DRA Newsletter August 2011


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) Der DRA trauert um seinen Mitinitiator und Weggefährten Franz von Hammerstein

Am 15. August starb im hohen Alter von 90 Jahren Franz von Hammerstein. Er gehörte zu jenen seltenen, beglückenden Menschen, die es vermögen, stets aus einem umfassenden Verantwortungsgefühl heraus zu leben und die dabei voll Offenheit, Aufmerksamkeit, Aufrichtigkeit, Großzügigkeit, Aktivität und Schöpfertum sind. Für den DRA stand Freiherr Dr. Franz von Hammerstein nicht nur an den Ursprüngen der Organisation, indem er dem neu gegründeten Verein 1992 als Gründungsbeirat und erster Förderer mit ins Leben verhalf und zu seinem Selbstverständnis beitrug. Er eröffnete dem DRA auch den Zugang zu weiteren wegweisenden Partnern, so zur russischen Menschenrechtsorganisation Memorial und zum langjährigen Vereinsbeirat Hans-Jochen Vogel. 2002 ermöglichte Franz von Hammerstein zudem durch seine Initiativstiftung die Gründung der „Stiftung Deutsch-Russischer Austausch“ und war dem Verein bis zuletzt ein interessierter, anregender und herzlicher Begleiter, Berater und Freund. In all seinem umfassenden zivilgesellschaftlichen Engagement – darunter für die Stiftung West-Östliche Begegnungen, die Gedenkstätte Topographie des Terrors und die Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit – hat Franz von Hammerstein stets auch das mutige Vermächtnis seiner Familie gegen Diktatur und Krieg weitergetragen. Sein Vater, Generaloberst Kurt Freiherr von Hammerstein, trat 1934 als Chef der Heeresleitung aus Protest gegen den Faschismus Adolf Hitlers zurück. Wegen der Beteiligung seiner Brüder Kunrat und Ludwig am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 kam auch Franz von Hammerstein in Gestapo-Haft und später in die KZ Buchenwald, Regensburg und Dachau. Nach Kriegsende studierte er Theologie und wurde einer der Gründungsväter der evangelischen „Aktion Sühnezeichen-Friedenszeichen“, die er von 1968 bis 1975 als Generalsekretär in der Bundesrepublik führte und die zu einer der Leitideen seines Lebens wurde. Von 1978 bis 1986 arbeitete Franz von Hammerstein als Direktor der Evangelischen Akademie zu Berlin. Die von ihm initiierte enge Partnerschaft des DRA mit der Akademie wirkt bis heute in der gemeinsamen Jahrestagung „Deutsch-Russische Herbstgespräche“ fort, die am 4./5. November bereits zum 16. Mal stattfinden wird. Der DRA nimmt von Franz von Hammerstein mit Hochachtung und großer Dankbarkeit Abschied und wird sein Andenken in Ehren halten. Verein und Mitglieder sprechen seiner Familie ihr tiefempfundenes Beileid aus. Die Trauerfeier findet am 27. August, 11 Uhr, in der Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem, Hittorfstr. 21, statt.

