DRA Newsletter Dezember 2015

Liebe Leserinnen und Leser,

im letzten Newsletter 2015 schauen wir zurück auf ein Jahr, das uns vor große Herausforderungen gestellt hat, aber auch auf erfolgreich durchgeführte Projekte mit wunderbaren Menschen in der EU, in Russland, Belarus, der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern. In diesem Jahr haben wir besonders nachgedacht über unsere Verantwortung als Verein - und als Gesellschaft. Einen Ausschnitt dieser Gedanken finden Sie im ersten Beitrag.

Unsere Arbeit als Dialogschaffende im Krisendreieck EU-Russland-Ukraine ist gerade jetzt wichtiger denn je - deshalb bitten wir Sie zum Jahresende besonders, uns bei der Verständigungsarbeit zu helfen. Spenden können Sie online, per Lastschrift oder Überweisung.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse!

Ihr Stefan Melle (Geschäftsführer)

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Inhalt

1) Verantwortung tragen und erfüllen - ein Kommentar zum Jahreswechsel

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Unterstützer_innen und Interessent_innen des DRA,
das Wort „Verantwortung“ hat im zu Ende gehenden Jahr noch einmal eine ganz neue, dringliche Dimension erlangt. Die Konflikte und Aufgaben in der globalen Entwicklung betreffen uns immer direkter. Wie sich die Gesellschaft weiter entwickeln wird, scheint noch unvorhersehbarer als nach dem auch schon höchst herausfordernden Jahr 2014. Verantwortung – das hieß 2015 unter anderem, gerade nach den Terroranschlägen die bürgerlichen Rechte nicht preiszugeben; es hieß, interkulturelle Lebenswirklichkeit zu akzeptieren, zu bewältigen und zu stärken; hieß, Geflüchteten beizustehen, die aufgrund gewalttätiger Politik ihre Lebensgrundlagen, sei es in Syrien, Afghanistan oder der Ukraine, verloren haben.

Verantwortung hieß, in Osteuropa neue Kontakte zwischen den Konfliktseiten zu schaffen, zumal zwischen Menschen aus Russland und der Ukraine – ohne dabei zu verhehlen, dass die Krim widerrechtlich an Russland kam, dass der Krieg in der Ostukraine nicht stattgefunden hätte ohne die russische Regierung und dass diese ihren Feldzug gegen unabhängige Kräfte in der Gesellschaft weiter forciert, ob bei NGOs, Medien, in der Kultur, Bildung oder Wissenschaft. Verantwortung hieß, die Brüche im eigenen Rechts- und Wertesystem offen anzusprechen – von fragwürdigen Militärinterventionen bis zur illegalen Massenüberwachung durch NSA und BND. Es hieß, endlich zum weltweiten Klimaschutzvertrag zu finden und sich gegen die sukzessive Demontage der EU aufzulehnen, die trotz all ihrer Mängel das bislang größte Verständigungsprojekt in Europa bleibt.

Unser Verein hat sich auch 2015 wieder auf vielen Gebieten intensiv engagiert und sich diesen Herausforderungen zu stellen versucht. Dazu gehörten das DRA-Projekt „Glauben.leben in Berlin“ zum Interreligiösen Dialog, das vom DRA geführte Menschenrechts-Monitoring in der Ostukraine, das Russen, Ukrainer, Polen, Deutsche und Belgier zusammenbrachte, unsere Projekte zur Überwindung der Kriegsfolgen – inklusive Trauma- und Antidiskriminierungsarbeit – und zum Aufbau von politischer Jugendbildung in der Ukraine. Dazu gehörten die multilaterale Erkundung der Erinnerung an die Transformationszeit der 90er Jahre www.transition-dialogue.com, der Jugendaustausch zwischen Berlin und Moskau, die Seminarreihe EU-Study Weeks für Studierende in Russland, der Schüleraustausch und die Freiwilligenarbeit, die jungen Menschen Erfahrungen in Ost und West eröffneten, und die 20. Deutsch-Russischen Herbstgespräche, die die Probleme und Visionen der Verständigung in Europa erkundeten.

