DRA Newsletter April 2007


Liebe Leserinnen und Leser des DRA-Newsletters,

hiermit informieren wir Sie über die internationale Projektarbeit sowie aktuelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Ausschreibungen des DRA/Berlin (www.austausch.org) sowie in einer Auswahl über die Aktivitäten unserer Partnerorganisation DRA/St. Petersburg (www.obmen.org)

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft! Der Verein finanziert sich ausschließlich durch projektgebundene Zuwendungen, Mitgliedsbeiträge und private Spenden. Ohne Ihre Unterstützung ist unsere Arbeit unmöglich. Herzlichen Dank!    

Jetzt spenden!

Besuchen Sie den DRA auf Facebook: facebook.de/DRAberlin


Inhalt

1) DRA verurteilt Gewalt gegen DemonstrantInnen in Russland

Der DRA verurteilt die gewaltsame Auflösung mehrerer Demonstrationen der russischen Opposition in Moskau, Petersburg und Nischnij Nowgorod Ende März und Mitte April. Mit dem massiven Polizeieinsatz gegen den friedlichen „Marsch der Nichteinverstandenen“, mit der Festnahme ihrer politischen Führer und den Angriffen gegen Pressevertreter_innen wurden Bürger- und Menschenrechte schwer verletzt. Nach Auffassung des DRA muss der russische Staat gerade vor den anstehenden Wahlen garantieren, dass die verschiedenen politischen Kräfte im Land ihre Meinung frei äußern und bekannt machen können. Mit einer Monopolisierung des öffentlichen Raumes, erst recht unter Anwendung von Gewalt und der Einschränkung der Versammlungsfreiheit und Medienvielfalt, behindern die politisch Verantwortlichen eine unabhängige, demokratische Willensbildung der Bürger_innen und die Debatte über verschiedene Entwicklungskonzepte in Russland. Sie schaden damit ihrem Land und seiner Wahrnehmung im Ausland.

2) DRA-Journalistenaustausch: Gegenbesuch in St. Petersburg

Mit einer Reise von vier Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Berliner Zeitung sowie der Sender Deutschlandradio und Rundfunk Berlin Brandenburg nach St. Petersburg vom 17.-22.4. endete ein vom DRA organisierter deutsch-russischer Journalistenaustausch. Die deutschen Programmteilnehmer sprachen unter anderem mit dem Vizechef des Petersburger Investitionskomitees, Betriebsräten internationaler Konzerne in der Stadt und dem künstlerischen Koordinator des Mariinskij-Theaters. Zudem recherchierten sie mit Hilfe ihrer Kolleg_innen von den Zeitungen Kommersant, Iswestija, Delowoj Peterburg, dem Fernsehsender TV5 und Radio Echo Moskwy eigene Themen. Bereits vom 1.-6.4. hatten russische Journalist_innen in Berlin unter anderem den Bundestag, den Staatsminister im Außenministerium, Gernot Erler, und den Intendanten des Staatsballetts, Vladimir Malakhov besucht. Bei einer Podiumsdiskussion in der Heinrich-Böll-Stiftung zum Russlandbild der deutschen Medien kritisierten deutsche wie russische Kolleg_innen die politische Lage in Russland. Eine willkürlich günstigere Darstellung des Landes in den Medien lehnten sie ab – Bedingung für ein besseres Image bleibe eine freiheitliche Entwicklung in Russland selbst.

3) Europa-ExpertInnen debattieren mit russischen Studierenden

Wie arbeiten die Stadt Petersburg und die Europäische Union zusammen? Wie entscheidet die EU über ihre Außen- und Sicherheitspolitik? Wie soll die Ost-Erweiterung aussehen? Und wie wird dabei Russland beachtet? Diesen und weiteren Fragen wird die erste Seminarveranstaltung des DRA-Projekts „EU Study Schools“ nachgehen, die vom 28.-30.4. in Petersburg für Studierende aus der Nordwestregion Russlands stattfindet. Die Referent_innen kommen unter anderem von den Universitäten Luzern und Petersburg, vom Moskauer Institut für Internationale Beziehungen, vom British Council und von der Stadtverwaltung Petersburg. Für das Deutsche Konsulat spricht Vizekonsul Artur Brunner und für die Europäische Kommission, die das Programm finanziert, der Abteilungsleiter ihrer Moskauer Delegation, Sean Carroll. Das nächste Seminar wird bereits am 4.-6.5. in Samara durchgeführt. Es richtet sich an Studierende der Wolgaregion und gilt dem Verhältnis der EU und Russlands vor dem Gipfeltreffen beider Seiten, das am 18. Mai in Samara stattfindet.

4) Durchlässigkeit schaffen: DRA bei Russlandtreffen im Bundestag

Für eine stärkere Orientierung der deutsch-russischen Zusammenarbeit auf die Ebene der BürgerInnen und Regionen trat der DRA bei einem Treffen im Bundestag am 30.3. ein, zu dem rund 100 Repräsentant_innen deutsch-russischer Vereine und Initiativen gekommen waren. Eingeladen hatte der Koordinator der Bundesregierung für die bilateralen zivilgesellschaftlichen Beziehungen, Andreas Schockenhoff. Im Hinblick auf Russland erklärte dieser, dass es die Rückschritte in der Entwicklung des Rechtsstaates anzusprechen gelte. Wenn Russland Weltmacht sein wolle, müsse es seinen Bürger_innen breitere Entfaltungsräume eröffnen. In einem Koreferat betonte der Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle, die Notwendigkeit, jenseits humanitärer Hilfe mehr auf Themen wie Modernisierung, Bildung, Nachhaltigkeit und die soziale Verantwortung von Unternehmen zu setzen. Insbesondere plädierte er dafür, viele Kontakte zwischen gleichen Berufs- und Altersgruppen in Russland und Deutschland zu knüpfen. Größtmögliche Durchlässigkeit sei nicht nur im Reiseverkehr, sondern auch bei der Erörterung von Problemen im Umgang mit Menschen- , Bürger- und sozialen Rechten anzustreben. Dies müsse auch bei Kontakten zwischen Regierungen und NGOs sowie der jährlichen Veranstaltung „Petersburger Dialog“ erreicht werden.