2) Petersburger Dialog: nur vorsichtige Schritte

Der Petersburger Dialog hat nach Einschätzung des DRA auf seinem diesjährigen Treffen vom 17.-19. Juli in Wolfsburg und Hannover nur erste kleine Schritte zu einer Erneuerung unternommen. In Reaktion auf jahrelang gewachsenen Reformdruck aus Politik, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft in Deutschland griffen die Veranstalter des deutsch-russischen Jahrestreffens diesmal mit dem Thema „Bürger, Gesellschaft, Staat – Partner im Modernisierungsprozess“ eine der zentralen Entwicklungsfragen in Russland und Deutschland auf. Vielfach betonten die Organisatoren eine neue Offenheit der Diskussionen, die in einigen Veranstaltungen tatsächlich zu beobachten war. Auch wurden in erstmals angebotenen, interdisziplinär konzipierten Podiumsdiskussionen Schlüsselbegriffe einer nachhaltigen Gesellschaft wie „Freiheit“, „Migration“, „Ökologie“ und „Sozialpartnerschaft“ debattiert. Allerdings kann dieses Format nicht die direkte Arbeit in den Arbeitsgruppen ersetzen, für die an den drei Veranstaltungstagen erneut nur insgesamt 3,5 Stunden zur Verfügung standen. Unzureichend sind auch weiterhin die strukturellen Reformen, die Transparenz bei der inhaltlichen Gestaltung der Arbeitsgruppen und Teilnehmernominierung sowie die Möglichkeiten zu Absprachen und Kooperation innerhalb der AGs zwischen den Jahrestreffen. Für den DRA war dessen Geschäftsführer, Stefan Melle, als Referent beim Panel zum Thema „Die Freiheit des Menschen als Schlüssel der Modernisierung in Deutschland und Russland“ sowie als Teilnehmer der AG Zivilgesellschaft anwesend. Er initiierte in der AG eine offene und teilweise hitzige Diskussion über den Umgang mit kontroversen Themen insbesondere auf deutscher Seite, wie zum Beispiel Tabuisierungen bei zivilgesellschaftlichen Grundsatzfragen, etwa den problematischen Arbeitsbedingungen für NGOs in Russland. Mehr über die Position des DRA zum diesjährigen Petersburger Dialog finden Sie in einem Interview, das Stefan Melle der Journalistin Diana Laarz für das Netzwerk n-ost gegeben hat: HIER.

3) 18.-21.8.: Umwelt-Kunstfestival „Über-Lebenskunst“ in Berlin und Petersburg

Vier Tage Debatten, Filme, Vorträge, Performances, Musik: Der DRA lädt herzlich zum Besuch des Umwelt-Kunstfestivals „Über-Lebenskunst“ ein, das von heute bis Sonntag in Berlin und St. Petersburg sowie in Nairobi, New Delhi und Sao Paulo stattfindet. Veranstaltet wird es vom Haus der Kulturen der Welt Berlin und Partnern in den jeweiligen Städten, darunter in Petersburg vom DRA-Projekt „Russisch-Deutsches Umweltinformationsbüro“. Am 20. und 21. August finden zwischen den fünf Metropolen ganztägige Liveschaltungen statt, in Berlin ist das Programm im Haus der Kulturen der Welt zu erleben (siehe HIER), in St. Petersburg im alternativen Kulturzentrum „Taiga“ am Neva-Ufer direkt gegenüber der Peter-Pauls-Festung (siehe HIER). Weitere Partner des Festivals sind die Goethe-Institute New Delhi und Nairobi sowie das Kulturzentrum Sao Paulo. Die fünf Veranstaltungsorte sollen zu „Global Rooms“ werden, in denen internationale Expert_innen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, Aktivist_innen und Künstler_innen aufeinander treffen, lokale und weltweite Lösungsansätze für eine nachhaltige Entwicklung diskutieren, ihre Projekte vorstellen und sich mit dem Publikum austauschen. Alle Veranstaltungen sind öffentlich.

4) 7.9., 18.30 Uhr: Podiumsdiskussion zu Sport und Ökologie bei Olympia in Sotschi 2014

Am Mittwoch, dem 7. September 2011, findet im Deutschen Bundestag von 18.30–22 Uhr ein öffentliches Fachgespräch zum Thema „Olympische Spiele in Sotschi 2014 – ein Sportgroßereignis als Belastungsprobe für Mensch und Natur“ statt (Paul-Löbe-Haus, Raum PLH E.800). Veranstalter sind die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und der DRA. Prof. Martin Nolte (Universität Kiel) spricht einleitend über „Die Vergabekriterien des IOC und den staatlichen Einfluss auf sportliche Großereignisse“. Anschließend berichten die russischen Umweltexperten Suren Gazaryan (Ökologische Wacht am Nordkaukasus, Krasnodar) und Michail Kreindlin (Greenpeace Russland, Moskau) sowie die sportpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Viola von Cramon, über Umweltrisiken und bereits eingetretene Schäden durch Olympiabauten rund um die Küstenstadt Sotschi und im Westkaukasus, den Russland als Weltnaturerbe anerkennen lassen will. Zugleich diskutieren sie mögliche Reaktionen sowie alternative Entwicklungspotentiale der Region. Es moderiert Stefan Melle (DRA), die Begrüßung und das Fazit übernehmen Josef Winkler bzw. Daniela Wagner (beide MdB, B 90/Die Grünen). Im Anschluss laden die Veranstalter zu einem kleinen Empfang. Details zur Anmeldung finden Sie ab 22. August HIER.

