DRA Newsletter Juli - August 2015


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) 20./21. November: Die 20. Konferenz „Deutsch-Russische Herbstgespräche“ widmet sich „Europa in der Zerreißprobe“ und aktuellen Aufgaben der Zivilgesellschaft – Einladung und Anmeldung

Unsere jährliche Konferenz begeht dieses Mal ein Jubiläum: Im November findet sie zum 20. Mal statt! Zu diesem Anlass soll ein Zwischenresümee entstehen, zu dem wir alle Interessierten herzlich einladen – in einem Moment, da die Lage in Europa in vieler Hinsicht brisanter scheint als 1995. In Russland wird erneut eine Monopolisierung von Staat und Gesellschaft betrieben, die unabhängige Zivilgesellschaft und ihre internationale Kooperation sind vielfachen Repressionen ausgesetzt, zuletzt durch das Gesetz über „Unerwünschte ausländische Organisationen“. Ein neuer Ost-West-Konflikt prägt die Außenpolitik, in der Ostukraine herrscht Krieg. In zahlreichen europäischen Ländern regen sich starke nationalistische Bewegungen, die EU ist in vielen sozialen, wirtschaftlichen und konzeptionellen Fragen sowie in ihrer Reaktion auf die Flüchtlingszuwanderung zerstritten. Das Thema der anstehenden Tagung lautet daher „Wieder unerwünscht? Europa in der Zerreißprobe“. Renommierte deutsche, russische, ukrainische, polnische und weitere VertreterInnen aus Politik, Soziologie, Publizistik, Geschichtswissenschaft und Zivilgesellschaft diskutieren, welche Gegenwarts- und Zukunftsbilder von unserem Kontinent derzeit existieren. Wie steht es um die Beziehungen zwischen Russland und den anderen europäischen Staaten, wie nehmen die Gesellschaften einander wahr? Wie kann ein neuer, integrativer Konsens gestiftet und der Versuch, enge nationalistische Politikansätze zu verfolgen, pariert werden? Welchen Beitrag sollten die BürgerInnen und die Zivilgesellschaften dazu leisten? Treue Partner der Deutsch-Russischen Herbstgespräche sind seit Anfang an die Evangelische Akademie Berlin und die Heinrich Böll Stiftung, denen wir aus diesem Anlass schon jetzt sehr herzlich danken möchten, ebenso wie den weiteren Unterstützern der Konferenz 2015, der ZEIT-Stiftung und der Bundeszentrale für Politische Bildung. Die Konferenz beginnt am Freitag, den 20. November um 13:30 Uhr und wird am Samstag, 21. November, um 10 Uhr fortgesetzt. Die Veranstaltung findet wie gewohnt in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte statt. Am Freitagabend wird es außerdem einen Jubiläumsempfang für die Konferenz-TeilnehmerInnen geben. Das Programm, weitere Informationen sowie den Link zur Anmeldung finden Sie in Kürze auf unserer Website www.austausch.org. Die Anmeldung erfolgt über die Website der Evangelischen Akademie. Am Samstag wird es nach Abschluss der Konferenz für die ReferentInnen sowie weitere Fachleute und NGO-VertreterInnen außerdem ein Treffen zum besseren Kennenlernen und Besprechen möglicher gemeinsamer Vorhaben geben.

2) Einladung zum 16.9., Berlin: Gespräch zur Fußball-Fankultur und ihrem gesellschaftlichen Kontext in Russland, Belarus, Ukraine – Veranstalter DRA und Fanprojekt Berlin

Im Rahmen eines Seminars zur „Fussball-Fankultur in der offenen Gesellschaft“, an dem je fünf junge Sport-Journalisten und Fanbetreuer aus Belarus, Ukraine und Russland teilnehmen, lädt der DRA sehr herzlich zu einem Hintergrundgespräch ein. Das Gespräch findet am 16. September 2015 ab 18:30 Uhr in den Räumlichkeiten des Berliner Fanprojekts statt (Cantianstr. 25, 10437 Berlin). Die Teilnehmer des Seminars, das vom DRA veranstaltet und von Ingo Petz und Peter Liesegang in Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt Berlin durchgeführt wird, berichten in lockerer Runde über Entwicklungen im Bereich der Fußball-Fankultur in ihren Ländern und ihrer Bedeutung im Rahmen der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung. Das Gespräch ist als Diskussion geplant. Es wird auf Russisch geführt, die Möglichkeit zur simultanen Flüsterübersetzung besteht. Da der Platz begrenzt ist, bitten wir bei Interesse um kurze Anmeldung bis zum 14.09. bei Peter Liesegang über die Email-Adresse: petersajchyk@gmail.com. Das Seminar findet 2015 zum zweiten Mal statt und wird in diesem Jahr vom German Marshall Fund und dem Auswärtigen Amt unterstützt.

