20 JAHRE DRA - DIE CHRONIK ZUM JUBILÄUM 1992-2012

In zehn Newsletter-Ausgaben hat der DRA von Februar 2012 bis Januar 2013 die Chronik seiner 20-jährigen Tätigkeit von 1992-2012 nachvollzogen. Hier stehen alle zehn Teile beieinander - zum Nachlesen, was der Verein in den ersten zwei Jahrzehnten seines Bestehens geleistet hat. Wir freuen uns auf die nächsten 20 Jahre mit Ihnen und bitten um Ihre Unterstützung dafür! Herzlichen Dank!

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Erinnerung, Entwicklung, Engagement: DRA begeht sein 20-jähriges Bestehen

Am 30. März 1992 wurde der Deutsch-Russischer Austausch ins Berliner Vereinsregister eingetragen. Russland war damals eben aus der zerfallenen Sowjetunion erneut entstanden und durchlebte die politischen und sozialen Schwierigkeiten einer Gesellschaft in grundlegender Transformation.

In 20 Jahren haben sich die Verhältnisse in Russland, aber auch in Deutschland und in Europa vielfach gewandelt. Auch der DRA hat sich immer wieder neu orientiert. Aus der Hilfe zur Selbsthilfe für entstehende Bürgerinitiativen und der Einrichtung von NGO-Unterstützungszentren sind eine vielfältige thematische Projektarbeit und ein in gleichberechtiger Kooperation mit osteuropäischen Partnern verwirklichtes, intensives gesellschaftspolitisches Engagement erwachsen. Unverändert sieht der DRA seine Aufgabe in der Zusammenarbeit mit den engagierten Menschen der Zivilgesellschaft und allen Akteuren, die an einer offenen, demokratischen Gesellschaft interessiert sind. Diese Arbeit wird getragen von den MitarbeiterInnen und Mitgliedern des DRA, von seinen Förderern und Spendern sowie von hunderten Partnern - Bürgerinitiativen und NGOs, ExpertInnen, Stiftungen, VertreterInnen aus Politik, Medien, Bildungseinrichtungen, Behörden. Ihnen allen sei hier im Namen des DRA von ganzem Herzen gedankt.

1992–1993

Sein erstes Büro hat der DRA in der Wohnung des Gründungsinitiators Rudi Piwko im Westteil Berlins, ab Dezember 1992 dann in Berlin-Prenzlauer Berg. Den Vereinsaufbau übernimmt Rudi Piwko als Geschäftsführer, später mit Martina Müller; den Vorstand bilden Sabine Erdmann und Martin Bock. Dem Gründungsbeirat gehören der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel, der Schriftsteller Lew Kopelew, Franz von Hammerstein (Direktor der Evangelischen Akademie Berlin) sowie der Bildungsforscher Dietrich Goldschmidt an, später treten Hinrich Enderlein (ehem. Bildungsminister, Brandenburg) und Elfie Siegl (FAZ-Russlandkorrespondentin) hinzu. Auch in St. Petersburg startet die Arbeit in einer Wohnung - bei Familie Koulaeva, Aktiven der Menschenrechtsorganisation Memorial.

Im November 1992 eröffnet der DRA ein Büro am Nevski Prospekt 104 mit vier Sozialberatern, darunter der späteren Geschäftsführerin Stefanie Schiffer und Frank Fabel. Die Zusammenarbeit mit Memorial, der Obdachloseninitiative "Notschleschka", einer Selbsthilfegruppe von Krebskranken und zwei Drogenhilfseinrichtungen beginnt. Zugleich reisen 14 Petersburger Journalisten auf Einladung des DRA und der Hamburger Bürgerschaft zu Praktika in Zeitungsredaktionen der Hansestadt. Das Programm wird später, unterstützt vom Bundespresseamt, zum jährlichen Austausch. Im Februar 1993 findet in der Newastadt auf Initiative des DRA und des St. Petersburger Stadtrates eine Konferenz zur Rundfunk-Gesetzgebung in Russland statt, die spürbaren Einfluss auf das spätere neue Gesetz über die Massenmedien nimmt.