5) DRA gestaltet Interkulturelle Woche 2011 in Potsdam mit

Im Rahmen einer Veranstaltung, die Informationsangebote und multikulturelle Unterhaltung verbindet, eröffnen am 17. September um 15 Uhr der Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg, Ralf Christoffers, und der Oberbürgermeister von Potsdam, Jann Jakobs, in den Potsdamer Bahnhofspassagen die diesjährige Interkulturelle Woche Potsdam. Eröffnet wird zugleich eine erneute Präsentation der Wanderausstellung „Mittendrin! Russischsprachige Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland“, die innerhalb des DRA-Projekts Professija.DE erarbeitet worden ist. Für die Auftaktveranstaltung zeichnen der Migrantenbeirat der Landeshauptstadt Potsdam und der DRA, ferner auch der Migrations- und Integrationsrat Land Brandenburg MIR e.V., die Arbeitsgemeinschaft Russisch-Deutscher Unternehmen e.V., Thang long – Arbeitsgemeinschaft vietnamesischer Unternehmen e.V. und weitere Organisationen verantwortlich. Geboten werden ein abwechslungsreiches interkulturelles Programm, Möglichkeiten zu Begegnung und Austausch, Infostände und eine Tombola. Die Interkulturelle Woche findet im September in vielen Städten Deutschlands statt. Sie steht bundesweit unter dem Motto „Zusammenhalten - Zukunft gewinnen“ und geht in Potsdam 2011 zum 30. September. Die Veranstaltungen der Interkulturellen Woche stehen allen Interessierten offen.

6) DRA betreut Delegation des Moskauer Jugenddepartements

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Berlin – Moskau setzt die diesjährige Fachtagung der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Berlin zum internationalen Jugendaustausch, die am 31. August im Wannseeforum (Berlin) stattfindet, einen deutsch-russischen Schwerpunkt. Diskutiert werden soll, inwiefern neue Generationen neue Anforderungen an den Jugendaustausch– mit Russland, aber auch mit anderen Ländern - stellen. Der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle, wird den Verein dabei mit dem Impulsreferat „Jugend im heutigen Russland – individueller Aufbruch, gesellschaftliche Debatten“ vertreten. Teilnehmen werden auch Mitarbeiter_innen des Departements für Familien- und Jugendpolitik der Stadt Moskau. Der Berlin-Besuch der Moskauer Delegation soll einer Intensivierung der Kontakte im Jugendaustausch zwischen beiden Städten dienen. Für die Gäste sind daher bis zum 2. September auch verschiedene Treffen in der Senatsverwaltung und mit Berliner Organisationen vorgesehen, um konkrete Maßnahmen für zukünftige Jugendbegegnungen zu vereinbaren. Der DRA wurde von der Senatsverwaltung beauftragt, den Besuch der Delegation vorzubereiten und zu begleiten sowie Kontakte zu Berliner Trägern der Jugendarbeit herzustellen. Weitere Informationen zu der Fachtagung, auf der auch mehrere bilaterale Jugendwerke ihre Arbeit präsentieren werden, HIER. Die Tagung ist öffentlich, eine Anmeldung noch möglich.

