RNEI: Trainings und Entsendung russischer Journalist_innen zu den UN-Klimaverhandlungen in Paris – laufende Berichte durch Angelina Davydova

Im Rahmen des Umwelt- und Klimaschutzprogramms des DRA e.V. sind fünf Personen aus Russland zu den UN-Klimaverhandlungen nach Paris gereist. Gemeinsam mit Angelina Davydova, Umweltjournalistin und Leiterin unserer Partnerorganisation Russisch-Deutsches Büro für Umweltinformation (RNEI) in St. Petersburg, fuhren vier weitere Journalist_innen der Zeitschrift „Wissenschaft und Leben“ („Наука и жизнь“), des Internetmagazins „Slon.ru“, der Nachrichtenagentur RIA Novosti und aus der russischen GEO-Redaktion. Angelina Davydova ist zudem Teil der Delegation von Brot für die Welt, die sich aktiv in die Verhandlungen einbringen und Vertreter_innen russischer NGOs mit ihren internationalen Kolleg_innen vernetzen wird. Ihre täglichen Beiträge zur Konferenz sind u.a. in den Medien www.kommersant.ru, www.klimaretter.org, auf www.rnei.ru, auf den Facebook-Accounts DRAberlin und angelinadavdova sowie bei Twitter unter @angelinadavydov nachzuverfolgen. Zusätzlich betreut Angelina Davydova sechs Journalist_innen und Blogger_innen russischer Regionalmedien, die von den französischen Organisatoren der UN-Konferenz eingeladen worden sind.

In Vorbereitung des Klimagipfels veranstaltete die Klimajournalistin Anfang Oktober ein Webinar zu Umweltinformation und Umweltjournalismus für insgesamt zwanzig Blogger_innen und Aktivist_innen aus Russland, Belarus, der Ukraine und den zentralasiatischen Ländern. Hier lernten die Teilnehmer_innen, wie man mit interessant geschriebenen Posts zu Klimafragen ein möglichst breites Publikum erreichen kann. Das Webinar wurde vom NGO-Netzwerk Climate Action Network - European Caucasus & Central Asia (CAN EECCA) unterstützt. Mehr Informationen zur Position Russlands und dem im Oktober entstandenen Positionspapier der russischen Zivilgesellschaft zum Thema Klimaschutz finden Sie auf der Website des DRA unter www.austausch.org und auf www.rnei.de. Einen Gastbeitrag zum Thema "Umweltengagement in Russland: Entwicklungen und Tendenzen" haben außerdem Tatyana Chestina, Angelina Davydova und Judith Kiss im Newsletter des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement publiziert. Siehe: http://bit.ly/1Rgw3Hb

Betrachtet man die Position Russlands, versprechen die Klimaverhandlungen interessant zu  werden: Die Akteure der russischen Politik und Wirtschaft scheinen eine größere Bereitschaft als bisher für eine ernste Auseinandersetzung mit Klimafragen an den Tag zu legen. Bis Ende des Jahres möchte die Regierung einen Ansatz zur Kohlenstoffregulierung vorstellen, an dessen Effektivität und Zweckmäßigkeit jedoch bislang noch einige Vertreter_innen der Wirtschaft zweifeln. Im März 2015 erklärte die russische Regierung, bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 25-30 % im Verhältnis zu 1990 senken zu wollen. Dies ist einerseits ein schwaches Bekenntnis, da durch die Deindustrialisierung in den 90er Jahren bereits eine 29-prozentige Reduktion von Klimagasemissionen gegenüber 1990 erreicht wurde. Andererseits könnte diese Erklärung vielleicht ein Signal zur Verhandlungsbereitschaft für eine post-Kyoto-Verpflichtung sein.

Putin benannte zudem bei der UN-Generalversammlung im September die Klimaveränderungen als eines der wichtigsten globalen Probleme. Insgesamt beschäftigen sich Vertreter der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Russland zunehmend auch mit wirtschafts- und finanzpolitischen Mechanismen  zur Regulierung der Treibhausgasemissionen und Kohlenstoffnutzung. (http://deepdecarbonization.org/countries/#russia).

Russische Umwelt-NGOs haben im Ergebnis an eine Konferenz zu Zukunftsfragen im Bereich Klima und Energie vom 26.-28. Oktober 2015 in St. Petersburg ein Positionspapier der russischen Zivilgesellschaft für die UN-Klimaverhandlungen herausgearbeitet. Darin fordern sie eine Reduktion des globalen Treibhausgasausstoßes bis 2050 um 70-95% im Verhältnis zu 1990. Die nationalen Ziele sollten zudem alle fünf Jahre geprüft werden. Alle Wälder dieser Erde sollen geschützt und wiederhergestellt werden. Maßnahmen zur Reduzierung und Anpassung an die Klimaerwärmung sollen gleichwertig finanziert werden (50% - 50%). Außerdem müssten Lösungen für das „Verlust- und  Schädigungsproblem“ gefunden werden. Schließlich müssten kohlenstoffarme und klimaangepasste Technologien effektiv verbreitet und bi- und multilaterale Kooperationsmechanismen ausgearbeitet werden.

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