DRA Newsletter April 2015


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

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Inhalt

1) 70 Jahre Befreiung vom Faschismus: Gedenken und Verantwortung für die Gegenwart

Die Distanz zum Zweiten Weltkrieg wächst, auch wenn die vielen Gedenkveranstaltungen in den vergangenen Wochen das Gegenteil suggerieren mögen: 70 Jahre sind ein Menschenleben und mehr als zwei Generationen. In dem Maße, wie uns die Augenzeugen mit ihrer unmittelbaren, persönlichen Erinnerung weniger zur Seite stehen, müssen wir lernen, ohne sie dieser barbarischen Jahre verantwortungsvoll zu gedenken, der Hunderten Millionen von Betroffenen und Dutzenden Millionen Beteiligten, der Ursachen, Ereignisse, Orte, Täter und Opfer. Dieser Erinnerungsprozess muss getragen sein von kritischem Denken und Verstehen und zu grundsätzlichen Schlussfolgerungen führen. Die Herausforderung betrifft alle Vermittler – Gedenkstätten und Archive, Bürgerinitiativen, Bildungseinrichtungen und Medien, Kultur und Politik. Mit ihrer Hilfe werden die Verbrechen der deutschen Faschisten und ihrer Verbündeten in zig Ländern, der Holocaust, die Lager und Zwangsarbeit, all der Wahn und Alltag aus Eroberung und Zerstörung nicht vergessen. Die zweite Herausforderung für uns alle wächst angesichts der Ereignisse in den letzten Jahren, gerade auch des Krieges in der Ukraine und der Debatten um ihn: Es geht um die Notwendigkeit und Fähigkeit, die Realitäten jener Zeit offen, in all ihrer Komplexität beschreiben und sie zur Basis der Verständigung und des Friedens in Europa und darüber hinaus zu machen. Europas Befreiung vom Faschismus bleibt eine historische Großtat und wurde durch die Alliierten mit riesigen Opfern errungen, insbesondere durch die Völker der Sowjetunion. Sie bleibt ein Grund zur Dankbarkeit, gerade auch für die Deutschen. Doch dies zu betonen steht nicht im Widerspruch dazu zu schreiben, dass etwa die Bombardierungen deutscher Städte kurz vor Kriegsende durch die Westalliierten militärisch fragwürdig waren. Dass der sowjetische Staatenlenker Stalin selbst ein Diktator und Massenmörder war, besonders gegenüber den Völkern im eigenen Land, und dass dies die Nachkriegszeit dramatisch mit geprägt hat. Die historischen Erfahrungen im Baltikum, in der Ukraine und anderen Regionen Osteuropas geben Hinweise darauf, warum es dort sowohl unermessliche Opfer durch die Faschisten, Widerstand gegen sie, aber auch Kollaboration gegen die Sowjetunion gab, die auch ein Zwangsimperium war. Das gibt niemandem das Recht, diese Völker heute als faschistisch zu diffamieren, weder hinsichtlich ihrer Geschichte noch ihrer Gegenwart, wie es heute teilweise durch Nationalisten in Russland geschieht. Es gibt heute niemandem das Recht, weder in Ost noch West, Interventionen in anderen Ländern unter Verweis auf die einstige Verantwortung und den Sieg von 1945 zu üben. Heute muss das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg auch vor Instrumentalisierung geschützt werden. Die wichtigste Maxime, die ein verantwortungsvolles Gedenken uns auferlegt, ist: Nie wieder Krieg. Nie wieder Machtansprüche eines Landes über ein anderes, nie wieder einseitige, gewaltsame Grenzveränderung. Nach der Gewalt gegen die Ukraine 2014 ist die Rückkehr zu diesen Prämissen eine der zentralen Aufgaben in Europa. Sie wird uns – als den Nachfahren der Täter, der Opfer wie der Unbeteiligten – helfen, weiter an einem gemeinsamen Haus Europa zu bauen, das offene Gesellschaften, offene Grenzen, offene Köpfe, gegenseitiges Interesse und immer mehr Austausch, immer mehr Verbindungen schafft. Das Ende des II. Weltkriegs ist ein gemeinsames Erbe, das den Willen und zuweilen den Mut zu Frieden, Freiheit und Zusammenarbeit wecken sollte.

