DRA Newsletter Dezember 2016

Liebe Freundinnen und Freunde des DRA,

heute informieren wir Sie zum letzten Mal im Jahre 2016 über unsere laufende Arbeit. Zugleich möchten wir uns – wie vor einigen Tagen - noch einmal mit der Bitte an Sie wenden, uns in dieser Arbeit zu unterstützen. Denn die Herausforderungen und Aufgaben wachsen immer weiter. Die russische Zivilgesellschaft wird immer stärkeren Verfolgungen ausgesetzt, auch unsere Kolleg_innen vom DRA St. Petersburg sind davon betroffen. Der Konflikt in der Ostukraine geht weiter und hat das Verhältnis zwischen Russland und der EU zu einem Tiefpunkt geführt – und auch bei uns wachsen die innergesellschaftlichen Spannungen und die Unsicherheiten bezüglich der Stabilität unserer friedlichen und demokratischen Verhältnisse.

Lassen Sie uns all dem weiterhin gemeinsam etwas entgegensetzen, Brücken des Dialogs bauen und mit einer starken, europäisch vernetzten Zivilgesellschaft für Verständigung, Frieden und Demokratie streiten!

Um dies weiter tun zu können, brauchen wir Ihre Hilfe. Denn trotz Förderung durch öffentliche Gelder und private Stiftungen können wir ohne Spenden unser Engagement nicht aufrechterhalten, notwendige Eigenanteile für Projekte nicht aufbringen und unser Büro nicht führen.

Bleiben Sie (mit uns) DRAn! Ihre Spende kommt an.

Wir danken allen, die uns im Jahre 2016 unterstützt haben, sehr herzlich und wünschen Ihnen allen schöne Feiertage und ein frohes und friedliches Neues Jahr 2017!

Ihr Stefan Melle und das Team des DRA

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Der DRA e.V. ist als gemeinnützig anerkannt. Spenden sind steuerlich abzugsfähig, Spendenquittungen werden zugesandt.

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Inhalt

1) Europäische NGO-Koalition initiiert: Gemeinsam zur Lösung des Konflikts im Donbass beitragen! – Erklärung an OSZE auf Gipfeltreffen in Hamburg übergeben

Die Friedensverhandlungen zum Ostukraine-Konflikt stecken schon seit Monaten in der Sackgasse, die Auslegung und Umsetzung der Minsker Vereinbarungen bleibt umstritten. Vor diesem Hintergrund gründeten kürzlich führende NGOs aus der Ukraine, Russland, Deutschland, Polen, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz – darunter der DRA als einer der Initiatoren – die offene und interdisziplinäre Plattform "CivilMPlus", mittels derer Vertreter_innen der europäischen Zivilgesellschaft einen Beitrag zur Konfliktlösung im Donbass leisten wollen. Die beteiligten NGOs, die alle über Arbeitserfahrungen im oder zum Konfliktgebiet in der Ostukraine verfügen, trafen sich auf Einladung des DRA vom 7. – 9. November in Berlin, um Ziele und Aufgaben der Koalition zu diskutieren.

Die Einbindung der Zivilgesellschaft in den Befriedungsprozess und der Rückgriff auf ihre Kenntnisse in so entscheidenden Bereichen wie Menschenrechte, humanitäre Hilfe sowie Friedens- und Dialogarbeit hat das Potential, der Politik und Diplomatie wichtige Impulse für eine Verbesserung der Lage vor Ort und die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen zu geben. Der Titel "CivilMPlus" verweist darauf, dass die Koalition so verschiedene Arbeitsrichtungen verbinden wird wie das Monitoring der internationalen Verhandlungen zu den Minsker Vereinbarungen und der Menschenrechtssituation im Donbass, Mediation und Erinnerungsarbeit.