Eine Fernsehreportage im ZDF-Magazin "Kennzeichen D" macht im März 1993 die Tätigkeit des DRA landesweit bekannt. Spenden hieraus und aus einer "Tagesspiegel"-Aktion ermöglichen es, die Arbeit fortzuführen. Ab Oktober 1993 vermittelt erstmals ein Seminarzyklus für 150 Mitarbeiter/innen nichtstaatlicher Sozialorganisationen in St. Petersburg Managementerfahrungen von Selbsthilfe-Initiativen im deutschen Wohlfahrtssystem. 20 Jugend- und Sozialarbeiter/innen der Stadt absolvieren Praktika in Hamburger Partnerorganisationen. In einer Broschüre stellt der DRA Ende 1993 erstmals sein Engagement vor. Ihr Titel »Hilfe macht unabhängig« ist auch das Motto des Vereins.

1994–1995

Im Frühjahr 1994 beginnen der DRA und das Diakonische Werk der EKD ihre langjährige Kooperation bei der Stärkung und Vernetzung sozialer NGOs in Volgograd. Es entstehen ein NGO-Unterstützungszentrum und ein Verzeichnis der Volgograder Bürgerinitiativen mit mehreren Nachauflagen. Im Sommer 1994 entsendet der DRA erstmals deutsche Praktikant/innen nach Russland - der Auftakt für die Freiwilligenvermittlung des DRA zwischen Ost und West, die bis heute fast 700 junge Erwachsene nutzen konnten. Im November eröffnet für eineinhalb Jahre ein DRA-Büro in Hamburg (Leitung: Regula Corsten). Im Dezember kommen erneut Journalisten aus Smolensk, Rjasan, Vladimir, Ivanovo und Orjol, gefördert vom Bundespresseamt, zu Redaktionshospitationen nach Hannover, Hagen, Münster, Offenbach und Erlangen.

1995 nimmt der DRA mit Recherchereisen von Stefanie Schiffer und Petra Dachtler und dem dreijährigen EU-Projekt "Regionale Unterstützung für NGOs in Westsibirien und am Ural" seine Arbeit in Novosibirsk und Perm auf. Im September 1995 verliert der DRA in Berlin durch verringerte Arbeitsfördergelder unerwartet mehrere Mitarbeiter/innen.

Vor allem in St. Petersburg und Pskov veranstalten der DRA und seine Partner zahlreiche Konferenzen und Seminare, etwa zur Rolle von NGOs beim Aufbau eines Rechtsstaates, zur Hilfe für Straffällige und behinderte Kinder, zum Rechtsradikalismus und seinen historischen Hintergründen, zu Menschenrechtsklagen vor russischen Gerichten sowie den Rechten von Frauen und der Situation von Drogenabhängigen. Studienreisen bringen Expert/innen für Jugend- bzw. Frauenfragen mit Kolleg/innen in Deutschland in Kontakt, Memorial organisiert nach einer Informationsreise einen Pflegedienst für Repressionsopfer, die Soldatenmütter St. Petersburg können der UNO mit Hilfe des DRA Rekrutenberichte aus dem ersten Tschetschenienkrieg vorlegen.

Erstmals erscheinen der "Juristische Konsultant" zur Rechtsberatung russischer NGOs und das Monatsbulletin Apis (später "Ptschela" - "Die Biene"). Im November 1995 eröffnet der DRA St. Petersburg mit mehreren NGO-Partnern ein neues Büro in der zentral gelegenen Malaja Konjuschennaja-Straße.

1996–1997

Anfang 1996 starten der DRA und Memorial St. Petersburg, gefördert von der EU, eine NGO-Kontaktagentur in Nordwestrussland. Ein Talonsystem soll zum Austausch von Dienstleistungen unter NGOs führen und ihre Vernetzung fördern. Im Sommer 1996 beginnen der DRA und die Soldatenmütter St. Petersburg ein Jahresprojekt zu Menschenrechtsverletzungen in der russischen Armee mit Seminaren, Rechtsberatung und dem Aufbau eines Monitoringsystems.

Im Februar nimmt der DRA zudem seine Arbeit in Novosibirsk auf. Die Leitung hat Jochen Töpfer, Partner ist das NGO-Unterstützungszentrum Sib-Novo-Zentr. Ziel ist u.a. die Beratung örtlicher NGOs und Hilfe bei Organisationsgründungen. Am 29. Juli wird in der Stadt der DRA-Mitarbeiter Michael Meisinger von Mitgliedern einer Jugendgruppe ermordet. Zuvor hatte das Büro zeitweise Akzeptanzprobleme bei einigen lokalen NGOs. In St. Petersburg gerät der DRA unter Druck, weil er einen der Spionage angeklagten russischen Offizier politisch unterstützt. Beides zwingt den DRA im Herbst 1996 zu einer Neupositionierung. Er verkleinert kurzfristig die Büros in Russland, entlässt Partnerorganisationen in die juristische Eigenständigkeit und konzentriert sich auf die Entwicklung von Austauschprojekten sowie Kontakten und Know-How für NGOs. Der Schritt findet bei einigen russischen Partnern ein ambivalentes Echo - das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe steht für sie gegen den Wunsch nach weiterer Anleitung.