2) Was macht einen guten Schüleraustausch aus? 10 Jahre Programm im DRA

Im Dezember 2014 feierte unsere Partnerorganisation DRA St. Petersburg das zehnjährige Bestehen seines Schüleraustauschprogramms. Zehn Jahre Erfahrung – ein guter Zeitpunkt, um alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und eine grundsätzliche Diskussion darüber zu führen, was Schüleraustausch gelingen lässt. Diese Diskussion fand nun am 21. April im Rahmen der 12. Deutschen Woche in St. Petersburg statt. In einer lebhaften und offenen Atmosphäre tauschten sich ehemalige und derzeitige TeilnehmerInnen des Programms sowie deren Eltern und Lehrer, Vertreter von Vereinen und des deutschen Konsulats aus. Im Mittelpunkt der Diskussion, die im Open Space-Format geführt wurde, standen die Reflektion bereits geleisteter Arbeit, aber auch Anforderungen an einen „idealen“ Austausch, Potenziale und konkrete Pläne für die Zukunft. U.a. wurde gemeinsam ein Entwurf von Qualitätskriterien für einen optimalen Schüleraustausch erarbeitet, der Orientierungshilfe und Qualitätssiegel für jeden internationalen Schüleraustausch sein kann. Beispielsweise gehört dazu, Eltern in die Vorbereitung einzubeziehen, aber auch die Schulen zu beraten, damit diese besser auf die individuellen Bedürfnisse der GastschülerInnen eingehen und idealerweise einen besonderen Lernplan für sie ausarbeiten. Die SchülerInnen sollten während ihres Auslandsaufenthalts in ihrer Muttersprache betreut werden und einen konkreten Ansprechpartner vor Ort haben. Ziel des DRA-Programms für dieses Jahr ist, trotz der schwierigen politischen Lage die Zahl der AustauschteilnehmerInnen zu steigern und so die direkten Kontakte von Menschen aus Russland und Deutschland auszuweiten. Der Schüleraustausch wird vom DRA St. Petersburg in Kooperation mit dem DRA Berlin durchgeführt. Koordinatorin für das Programm in Deutschland ist Elena Stein.

3) „Times of Change“: Deutsch-polnisch-russische Erkundungen in Moskau zur Transformation der 1980er und 90er

Die persönliche Begegnung und das individuelle Gespräch über die Umbrüche in der Sowjetunion der 1980er und im Russland der 1990er Jahre standen im Mittelpunkt eines historisch-journalistischen Workshops „Times of Change“, den der DRA in Zusammenarbeit mit MitOst e.V. vom 18.-26. April im Moskauer Sacharov-Zentrum durchgeführt hat. Geplant war das Projekt von DRA-Mitglied Johanna Sievers und einigen KollegInnen ursprünglich als Begegnung mit 21 Interessierten aus Polen, Deutschland und Russland in der Gebietshauptstadt Uljanovsk an der Wolga, 800 Kilometer östlich von Moskau. Im Laufe einer Woche sollten sie in kleinen, trinationalen Gruppen mit Uljanovsker EinwohnerInnen über deren Transformationserfahrungen sprechen, um so ein Mosaik der Eindrücke zusammenzutragen und in einem Blog zu veröffentlichen. Aufgrund der politischen Situation bekamen die OrganisatorInnen jedoch Zweifel am Zustandekommen eines erfolgreichen Projektverlaufs in der russischen Provinz, sodass der Workshop kurzfristig nach Moskau verlegt wurde. Dadurch erlebten die letztlich elf angereisten Teilnehmenden statt der Transformationserfahrungen in Uljanovsk die in der Hauptstadt. In Kleingruppen erkundeten sie Moskauer Museen, Märkte und NGOs, sie trafen sich mit Zeitzeugen verschiedener gesellschaftlicher Bereiche und verarbeiteten ihre Eindrücke in Beiträgen für den gemeinsamen Blog www.TimesOfChangeProject.wordpress.com. Eingang in diese Arbeit fanden auch Treffen der gesamten Projektgruppe u.a. mit Vertretern des virtuellen „Museums der 90er“ und der Moskauer Abteilung der Schriftstellerorganisation PEN-Klub. Die Begegnung wurde durch die Stiftung Deutsch-Polnische Zusammenarbeit, die Stiftung West-Östliche Begegnungen (WÖB) sowie als Mitgliederprojekt durch MitOst e.V. gefördert. Die Erkundung der unterschiedlichen Narrative der 80er und 90er Jahre soll 2016 in einem Folgeprojekt in Frankfurt (Oder) – Slubice fortgesetzt werden.

