DRA Newsletter Dezember 2005


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Russische NGOs fordern: Gesetzentwurf soll zurückgezogen werden!

Massenhafte Proteste russischer und internationaler NGOs und Stiftungen zum Gesetzentwurf 233364-4 über die Tätigkeit russischer Nichtregierungsorganisationen haben dazu geführt, dass in einer überarbeiteten Fassung des Entwurfs die am meisten kritisierten Passagen abgemildert und deren Beratung in der Staatsduma auf den 21.12.2005 verschoben wurde. Die abgemilderte Variante des Entwurfs bietet jedoch immer noch genügend Freiraum für Willkür und bürokratische Kontrolle, die den Fortbestand der Zivilgesellschaft in Russland massiv gefährden könnten. Russische NGOs rufen daher für den 19. und 20.12. zu russlandweiten Protesten auf und fordern die Zurücknahme des Gesetzesentwurfs. Weitere Informationen auf Russisch.

2) Schröders Posten bei GASPROM – moralisch und politisch falsch

Die Pläne des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, einen Posten im Aufsichtsrat der Ostseepipeline-Gesellschaft „Northern European Gas Pipeline Company“ anzunehmen, ist weder unter ethischen noch unter politischen Gesichtspunkten gutzuheissen. Die auffällige Zurückhaltung des damaligen Bundeskanzlers gegenüber den Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien und das fast kommentarlose Hinnehmen der Zerschlagung des Yukos-Konzerns und der Verurteilung von Michail Chodorkowski gewinnen unter dem Aspekt dieser neuen beruflichen Perspektiven von Gerhard Schröder einen dubiosen Beigeschmack. Dass der ehemalige Bundeskanzler im neuen Aufsichtsrat mit Schweizer Wirtschaftsvertretern an einem Tisch sitzen wird, die in den achtziger Jahren die CoCom-Handelsrestriktionen gegen die damalige DDR unterliefen und enge Stasi-Kontakte unterhielten, diskreditiert seinen neuen Posten sowie das umstrittene deutsch-russische Gaspipeline-Projekt insgesamt. Wir fordern Gerhard Schröder daher auf, von seiner geplanten Mitarbeit im Aufsichtsrat der „Northern European Gas Pipeline Company“ Abstand zu nehmen.

3) Dank an Robert Bosch Stiftung für langjährige Unterstützung

Nach sechs Jahren ging im November die finanzielle Förderung der Europäischen Freiwilligenagentur des DRA durch die Robert Bosch Stiftung zu Ende. 1999 entschied sich die Stiftung, durch die Förderung einer Personalstelle, der Programmkosten und durch die Finanzierung von Stipendienplätzen zur Verstetigung der Arbeit der Freiwilligenagentur beizutragen. Mit Erfolg: Über 500 vorwiegend junge Menschen aus Ost- und Westeuropa haben seither in zivilgesellschaftlichen Organisationen internationale Freiwilligeneinsätze abgeleistet. Neben Russland gehören mittlerweile auch Moldowa, Belarus und die Ukraine zu den Ländern, in die junge Freiwillige zur Mitwirkung in NGOs vermittelt werden. Über die Förderung durch die Robert Bosch Stiftung hinaus akquiriert die Agentur des DRA derzeit pro Jahr durchschnittlich 50.000 € an Drittmitteln für die Stipendienfinanzierung. Ihre Vermittlungsangebote wird sie im kommenden Jahr unverändert aufrecht erhalten. Wir bedanken uns sehr herzlich bei der Robert Bosch Stiftung für das Vertrauen und die längjährige Unterstützung unserer Arbeit!