7) Fachkräfte der Jugend- und Sozialarbeit besuchten Udmurtien

Im Rahmen des Fachkräfteaustauschs im Bereich der Jugend- und Sozialarbeit zwischen Berlin und der russischen Teilrepublik Udmurtien, den der DRA seit 2010 mit Unterstützung des Paritäters Berlin und mit Förderung der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch durchführt, reiste vom 10.–17. Juli eine Berliner Delegation unter Leitung von Holger Löbell (DRA) in die udmurtische Hauptstadt Ischevsk. Die Möglichkeit, dort Einrichtungen der Jugend-und Sozialhilfe zu besuchen und mit den russischen Kolleg_innen zu diskutieren, nahmen dieses Mal Mitarbeiter_innen von Outreach e.V./Villa Schöneberg, des Krisen- und Beratungsdienstes KUB e.V. und der Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf wahr. Bereits im Mai hatte sich eine vom stellvertretenden Jugendminister Udmurtiens, Maxim Sorokin, geleitete Delegation in Berlin über hiesige Ansätze in der Jugend- und Sozialarbeit informiert. Schwerpunkthemen waren beide Male die Straßensozialarbeit und das Zusammenwirken staatlicher und nicht-staatlicher Träger. Künftig soll der Fachkräfteaustausch auch direkte Kooperationen zwischen Trägern aus beiden Ländern beinhalten. Zudem wurde mit dem udmurtischen Jugendministerium vereinbart, die Delegationsbesuche stärker mit dem ebenfalls vom DRA koordinierten Hospitationsprogramm zu verknüpfen, bei dem Fachleute der Jugend- und Sozialarbeit aus Berlin bzw. Ischevsk drei Monate lang in Organisationen und Einrichtungen der jeweils anderen Stadt mitwirken. Die nächsten fünf Hospitant_innen werden vom 1. September bis 30. November in Berlin erwartet.

8) DRA-Schüleraustausch: Russische Teilnehmer_innen zu Seminar in Frankreich

Russische Teilnehmer_innen des Schülerprogramms des DRA Berlin/St. Petersburg im Alter von 15 bis 18 Jahren haben vom 11.-22. Juli an einem Seminar zum Thema „Migration in der modernen Welt“ teilgenommen. Zu der Bildungsveranstaltung in Plumaugat (Bretagne) kamen außerdem französische, italienische und tunesische Jugendliche. Ziel des Projekts war es, das Verständnis für die verschiedenen Aspekte von Ein- und Auswanderung, Einbürgerung und Integration zu vertiefen. Die DRA-Teilnehmer_innen bericheten dabei auch von ihren Erfahrungen aus dem Schulaufenthalt in Deutschland. Aus den zehn Tagen mit Diskussionen, Spielen und gemeinsamem Schaffen entstand eine Ausstellung mit von den Schüler_innen gestalteten Kunstobjekten, die nun in einem Jugendzentrum der Departementhauptstadt Saint-Brieuc zu sehen ist. Das Projekt wurde vom Programm „Youth in Action“ der Europäischen Union finanziert.

9) Cinema for Peace: Film und Gespräch zum Fall Sergej Magnitskij am 8.9. in Berlin

Die Stiftung Cinema for Peace lädt am 8. September zu einem Film- und Gesprächsabend zum Fall des russischen Steuerrechtsanwalts Sergej Magnitskij ein. Anwesend sein wird Bill Browder, der Geschäftsführer von Hermitage Capital Management. Als Mitarbeiter dieses Unternehmens hatte Magnitskij vermutlich einen der größten Fälle von Steuerbetrug aufgedeckt, in den hochrangige russische Regierungsbeamte je involviert waren. Im November 2008 wurde daraufhin er selbst wegen angeblichen Steuerbetrugs verhaftet. Er starb am 16. November 2009 – nach 358 Tagen in Untersuchungshaft und nur wenige Tage vor Beginn seines Prozesses –, nachdem ihm ärztliche Hilfe versagt worden war. Die Filmdokumentation „Justice for Sergei“ (Niederlande 2010, 62 Min., Engl./Russ.) zeichnet den Fall nach. Obwohl dieser international für großes Aufsehen gesorgt hat, wurden die für den Tod Magnitskijs Verantwortlichen bisher nicht zur Rechenschaft gezogen. Bill Browders Bemühungen um Aufklärung und Strafverfolgung der Schuldigen verzeichnen dennoch erste Erfolge: So setzten sich Mitglieder des US-Kongresses erfolgreich für ein Einreiseverbot für russische Regierungsvertreter ein, die mutmaßlich in den Fall verwickelt sind. In der Schweiz wurden Untersuchungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche verschärft. Informationen zum Film HIER, zur Kampagne von Bill Browder HIER. Ort und Uhrzeit der Veranstaltung müssen noch endgültig bestätigt werden; Informationen dazu demnächst unter www.cinemaforpeace-foundation.com.