4) Bewerben bis 1. Juni: EU Study Weeks in Kostroma für Studierende in Russland

Immer relevant, aber zurzeit brandaktuell: „Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland heute“ lautet das Thema der nächsten EU Study Weeks für russische Studierende und AspirantInnen vom 29. Juni bis 3. Juli 2015 in Kostroma. An dem fünftägigen Seminar werden unabhängige Experten von russischer wie EU-Seite ihre Perspektive auf politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche wie rechtliche Fragen und auf die internationalen Beziehungen zur Diskussion stellen. Die TeilnehmerInnen erhalten dadurch die Chance, offen über die aktuelle Situation, Entwicklungen und Strukturen der EU und deren Beziehungen zu Russland zu sprechen. Die Ausschreibung richtet sich an Studierende und AspirantInnen aus Moskau, dem Moskauer Gebiet, den Gebieten Belgorod, Vladimir, Voronesch, Ivanovo, Kaluga, Kostroma, Kursk, Lipezk, Moskau, Orlov, Rjasan, Tambov, Tver, Tula, Jaroslavl, sowie den Regionen Archangelsk und Volgograd und der Republik Komi. Voraussetzung für die Teilnahme sind ein Interesse an gesellschaftlichen Themen sowie gute Englischkenntnisse. Die Kosten für Programm, Anfahrt, Unterkunft und Verpflegung vor Ort werden von den Organisatoren übernommen. Alle Informationen und das Bewerbungsformular finden Sie auf der Website der EU Study Weeks. Die EU Study Weeks finden mehrmals im Jahr in verschiedenen russischen Regionen statt und werden von der Vertretung der EU in der Russischen Föderation in Kooperation mit dem DRA durchgeführt.

5) Büro für Umweltinformation RNEI bei Internationalem Forum zu nachhaltiger Waldnutzung

In Podporoschie im Leningrader Gebiet brachte das Forum „Wald für die Zukunft“ am 30./31. März 2015 rund 70 TeilnehmerInnen aus Russland, Belarus, Deutschland, Schweden und Finnland zusammen. Organisatoren waren das überregionale „Netzwerk der Ökodörfer und Umweltinitiativen Russlands“, das Zentrum für Unabhängige Soziologische Studien (St. Petersburg), das regionale „Netzwerk für nachhaltige Dorfentwicklung“ (Region Archangelsk) und die schwedische Permakultur-Vereinigung. Das Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation (RNEI) organisierte die Teilnahme eines deutschen Experten für nachhaltige Forstwirtschaft, Hannes Schmitt, Mitarbeiter im Lübecker Stadtwald. Die TeilnehmerInnen brachten ganz verschiedene Beziehungen zum Wald mit: Während den Bewohnern von Dörfern und Ökosiedlungen vor allem seine soziale Funktion wichtig ist, betonten die Mitarbeiter von Naturschutz-NGOs (u.a. Greenpeace und WWF Russland) seinen biologischen Wert, die Vertreter der Holzindustrie und staatlicher Einrichtungen suchen die finanzielle Nachhaltigkeit der Waldnutzung. Diese disparaten Sichtweisen schaffte das Forum zu einen – erarbeitet wurde eine gemeinsame „Deklaration über Pläne und Zusammenarbeit“ in der Region, in die die internationale Erfahrung einfloss (mehr siehe HIER). Im April unterstützte das RNEI zudem als Informationspartner die Ausstellung des Goethe-Instituts „Umdenken – von der Natur lernen“, in deren Rahmen auch die Erste Internationale Jugendumweltkonferenz stattfand. Die Direktorin des RNEI, Angelina Davydova, hielt dort einen Vortrag über die gemeinsame internationale Verantwortung für die Umwelt und bewertete als Jurymitglied die Projektideen der SchülerInnnen. Im Rahmen der 12. Deutschen Woche in St. Petersburg war sie Trainerin eines Workshops der Deutschen Welle für Nachwuchsjournalisten zu Klima- und Umweltfragen und sprach bei einem Runden Tisch in der Nachrichtenagentur Interfax mit dem Thema „Berichterstattung über globale Umweltprobleme in Regionalmedien“ über die Entwicklung des Umweltjournalismus in Russland. Die Umwelt- und Klimaschutzkooperation von RNEI und DRA wird von „Brot für die Welt“ finanziell gefördert.