4) Ukraine begrüßt Freiwilligenarbeit, Belarus bleibt reserviert

Höchst interessiert diskutierten im vergangenen Monat die Vertreter_innen ukrainischer NGOs das Thema des freiwilligen Engagements, das der DRA im Rahmen zweier Seminare an sie herantrug. Konkret ging es um die Perspektive, in fünf mit Unterstützung des DRA aufgebauten regionalen Zentren der Sozialen Partnerschaft in der Ukraine Freiwilligenagenturen einzurichten. Das positive Urteil der Teilnehmer_innen galt sowohl den Dienstleistungen solcher Vermittlungsstellen als auch der Aussicht, auf dieser Basis die Freiwilligenidee in der Ukraine politisch zu lobbyieren. Ein bereits 2004 vorgelegter Entwurf zu einem Freiwilligengesetz lässt darauf schließen, dass das zuständige Ministerium in Kiew für die Idee ebenfalls offen ist. Ganz anders war die Reaktion in Belarus, wo der DRA im November erneut versuchte, von den lokalen Behörden die Zustimmung zur Einrichtung einer Freiwilligenagentur in der Stadt Tschetchersk zu erhalten. Obwohl RepräsentantInnen der UNO, des Entwicklungsprogramms der UN und der EU sich für das Projekt aussprachen und die EU zur Finanzierung bereit wäre, legte eine Vertreterin des Bildungsministeriums ohne Angabe von Gründen ihr Veto ein. Die unterschiedlichen Reaktionen auf die Initiativen des DRA in der Ukraine und in Belarus können durchaus als Spiegelbild der politischen Situation in beiden Ländern aufgefasst werden.

5) DRA-Freiwilligenagentur erhält zum zweiten Mal Qualitätssiegel

Nach positiver Gesamteinschätzung durch eine Gutachtergruppe erhält die Europäische Freiwilligenagentur des DRA zum zweiten Mal das Zertifikat „Qualität in Freiwilligendiensten – Quifd“. Das jetzt verliehene Gütesiegel ist bis zum 31. Dezember 2007 gültig. Es wird seit Juli 2004 von der Robert Bosch Stiftung an Organisationen vergeben, die Freiwillige entsenden. Zuvor wird deren Arbeit nach strengen Kriterien in allen Einzelheiten evaluiert, so hinsichtlich der fachlichen Anleitung, des Auswahlverfahrens, der persönlichen Begleitung u.a.m. Nur wenn eine Organisation die Anforderungen in hohem Maße erfüllt, wird das Qualitätssiegel zugesprochen. Weitere Informationen.

6) Deutsch-russischer Kunst-Austausch in St. Petersburg

Mit einem rauschenden Fest, live-Musik, einer Einführung durch den Petersburger Kunsthistoriker Iwan Tschetschot und einer interaktiven Aktion eröffnete der DRA St. Petersburg 10.12. in seinen Räumen die deutsch-russische Ausstellung „Polpolya“. Vier deutsche und vier russische junge Künstler_innen zeigen großflächige Stoffbilder, Graphiken, Video-Installationen und eine Serie bemalter Reisetaschen. Die Arbeiten, die noch bis zum 26.12. zu sehen sein werden, reflektieren das Thema Grenzüberschreitung, „cultural clash“, Fremde. Die Fassade des DRA-Büros schmückt derzeit weithin sichtbar eine drei Meter hohe, orangefarbene, an eine Rakete erinnernde Skulptur mit dem Gagarin-Zitat „Poechali!“ [„Und los!“] als Titel. Vor dem Hintergrund des in Russland aktuell drohenden restriktiven „NGO-Gesetzes“ lockte die Vernissage auch den zweiten Fernsehkanal an; am folgenden Tag präsentierte er den DRA an erster Stelle seiner Wochennachrichten - noch vor Präsident Putin.

7) Peterhof – Hamburg: Kooperation in der Behindertenarbeit

Seit April diesen Jahres unterstützt der DRA zusammen mit der Behindertenhilfe Hamburg das EU-geförderte Vorhaben „Ein Haus des Lebens und Arbeitens für mehrfachbehinderte Menschen“, das von der russischen NGO „Perspektiven“ und der Hamburger Werkstatt realisiert wird. Ziel ist die modellhafte Umstrukturierung einer Abteilung des staatlichen Psycho-neurologischen Internats für Menschen mit Behinderungen in Peterhof. MitarbeiterInnen dieser Einrichtung, der lokalen Behörden und der NGO „Perspektiven“ waren vom 29.10.-1.11. bei der Hamburger Werkstatt zu Gast. Ihr Besuchsprogramm umfasste fachliche Vorträge und Besichtigungen, ein Treffen mit der Zweiten Bürgermeisterin Hamburgs und einen „Dialog im Dunkeln“, bei dem die Teilnehmer_innen von blinden Menschen durch völlig verdunkelte inszenierte Räumlichkeiten geführt wurden. Für die kommenden zwei Jahre sind drei weitere Studienreisen nach Hamburg geplant. Der DRA ist bei dem Projekt für die Budgetkontrolle, die Berichterstattung gegenüber der EU und die Beratung der Projektpartner zu diesen Bereichen verantwortlich.