3) 3.10., 15 Uhr, Berlin: „Gleich und sehr verschieden“: Podiumsdiskussion zu osteuropäischen Perspektiven auf die Zeit der Transformation in den 90ern – DRA und Perspektive3 laden ein

Der DRA und Perspektive3 e.V. laden zur Veranstaltung „Same but very different. My story of change in the 90s - Eastern European Perspectives“ am Samstag, den 3. Oktober 2015, ab 16 Uhr im Willy-Brandt-Haus Berlin, Wilhelmstraße 140, 10963 Berlin. Die Diskussion wird die Wahrnehmungen der Transformationszeit der 90er Jahre untersuchen. Beteiligt sind NGO-Vertreterinnen aus der Ukraine, Russland, Bulgarien und Deutschland - Olena Pravylo  vom „Congress of Culture Activists“, Kiev, Polina Filippova vom Sacharov-Center Moskau, Louisa Slavkova (Sofia Platform, Sofia), Christine Wetzel (Vorstandsmitglied DRA, Berlin) und Mandy Schultze (Perspektive3, Berlin). Alle sind auch Teilnehmerinnen des Projektes „Mapping a Generation“, mit der der DRA seit dem Frühjahr Partner aus bislang sieben europäischen Ländern zur gemeinsamen Erkundung und Aufarbeitung der Transformationszeit zusammengeholt hat. Die Diskussion am 3. Oktober findet im Rahmen der Ausstellung "DER DRITTE BLICK - Fotografische Positionen einer Umbruchsgeneration" statt (Eröffnung. 2. Okt. bis 7. Nov. 2015, siehe HIER. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

4) Beim Forum “EuropeLab” in Litauen diskutierten 80 junge Fachleute Themen für die nächsten Jahrzehnte – EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum knüpft an „PiloramaLaboratorium“ an