Dazu gehörten auch unsere umfangreiche Klima- und Umweltschutzarbeit in Russland und auf den UN-Klima-Gipfeln www.rnei.de / www.rnei.ru, die dazu beitrug, dass die russische Öffentlichkeit das Thema inzwischen ernster nimmt, unser Beitrag zur Reform des Petersburger Dialogs und schließlich das große Engagement des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums, dessen Sekretariat und Projektarbeit der DRA betreut.

Verantwortung ist das, was in die Zukunft reicht und Zukunft mit schafft. Im nächsten Jahr steht die Aufgabe erneut vor uns, zu Frieden und Verständigung beizutragen, Begegnung und Bildung zu ermöglichen, am europäischen Haus trotz aller Hindernisse weiterzubauen. Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns in diesem Jahr mit Rat und Tat unterstützt haben, die uns gefördert und sich an unseren Projekten beteiligt haben, die sich für unsere Arbeit, unsere Ideen, Initiativen und Ansichten interessiert haben.

Wir würden uns sehr freuen, Sie weiter bei uns zu wissen und wünschen Ihnen sehr herzlich frohe Festtage und ein friedliches 2016 in einer offenen Gesellschaft.

Ihr Stefan Melle, Geschäftsführer des DRA,
die Mitarbeiter_innen und der Vorstand des DRA

2) DRA bei OSZE-Parallelkonferenz der Zivilgesellschaft in Belgrad

Kurz vor dem diesjährigen OSZE-Ministerratstreffen in Belgrad fand am 1. und 2. Dezember wie in den vergangenen Jahren eine internationale Parallelkonferenz der Zivilgesellschaft statt. Sie wird seit sechs Jahren durch die Civic Solidarity Platform (CSP) organisiert, einem wachsenden Netzwerk von über siebzig Menschenrechtsorganisationen. Auf der Konferenz berichteten Vertreter_innen von NGOs aus 25 Mitgliedsstaaten über die Menschenrechtssituation im OSZE-Raum. Im Mittelpunkt standen der in vielen Ländern schrumpfende Bewegungsraum für die Zivilgesellschaft, die systemische Krise des Menschenrechtschutzes in einzelnen OSZE-Mitgliedsstaaten sowie der Zusammenhang von wirtschaftlicher und umweltpolitischer Zusammenarbeit, Menschenrechtsschutz sowie militärischer Sicherheit in den Ländern zwischen Vancouver und Wladiwostok. Der DRA, der in Belgrad durch Tim Bohse vertreten war, unterstützt den zivilgesellschaftlichen Dialog zwischen Ost und West, indem er mit seinen Projekten und Programmen zu mehr gegenseitiger Kenntnis, Zusammenarbeit, zu offeneren Gesellschaften und einer Stärkung der Menschenrechte beiträgt. 2016, wenn Deutschland den OSZE-Vorsitz innehat, wird der DRA die Arbeit der Civic Solidarity Platform intensiv unterstützen. Als Ergebnis der Konferenz in Belgrad wurden Empfehlungen zur Verbesserungen der Menschenrechtssituation in der OSZE und eine Erklärung für die Verteidigung der freien Meinungsäußerung an die Teilnehmer des OSZE-Ministerratstreffen übergeben.

