Vom 22.-24. Juni tagte in St. Petersburg erstmals ein NGO-Forum zum Schutz des Weltnatur- und Kulturerbes. Es kamen 110 Teilnehmer_innen aus 21 Ländern aller Kontinente. Veranstalter waren Greenpeace Russland, das Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität St. Petersburg, Ekom St. Petersburg (CDES) sowie der DRA und das von ihm gegründete Russisch-Deutsche Büro für Umweltinformation (RNEI.de/RNEI.ru).
Die Teilnehmer_innen resümierten, dass immer mehr Welterbe-Stätten durch Gesetzes- und Informationslücken, inkonsequente Politik und ineffektives Management in Einzelstaaten, durch kommerzielle Interessen sowie durch Bürgerkriege und den Klimawandel gefährdet sind.
Die Konferenz endete mit fünf zum Teil wegweisenden Resolutionen. So verlangten die Teilnehmer_innen von der Unesco-Welterbe-Kommission, die derzeit in der Neva-Stadt tagt, u.a. verbriefte Rechte für NGOs, lokale Communities und Ureinwohner zur Beteiligung an allen Stadien der Welterbe-Pflege – von der nationalen Nominierung und Erarbeitung von Managementplänen bis zur Anhörung zu Recherchen, Reports und Entscheidungen der Kommission. Informationen dazu sollten unverzüglich allgemein zugänglich gemacht werden.
Praxisbeispiele reichten vom australischen Großen Riff über den kongolesischen Virunga-Nationalpark bis zum deutschen Regensburg Der DRA war durch Kristina Smolijaninovaite (Vortrag „Der Begriff des universalen Wertes: Anerkennungskriterien für Unesco-Weltkulturerbestätten“) und Stefan Melle (Moderation in der Sektion Weltnaturerbe) vertreten und lud zudem den Berliner Experten Stephan Doempke (NGO People and Nature) ein. Er war Initiator eines Aufrufs der Konferenzteilnehmer an die internationale NGO-Gemeinschaft, ein Netzwerk „World Heritage Watch“ zur zivilgesellschaftlichen Kontrolle und Unterstützung beim Schutz des Welterbes aufzubauen.
Ein Schwerpunkt lag auf Russland, in dem es einerseits einer organisierten Stadtöffentlichkeit gelang, den Bau eines Gasprom-Wolkenkratzers im Unesco geschützten Petersburger Zentrum zu verlangen, in der die NGOs aber bisher vergeblich gegen Gefährdungen zahlreicher Naturerbestätten kämpfen. So sollen im Reservat Westkaukasus alpine Skigebiete entstehen, in den Tundra-Urwäldern von Komi Gold geschürft werden, eine Ölleitung die »Goldenen Berge des Altaj« nach China durchqueren. In den Baikalsee fließen weiter mit Regierungsgenehmigung die Abwässer eines Zellulosewerks.
siehe auch:
www.greenpeace.org/russia/ru/news/26-06-2012-action_unesco_spb
Kontakt für Interessenten von World Heritage Watch:
Stephan Doempke (People and Nature), Email: PANDoempke@t-online.de
Resolutionen des NGO-Welterbe-Forums (russ.):
http://www.greenpeace.org/russia/Global/russia/report/forest/world-heritage/Resolutions_rus.pdf
Resolutionen des NGO-Welterbe-Forums (engl.):
Endfassungen:
http://www.greenpeace.org/russia/en/news/26-06-2012-action_unesco_spb_eng
Einzeln, Stand 26.6.2012
Vortrag „Der Begriff des universalen Wertes: Anerkennungskriterien für Unesco-Weltkulturerbestätten