Vom 23. bis 26. Juli 2015 brachte das Forum „Europe Lab“ in Litauen rund 80 junge Fachkräfte im Alter zwischen 25 und 35 Jahren aus rund 15 Ländern zusammen, darunter Russland, Belarus, Deutschland, Ungarn, Italien, die Ukraine, Litauen, Polen, Tschechien, Rumänen, Slowenien, Schweden, Norwegen und Bosnien-Herzegowina. Nach der Eröffnung in Vilnius fanden die wichtigsten Treffen, Workshops, Diskussionen und Exkursionen in Raiseiniai, einer Kleinstadt im Südwesten Litauens statt. Das Historische Museum ins Raseiniai, um das sich die Veranstaltungen abspielten, ist ein Ort für das historische Gedächtnis in Europa: Das Gebäude war in der Sowjetzeit von 1932 bis 1952 Haftanstalt für politische Gefangene. Das war eine der Verbindungen, die die „EuropeLab“-Organisatoren - das EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) und seine Mitglieds-NGOs Stefan Batory-Foundation (Warschau), „Anti-Komplex“ (Prag), Interra (Krasnojarsk), Transparency International (Vilnius), UNITED for Intercultural Action (Amsterdam) und DRA (Berlin) – von dem Forum zum früheren „PiloramaLaboratorium“ zogen. Dieses hatte 2012 innerhalb des Forums der russischen Zivilgesellschaft „Pilorama“ im Gedenkmuseum für die Politischen Repressionen „Perm36“ (Russland) stattgefunden; 2013 hatte dann die neue Regionalregierung Perm die Fortsetzung beider Veranstaltungen verhindert. Eingeladen waren nach Litauen deshalb auch die Direktorin und der wissenschaftliche Leiter der NGO „Perm36“, Tatjana Kursina und Sergei Obuchin, die das Gedenkmuseum wesentlich aufgebaut und seit 2013 dessen Zwangsverstaatlichung sowie massive mediale und gerichtliche Verfolgungen durchlebt haben. Mit beiden führte Stefan Melle, DRA-Geschäftsführer, in Raseiniai eine Podiumsdiskussion über die aktuellen Geschehnisse in Perm, die russische Geschichtspolitik und die verbliebenen Möglichkeiten der Bürgerinitiativen. Das Museum in Raseiniai zeigte zudem eine Ausstellung über den früheren sowjetischen Gulag und das Lager Perm36, wie sie in Perm selbst heute nicht mehr möglich ist. Ein zweites Abendgespräch mit dem ungarischen Investigativjournalisten András Pethő widmete sich den Gefährdungen der Demokratie in seinem Land und den Veränderungen im zeitgenössischen Journalismus. Die „EuropeLab“-Workshops beschäftigten sich drei Tage lang mit den Themen Migration, Urbanistik, Korruption und Geschichtspolitik –Themen, die das Geschehen in Europa in den nächsten Jahrzehnten mit prägen und auch die Zivilgesellschaft herausfordern werden. In den Workshops entwickelten die Teilnehmer rund ein Dutzend Projektideen, von denen fünf nach einem Wettbewerb im August eine Mikroförderung des Zivilgesellschaftsforums und der Batory-Foundation erhielten und derzeit realisiert werden. Beim Auftakt in Vilnius hatten die ReferentInnen die Lage für Bürgerinitiativen im heutigen Europa insgesamt umrissen. Beteiligt waren Olga Karach von der Bürgerinitiative „Unser Haus“ (Belarus), Lilia Shibanova, Direktorin der Wahlrechts-NGO „Golos“ (Russland/ Litauen), Ionuț Sibian, Leiter der Civil Society Development Foundation und Mitglied im European Economic and Social Committee (Rumänien) und Julius von Freytag-Loringhoven, Leiter des Moskauer Büros der Friedrich Naumann Stiftung. Dabei kamen die russischen Gesetze gegen eigene und ausländische NGOs zur Sprache, aber auch die großen Probleme, die es u.a. mit Diskriminierung, Nationalismus, Transparenz, der Flüchtlingshilfe, Datenschutz, den Rechten unabhängiger Initiativen in vielen Ländern und selbst im EU-Raum gibt. Die Teilnehmer sahen „EuropeLab“ als Erfolg – und Sergei Tereshenko, PR-Koordinator des CSF, kündigte schon mal an, dass das nächste „EuropeLab“ 2016 stattfinden wird. Möglicherweise in Kroatien – ehr siehe www.eu-russia-csf.org.  EuropLab“ wurde im Rahmen des Projekts EU-Russia-Civil Society Forum veranstaltet und von der Europäischen Kommission sowie der Stefan Batory-Foundation unterstützt. Der DRA Berlin ist Träger des Sekretariats und Konsortiums des CSF.

5) EU Study Week in Wladiwostok: Bewerbung für russische Studierende noch bis zum 15.9.

Die EU Study Weeks, ein Programm zu den aktuellen politischen Herausforderungen in der EU und in den EU-Russland-Beziehungen für russische Studierende und Doktoranden, fanden 2015 schon in Vilnius (Litauen) und Kostroma sowie zuletzt Ende August in Uljanowsk statt (siehe www.eu-studyweeks.ru). Vom 2.-4. Oktober 2015 findet die vom DRA in Berlin und seiner Partnerorganisation in St. Petersburg gemeinsam organisierte Veranstaltung nun erstmals auch in Wladiwostok im Fernen Osten statt. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich während drei intensiver Tage mit ExpertInnen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Recht und internationale Beziehungen auszutauschen und auch die konkreten Verbindungen zwischen Russland und der EU in ihrer Region genauer kennen zu lernen. Noch bis 15. September können sich Studierende und Doktoranden aus den Regionen Amur, Primorje und Chabarowsk sowie aus dem Jüdischen Autonomen Gebiet für die EU Study Week in Wladiwostok.