 

3) Pariser UN-Klimagipfel endet mit Erfolg – auch Russland stimmt erstmals für Abkommen – Büro für Umweltinformation war mit zwei russischen Journalistengruppen bei COP21 aktiv

Seit 2009 haben der DRA Berlin und RNEI russische Journalist_innen, Expert_innen und NGO-Vertreter_innen zu den jährlichen UN-Klimaschutzgipfeln gebracht und betreut. Nun endete die Konferenz COP21 in Paris erstmals mit einem Erfolg – einem Klimaschutzvertrag, den alle beteiligten Länder und damit nun auch die russische Führung unterstützt haben. Die Direktorin des RNEI (Russisch-Deutschen Büros für Umweltinformation) St. Petersburg, Angelina Davydova, leitete bei COP2 1 die Arbeit gleich zweier Journalistengruppen aus Russland: zum einen von RIA Novosti, Slon.ru, GEO und Nauka i zhizn‘ (Wissenschaft und Leben), die RNEI /DRA in ihrem gemeinsamen Klima- und Umweltschutzprogramm selbst ermöglichten. Während der Verhandlungen unterstützte das RNEI die Journalist_innen bei der Arbeit – erschienen sind bereits Dutzende Publikationen, weitere werden erwartet. Außerdem organisierte RNEI gemeinsam mit WWF Russland, er NGO „Freunde des Baltikums“ zwei Trainings zu den UN-Klimagesprächen, bei denen deutsche  und russische Expert_innen aus Ministerien, Wirtschaft und NGOs beteiligt waren. Sie wurden von der Deutschen Botschaft in Moskau und dem Deutschen Generalkonsulat St. Petersburg unterstützt.

Zum anderen wurde ein Medienausflug für russische Lokaljournalisten aus Kaliningrad, Saratow, Jekaterinburg, Irkutsk und Wladiwostok organisiert, den die französische NGO Destination-Est (Forum France-Russie), die französische Botschaft in Russland und die Heinrich-Böll-Stiftung initiiert hatten. Die Lokaljournalisten arbeiteten auf der Klima-Konferenz und besuchten mit den vier von RNEI entsandten Journalist_innen die Redaktionen französischer Verlage, Klima- und Umweltbehörden sowie Umweltorganisationen.

Zudem arbeitete RNEI in Paris in der Partnergruppe der Organisation Brot für die Welt und aktiv mit in der Koordination der Klima-NGOs aus Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien und vernetzte sie mit Kolleg_innen aus anderen Ländern und Regionen, darunter des Globalen Südens. Angelina Davydova bewertet die Teilnahme an der Klimakonferenz und Begleitveranstaltungen als sehr bedeutsam: Über das Thema Klimawandel berichten die russischen Medien nach wie vor wenig. Mit qualitativer Berichterstattung, die dank der Recherche und Begleitung vor Ort möglich war, leisten die Journalist_innen von RIA Novsti, Slon.ru, Nauka i zhizn‘, GEO und den Lokalmedien einen wichtigen Beitrag, um das Bewusstsein in der russischen Öffentlichkeit für den Klimawandel zu stärken. In Kürze wird ausführlich auf der Website von RNEI berichtet. Eine Auswahl der veröffentlichen Artikel bereits hier: „Es hängt von Temperaturen ab. Können wir die Erde vor dem Klimachaos retten?“ auf slon.ru; „Es scheint immer so lange unmöglich, bis es getan wurde“ auf Wissenschaft und Leben (Nauka i zhizn‘), „How the UN is trying to save wine from climate change“ (Russia Beyond the headlines), „Noch zwei Tage um das Klima zu retten“ (GEO). Angelina Davydova schrieb auch selbst zahlreiche Artikel von der Konferenz, die u.a. auf www.rnei.de und www.rnei.ru gesammelt sind und u.a. im Kommersant, bei opendemocracy.org und bellona.ru erschienen sind. Die Umweltarbeit von DRA/RNEI wird von Brot für die Welt gefördert.