Ein erstes Ergebnis der Zusammenarbeit ist die gemeinsame Erklärung "Überwindung des bewaffneten Konflikts in der Ostukraine und Überwindung seiner Folgen" (Text siehe HIER [Englisch] bzw. HIER [Russisch]), die an Österreich (als das Land, das in Kürze den jährlichen OSZE-Vorsitz übernehmen wird) und an die weiteren OSZE-Mitgliedsländer gerichtet ist. Sie wurde am 7.12. bei der traditionellen Parallelkonferenz der Zivilgesellschaft zum OSZE-Ministerratstreffen in Hamburg u.a. an den deutschen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und an den Generalsekretär des österreichischen Außenministeriums Michael Linhart übergeben. Der DRA war auf der Tagung mit Martina Steis, Tim Bohse, Yulia Erner und Stefan Melle vertreten und hatte das Panel zum Donbass-Konflikt mit vorbereitet.

Zur Mitarbeit in der Koalition "CivilMPlus" sind interessierte NGOs mit Erfahrung in der Konfliktlösungsarbeit und/oder im Donbass herzlich eingeladen! Weitere Informationen HIER.

Das NGO-Forum in Berlin wurde finanziell vom Auswärtigen Amt und der Marion-Dönhoff-Stiftung unterstützt.

2) Nordkaukasus: Existenzgründerförderung, Jugendarbeit, neues Zentrum in Dagestan – und Studienreise nach Berlin

Im Rahmen des Projekts zur interethnischen Aussöhnung und sozioökonomischen Stabilisierung, das der DRA seit 2007 in Kooperation mit russischen Partnern in mehreren Regionen des Nordkaukasus durchführt, fanden in den letzten Monaten in Inguschetien weitere Existenzgründerkurse mit anschließenden Wettbewerben um den besten Businessplan statt. Neu ist die Kooperation mit einem Co-Working-Space in Nasran, der größten Stadt Inguschetiens. Absolvent_innen von Kursen des Projekts werden bei den ersten Schritten in die berufliche Selbstständigkeit nicht nur von den dort zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten profitieren, sondern auch von der unter demselben Dach bereits eingerichteten Beratungsstelle.

Parallel zu der Arbeit in Inguschetien wurde mittlerweile der Aufbau eines weiteren Bildungszentrums in Dagestan begonnen, in dem bereits Beratungen und Seminare laufen und in Kürze auch die ersten Kurse angeboten werden.

Zum Projektprogramm gehört ferner Kinder- und Jugendarbeit, die in Inguschetien wie auch in Nordossetien teilweise von jungen Freiwilligen mitgetragen wird. Sie umfasste im Herbst insbesondere auch Veranstaltungen für Sozialwaisen oder für Kinder mit Behinderungen. In Vorbereitung sind außerdem die interethnischen Neujahrsfeiern für Kinder aus sozial schwachen Familien, die auch in den Vorjahren stets ein großer Erfolg waren.

Im Januar wird eine einwöchige Studienreise acht Mitarbeiter_innen des Projekts nach Berlin führen. Dort werden sie sich mit Fachgesprächen und dem Besuch verschiedener Einrichtungen und Organisationen u.a. zu den Themen soziales Unternehmertum, Existenzgründung, Frauenförderung und Multikulturalismus informieren.

3) Netzwerk "Transition Dialogue" fragt nach Langzeitwirkungen der Umbruchzeit der 1990-er Jahre in Mittel- und Osteuropa - in Wien, Berlin und Zagreb