6) NGO-Konferenz in Bonn fordert echte Mitwirkung für Zivilgesellschaft bei der Umsetzung der UNESCO Welterbekonvention – DRA Mitveranstalter, osteuropäische NGOs berichten

Unmittelbar vor der 39. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees fand auf Initiative der neuen NGO World Heritage Watch e.V. (WHW) am 26. und 27. Juni 2015 in Bonn die zweite internationale Konferenz zum Thema „Welterbe und Zivilgesellschaft" statt. Eine erste hatten 2012 in St. Petersburg Greenpeace, WWF, lokale NGOs sowie das RNEI und der DRA organisiert. Der DRA war auch Mitveranstalter der II. Konferenz (s.u.) und durch Judith Kiss und Elena Belokurova vor Ort beteiligt. In Bonn trafen sich mehr als 100 VertreterInnen lokaler Gemeinschaften und Organisationen aus 32 Ländern, um über ihr Engagement für die Kultur- und Naturerbestätten auf allen Kontinenten sowie die Probleme beim Schutz und der Entwicklung dieser Stätten zu berichten. Ein dringendes Anliegen war es auch, Wege zur Mitwirkung für zivilgesellschaftliche Akteure bei der Umsetzung der UNESCO-Welterbekonvention auszuarbeiten. In zwei Beschlussentwürfen an das UNESCO-Welterbekomittee wurde die formale Anerkennung der Zivilgesellschaft einerseits und der lokalen Gemeinschaften andererseits als Partner und Akteure innerhalb des internationalen Welterberegimes gefordert. Der DRA unterstützte die Konferenz durch die Entsendung von fünf ReferentInnen aus Russland, Belarus und der Ukraine. In Vorträgen und einer Resolution an das UNESCO-Welterbezentrum machten sie auf aktuelle Probleme der Welterbestätten in ihren Ländern aufmerksam. Julia Naberezhnaya und Mikhail Plotnikov von der NGO „Ökowacht Nordkaukasus“ zeigten auf, wie Bauprojekte russischer Unternehmen das Naturreservat Westkaukasus und dessen UNESCO-Schutzstatus gefährden. Elena Minchenok von „Living City“ stellte die Managementprobleme im historischen Zentrum von St. Petersburg dar, Mikhail Kreindlin und Andrey Petrov von Greenpeace Russland führten die ökologischen Schäden durch Bergbauprojekte in den Urwäldern der Komi-Halbinsel sowie in den Naturschutzgebieten der subarktischen Wrangelinsel, in den Goldenen Bergen des Altai und rund um die Vulkane Kamtschatkas vor Augen. Yevgeniy Simonov von „Rivers Without Boundaries“ schilderte die Risiken für das Ökosystem des Baikalsees durch existierende und geplante Wasserkraftwerksbauten in Russland und der Mongolei. Stsiapan Stureika (Belarus) wies auf Erhaltungsprobleme bei den Schlossanlagen in Mir und Nesvich und die fehlende Einbindung der Vor-Ort-Gemeinschaft in das Management hin. Igor Lutsenko von „Save Old Kiev“ schließlich beschrieb die Gefahren für die St. Sofia Kathedrale und ihre Umgebung in der ukrainischen Hauptstadt durch die intensive Stadtentwicklung. Die Konferenz-TeilnehmerInnen entschieden, das internationale Netzwerk von World Heritage Watch weiter auszubauen, um die Einlösung der Verpflichtungen der jeweiligen Staaten zur Bewahrung und Pflege der Welterbestätten kritisch zu begleiten sowie zivilgesellschaftliche Aktivitäten zum Welterbe-Schutz weltweit zu koordinieren und zu unterstützen.

7) Podiumsdiskussion an der FU Berlin: Wissenschaftskooperation zwischen Deutschland und Russland stärken – schwieriger Dialog über Rechtsverständnis