6) Spendenaufruf: Bitte unterstützen Sie das Ausstellungsprojekt „Different Wars“!

Wir danken allen bisherigen Spendern für Ihre Mithilfe! Es fehlt jedoch immer noch ein großer Teil der Finanzierung für das Geschichtsprojekt der Arbeitsgruppe „Historisches Gedächtnis und Bildung“ des EU-Russland Zivilgesellschaftsforums (CSF). Worum geht es bei der Ausstellung „Different Wars“? 70 Jahre nach Kriegsende wird der Zweite Weltkrieg, ein schmerzhaftes Kapitel in der europäischen Geschichte, in verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich wahrgenommen. Welche Unterschiede gibt es genau? „Different Wars“ möchte hier einen besonderen Beitrag zum Dialog über unsere gemeinsame Vergangenheit leisten, um so Verständnis für die Gegenwart und Zukunft zu schaffen. In der Ausstellung sollen dazu real genutzte Geschichtsbücher aus der Tschechischen Republik, Deutschland, Italien, Litauen, Polen und Russland gezeigt werden, umrahmt von visuellen Materialien, Texten und Fotodokumentationen. Die Premiere der Ausstellung wird im Falle der Finanzierung in Berlin stattfinden und danach in den anderen am Projekt beteiligten Ländern zu sehen sein. Wenn Sie dieses Projekt zur europäischen Verständigung in Zeiten des erstarkenden Nationalismus und erschwerten Dialogs durch politische Spannungen unterstützen möchten, können Sie dies über die Spendenplattform Betterplace oder direkt auf das Konto des DRA. Stichwort „Spende Different Wars“: Deutsch-Russischer Austausch e.V., Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE83 1002 0500 0003 3181 00, BIC: BFSWDE33BER. Der DRA ist bis 2018 Träger des Sekretariats des EU-Russland-Zivilgesellschaftsforums, das von der EU, der Robert Bosch Stiftung und weiteren Förderern unterstützt wird.

7) Krise als Chance? EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) brachte NGOs und Förderer zusammen

Am 22. und 23. April 2015 trafen sich elf VertreterInnen von NGOs aus Russland und der EU, die Mitglieder im EU-Russland-Zivilgesellschaftsforum (CSF) sind, in London, mit rund 20 VertreterInnen von Fördererorganisationen aus Russland und mehreren europäischen Ländern. Ziel des Treffens war es darüber zu sprechen, wie international tätige Förderer angesichts der innen- und außenpolitischen Konflikte mit der russischen Regierung noch mit russischen NGOs und ihren europäischen Partnern kooperieren können. So moderierte der DRA-Geschäftsführer Stefan Melle ein Panel mit NGO-Aktivisten aus Tschechien, Deutschland, den Niederlanden und Polen, in dem sie neue Initiativen und Formate vorstellten, die bereits in der Erprobung sind. Der Aufenthalt umfasste mehrere Veranstaltungen, darunter die Konferenz „Unterstützung der Zivilgesellschaft in Russland und der EU: Krise als Chance?“ und eine öffentliche Diskussion mit dem gleichen Titel im King’s College London. Im Rahmen der Podiumsdiskussion „Missbrauch der russischen Geschichte: Auswirkungen auf Politik und Öffentlichkeit“ zeigte Sergei Lukashevsky vom Moskauer Sacharov-Zentrum im Chatham House auf, wie falsche Darstellungen historischer Fakten durch die russischen Medien die Gesellschaft beeinflussen, Anna Sharogradskaya (Institut für Regionale Presse St. Petersburg) berichtete aus ihrer eigenen Verfolgungsgeschichte durch die Behörden 2014. Russische NGO-VertreterInnen wurden zudem auch von Guardian und BBC interviewt. „Der Besuch in London half uns, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen von NGO-Arbeit in Russland zu lenken und zu verdeutlichen, wie wichtig die Solidarität ihrer europäischen Kolleginnen und Kollegen ist“, resümierte Anna Sevortian, Direktorin des CSF. Inzwischen sind mehrere weitere Organisationen in das berüchtigte Register für „NGOs als ausländische Agenten“ beim russischen Justizministerium eingetragen worden, darunter die NGO „Gedenkmuseum Perm36“ und die Vereinigung für investigativen Journalismus „29/19“ unter Grigory Pasko.