Das vom DRA organisierte multilaterale Projekt "Transition Dialogue" (TD) über die Erfahrungen der jüngeren Generation in Mittel-/Osteuropa in der Umbruchzeit nach 1989 hat zwei weitere Veranstaltungen durchgeführt. Eine Podiumsdiskussion im Kontext der "Herbstgespräche 2016" fragte bereits am 9. November: Welche Rolle spielen die verschiedenen Wahrnehmungen der Sowjetzeit, der Perestroika und der ersten postsowjetischen Jahre für aktuelle Positionen und Konflikte im Donbass? Im Gespräch von Olena Pravylo (Congress of Cultural Activists, Kiev), Valentina Tscherevatenko (Union der Frauen vom Don, Novotscherkassk, Russland), Igor Semyvolos‎ (International Renaissance Foundation, Kiev) und Aleksej Tokarev (MGIMO – Moskauer Staatliches Institut für Internationale Beziehungen) wurde deutlich, wieso in der Bergbau- und Industrieregion positive Narrative von der Sowjetunion überwiegen. Zu hören war aber auch, dass russisch-nationalkonservative Präferenzen hier noch viel weiter zurückreichen – und vor allem, wie hart die wechselseitig negativen Bilder und Schuldzuschreibungen zwischen Russ_innen und Ukrainer_innen derzeit oft sind. Die Erlebnisse der Umbruchzeit sind einer der Faktoren dafür, den es aufzuarbeiten gilt. Aber längst treten die kontroversen Narrative von 2013 bis 2016 hinzu – eine Hypothek für Jahrzehnte, die viele weitere Dialoge brauchen wird. Einen Bericht über die Diskussion finden Sie HIER.

Darüber hinaus war das Transition Dialogue-Netzwerk auf zwei Konferenzen präsent: Auf der "Deutschlandforschertagung 2016 – Children of Transition, Children of War" Anfang November in Wien präsentierte das Team zum einen Ergebnisse aus Befragungen in Bulgarien und Kroatien zur Haltung gegenüber Migrant_innen, zum anderen Resultate aus Deutschland, Russland und der Ukraine zu der Frage, wie Menschen von der Zeit der großen Veränderungen in den 1990-er Jahren geprägt wurden (siehe HIER). Nur eine Woche später präsentierte sich das Netzwerk auch auf der diesjährigen Networking European Citizenship Education-Conference in Zagreb. Dem TD-Team gehören bislang Organisationen aus sechs Ländern – Russland, Ukraine, Polen, Bulgarien, Kroatien, Deutschland – an. Koordinatorin ist Christine Wetzel (DRA). Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt.

Weitere Beiträge aus dem Transformationsnetzwerk finden Sie im Blog oder auf der Facebook-Seite des Projekts.

4) Fachaustausch: Russisch-deutsche Erinnerungskultur zum Zweiten Weltkrieg

In den Erinnerungskulturen zum Zweiten Weltkrieg nehmen Berlin und Wolgograd (das ehemalige Stalingrad) eine herausragende Stellung ein. Vor diesem Hintergrund organisierte der DRA in diesem Jahr das Projekt "Perspektivwechsel – Erinnerungskulturen in Deutschland und Russland an den Zweiten Weltkrieg am Beispiel der Städte Berlin und Wolgograd".

Dabei trafen sich deutsche und russische Fachkräfte der Jugendgeschichtsarbeit im Mai in Wolgagrad zu einem ersten Austausch. Vom 27.11. – 4.12. folgte nun die Rückbegegnung in Berlin, bei der die 20 Teilnehmer_innen anhand Berliner Museen und Gedenkorte zum Zweiten Weltkrieg über Methoden der Geschichtsarbeit diskutierten. Einbezogen wurden dabei auch die Spuren sowjetischer Gedenkkultur in Ostdeutschland sowie Unterschiede der historischen Erinnerungskulturen im Osten und Westen des geteilten Deutschlands.

Zu den besuchten Stätten gehörten u. a. der Treptower Park, das Museum "Topographie des Terrors", das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst und die Gedenkstätte "Seelower Höhen" in Seelow. Zusätzlich waren Mitarbeiter_innen des Zentrums Anne Frank, des Hauses der Wannseekonferenz und des NS-Dokumentationszentrums Schöneweide zu einem Fachgespräch eingeladen. In zwei Workshops befassten sich die Teilnehmer_innen außerdem mit Begriffen der privaten und kollektiven Erinnerungskultur in Russland und Deutschland. Einigkeit bestand keineswegs immer. So sorgten der Besuch des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen und die damit angeblich ausgeübte "Propaganda für gleichgeschlechtliche Beziehungen" für besonders rege Diskussionen.