4) Städtepartnerschaft Berlin-Moskau: Erfolgreiches Austauschjahr endete mit Begegnungen über innovative Bibliotheken, Integration von Behinderten und die Erinnerung an den II. Weltkrieg

Im November und Dezember gab es gleich drei Begegnungen im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau, deren Jugend- und Fachkräfteaustausch der DRA koordiniert. Anfang November kamen Vertreter_innen des Moskauer Departements für Kultur zum Thema „Bibliotheken als Innovationszentren“ nach Berlin. Im Rahmen dieses sehr intensiven Fachkräfteaustausches besichtigte die Gruppe zahlreiche öffentliche Bibliotheken, darunter die Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

Thema der zweiten Austauschbegegnung vom 23. bis 27. November war die „Berufliche und soziale Integration von Menschen mit Behinderungen“. Die Delegation bestand aus Leiter_innen und Mitarbeiter_innen von Moskauer Zentren zur Integration und Rehabilitation von Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Sie besichtigten Einrichtungen und Organisationen in Berlin und Brandenburg, die Integrationsmaßnahmen, Ausbildung sowie pädagogische, soziale, medizinische und psychologische Unterstützung für Menschen mit Behinderungen anbieten, darunter das Theater Thikwa, die Betriebsstätte Wilmersdorf des „FSD Lwerk Berlin Brandenburg gGmbH“ und das Berufsbildungswerk im Oberlinhaus in Potsdam. Auch traf sich die Gruppe in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft mit Kerstin Thätner, Referentin für den Bereich Rehabilitation und Teilhabe von Kindern mit Behinderung.

Mit einer Begegnung zur Erinnerungskultur fand das Jahr seinen Abschluss: „Meine-deine-unsere Geschichte“ hieß der Austausch vom 7.-12. Dezember. Der DRA empfing in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment (ZWST) und re-flow GMBH, der Moskauer Deutschen Zeitung (MDZ), dem Jugendzentrum „Fuchsbau“  fünf junge, talentierte Moskauer Studierende sowie einen Vertreter der MDZ. Leitfrage des Projektes war es, wie die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit in Russland und Deutschland wahrgenommen wird. Die Gruppe besuchte u.a. das Deutsch-Russische Museum Karlshorst sowie die Mahnmale für Sinti und Roma und für die ermordeten Juden. Die Student_innen berichteten, dass in Russland viel Aufmerksamkeit den Soldaten geschenkt würde, aber weniger den zivilen Opfern. Die Erfahrungen inspirierten die Teilnehmer_innen zu eigenen Projekten u.a. über „Ostalgie“, über die Rolle der Sowjetunion im II. Weltkrieg und die Frage der Menschlichkeit während des Krieges. Die anfängliche Angst, offen über diese Themen zu sprechen, legte sich im Laufe des Austauschs. Die Studierenden waren sich am Ende einig, dass unterschiedliche Meinungen zwar manchmal schwer auszuhalten, aber wertvoll sind.

2016 wird das 25. Jubiläum der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau gefeiert. Wir hoffen auf eine weiterhin effektive Zusammenarbeit, eine Wahrnehmung des Jubiläums auch durch die Leitungen beider Stadtregierungen und die erneute Realisierung von zahlreichen Austauschprojekten.

5) Mehr bewegen! Ukrainische Jugendliche übernehmen Berliner Abgeordnetenhaus und diskutieren Jugendwahl mit Senatorin – NS-Aufarbeitung mit Uni Erlangen

Am 5. Dezember debattierten auf dem Berliner jugendFORUM, einem der wichtigsten Beteiligungsprojekte in der Hauptstadt, zum 15. Mal Kinder und Jugendliche auf Augenhöhe mit Abgeordneten. Über den DRA waren auch sechs Vertreter_innen von ukrainischen Jugendorganisationen dabei und redeten mit über aktuelle Fragen wie Flüchtlinge oder Jugendbeteiligung, tanzten und rappten aber auch in den Workshops. Die Gruppe stellte zudem ihr eigenes Beteiligungsprojekt vor: Im Oktober hatten die Teilnehmer_innen die ersten ukrainischen Jugendwahlen „M18“ („Jünger als 18“, der DRA berichtete) erfolgreich durchgeführt und konnten die Ergebnisse präsentieren und sogar mit der Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Sandra Scheeres, sowie der Staatssekretärin für Jugend und Familie, Siegrid Klebba diskutieren. Die Gruppe besuchte neben dem jugendForum in der ersten Dezemberwoche das Auswärtige Amt und die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin, wo sie jeweils über die Jugendwahlen berichteten.