8) CSF-Projekt „Rechtliche Aspekte zivilgesellschaftlicher Kontrolle“ zu EU und Russland gestartet

Vom 28. bis 30. April fand in Berlin das Auftakttreffen für das Projekt „Rechtliche Aspekte zivilgesellschaftlicher Kontrolle in der NGO-Arbeit in der EU und Russland“ statt. Das EU-Russland Zivilgesellschaftsforum verfolgt mit der neuen Arbeitsrichtung das Ziel, nichtstaatliche Akteure aktiv in den bestehenden Dialog zu Rechtsfragen zwischen Deutschland und Russland bzw. der EU und Russland mit einzubeziehen und dabei die Potentiale der NGOs einerseits einzubringen und andererseits zu stärken. Im Rahmen des vom deutschen Auswärtigen Amt geförderten Projektes findet Mitte Juni eine Konferenz zu dem Thema statt, später soll eine russisch-englische Publikation entstehen und als Basis der Weiterentwicklung dienen. Beides konzipiert eine zehnköpfige Projektgruppe, die vergangene Woche unter Koordination von Polina Baigarova erstmals getagt hat. Zu ihr gehören u.a. VertreterInnen von Amnesty International (Berlin/Moskau), der Umweltschutz-NGO „Bellona“ und des „Ressourcenzentrums für Menschenrechte“ (beide St. Petersburg), der Frauenrechtsorganisation „Women’s lawyer“ (Jekaterinburg) und der „Organisation for Development of Productive Initiatives“ (Perm). Gemeinsam mit ExpertInnen entwickelte die Gruppe ausgewählte Themen für die weitere Arbeit, u.a.: die Transparenz von öffentlicher Verwaltung und Justiz, juristische Aspekte der NGO-Arbeit in der EU und Russland, die Einhaltung von Umwelt- und von Frauenrechten, sowie die zivilgesellschaftliche Kontrolle sozialer Einrichtungen. Die Gruppe besuchte außerdem das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz und traf die Bereichsleiterin für Russland der Deutschen Stiftung für Internationale Rechtliche Zusammenarbeit (IRZ e.V.), die bereits seit mehreren Jahren ebenfalls im Rechtsdialog mit Russland einbezogen ist. Über die Ergebnisse des Arbeitstreffens wird das CSF bald auf seiner Website genauer berichten. Das Forum wird von der EU, der Robert Bosch Stiftung, der Open Estonia Foundation und weiteren Stiftungen finanziell gefördert. Der DRA e.V. ist bis 2018 offizieller Träger des CSF-Sekretariats.

9) Reminder: bis 15. Mai bewerben für »EuropeLab« für junge Fachkräfte vom 23. bis 26. Juli in Litauen

Das Forum »Europe Lab« ist ein europaweites Kommunikations- und Austauschtreffen für junge Menschen, die Veränderungen anstoßen möchten. »EuropaLab« richtet sich an junge Fachkräfte im Alter von 25 bis 35 Jahren, die in NGOs, der öffentlichen Verwaltung, in der Wirtschaft, Universitäten, Think Tanks und anderen Bereichen bereits beruflich tätig sind. Es wird vom EU-Russland Zivilgesellschaftsforum (CSF) mit Unterstützung des DRA und weiterer NGOs organisiert. „Europe Lab“ will eine sektorübergreifende Kooperation ermöglichen, den Ideen- und Meinungsaustausch vorantreiben, Partner-Netzwerke aufbauen und gemeinsame Projekte junger Fachkräfte in Europa fördern. Dieses Jahr findet das Forum von 23. bis 26. Juli in Vilnius und in der zentrallitauischen Stadt Raseiniai statt. Das Programm umfasst u.a. Workshops zu den Themen Erinnerungskultur, Migration und Grenzen in Europa, Entwicklung urbaner Räume, Korruption und Graswurzel-Journalismus. Mehr Informationen sowie Bewerbungen bis 15. Mai siehe HIER.