Zwei Broschüren über deutsche Partner der Stadt Wolgograd und über die Probleme und Selbsthilfeorganisationen von Flüchtlingen und Zwangsumsiedlern in Russland erscheinen. Im Herbst 1996 beginnt die langjährige Partnerschaft mit der Umweltinitiative Baikalwelle Irkutsk. Deren erster deutscher Praktikant, Matthias Morgner, leitet anschließend die DRA-Freiwilligenprojekte. Zeitgleich läuft das Pilotprojekt »Praktika« mit der Stiftung West-Östliche Begegnungen, das bis 1997 sechs deutsche und fünf russische NGOs mit verwandten Arbeitsgebieten durch Entsendung und Aufnahme von jungen Mitarbeiter/innen verbindet.

Im März 1997 startet der DRA, nunmehr fünf Jahre alt, seine Tätigkeit in Perm, u. a. in Kooperation mit dem Freiwilligendienst Prikamia. Im Juli beginnen der DRA und das Uralzentrum zur Unterstützung von NGOs (UZPNGO) ein Projekt zur intensiveren Kooperation von NGOs und lokalen Verwaltungen in der Stadt.

1998–1999

Am 18. April 1998 erhält der DRA für sein Engagement darin, Bürgerinnen und Bürger in Russland beim Aufbau demokratischer Gesellschaftsstrukturen zu unterstützen, die "Theodor-Heuss-Medaille" aus den Händen der früheren Staatsministerin Hildegard Hamm-Brücher und des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Die Auszeichnung hilft dem DRA, als kompetente Organisation Unterstützung für seine Projekte in Osteuropa zu finden.

Am 12. Juni 1998 wird im Haus der Demokratie Berlin der vom DRA produzierter Fernsehfilm "Neues Land, neues Leben" über die Integration von Migrantinnen in drei europäischen Ländern vorgestellt.

Mehrere Veranstaltungen schließen bis Ende 1998 ein dreijähriges DRA-Programm zur Stärkung von NGOs in Sibirien und im Ural ab. Im Juni behandeln zwei Seminarzyklen in Perm das Verhältnis von Menschenrechten und Sozialcharta. Die Mitarbeiter des Permer NGO-Unterstützungszentrums unternehmen eine Studienreise nach Berlin, Hannover und Straßburg. Internationale Konferenzen im September und Dezember in Perm widmen sich der "Entwicklung von Sozialverträgen als Element einer Zivilgesellschaft" und den "Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft". Ein Verzeichnis von Jugendorganisationen der Stadt erscheint. An das Programm schließt ein EU-Projekt für die bessere Kooperation lokaler Selbstverwaltungen und NGOs in Perm, Novosibirsk und St. Peterburg an.

Im Herbst 1998 verteilt der DRA im Auftrag des Diakonischen Werks angesichts der schweren Wirtschaftskrise nach der Zahlungsunfähigkeit Russlands und einer massiven Rubel-Entwertung Lebensmittelpakete an Flüchtlinge und Rentner in St. Petersburg.

Im Februar 1999 beginnt der Verein den Aufbau einer Europäischen Freiwilligenagentur, die bis 2005 von der Robert Bosch Stiftung gefördert wird. Sie startet mit der Entsendung von 16 Freiwilligen nach Russland und einer Seminarreihe zum Freiwilligenmanagement für russische NGOs. Wenig später reisen erstmals russische Praktikanten über den DRA zur Arbeit bei Bürgerinitiativen nach Deutschland.

Im April 1999 bezieht der DRA Berlin ein neues Büro in der Brunnenstraße 181 im Stadtbezirk Mitte. Das erste Volgograder Kinofest des DRA zeigt im Mai deutsche und russische Filme der 90er-Jahre. Im Juli entsteht in einem Plattenbaugebiet in Weimar, organisiert vom DRA, ein Spielplatz aus Naturmaterialien. Ein Jahr später folgt ein gleiches Projekt in Perm. Eine Austauschreise zum Thema Altenbildung vereint im Herbst je zehn Teilnehmer der Seniorentheater Bremen und Kurgan.