Der letzte Austausch im Rahmen des Projektes „Mehr bewegen! Politische Jugendbildung in der Ukraine“ fand vom 7.-12. Dezember in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der Universität Erlangen-Nürnberg statt. Elf Vertreter_innen ukrainischer Organisationen besichtigten das Reichsparteitagsgelände und die Ausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg, diskutierten die methodisch-didaktischen Gestaltung von Unterrichtsinhalten, die Aufarbeitung von Totalitarismus und Nationalsozialismus, aber auch im Rahmen von Besuchen bei Vereinen wie „Geschichte für alle“ die Rolle der Geschichtsarbeit für die Demokratisierung einer Gesellschaft, die Entpolitisierung von Geschichte oder auch die Situation in der Ukraine. Die Kooperation wurde ermöglicht von DRA-Mitglied Prof. Dr. Julia Obertreis. Gefördert wurde das Projekt „Mehr bewegen!“ vom Auswärtigen Amt, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin.

6) Kriegsfolgen überwinden – Abschlusstreffen in Charkiw präsentierte das Forumtheater als innovative Konfliktlösungsmethode und die verschiedenen Schulungsreihen

Vom 04. -06. Dezember fand in Charkiw das Abschluss- und Evaluationstreffen des Projektes „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ statt, dass der DRA e.V. in Kooperation mit KrimSOS durchführte, mit über 50 TeilnehmerInnen aus allen Schulungsreihen des Projektes teil. Den Auftakt bildete am 4. Dezember die zweite Aufführung des im Projekt erarbeiteten Forumtheater-Stückes „Gesichter des Krieges“. Anders als bei der Erstaufführung am 10. November in Berlin folgte diesmal keine Podiumsdiskussion, sondern das für dieses Theaterkonzept zentrale „Forum“. Dabei werden mögliche Lösungen für die im Stück dargestellten Konfliktlagen mit dem Publikum diskutiert, indem ein Schauspieler durch Zuschauer ersetzt wird und diese nun als Akteure versuchen, den Konflikt durch verändertes Handeln beizulegen. Moderiert wurde diese theatrale Diskussion der für die Ukraine aktuell typischen Situationen durch die TeilnehmerInnen der Forumtheater-Schulung selbst. Gegen Ende beteiligte sich fast das gesamte Publikum an der Debatte – und entwickelte einige sehr produktive Lösungen. Das Publikum erlebte so das Forumtheater als eine effektive Methode der Friedensarbeit, die den meisten Gästen bisher völlig unbekannt war. Ab Januar wird die Videoaufnahme der Aufführung auf der Projektwebseite zu sehen sein.

Präsentiert wurden in Charkiw zudem zwei im Projekt erarbeitete Traumata-Informationsbroschüren für Binnenvertriebene bzw. ehemalige Kriegsteilnehmer_innen. Sie benennen die Symptome posttraumatischer Belastungsstörungen, weisen auf die Risiken unbehandelter Traumata hin und sollen die Betroffenen zum Aufsuchen psychotherapeutischer Hilfe motivieren und damit auch dazu beiragen, die in der Ukraine stark verbreiteten Stigmata gegenüber solcher Hilfe zu verringern. Die Broschüren können von NGOs mit den konkreten regionalen Kontaktadressen für psychotherapeutische Hilfe versehen und an die jeweilige Zielgruppe verteilt werden.

7) EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums (CSF) – Generalversammlung in Budapest beriet aktuelle Aufgaben – Elena Belokurova (DRA St. Petersburg) in den Koordinationsrat gewählt

Vom 7. bis 9. Dezember 2015 hielt das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) in Budapest seine sechste Generalversammlung ab. Rund 200 Vertreter_innen der Mitgliedsorganisationen, Förderer, Beobachter_innen und Journalist_innen aus den EU-Staaten und Russland nahmen teil. Mit der Wahl des Veranstaltungsortes setzten die Organisatoren zugleich ein Zeichen der Solidarität für Aktivist_innen in Ungarn, die unter besonderem Druck stehen – dem Thema war auch ein eigenes Panel gewidmet.

