zuständigen Staatlichen Komitee für Jugendangelegenheiten von Udmurtien im Juli 2008 in der Hauptstadt Ischewsk vereinbart. Vorgesehen sind u.a. die Einrichtung geregelter Freiwilligendienste in Anlehnung an das Freiwillige Soziale bzw. Ökologische Jahr in Deutschland, der Aufbau einer Freiwilligenagentur für soziale Organisationen in Ischewsk, deren internationale Vernetzung sowie ein jährlicher Austausch von Freiwilligen zwischen Deutschland und Udmurtien.

Die Kontakte waren vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin vermittelt worden, der bereits seit 1998 mit den KollegInnen in Udmurtien einen jährlichen Fachaustausch zu verschiedenen Themen der Jugendhilfe und Jugendpolitik organisiert. Nach Ischewsk waren für den DRA der Geschäftsführer Stefan Melle und der Mitarbeiter Holger Löbell gereist.

Das Jugendkomitee Udmurtiens will unter Leitung seines Vorsitzenden Igor Krasnov die Freiwilligenarbeit im Sozial-, Gesundheits- und Jugendbereich künftig auch finanziell unterstützen. Darüber hinaus sollen für den Austausch mit Deutschland in beiden Ländern Unternehmensstipendien eingeworben werden. Bereits begonnen wurde mit der Ausarbeitung juristischer Grundlagen für den gesamten Bereich des bürgerschaftlichen Engagements in Udmurtien. So entstand im August 2008 mit Beteiligung des DRA eine „Konzeption für die Freiwilligenarbeit in der Udmurtischen Republik“.

Nach seiner Weiterenwicklung soll die Konzeption Anfang Februar 2009 in einer Öffentlichen Anhörung durch jene Behörden und Kinder- und Jugendorganisationen erörtert werden, die an der Entwicklung von Formen der Freiwilligenarbeit beteiligt sein werden. Der DRA hat für diese Anhörung eine Einschätzung der Konzeption auf Video aufgezeichnet, die als Experten-Stellungnahme in die Veranstaltung Eingang finden wird.

Auf Bitten des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin wird der DRA im März/April 2009 den nächsten gemeinsamen Fachaustausch mit der Udmurtischen Republik in Berlin organisieren.

Der Fachaustausch der Jugendhilfe mit Ishewsk wird von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert und mit freundlicher Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin durchgeführt.