Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,
hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)
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Am 7. Mai wird die Europäische Union auf ihrem Gipfeltreffen in Prag das neue Strategieprogramm „Östliche Partnerschaft“ für die Ukraine, Belarus, Georgien, Moldawien, Aserbajdschan und Armenien verabschieden. Der DRA sieht darin ein dringend notwendiges Signal für den Willen der EU, auch über die neuen Mitgliedsländer hinaus eine reale Annäherung in Europa zu fördern. Das Programm muss dabei allerdings auch den eigenständigen Identitäten und Bedürfnissen der neuen Partnerländer gerecht werden und ihnen die Möglichkeit lassen, zugleich gute, umfassende Beziehungen zu ihren übrigen Nachbarn beibehalten oder gestalten zu können, etwa zu Russland oder der Türkei. Auf diese Weise könnte die EU auch selbst zusätzliche Brücken zu jenen Ländern errichten, die nicht Teil der „Östlichen Partnerschaft“ sind. Europa braucht Beziehungen, die auf den Prinzipien realer Integration, freier Entscheidung und gegenseitigen Wohlwollens beruhen – eingeschlossen Russland, das diese Grundsätze gleichfalls konsequent wahren muss. So umfangreich wie möglich sollten im Rahmen der „Östlichen Partnerschaft“ – und ebenso im künftigen EU-Russland-Abkommen, das Ende Mai beim bilateralen Gipfel in Chabarovsk weiter verhandelt wird – solche Ziele und Programme vereinbart und langfristig finanziert werden, die unmittelbare Begegnungen, Erfahrungen, Aktivitäten und Einflussnahme von Bürgern aller beteiligten Länder befördern. Trotz der zahlreichen seit 1991 realisierten Projekte ist eine breite menschliche und zivilgesellschaftliche Vernetzung und Vertrautheit – und damit die erwünschte Normalität eines nahen Verhältnisses – bisher nicht erreicht worden. Ohne sie aber bleiben alle Erfolge der politischen und ökonomischen Kooperation konjunkturabhängige und daher instabile Konstrukte.
Mit mehreren umweltpolitischen Veranstaltungen in St. Petersburg sowie einer Seminarreihe für etablierte Internet-Blogger hat das neue DRA-Projekt „Umweltbildung für russische Journalisten“ seine Arbeit aufgenommen. Leiter des Projekts ist der international bekannte Moskauer Umweltjournalist Grigorij Pasko, weitere Mitarbeiter sind Stefan Melle (Gesamtkoordination, DRA Berlin) und Angelina Davydova (DRA St. Petersburg). Durch mehrtägige Trainingsseminare für Journalist_innen und öffentliche Veranstaltungen in Russland zu Umweltthemen soll das Bewusstsein für ökologische Fragen gestärkt und die Vernetzung von Medien mit Umweltexpert_innen ausgeweitet werden. Entstehen soll schrittweise auch ein „Deutsch-Russisches Büro für Umweltinformation“ in Moskau. Seit Anfang März vermittelt Grigorij Pasko als Leiter einer allabendlichen „Bloggerschule“ in Moskau den Teilnehmer_innen ethische Grundlagen sowie Recherche- und Rechtskenntnisse für einen unabhängigen Qualitätsjournalismus im Internet. Das DRA-Projekt ist dabei Kooperationspartner der „Stiftung zur Verteidigung der Glasnost“, die die Reihe initiiert und organisiert hat. Zum Auftakt der öffentlichen Arbeit des Projekts organisierte Angelina Davydova im März gemeinsam mit der Petersburger Gruppe des World Wide Fund for Nature (WWF) und zwei weiteren NGOs den Beitrag der Stadt zur jährlichen weltweiten „Earth Hour“ („Stunde der Erde“), während der als Signal für mehr Klimaschutz die übliche Beleuchtung ausgeschaltet wird. In einer Pressekonferenz wurde über die Ziele der Aktion informiert. Am 23. April veranstaltete der DRA St. Petersburg innerhalb der dortigen „Deutschen Woche“ eine Podiumsdiskussion zu Chancen der Energieeffizienz in Russland (s.u.). Das Umweltbildungsprojekt wird in Kooperation mit dem Biodiversity Conservation Centre Moskau und weiteren Partnern realisiert und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie der Stiftung Waterkeeper Russia unterstützt.