Ideen zu weiteren Austauschmaßnahmen, die bei dem Treffen entstanden, sollen im Frühjahr 2017 mit Vertretern des Departements für Jugendangelegenheiten von Wolgograd und der Berliner Senatsverwaltung konkretisiert werden. In Planung sind auch weitergehende Kooperationen zwischen Museen in Wolgograd und Berlin. Der Austausch wurde in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment - ZWST verwirklicht und von der Stiftung Deutsch - Russischer Jugendaustausch und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft gefördert.

5) "Mehr bewegen!" - Engagierte ukrainische Jugendliche sammelten Eindrücke in Berlin

18 aktive Jugendliche aus Kiew und Krivoj Rog waren im Rahmen des DRA Projektes "Mehr bewegen!" - Förderung der Jugendbeteiligung in den Regionen der Ukraine, Russlands und Georgiens" vom 5. – 11. Dezember in Berlin zu Gast. Die Teilnehmer_innen aus Krivoj Rog hatten im Oktober mit ihrem Projekt "Warme Hände" zur Unterstützung tuberkulosekranker Kinder den "Mehr bewegen!"-Wettbewerb um das beste Partizipationsprojekt gewonnen. Die Kiewer Gruppe bestand aus Freiwilligen, die wesentlich zur Durchführung des von "Mehr bewegen!" mit organisierten Kinder- und Jugendforums am 29. Oktober im Kiewer Stadtrat beigetragen hatten.

Für viele der Jugendlichen war es nicht nur der erste Besuch von Berlin, sondern auch ihre erste Auslandsreise überhaupt. Zum vielseitigen Programm gehörten eine Stadtführung mit einem ehemaligen Obdachlosen, ein Besuch in Europas größtem gemeinnützigen Kinder-, Jugend- und Familienzentrum, dem FEZ, und Gelegenheiten zum Austausch mit Gleichaltrigen, so in der Freizeiteinrichtung "Impuls" in Berlin-Marzahn und bei einer Besichtigung des Hermann-Ehlers-Gymnasiums. Die Tage in Berlin vermittelten den jungen Gästen viele wichtige Eindrücke und eröffneten ihnen neue Perspektiven zum Thema Partizipation, die sie nach der Rückkehr in ihre Städte und an ihre Schulen in Form weiterer Projekte realisieren möchten.

"Mehr bewegen!" wird mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes/ Landesverband Berlin durchgeführt.

6) Spannend für Gäste und Gastgeber_innen: Mitmachen beim DRA-Schüleraustausch!

Auch für 2017 suchen wir aufgeschlossene Familien, die Interesse hätten, für einige Wochen oder Monate eine/n russische/n Jugendliche/n als Austauschschüler/in oder – ohne Gegenbesuch eines Gleichaltrigen in Russland – als Gastschüler_in bei sich aufzunehmen. Wenn Sie an anderen Kulturen interessiert sind und sich und Ihren Kindern ermöglichen möchten, einen jungen Menschen aus Russland kennen zu lernen, sich mit ihm über sein und Ihr Land auszutauschen und mit ihm eine gemeinsame Sprache zu finden, dann werden Sie Gastfamilie im Schüleraustauschprogramm des DRA!

Für deutsche Jugendliche, die am Schüleraustausch 2017 teilnehmen möchten, stehen Moskau, St. Petersburg, Petrosavodsk (Karelien) und auch Kaliningrad, das ehemalige Königsberg, zur Wahl, in denen Partnerorganisationen des DRA die Betreuung vor Ort übernehmen. Teilnehmen können Schüler_innen ab 14 Jahren, die selbstständig genug für die Herausforderung sind, eine Zeitlang in einem unbekannten Land zu leben. Grundkenntnisse des Russischen sind Voraussetzung. Nähere Informationen sowohl für Gastfamilien als auch für Austauschschüler_innen HIER.