Am 19. August fand an der Freien Universität (FU) Berlin eine Podiumsdiskussion zum Thema „Russisch-deutsche Bildungskooperation – Herausforderungen und Chancen“ statt. Anlass für die von Alexej Gorin, Vorstandsmitglied des DRA, moderierte Veranstaltung war der Start des neuen gemeinsamen Masterprogramms „Deutsches und Europäisches Wirtschaftsprivat- und Wirtschaftsverwaltungsrecht“ der juristischen Fakultäten der FU Berlin und der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität. Die Gäste wurden von Prof. Christian Armbrüster, Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft der FU, Alexander Avramenko, Leiter der Abteilung Wissenschaft und Technik der Russischen Botschaft in Deutschland, und dem Leiter des neuen Studiengangs, Prof. Burkhard Breig, begrüßt. Teilnehmer der Diskussion waren Prof. Dr. Alexander Blankenagel (Humboldt-Universität Berlin), Prof. Jelena Gritsenko (Staatliche Universität St. Petersburg), Dr. Andreas Hoeschen (DAAD) und Rechtsanwalt Thomas Fischer (A. Menarini Research & Business Service GmbH). Sie waren sich einig darin, dass die Wissenschaftskooperation und die Kontakte zwischen den Menschen gerade in Zeiten erschwerter politischer Beziehungen zwischen den Ländern eine wichtige Rolle spielen. Erstaunlicherweise sind derzeit die Möglichkeiten für Zusammenarbeit im Bereich Bildung (zum Beispiel in der dualen Berufsbildung, gemeinsamen Studienprogrammen etc.) nicht reduziert. Jedoch bewerben sich weit weniger deutsche als russische Studierende dafür. Ein Grund dafür liegt u.a. in der gegenseitigen Nichtanerkennung der erhaltenen Ausbildungsabschlüsse. Während der Diskussion kamen auch die Themen Rechtsverständnis und Rechtsanwendung in Deutschland und Russland zur Sprache. Dabei zeigte sich, dass die TeilnehmerInnen nicht bereit waren, offen darüber zu sprechen. Den russischen Studierenden gab Prof. Dr. Blankenadel mit auf den Weg, das Beste aus der deutschen Rechtstradition mitzunehmen, in der nicht Autorität und Macht, sondern eine überzeugende Argumentation die entscheidende Rolle spiele.

8) Städte Berlin und Moskau weiter in Kontakt: Konferenz zu Jugendkulturarbeit und Begegnungen

Trotz des politisch angespannten Klimas und des Kursverfalls des Rubels geht es in der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau weiter: Um sich international auszutauschen, lud das Departement für Kultur der Stadt Moskau die Partnerstädte weltweit zu einer Konferenz über die Entwicklung der Jugendkulturarbeit vom 19.-22.08.2015 in Moskau ein. TeilnehmerInnen kamen u. a. aus Armenien, Litauen, China, Indien, Kolumbien und Deutschland. Sie berichteten über Projekte, die von Streetart bis zur Leseförderung in Bibliotheken reichten. Aus Berlin kamen Roman Elsner (DRA Berlin) und Katrin Hukal von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V. Katrin Hukal sprach über die Idee, Geschichte und Kultur des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Roman Elsner – DRA-Koordinator für die Austauschbeziehungen von Berlin und Moskau im Bereich der Familien- und Jugendpolitik im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin (SenBJW) – erörterte die Austauschmaßnahmen für 2015 und 2016 und initiierte zwei weitere Jugendbegegnungen: Vom 19.-28. Oktober 2015 wird ein HipHop-Austausch zwischen Jugendlichen des „Moskauer Produktionszentrums“ und des Berliner Jugendzentrums Impuls in Moskau stattfinden. Vom 7.-13. Dezember ist ein Austauschprogramm im Rahmen des Themenjahres „70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg“ zwischen Berliner und Moskauer Jugendlichen in Berlin vorgesehen. Partner sind die Moskauer Deutsche Zeitung und das Berliner Jugendzentrum Fuchsbau. Die Begegnungen werden von der SenBJW unterstützt. Weitere Infos zur Berlin-Moskau-Städtepartnerschaft siehe hier und auf dem Berlin-Moskau-Blog.