Mit der deutschlandweiten „Aktion zusammen wachsen“ hat die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, ein Programm ins Leben gerufen, das Bildungspatenschaften für Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien fördern soll. Um die Bildungschancen dieser Zielgruppe zu verbessern, sollen bestehende derartige Patenschaften (bei denen Ehrenamtliche die jungen MigrantInnen etwa durch Vorlesen, durch Hausaufgabenhilfe oder in der beruflichen Orientierung unterstützen) gestärkt und vernetzt sowie neue Patenschaftsprojekte initiiert werden. In Berlin entsteht dazu derzeit eine regionale Servicestelle in Trägerschaft der Bundes- sowie der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa, LAGFA Berlin). Der DRA, der als Träger der Deutsch-Russischen Ehrenamtsbörse Mitglied der Berliner LAGFA ist, wirkt an der neuen Servicestelle aktiv mit, insbesondere bei der Vernetzung von Patenschaftsprojekten mit Migrantenselbstorganisationen. Die Berliner Servicestelle wird von der Robert Bosch Stiftung finanziell gefördert. Eine Eröffnungsveranstaltung ist für den 13. Mai 2009 geplant; weitere Informationen unter: www.aktion-zusammen-wachsen.de
Eine vom zuständigen Minister Igor Krasnov angeführte Delegation von Fachleuten der Jugendsozialarbeit aus der Republik Udmurtien (Zentralrussland) war vom 29. März bis zum 5. April in Berlin zu Gast. Die Durchführung ihrer Studienreise hatte der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin dem DRA übertragen. Die ExpertInnen aus Udmurtien besuchten FachkollegInnen u.a. Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und in Sozialeinrichtungen wie dem Familienzentrum PAD e.V. und dem Straßensozialprojekt „Outreach“. Diskutiert wurden beispielsweise Hilfsmöglichkeiten bei Gewalt in der Familie und für suizidgefährdete Jugendliche, die Arbeitsweise von Freiwilligenagenturen und die Rolle des Staats bei der Stärkung des Bürgerengagements. Der Dialog zu diesen Themen soll beim Gegenbesuch der Berliner Fachkräfte in Udmurtien Anfang Juli fortgesetzt werden. Zudem berieten der DRA und die udmurtische Delegation über ein neues Kooperationsprojekt in der Freiwilligenarbeit. Geplant ist nun eine dreimonatige Hospitation von zehn MitarbeiterInnen udmurtischer NGOs ab Herbst in Berliner Sozialorganisationen. In der Woche der Studienreise wurde der Jugendhilfereferent des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, Konrad Koschek, den Ruhestand verabschiedet. Er hat den Fachaustausch mit Udmurtien 12 Jahre lang wesentlich aufgebaut und wird diese Kooperation auch weiterhin begleiten. Der DRA wünscht ihm noch viele aktive Jahre zugunsten „seiner“ Jugendarbeit!
Auch in diesem Jahr unterstützen Freiwillige des DRA soziale Projekte in der Ukraine, Belarus und Russland. So begannen im April fünf junge Freiwillige ihr sechsmonatiges, von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft gefördertes Engagement in ukrainischen NGOs. Vier der Aufnahmeorganisationen sind bereits langjährige Partner des DRA. Hier können die Neuankömmlinge auf die Erfahrungen früherer DRA-Freiwilliger zurückgreifen. Zum ersten Mal beteiligt ist die Organisation „Unsere Hilfe“ in Slavansk. Deren Zielgruppe sind HIV-infizierte Frauen und Kinder, die hier Unterstützung beim Umgang mit der Krankheit und der Bewältigung des Alltags erhalten. So betreibt die Initiative unter anderem einen Friseursalon und eine Schneiderei, in denen HIV-infizierte Menschen beschäftigt werden. Auf die hierher entsandte DRA-Freiwillige warten vielfältige Aufgaben: Sie wird in den Werkstätten mitarbeiten, an Aufklärungsseminaren und Kampagnen teilnehmen und erkrankte Menschen betreuen können.