Die Mitglieder diskutierten außerdem gemeinsame Herausforderungen der Zivilgesellschaft in den EU-Ländern und Russland, wie internationale Rechtsnormen, der „Helsinki+40“-Prozess, Migration, Korruption, Klimawandel und LGBTIQ-Rechte. Zudem wurde der neue Koordinationsrat des CSF gewählt, dem je fünf Vertreter_innen aus EU-Ländern und Russland angehören. Neu gewählt wurde unter anderem Elena Belokurova, Vorstandsmitglied des DRA St. Petersburg. Stefan Melle, seit Gründung des Forums 2011 Mitglied des Koordinationsrates, kandidierte nicht mehr, da der DRA Berlin noch bis Anfang 2018 das Sekretariat des Forums und damit den größten Teil der CSF-Projektarbeit betreut.

Das Plenum verabschiedete einen detaillierten Entwicklungsplan (Road Map) für das Forum bis 2018. Die Arbeitsgruppen erarbeiteten eigene Vorhaben und formulierten Positionspapiere. So sandte die Umwelt-AG über eines seiner Mitglieder die Forderung an die UN-Klimaverhandlungsführer in Paris, große Wasserkraftwerke und Atomkraftwerke nicht als angeblich grüne Technologien für den Klimaschutz zu behandeln. Zudem wurden per Postkarte Solidaritätsgrüße an den in Russland inhaftierten Umweltschützer Jevgeni Vitischko gesandt, sowie Spenden für die ungarische Flüchtlingshilfsinitiative „Migration Aid“ gesammelt. Das CSF hat inzwischen eine eigene AG Migration aufgebaut, die zu den bisherigen zu Rechtsstaat/Menschenrechte, Umwelt, Soziales/Bürgerbeteiligung, Demokratische Prozesse, Geschichte/Bildung sowie Korruption und Politische Bildung tritt.

Zur Eröffnung sprachen u.a. der ungarische Vize-Außenminister István Íjgyártó, der russische Botschafter Alexander Sergejev und der Botschafter der EU in Russland, Vygaudas Ušackas. Harry Hummel, Leiter des Helsinki Komitees der Niederlande und Mitglied im CSF-Koordinationsrat, hob die Bedeutung des Engagements der Bürger_innen insbesondere in diesen konfliktreichen Zeiten hervor, die vom Krieg in der Ukraine, den Flüchtlingsbewegungen, der Angst vor Terrorismus und dem Aufstieg autoritärer Regime geprägt ist. Die internationale Zivilgesellschaft müsse sich zügig an die neuen Herausforderungen anpassen, Lösungen anbieten und diese Lösungsansätze gemeinsam umsetzen. Zum Programm der Generalversammlung siehe hier, zur Einschätzung des Forums durch Mikhail Fedotov (Vorsitzender des russischen Zivilgesellschaftsrates beim Präsidenten) auf RIA Novosti sowie Weiteres bei Facebook. Die Projektarbeit des Forums wird derzeit u.a. von der EU-Kommission, der Oak-Foundation sowie den Außenministerien Deutschlands und der Niederlande unterstützt.