5) Bestnoten für Projekt zu NGO-Aufbau in der Ukraine

Zwei Monate vor seinem Abschluss hat das Projekt „Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ukraine“ von der durch die EU-Kommission beauftragten Monitoring-Gesellschaft eine ausgezeichnete Bewertung erhalten. Für die inhaltliche Gestaltung, Effizienz, Wirksamkeit und absehbare Weiternutzung des Know-hows durch andere bekam es die seltene Bestnote „A“. Im Rahmen des Projekts wurden unter anderem zwei Gesetzesentwürfe für den sozialen Sektor in der Ukraine erarbeitet, darunter das Gesetz zur Freiwilligenarbeit, das sich bereits im parlamentarischen Beratungsverfahren befindet. Ins Leben gerufen und weiterentwickelt wurden auch mehrere „Zentren für soziale Partnerschaft“, die die Kooperation von Nichtregierungsorganisationen und lokalen Verwaltungen initiieren und moderieren sollen, um so eine bessere Versorgung für sozial schwache Gruppen wie Kinder, alte Menschen und Menschen mit Behinderungen zu erreichen. Schwierig bleibe, so der Monitoringbericht, die langfristige Sicherung dieser Zentren und der aufgebauten Zusammenarbeit, dies insbesondere wegen der politisch angespannten Lage, häufiger Personalwechsel in den ukrainischen Ministerien und fehlender Gelder vor Ort. Das Projekt wird von der belgischen Gesellschaft Transtec geführt; der DRA stellt mit Christine Leiser die Projektleiterin in Kiew und weitere Expert_innen.

6) Freiwilligenagentur Petersburg sorgt für regen Austausch

Insgesamt 18 Freiwillige, davon 15 aus Deutschland, hat die Europäische Freiwillligenagentur des DRA St. Petersburg seit September 2006 in Organisationen der Stadt vermittelt; weitere 21 Anträge aus Deutschland, Finnland, Schweden und Portugal werden derzeit geprüft. Zielstrebig wird auch die Ausweitung der Vermittlungstätigkeit auf weitere Städte in Nordwestrussland betrieben; so findet demnächst in Pskow ein Trainingsseminar für potentielle Aufnahmeorganisationen statt. In umgekehrter Richtung entsendet der DRA St. Petersburg in Kürze zwei Freiwillige in eine Behinderteneinrichtung in Düsseldorf sowie einen ins Berliner DRA-Büro. Aktiv arbeitet er darauf hin, russischen Freiwilligen weitere Einsatzstellen in Deutschland in den Bereichen AIDS-Hilfe und gemeinnützige Handwerkstätigkeiten anbieten zu können. Insgesamt erfreut sich die Petersburger Agentur eines regen öffentlichen Interesses und wurde in letzter Zeit wiederholt in den Printmedien und im Fernsehen vorgestellt. Die Europäische Freiwilligenagentur des DRA in Berlin betreut die Partnerschaften mit den übrigen Gebieten Russlands sowie mit der Ukraine und Belarus.

7) Konferenz „Russlandpolitik der erweiterten EU“ in Warschau

Über die Perspektiven der Beziehung zwischen der erweiterten EU und Russland unter Einbeziehung Polens diskutierten am 18. und 19.4. Expert_innen aus Russland und Mitteleuropa auf einer von der Heinrich-Böll-Stiftung organisierten Konferenz in Warschau. Einig waren sich die Teilnehmer_innen, zu denen für den DRA Robert Sperfeld gehörte, über die zentrale Bedeutung der russischen Rohstoffexporte nach Mitteleuropa für beide Seiten. Dagegen blieb umstritten, ob die Integrationsangebote Russlands gegenüber Belarus, der Ukraine, der Republik Moldau und den Staaten des Südkaukasus diese zwingen, sich zwischen einer Annäherung an Russland oder die EU zu entscheiden und ob sie damit die EU-Nachbarschaftspolitik behindern. Unbeantwortet blieb auch die Frage, wie die EU ihren Anspruch auf eine wertebasierte Partnerschaft mit Russland verwirklichen kann, wenn die russische Seite den Dialog z.B. über die Achtung von Menschenrechten verweigert oder in ineffektive Gremien verbannt.

8) Deutsch-russisches Theaterprojekt zeigt Brecht

Szenen aus Bertolt Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ werden am 26., 27. und 28.4., jeweils um 20 Uhr, im Russischen Theater in der Berliner Kulturbrauerei (Knaackstr. 97) zu sehen sein. In den Mittelpunkt gestellt hat die Regisseurin Inna Sokolova-Gordon die Episode „Die jüdische Frau“, in der es um das Auseinanderbrechen einer Ehe aufgrund gesellschaftlichen Drucks und der rassistischen NS-Propaganda geht. Die Inszenierung ist als Collage dramatischer und lyrischer Textelemente angelegt, die sowohl auf Deutsch als auch auf Russisch vorgetragen werden. Inna Sokolova-Gordon hat an der Moskauer Kulturhochschule studiert und kam 2004 nach Berlin, wo sie das Experimentaltheaterstudio „Debüt“ gründete. Der DRA hat die Vorbereitungen für die Aufführungen unterstützt, um so einen Beitrag zur gemeinschaftlichen Aufarbeitung der totalitären Vergangenheit Deutschlands und Russlands zu leisten. Weitere Informationen hier.