Im Rahmen des Schüleraustauschprogramms des DRA kommen von Mai bis August 2009 insgesamt 25 russische Jugendliche nach Deutschland. 1-3 Monate lang werden sie hier in Gastfamilien leben. Alle haben entweder bereits deutsche Schüler_innen bei sich zu Hause aufgenommen oder werden dies im Herbst 2009 tun. Bis auf wenige Ausnahmen konnten der DRA Berlin und der DRA St. Petersburg somit einen direkten Austausch zwischen je einem deutschen und einem russischen Schüler vermitteln. Die russischen Jugendlichen werden in verschiedenen Städten in ganz Deutschland leben. Dennoch wird der DRA sie von Berlin aus betreuen. Im Juli werden sie zusammen mit den zuständigen DRA-Mitarbeiter_innen Susanne Konschak und Andre Rempel eine mehrtägige Reise in den Harz unternehmen und so Gelegenheit erhalten, sich untereinander kennen zu lernen und Erfahrungen auszutauschen.
Mit mehreren Veranstaltungen ist der DRA St. Petersburg auf der gegenwärtig stattfindenden „Deutschen Woche“ in St. Petersburg vertreten. So präsentierten der DRA und das Zentrum für Deutschland- und Europastudien bereits die Fotodokumentation „Wir sind anders“ zu jugendlichen Subkulturen in St. Petersburg sowie Resultate eines Forschungsprojekts von SoziologiestudentInnen der Staatlichen Universität, die den Einfluss dieser Subkulturen auf die Gesellschaft untersucht haben. In der DRA-Podiumsdiskussion „Toleranz als Lebensstil“ erörterten Vertreter des städtischen Antidiskriminierungsprogramms „Toleranz“ sowie ethnischer Minderheiten und politischer Bewegungen der Stadt, wie Offenheit und Vielfalt als gemeinsame Werte vermittelt werden können (Veranstaltungspartner waren die Jugendinitiative „Polit-Gramota“ und die Konrad Adenauer-Stiftung). Weitere DRA-Beiträge bestanden in einer Podiumsdiskussion zum Thema „Energieeffizienz und Möglichkeiten einer Grünen Wirtschaft in Deutschland und Russland“ sowie einer anschließenden „Grüne Jugendparty“ unter dem scherzhaften Motto „Lass uns akKLIMAtisieren!“, bei der Umweltinitiativen aus St. Petersburg vorgestellt wurden. Das vom Deutschen Generalkonsulat koordinierte Programm der Deutschen Woche vom 18. bis 26. April umfasst insgesamt rund 60 Veranstaltungen, darunter so verschiedene wie eine Friedrich-Schiller-Konferenz, eine Ausstellung über deutsche Erfahrungen bei der Plattenbau-Modernisierung, Orgelkonzerte oder die Präsentation von Modeshows deutscher und russischer Nachwuchsdesigner.
Eine manipulierbare Gerichtsbarkeit und ein intransparent agierender Staat gehören weiterhin zu den wichtigsten Ursachen für ungelöste Menschenrechtsprobleme in Russland und für das Ohnmachtsgefühl vieler Russen in ihrem Land. Zugleich ist diese „Black Box Staat“ erheblich heterogener als oft dargestellt. Zu diesem Fazit gelangen Hanno Gundert (DRA-Vorstand) und Stefan Melle (Geschäftsführer) in einem Artikel, der Anfang April in der evangelischen Monatszeitschrift „Zeitzeichen“ innerhalb eines Russland-Schwerpunkts erschienen ist. Die bloße Kritik an Missständen sei weder das einzige noch das beste Mittel, um von außen zur Stärkung der Menschenrechte in Russland beizutragen, meinen die Autoren. Vielmehr müssten auch Fortschritte in anderen Rechtsbereichen unterstützt werden, da sie das allgemeine Rechtsbewusstsein und damit indirekt auch eine stärkere Akzeptanz und Einhaltung der international verbürgten Grundwerte befördern. Der Text stellt außerdem im Überblick dar, in welche Richtungen sich die Menschenrechtslage in Russland unter Präsident Medvedev sowie vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise entwickeln könnte. Der Beitrag ist hier zugänglich.