7) Trilaterale UmweltWerkstatt mit 37 Regionalprojekten erfolgreich abgeschlossen

37 Mikroprojekte junger Menschen zum Umwelt- und Klimaschutz aus Russland, der Ukraine und Belarus wurden am 1.-4. Dezember in Kiew von deren Koordinator_innen vorgestellt. Die Präsentation schloss das DRA-Projekt UmweltWerkstatt ab, in dessen Rahmen die Mitwirkenden ihre Aktivitäten initiiert hatten, und war zugleich ein Side Event der Konferenz "Energiewende", der wichtigsten Tagung zu dem Thema in der Ukraine. Die Vertreter_innen der Mikroprojekte wie auch der Partnerorganisationen des DRA aus den drei Ländern stellten ihre Arbeit einem breiten Publikum von Konferenzbesucher_innen zur Diskussion, tauschten Erfahrungen aus und nutzten zudem die Gelegenheit, bei Vorträgen und Workshops der Konferenz Ideen für künftige Umweltschutzaktivitäten zu sammeln. Die UmweltWerkstatt wurde vom Auswärtigen Amt gefördert, das Umwelt- und Klimaschutzprogramm des DRA wird von Brot für die Welt unterstützt.

8) Monitoring-Missionen zu illegalen Haftorten und zur Kriegsführung gegen Gesundheitszentren – Veranstaltung und Newsletter zu Donbass

Im Rahmen des DRA-Projekts "Menschenrechtsschutz in der Ostukraine, Monitoring, Informationsverbreitung und NGO-Kooperation" (Förderung: Auswärtiges Amt) fanden im Herbst zwei internationale Monitoring-Missionen in die Konfliktgebiete der Ostukraine statt, an denen jeweils NGO-Vertreter_innen aus Deutschland, der Ukraine, Polen und Russland teilnahmen.

Das Augenmerk galt bei der ersten Mission vor allem der Gewalt in den ostukrainischen Konfliktgebieten unter besonderer Berücksichtigung illegaler Orte der Inhaftierung sowie von Menschenrechtsverletzungen in den Regionen Luhansk und Donez. Die zweite Mission ging vor allem Fällen militärischer Angriffe gegen zivile Gesundheitseinrichtungen in den derzeit ukrainisch kontrollierten Gebieten der Donezk-Region nach. Die ausführlichen Monitoring-Berichte zur ersten bzw. zweiten Mission sind jeweils auf Englisch HIER und HIER, auf Russisch HIER und HIER nachzulesen. Für die Koordination und die Erstellung der Abschlussberichte war als Hauptkooperationspartner das eine Mal das Ostukrainische Zentrum für bürgerschaftliche Initiativen, das andere Mal das Luhansker Regionale Zentrum für Menschenrechte "Alternatiwa" zuständig. Beide sind Mitglieder der ukrainischen NGO-Koalition "Justice for Peace in in Donbass". Den beiden Missionen ging ein Qualifizierungsseminar für Menschenrechtsaktivist_innen aus verschiedenen Ländern Mittel- und Osteuropas voraus, in dem Dokumentationsmethoden, Sicherheitsfragen und weitere Aspekte der Monitoring-Arbeit behandelt wurden.

Seit Ende September erscheint im Rahmen des Projekts auch ein wöchentlicher, auf der Auswertung von Internet-Quellen beruhender Newsletter zu den aktuellen Entwicklungen in den selbsternannten "Volksrepubliken Donezk und Luhansk" (siehe HIER). Im Aufbau befindet sich ferner eine offene Datenbank zu sämtlichen von NGOs seit 2014 verfassten Berichten zur Ostukraine.

Im Dezember waren des Weiteren mit Konstantin Reutsky (Leiter der NGO "Vostok SOS"), Valerii Novykov (Leiter der NGO "Alternatywa") und Wolodymyr Shcherbachenko (Leiter des Ostukrainischen Zentrums für bürgerschaftliche Initiativen und des Sekretariats von Justice for Peace in Donbass) drei herausragende ukrainische Donbass-Experten in Deutschland zu Besuch. Sie nahmen am 6. und 7. Dezember an der Parallelkonferenz der Zivilgesellschaft beim OSZE-Ministerratstreffen in Hamburg teil und sprachen am 8.12. bei einer in den Räumlichkeiten des DRA in Berlin veranstalteten Podiumsdiskussion über die derzeitige Situation im Donbass und ihre Erwartungen an die deutsche Politik.

