Werden wir anders, bleiben wir (fast) gleich?

Am Samstag, den 29. September, fanden die 2. Petersburger Herbstgespräche statt, organisiert vom NRO (DRA) St. Petersburg. Diesmal zur Frage, wie die Digitalisierung Europa verändert - in der Arbeitswelt, in den Medien, Politik und Staat und schließlich auch der Zivilgesellschaft. 
Im Panel zur Arbeitswelt wurde deutlich, dass die öffentlichen Prognosen dazu oft weit übertrieben sind. Zwar verändern sich viele Berufsbilder teilweise, erhalten digitale Werkzeuge, es treten auch Berufe hinzu, die auf den neuen Möglichkeiten digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz basieren - aber viele Segmente bleiben davon fast unberührt, brauchen weiter unmittelbare Dienste von Menschen für Menschen. Bei Medien und Staat geht es vor allem um die Aspekte Chancen und Risiken, z.B. in Bezug auf Informationsfreiheit und -kontrolle, Datentransparenz und -sicherheit, Service-Zugänglichkeit und Zuverlässigkeit. Die Technologien als solche sind politisch neutral, aber die Regulierungen ihrer Entwicklung und Nutzung hängen von der Art der jeweiligen Staaten und Gesellschaften ab - und Missbrauch geschieht da, wo Sicherheits-Interessen die Freiheitsrechte beschädigen oder Ideologen zu Propaganda greifen. Im Panel zur Zivilgesellschaft, moderiert von Stefan Melle (DRA Berlin), zeigte sich ein ähnlicher Befund: Mehr Debatten in Social Media erzeugen Risiken für Aktivisten in autoritären Staaten, aber eine Zunahme von Diskursgeschwindigkeit und Vernetzung. Kampagnen lassen sich leichter entfachen, aber ihre Wirksamkeit ist selbst bei vielen Beteiligten aufgrund der gewachsenen Aufmerksamkeitskonkurrenz begrenzt. Wem es nicht gelingt, seine Anliegen und Unterstützung auch in den off-Raum zu transferieren und Veränderungen dort bei den traditionellen Institutionen - seien es etablierte Medien, Parlamente aller Ebenen mit ihren Gesetzgebungsaufgaben oder Behörden -, der wird weithin erfolg- und folgenlos bleiben. Noch immer ist ausgerechnet das direkte Hinterzimmer- und individuelle Hintergrundgespräch eines der effektivsten Mittel für AktivistInnen. Solange sie nicht dabei gelinkt und hinterher Repressionen unterzogen werden.

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