10) WDR-Interview des DRA-Geschäftsführers zu Reformnotwendigkeiten im Petersburger Dialog

Für den gestrigen Dienstag (5. Mai) war eine Mitgliederversammlung der deutschen Seite des Petersburger Dialogs e.V. (PD) anberaumt worden, auf der nach monatelangen Debatten einige relevante Veränderungen vollzogen werden sollten. U.a. war geplant, durch Satzungsänderungen die bislang geschlossene Mitgliedschaft zu erweitern und einen Übergangsvorstand zu wählen: Der bisherige Vorsitzende Lothar de Maizière, der auch persönlich eine Öffnung des deutsch-russischen Gesprächsformats über Jahre verhindert hat, wurde abgelöst. Als sein Nachfolger wurde auf Initiative von Kanzlerin Angela Merkel der frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla gewählt, inzwischen „Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen“ der Deutschen Bahn AG. Die für den PD seit Jahren zunehmend diskreditierende Bindung an das Deutsch-Russische Forum ist weiter in der Diskussion und wird von einer Gruppe regelmäßiger Teilnehmer des PD, darunter vom DRA, abgelehnt. Sie steht einer Pluralität des PD und der offenen Debatte über wichtige Themen im deutsch-russischen Verhältnis entgehen, darunter über die Verfolgung der unabhängigen Zivilgesellschaft und Medien in Russland und das russische Vorgehen gegen die Ukraine. Im Oktober 2015 hatte die Gruppe ihre Teilnahme am später ausgefallenen Plenum des Petersburger Dialogs in Sotschi abgesagt. In einem Interview für das Osteuropamagazin von Radio WDR5 hat der DRA-Geschäftsführer Stefan Melle Anfang April noch einmal die Forderungen des DRA nach Reformen im Petersburger Dialog zusammengefasst und begründet.

11) DRA-Mitgliederversammlung: Gerade jetzt Brücken aufrechterhalten und aufbauen

Am 25. April fand in den Räumlichkeiten des DRA die 1. Mitgliederversammlung 2015 statt. Neben dem Jahresbericht 2014 standen unter anderem eine teilweise Neuwahl des Vorstandes an, in denen die Politikwissenschaftlerin Kathrin Hartmann und der Kulturwissenschaftler Alexey Gorin wiedergewählt wurden. Hierzu gratulieren wir beiden herzlich. Anschließend diskutierten die Mitglieder, Mitarbeiter und Gäste mit Aigulle Sembaeva (Direktorin des DRA St. Petersburg) und Elena Belokurova (Vorstandsmitglied des DRA St. Petersburg) über die Zukunft der Petersburger Partnerorganisation des DRA, die seit Ende 2014 konkret von einer Eintragung in das so genannte Agenten-Register bedroht ist. Wichtigstes Ergebnis war, dass der DRA in beiden Ländern nicht von dem Ziel abrückt, die normale Arbeit als NGOs fortzuführen und vor allem den zivilgesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschland, Russland, der Ukraine und weiteren europäischen Ländern fortzuführen und zu stärken. „Wir brauchen mehr öffentliche Diskussionsplattformen, man darf 140 Millionen Russen nicht isolieren“, sagte Aigulle Sembaeva. Wo es zurzeit unmöglich sei, über gesellschaftspolitische Themen in Russland eine Verständigung zu schaffen, da bewegten andere Themen wie der Umweltschutz die Menschen – auch Jugendliche. Daran könne man im Dialog anknüpfen. Elena Belokurova betonte die Wichtigkeit direkter Begegnung in Zeiten polarisierter Medien: „Wir müssen die Menschen noch mehr persönlich in Kontakt bringen als vorher, damit sie sehen, dass in beiden Ländern auch weiter ganz normale Menschen leben.“ Anschließend diskutierten die Anwesenden über die Positionierung des DRA angesichts der Entwicklungen in Russland und der Ukraine 2014. Die Mitglieder bestätigten dabei den bisherigen Kurs des DRA, zivilgesellschaftliche Akteure in beiden Ländern und darüber hinaus zu unterstützen und Fehlentwicklungen deutlich beim Namen zu nennen. „Wenn wir für ein gemeinsames europäisches Haus mit bestimmten Werten stehen, dann können wir nicht schweigen“, lautete ein Kommentar. Wir würden uns freuen, wenn diese Haltung des DRA auch weiterhin Unterstützung in der Öffentlichkeit findet.