Für Januar 2017 sind in Wien und Paris zwei weitere Veranstaltungen zur Menschenrechtssituation in der Ukraine geplant.

9) "Kriegsfolgen überwinden": zweijährige Fortbildung für Traumatherapeut_innen beginnt, Schulungen und Miniprojekte gegen Diskriminierung und häusliche Gewalt

Im Rahmen des Projektes "Kriegsfolgen gemeinsam überwinden" starteten in der zweiten Jahreshälfte 2016 die ersten beiden Schulungsreihen zu "Dialog- und Friedensarbeit mittels Forumtheater" und zu "Handlungsmöglichkeiten gegen konfliktbedingte Diskriminierungen". Die Teilnehmer_innen sind 24 NGO-Mitarbeiter_innen aus fast allen Regionen der Ukraine, darunter viele aus den östlichen Regionen, die besonders von den Folgen des bewaffneten Konfliktes betroffen sind. Derzeit läuft auch schon die Auswahl von zehn Miniprojekten für 2017, mit denen die Aktivist_innen dann sechs Monate lang – finanziert und professionell betreut – das in den Schulungen Gelernte umsetzen können.

Vor kurzem abgeschlossen wurde auch die Auswahl von 18 zivilgesellschaftlich engagierten Traumatherapeut_innen für eine zweijährige Supervisionsausbildung, die ab Januar 2017 in Kiew von erfahrenen Dozent_innen des Berliner Zentrums ÜBERLEBEN durchgeführt wird. Noch während der Ausbildungszeit werden die Teilnehmer_innen bereits je zwanzig kostenfreie Supervisionen für ihre ehrenamtlich engagierten Kolleg_innen verwirklichen.

Zu den weiteren Maßnahmen des Projekts im kommenden Jahr gehören u. a. Schulungsreihen und internationale Konferenzen zu den Themen "Strategien gegen häusliche Gewalt als Kriegsfolge" sowie "Soziales Unternehmertum als effektives Instrument der Konfliktnachsorge", dazu kommen internationale Hospitationsreisen für Aktivist_innen aus Georgien, Armenien, Russland und der Ukraine zum Kennenlernen von Best Practice-Erfahrungen hinsichtlich der Integration von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen. Alle Infos zu dem vom Auswärtigen Amt geförderten Projekt HIER.

10) CSF präsentiert neue online-Zeitschrift "Legal Dialogue Journal" als Plattform für EU-Russland-Rechtsdialog

Nach dem großen Erfolg des Sammelbandes "Voices from Civil Society" im vergangenen Jahr hatte sich das Programm "EU-Russia Legal Dialogue" des EU-Russland Zivilgesellschaftsforums (CSF) für 2016 unter anderem zum Ziel gesetzt, eine Plattform für einen lebendigen Dialog über relevante Rechtsfragen für Vertreter_innen von NGOs, Jurist_innen, Jurastudent_innen und die interessierte Öffentlichkeit zu schaffen und so das Spektrum der aktiven Teilnehmer_innen und Nutzer_innen des Programms zu erweitern.