9) Gomel (Belarus): Wettbewerb um soziale Miniprojekte erfolgreich abgeschlossen

Im Dezember 2014 gründete die NGO „Soziale Projekte“ in Kooperation mit dem DRA in Gomel (Belarus) ein Netzwerk für sozial engagierte NGOs in der Region Gomel. Die Mitglieder des Netzwerkes konnten sich im Mai 2015 um eine Finanzierung von Miniprojekten zugunsten von sozial benachteiligten Gruppen in der Bevölkerung bewerben. Im Juli 2015 wählte eine Jury unter den acht eingegangenen Anträgen fünf zur Förderung aus. Besondere Beachtung fand ein Projekt der NGO „Rollstuhlfahrer“ aus Gomel. Es ermöglicht Betroffenen in der Region, verschiedene Rollstuhl-Modelle, die in Belarus zur Verfügung stehen, unter fachlicher Anleitung auszuprobieren und mit Angehörigen gemeinsam daran zu trainieren. Sie erhalten so einen geeigneten Rollstuhl und sind direkt mit dessen Möglichkeiten vertraut. Ausgewählt wurde auch das Projekt der Organisation „Romano Drom“: Viele in der Region Gomel lebende Roma haben keine Dokumente, die ihnen einen Zugang zum gesellschaftlichen Leben oder Anspruch auf soziale staatliche Leistungen ermöglichen. Dazu gehören vor allem Geburtsurkunden, Pässe oder Arbeitsnachweise. Ziel des Projektes ist es, Roma bei der Beantragung von Dokumenten zu unterstützen und im Rahmen eines Seminars Mediatoren auszubilden, die diese Aufgabe auch nach Abschluss der Förderung übernehmen können. Das Netzwerk-Projekt in Gomel wird im Rahmen des vom IBB Dortmund initiierten und aus Mitteln des BMZ finanzierten „Förderprogramms Belarus“ durchgeführt.

10) Ukraineprojekte: „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ startet Weiterbildungsreihe in den Bereichen Trauma-Arbeit und häusliche Gewalt als Kriegsfolge

Im Rahmen des DRA-Projekts „Kriegsfolgen gemeinsam überwinden“ fanden in Kiew die ersten drei Schulungsseminare für PsychotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen und AktivistInnen aus der Flüchtlingsarbeit statt. Zwei der Schulungen zum Umgang mit Traumata führten die Spezialisten vom Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer (bzfo) durch: Beim ersten Seminar vom 27.-28. August ging es um das Thema: psychotherapeutische Arbeit mit Menschen, die Gewalt erfahren haben – Diagnostik und Behandlung, Supervision und Intervision sowie Stressmanagement. Am 30.-31. August wurden im zweiten Seminar Kompetenzen für die Begegnung mit Menschen, die unter den Folgen von Gewalt und Flucht leiden. vermittelt. Beim dritten Seminar vom 2.-4. September wurden 21 PsychologInnen und SozialarbeiterInnen von zwei Expertinnen der bosnischen Frauenrechts-NGO „Udruzene“ aus Banja Luka zum Thema „Handlungsmöglichkeiten gegen häusliche Gewalt als Kriegsfolge“ weitergebildet. Zusätzlich fand ein Vernetzungstreffen zwischen PsychotherapeutInnen und AktivistInnen untereinander sowie mit den deutschen ExpertInnen vom bzfo statt. Sie befassten sich u.a. mit der Konzeption für eine Informationsbroschüre über Traumata und über Hilfsangebote der beteiligten NGOs. Sie wird auch darstellen, wie Betroffene motiviert werden können, psychotherapeutische Hilfe anzunehmen, um so die in der Ukraine starken Vorurteilen gegen solche Therapien zu mindern.

11) Verletzung von Menschenrechten in der Ostukraine: Internationale Aufmerksamkeit gegen Straflosigkeit notwendig