8) CSF: Dialog zu Rechtsfragen präsentiert in Budapest den Sammelband „Voices from Civil Society“

Weniger als drei Monate nach dem Redaktionstreffen Mitte September in den DRA-Räumlichkeiten in Berlin präsentierte die internationale Projektgruppe für EU-Russland Rechtsdialog beim EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) einen Sammelband über ihre Arbeit auf der CSF-Jahrestagung in Budapest. Das Buch skizziert die Perspektiven der weiteren Zusammenarbeit anhand von Themen wie der Einhaltung von Umwelt- und Frauenrechten, der Kontrolle sozialer Einrichtungen und Gefängnisse, der Sicherstellung von Transparenz und Teilhabe bei Lobby- und Advocacy-Aktivitäten sowie der grundsätzlichen Arbeitsbedingungen von NGOs in Europa. Insgesamt 14 Autoren aus NGOs und Universitäten Russlands, Deutschlands, Ungarns, Italiens und der Slowakei wirkten an der Publikation mit. Die online-Versionen sind auf der CSF-Website einsehbar (Russisch und Englisch). In den nächsten Wochen werden auf der Grundlage der Beratungen von Budapest Prioritäten und Arbeitsformate für die Entwicklung des Rechtsdialogs 2016 erarbeitet. Das Projekt wird finanziell vom Auswärtigen Amt gefördert.

9) CSF: Welchen Weltkrieg lernst du? – Wanderausstellung über Geschichtsperspektiven in Schulbüchern erfolgreich in Prag gestartet

Woran erinnern wir uns, und was meinen wir, wenn vom II. Weltkrieg die Rede ist? „Different Wars“, „Verschiedene Kriege“ heißt die Wanderausstellung, die die Arbeitsgruppe „Historical Memory and Education“ des EU-Russia-Civil Society Forums (CSF) Anfang Dezember fertig gestellt hat. Sie zeigt verschiedene Sichtweisen auf den Weltkrieg in Schulbüchern aus Russland, Italien, Polen, Deutschland, Litauen und Tschechien. In Prag wurden die Ausstellung und die Schulbücher bereits vergangene Woche im Rahmen einer Konferenz zur Geschichtsaufarbeitung gezeigt. Weitere Stationen sind in Planung – darunter Moskau, Perm, St.Peterbsurg, Kostroma, in Brüssel und Mailand. Zusammengebaut wurde die Ausstellung in Künstlerwerkstätten in Berlin-Wedding, wie ein Videoclip zum Projekt von Evy Schubert zeigt - u.a. mit Kristina Smolijaninovaite (CSF, Koordinatorin des Projekts), Stefan Melle (DRA), Gabriele Woidelko (Körber-Stiftung, Leiterin EUStory).

10) Der DRA bittet herzlich um Spenden für die Organisatoren des GULAG-Gedenkmuseums Perm36 – und für seine eigene Arbeit

Der DRA bittet die Leser_innen seines Newsletters sehr herzlich um Spenden für die Organisation ANO Perm36! Das ist die NGO, die das Gulag-Museum Perm36 seit Anfang der 90er Jahre aufgebaut und zu einem der wichtigsten Erinnerungsorte in Russland und einem Treffpunkt der europäischen Zivilgesellschaft entwickelt hat. In diesem Jahr ist sie durch die zwangsweise Verstaatlichung des Museums ihrer Ausstellung, ihrer Archive und Arbeitsmöglichkeiten beraubt worden ist und braucht nun Hilfe: Die NGO und ihre Mitarbeiter_innen müssen hohe Strafen und Anwaltskosten bezahlen, weil sie sich nicht freiwillig als angebliche „ausländische Agenten“ haben registrieren lassen und weil sie aufgrund zugesagter, dann aber verweigerter Subventionszahlungen Betriebskosten zu spät beglichen haben. Perm36 kann nun auch Spenden aus dem Ausland erhalten, und wir bitten alle darum, sich aktiv zu beteiligen. Auf der Website www.perm36.ru ist der Spendenaufruf mit allen Bankangaben veröffentlicht, das Konto ist an das SWIFT-System angeschlossen. Die Überweisung sollte mit dem Zusatz „voluntary donation“ versehen werden. Außerdem bittet der DRA Sie auch für seine eigene Arbeit um Spenden – sie ermöglichen es uns, unsere unabhängige Tätigkeit fortzusetzen, neue Projekte zu entwickeln oder Menschen und Organisationen zu unterstützen, die direkte Hilfe oder mehr Öffentlichkeit benötigen. Besonders freuen wir uns auch über Fördermitgliedschaften, die uns dauerhaft helfen, unser Engagement aufrechtzuerhalten. Spenden und das Einrichten einer Fördermitgliedschaft sind unkompliziert auch online möglich, bitte mit dem Verwendungszweck „Spende“. Unser Spendenkonto ist: DRA, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE83 1002 0500 0003 3181 00, BIC/Swift Code: BFSWDE33BER. Wir danken Ihnen sehr für Ihre Unterstützung!