Dazu wurde eine vierteljährliche Online-Zeitschrift "Legal Dialogue Journal" entwickelt (siehe www.legal-dialogue.org). Wie das Programm selbst wird sie das Thema Rechtsdialog in vielen Facetten abdecken - mit Analysen, Sachübersichten, Diskussionen, Best-Practice-Darstellungen, Ratschlägen u. v. m. Soeben ist die Erstausgabe erschienen. Sie umfasst u.a. Informationen und Überlegungen zum "Anti-Terror"-("Jarowaja")-Gesetzespaket" in Russland, zur Verfassungskrise in Polen, zur Legalisierung gleichgeschlechtlicher Zivilehen in Italien und zur Pro-bono-Rechtshilfe für Flüchtlinge in Rumänien, Polen und Russland sowie Ratschläge für Menschenrechtsaktivist_innen, die in ihren Herkunftsländern aufgrund ihres Engagements in Schwierigkeiten geraten. Die Programmleitung des Legal Dialogue liegt in den Händen der CSF-Projektkoordinatorin Polina Baigarova, die Redaktion der Startausgabe übernahm der Journalist Nikolai Klimeniouk.

Die Redaktion lädt alle Interessent_innen herzlich dazu ein, mit thematischen Anregungen, eigenen Beiträgen, Publikationsvorschlägen, Veranstaltungshinweisen u. a. m. an der Gestaltung der Zeitschrift und damit an der gemeinsamen Entwicklung eines lebendigen, interessanten und fruchtbaren Rechtsdialogs mitzuwirken; Zuschriften bitte an: legal.dialogue@eu-russia-csf.org.

Das Programm "EU-Russia Legal Dialogue" wird vom DRA unterstützt und vom Auswärtigen Amt und der EU kofinanziert.

11) "Bridge It!": Junge Menschen gestalten Entwicklungsprojekte für den Ostseeraum - Abschluss des 5. Programmjahrs in Riga

Mit einem Seminar in Riga wurde vom 30. November bis 4. Dezember das fünfte Jahr des Programms "Bridge It!" ("Brücken schlagen!") abgeschlossen. Dabei diskutierten die Teilnehmer_innen ihre seit Juli gesammelten Projekterfahrungen – und feierten den Erfolg ihrer Projekte.

"Bridge It!" ermöglicht jungen Menschen aus Nordwestrussland, Litauen, Lettland und Estland, mit eigenen Initiativen an der Entwicklung ihrer Länder im Ostseeraum mitzuwirken. Es fördert unter Einsatz non-formaler Bildungsansätze kritisches Denken, bürgerliches Engagement und ein pluralistisches Gesellschaftsverständnis. In Russland ist der DRA St. Petersburg (NRO) Partner des vom Ostseerat (CBSS) und dem deutschen Auswärtigen Amt geförderten Programms. Weitere Partner sind das Theodor-Heuss-Kolleg (Berlin), ORBITA (Riga), das Litauische Jugendzentrum (Vilnius) und die Domus Dorpatensis-Akademie (Tartu/Estland).

Seit Beginn von "Bridge It!" haben über 120 junge Menschen fast 60 soziale Projekte in ihrem Lebensumfeld umgesetzt und dabei ihre Kenntnisse, kreativen Fähigkeiten und ihr kritisches Denken entwickelt. Die 2016 realisierten Projekte waren einem breiten Spektrum an Themen gewidmet, es reichte von der Erhöhung der Attraktivität schwach entwickelter Regionen, der Integration von Menschen mit begrenzten Möglichkeiten, dem objektiven Blick auf den weiblichen Körper und dem Problem sexueller Belästigung bis hin zum Kino als Instrument der Völkerverständigung, Fragen der Mülltrennung und der Popularisierung von Biokosmetik.

Parallel zu dem Seminar trafen sich auch die Mentor_innen des Programms zum Austausch. Die meisten von ihnen waren zuvor selbst Teilnehmer_innen von "Bridge It!" und helfen nun – nach zusätzlicher Qualifizierung – anderen dabei, Projekte auf die Beine zu stellen.

Den Höhepunkt des Seminars bildete die von "Bridge It!"-Teilnehmer_innen im Kulturzentrum "Kanepes" durchgeführte Veranstaltung THINK & ACT, die dem Publikum Gelegenheit bot, das Programm kennen zu lernen, bei einer "Lebenden Bibliothek" mitzumachen und Workshops zu "kritischem Denken", "grünem Denken" und "non-formalen Denkansätzen" zu besuchen.