Am 28. Juli 2015 fand im Haus der Demokratie und Menschenrechte Berlin die öffentliche Auftaktveranstaltung des DRA-Projekts „Europäische Unterstützung für effektives Menschenrechts-Monitoring in der Ostukraine“ statt. Dort sprachen ukrainische Menschenrechtler von der Charkiwer Menschenrechtsgruppe, VOSTOK SOS, der Koalition „Justice for Peace in Donbas“ und von „International Partnership for Human Rights“ über Menschen- und Völkerrechtsverletzungen in der Ostukraine. Derzeit leben zwischen 200.000 bis 300.000 Menschen unmittelbar in der Pufferzone zwischen den Gebieten, die von sogenannten pro-russischen Separatisten besetzt sind, und dem Territorium, das durch die ukrainischen Regierungstruppen kontrolliert wird. In dieser Pufferzone funktionieren staatliche Strukturen nicht, es werden keine Sozialleistungen ausgezahlt, humanitäre Hilfe kann aufgrund der Sicherheitslage oft nicht zugestellt werden und jeder Bruch des Waffenstillstands ist für die dort lebenden Menschen lebensbedrohlich. In den besetzten Gebieten existieren außerdem keine rechtsstaatlichen Strukturen, an die sich Menschen wenden können, wenn ihre Rechte verletzt werden. Gemeinsam von russischen und ukrainischen Menschenrechtlern durchgeführte Feldmissionen zur Prüfung der Menschenrechtssituation konnten belegen, dass russische Soldaten unmittelbar an dem ostukrainischen Krieg beteiligt sind. Deshalb formulierten die Podiumsteilnehmer in Berlin die Erwartung, dass die deutsche Öffentlichkeit die Staaten und Gruppierungen, die am ostukrainischen Krieg beteiligte sind, unter Einschluss Russlands, als Subjekte mit konkreter völker- und menschenrechtlicher Verantwortlichkeit betrachten sollte. Internationale Aufmerksamkeit könne dazu beitragen, dass sich das Klima der Straflosigkeit im Kriegsgebiet nicht dauerhaft etablieren kann. Außerdem äußerten sie die Hoffnung auf eine stärkere Empathie für das dramatische Schicksal der inzwischen über eineinhalb Millionen Binnenvertriebenen in der Ukraine. Einen ausführlichen Bericht über die Podiumsdiskussion, die ReferentInnen sowie ihre Aussagen finden Sie HIER. Weitere Informationen über die Situation in der Ostukraine und die Arbeit des DRA enthält außerdem ein Radiointerview mit DRA-Projektleiter Tim Bohse. Das Projekt „Europäische Unterstützung für effektives Menschenrechts-Monitoring in der Ostukraine“ wird vom Auswärtigen Amt finanziell gefördert. Partner sind auch u.a. der Europäische Austausch (Berlin) und das Helsinki-Komitee Warschau.

12) Ukrainisch-deutsch-russische Jugendbegegnung in Charkiw und Berlin: Was bedeutet nachhaltige Entwicklung in Städten – und was können junge Menschen beitragen?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, treffen sich 30 junge Erwachsene aus der Ukraine, Deutschland und Russland im September und Oktober 2015 in Charkiw (Ostukraine) und Berlin. Der DRA organisiert die Jugendbegegnung „Wir gestalten unsere Städte“ gemeinsam mit seinen Partnern Russisch-Deutsches Büro für Umweltinformation (RNEI St. Petersburg), Urban Reforms aus Charkiw, Warm City aus Iwano-Frankiwsk und der Kyiv Cyclists‘ Association (Kiew). Beteiligt sind junge AktivistInnen und Interessierte aus Berlin, Regensburg, Charkiw, Ivano-Frankiwsk, Kiew, St. Petersburg, Moskau, Woronesch und Archangelsk. In Workshops und Diskussionsrunden werden sie untereinander und mit ExpertInnen erkunden, was hinter den Begriffen nachhaltige Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung steckt, welche Bedeutung diese für die Entwicklung der Menschenrechte und eines demokratischen und friedlichen Zusammenlebens haben und welche eigenen Erfahrungen die TeilnehmerInnen in ihren Regionen bereits gemacht haben. Zum Programm der Jugendbegegnungen gehören auch Besuche von Stadtgestaltungsprojekten und eines Runden Tisches von NGOs und Behördenvertretern zur Verkehrsentwicklung in Charkiw sowie eines Diskussionsabends zum Film „Bikes vs. Cars“  zur Europäischen Mobilitätswoche in Kiew. Die Jugendbegegnung wird im Rahmen des Programms Meet up! Deutsch-ukrainische Jugendbegegnungen von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, vom Auswärtigen Amt und der Robert Bosch Stiftung gefördert.