11) CSF: Praktika-Ausschreibungen für Öffentlichkeitsarbeit und Vorbereitung des Forums EuropeLab ab Februar bzw. Mai – Einsendeschluss 10. Januar

The EU-Russia-Civil Society Forum (CSF) is looking for two full-time interns mostly responsible for PR activities and preparation of the Forum for Young Professionals “Europe Lab” (21-24 July 2016, Croatia). The 3-month internships start from 1 February 2016 and from 2 May 2016 respectively at the CSF Secretariat in Berlin, Germany. The deadline for applications is 10 January 2016. Interviews will take place on 12-13 January 2016 in Berlin or via Skype. Enrollment at an EU University for the entire duration of internship is a prerequisite for applying. More information on conditions see http://eu-russia-csf.org/job-opportunities.

12) Konsortium sucht Teamleader-Kandidaten für EU-Projekt in Russland – Einsendeschluss 11. Januar

Gesucht wird ein/e Russland-erfahrene/r Projektleiter/in (Senior Expert), die/der im Bewilligungsfall ein umfangreiches zweijähriges und von der EU gefördertes Programm zur stärkeren Debatte von EU-bezogenen Themen und EU-Russland-Dialogen in Russland führen und den entsprechenden Antrag bereits Anfang 2016 mit erarbeiten würde. Hintergrund ist eine diesbezügliche Ausschreibung der EU-Kommission, zu der derzeit die Einreichungen für die Endrunde in Vorbereitung sind. Der DRA ist Teil eines Konsortiums deutscher, italienischer und russischer Organisationen und Einrichtungen, das die GFA Hamburg koordiniert. Die Stellenausschreibung für den/die Teamleader_in findet sich unter: www.gfa-group.de/Team_Leader_full_time_position,_24_months__3770634.html. Einsendeschluss für Bewerbungen ist bereits der 11. Januar 2016. Eine Weiterleitung dieser Information an geeignete Expert_innen ist willkommen.

13) Bis 31.1.16 bewerben: Praktikum als Projektassistenz beim DRA ab 9. Mai 2016 für 3 Monate

Ab dem 9. Mai 2016 besetzt der DRA eine Praktikumsstelle als Projektassistenz in Vollzeit (39h) für 3 Monate in seinem Berliner Büro. Thematische Schwerpunkte des Praktikums sind die Zusammenarbeit mit russischen und anderen europäischen Nichtregierungsorganisationen, die Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit und die Büroführung. Zu den Tätigkeiten gehören u.a. die Unterstützung der Projektentwicklung und -begleitung (Antragstellung, Projektdurchführung, Abrechnung und Berichterstattung), die Kommunikation mit Partnern in Deutschland, Russland, Ukraine und weiteren Ländern, Recherchen, Zuarbeiten zu Analysen, Übersetzungen, die Mitarbeit in der Veranstaltungsorganisation und verschiedenen Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit, die Unterstützung der Geschäftsführung und allgemeine Bürotätigkeiten. Erwartet werden ein intensives Interesse an Russland und Osteuropa sowie an politischen und sozialen Fragen in Europa, an der Arbeit von NGOs und internationaler Zusammenarbeit, gute PC-Kenntnisse (Word, Excel), sehr gute Deutsch- und Russisch- sowie möglichst Englischkenntnisse, gute kommunikative Fähigkeiten und Offenheit, selbstständiges Arbeiten. Die ausführliche Stellenausschreibung finden Sie hier.