12) Bis 28. Mai:„Go West? Osteuropa aktuell“ – DRA ist Partner für Themenraum in der Amerika-Gedenkbibliothek, Diskussion zu Geschichtsnarrativen am 11. Mai in der bpb

Der Ukrainekonflikt und die europäischen Beziehungen zu Russland stehen seit dem vergangenen Jahr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Während die Fakten meist nicht strittig sind, ist es sehr wohl ihre Interpretation. Dies war einer der Anlässe für den Themenraum „Go West? Osteuropa aktuell“, den die Landesbibliothek Berlin und die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) seit dem 21. April und noch bis zum 28. Mai in der Amerika- Gedenkbibliothek (Blücherplatz 1, 10961 Berlin) organisiert und bei dem der DRA als einer der Partner auftritt. Weitere Partner sind Kontakte-Kontakty e.V. und Memorial Deutschland e.V. „Der Themenraum bietet Hintergründe, Literatur, Filme und aktuelle digitale Informationen zu einer der interessantesten und vielfältigsten Regionen der Welt“, schreibt die Bibliothek. Passend dazu veranstaltet die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) am 11. Mai eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Nach der Sowjetunion. Unterschiedliche Geschichtsnarrative in Osteuropa und deren Bedeutung für die aktuelle Politik.“ Gäste sind der Berliner Journalist und Buchautor Uwe Rada, der polnische Publizist Andrzej Stach und die belorussische Politologin Maria Davydchyk. Veranstaltungsort ist die bpb, Friedrichstraße 50, 10117 Berlin. Anmeldung und weitere Informationen siehe HIER.

13) Gedenken an das Kriegsende: Einladung zum gemeinsamen Besuch des Deutsch-Russischen Museums Karlshorst am 8. Mai, 11.00 Uhr

Zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs besucht der Deutsch-Russische Austausch das Deutsch-Russische Museum Karlshorst und lädt herzlich ein, gemeinsam mit uns am 8. Mai um 11 Uhr der Vernissage "Der 9. Mai. Formen des Gedenkens an das Kriegsende 1945" beizuwohnen. Adresse: Zwieseler Str. 4, 10318 Berlin-Karlshorst. Weitere Informationen zur Vernissage HIER.

14) Veranstaltungshinweis: Ljudmila Ulitzkaja liest am 8. Mai in Berlin

Ebenfalls am 8. Mai schlägt die russisch-jüdische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja den Bogen zur Gegenwart: Um 20 Uhr wird sie im Literarischen Colloquium aus ihrem autobiographischen Roman „Die Kehrseite des Himmels“ vorlesen. Ljudimila Ulitzkaja gehört mit Werken wie „Medea und ihre Kinder“, „Daniel Stein“ und zahlreichen Erzählungen zu den einflussreichsten GegenwartsautorInnen in Russland. Veranstaltungsort: Literarisches Colloquium, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin. Mehr Informationen finden Sie HIER sowie auf Facebook.

15) Bewerben bis 1. Juni: Praktikum als Projektassistenz beim DRA (politische Jugendbildung in der Ukraine) für 3 Monate ab 20.7.2015

Zur Unterstützung der Projektarbeit vergibt der DRA ein Praktikum als Projektassistenz in Teilzeit (32h/Woche) im Bereich der politischen Jugendbildung in der Ukraine. Die Tätigkeiten umfassen u.a. die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung  von Netzwerktreffen, Workshops sowie einer Bildungsreise nach Berlin, die Zuarbeit zu Projektberichten und die Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit.  Bewerbungsfrist ist der 1. Juni. Ein vorzeitiger Praktikumsbeginn ab 29. Juni ist möglich. Das Praktikum wird mit 320 Euro/Monat vergütet. Voraussetzung ist eine gültige Immatrikulationsbescheinigung.