13) Energize your City – mit viel Energie unsere Städte und die deutsch-russischen Beziehungen verändern! DRA St. Petersburg vermittelt 13 TeilnehmerInnen nach Hamburg

Vom 13.-24. August fand in Hamburg das große Jugendevent Energize your City (EYC) statt. Energize your City ist ein Gemeinschaftsprojekt des Netzwerkes Jugendarbeit – Hamburg St. Petersburg im Rahmen der Partnerschaft zwischen den beiden Städten. Die TeilnehmerInnen kamen aus St. Petersburg, Kaliningrad und Moskau, von deutscher Seite aus Hamburg und Dresden. Über den DRA St. Petersburg kamen 13 Studierende und SchülerInnen. Im intensiven Programm von EYC ging es um Partizipation und Selbstverantwortung, Solidarität, Respekt, Gleichberechtigung und Transparenz – in Workshops, musikalischen Veranstaltungen, Stadtführungen und Spielen. Die Stadtführung sowie der Workshop zum Thema „Erinnerungsorte des Zweiten Weltkrieges“ wurden vom DRA-Team und dem Partner Politischer Jugendring Dresden organisiert. Angesichts der aktuellen Lage war dieses Mal die Aufrechterhaltung und Festigung der deutsch-russischen Beziehungen besonders wichtig. So kamen die SchülerInnen und Studierenden zu einem Treffen mit VertreterInnen der Stadt Hamburg und des Russischen Generalkonsulats mit einem außergewöhnlichen Transportmittel: mit Kanus – und bildeten anschließend mit ihren Booten ein gemeinsames Herzsymbol. Am Schlusstag tauschten sich die Teilnehmenden über das Projekt, ihre Erfahrungen und Meinungen aus – und die russischen Beteiligten äußerten ihre Hoffnung, ihre neuen deutschen Freunde schon bald nach St. Petersburg einladen zu können. Mehr über das Projekt „Energize your City“.

14) Praktikum: Projektassistenz beim DRA ab 16. November 2015 für 3 Monate

Zum 16. November 2015 besetzt der DRA eine Praktikumsstelle als Projektassistenz in Vollzeit (39h) für 3 Monate in seinem Berliner Büro. Thematische Schwerpunkte des Praktikums sind die Zusammenarbeit mit russischen und europäischen Nichtregierungsorganisationen sowie die Durchführung und Nachbereitung der 20. Deutsch-Russischen Herbstgespräche. Zu den Tätigkeiten gehören die Unterstützung der Projektentwicklung und -begleitung (Antragstellung, Projektdurchführung, Abrechnung und Berichterstattung), die Kommunikation mit Partnern in Deutschland, Russland, Ukraine und weiteren Ländern, Recherchen, Zuarbeiten zu Analysen, Übersetzungen, die Mitarbeit in der Veranstaltungsorganisation und Öffentlichkeitsarbeit, die Unterstützung der Geschäftsführung und allgemeine Bürotätigkeiten. Erwartet werden ein intensives Interesse an Russland und Osteuropa sowie politischen und sozialen Fragen in Europa, an der Arbeit von NGOs und internationaler Zusammenarbeit, gute PC-Kenntnisse (Word, Excel), sehr gute Deutsch- und Russisch- sowie möglichst Englischkenntnisse, gute kommunikative Fähigkeiten und Offenheit, selbstständiges Arbeiten.

15) Veranstaltungshinweis: IPPNW-Friedenskongress vom 2.-4.10.2015 in Frankfurt am Main

Auch im 21. Jahrhundert sind kriegerische Auseinandersetzungen leider weiter ein Teil des globalen Alltags. Weltweit sind Millionen Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Blutvergießen. Wie kommt es dazu? Was geschieht im Nahen Osten? Warum wachsen auch die Anspannungen zwischen West- und Osteuropa wieder? Der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) stellt auf dem Kongress „Unser Rezept für Frieden: Prävention“ die Frage nach den Ursachen für Krieg, versucht die „Krankheit Friedlosigkeit“ zu diagnostizieren und wirksame Präventionsmechanismen zu finden. Die zivile Konfliktbearbeitung als „Best Practice“ steht dort im Vordergrund. Diese kann Wege zum Frieden jenseits der herkömmlichen militärstrategischen und politischen Denkmuster ermöglichen – in „Friedenslogik statt Kriegslogik!“. Auf dem Kongress gibt es u.a. auch einen Workshop zur Kriegsdienstverweigerung in der Ukraine – einer Bewegung, die angesichts der aktuellen Geschehnisse im Land dort zunehmend für Diskussionen sorgt. Zu weiteren Informationen und der Anmeldung siehe HIER.