Die 5. Deutsch-Russischen Herbstgespräche in Berlin erörtern im November die Frage "Russland in der Dauerkrise?" - die soziale Situation hat sich seit 1997 stark zugespitzt, immer heftigere Kämpfe im Nordkaukasus führten im Sommer 1999 zur Einsetzung von Vladimir Putin als Premierminister, der nach der Explosion mehrerer Wohnhäuser in Moskau den 2. Tschetschenienkrieg beginnt und am 31. Dezember von Boris Jelzin zum Nachfolger im Präsidentenamt ernannt wird - ein Epochenwechsel.

2000–2001

Am 31.12.1999 beginnt die Präsidentschaft Vladimir Putins und damit Russlands zweite Nachwende-Epoche. - Der DRA richtet vom 26.-28.4.2000 in St. Petersburg gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung ein internationales Seminar zur journalistischen Ethik aus. Als Wissenschaftliche Kooperationspartner der EXPO 2000 gestalten der DRA, Amnesty International und die Heinrich-Böll-Stiftung am 12. Juni 2000 in Hannover einen Bereich zum Thema "Zivilgesellschaft in Russland", u.a. zu den Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien. In Volgograd stärkt der DRA die Vernetzung von Behörden und Drittem Sektor und fördert ab 2000 mit Hilfe des Diakonischen Werkes 17 lokale NGO-Kleinprojekte. Im September 2000 absolvieren erneut 15 Journalist/innen aus Nordwestrussland ein Redaktionspraktikum in deutschen Partnerstädten (Förderer: Bundespresseamt).

Am 28. 9. eröffnet der Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung, Jochen Welt, die Ehrenamtsbörse des DRA, die bis 2011 unter Leitung von Bettina Bofinger ehrenamtliche Tätigkeiten für russischsprachige Zuwanderer vermittelt (Förderung: Bundesinnenministerium, Fernsehlotterie). Vom 3.-5.11.2000 untersuchen die 5. Deutsch-Russischen Herbstgespräche (Partner: DRA, Evangelische Akademie, Heinrich-Böll-Stiftung) in Berlin "Fremdbilder und Selbstbilder in Deutschland und Russland". Zugleich publiziert der DRA eine Broschüre über die Deutschen in St. Petersburg. Im Dezember stellt Kerstin Nickig in ihrem Dokumentarfilm "Grass Roots Diplomats" die DRA-Freiwilligenprogramme und drei Freiwillige in Irkutsk, St. Petersburg und Moskau vor.

Im April 2001 beginnt der Verein seine Arbeit im Nordkaukasus - ein von Stephanie Weber-Tsomakaeva betreutes Projektbüro in Nasran (Inguschetien) unterstützt ab sofort tschetschenische Flüchtlingsfamilien beim Aufbau von Kleinunternehmen, im September fahren sechs tschetschenische Juristen zu einer Informationsreise nach Berlin und Straßburg.

Vom 10.-12. April 2001 findet auf Initiative der russischen und deutschen Regierung und mit Beteiligung des DRA in St. Petersburg der erste "Petersburger Dialog" (PD) zwischen gesellschaftlichen Gruppen beider Länder statt. Von russischer Seite wird keine einzige NGO eingeladen, seither tritt der DRA für eine größere Offenheit des PD ein.

Im Mai publiziert der DRA den Studium- und Praktikumsführer "Deutsch-Russisches Handbuch zum Berufseinstieg", außerdem entsteht eine Broschüre zu Freiwilligenstellen im Ural. In Minsk startet zeitgleich ein EU-Projekt des DRA mit elf NGOs zur Förderung der Demokratie in Belarus, Koordinatorin ist Susanne Müller. Vom 19.-21. 10. 2001 befassen sich die 6. Deutsch-Russischen Herbstgespräche mit dem Thema "Bandenkapitalismus oder Rechtsstaat". Ab Oktober 2001 unterstützen 14 junge west- und osteuropäische Freiwillige ehemalige Zwangsarbeiter in Berlin, Warschau, Kiev, Minsk und Moskau bei der Nachweisbeschaffung für ihre Entschädigungsanträge.

2002–2003

Das zehnte Jahr des DRA beginnt am 16. Januar 2002 mit einer Diskussion des Moskauer Bürgerrechtlers Juri Dschibladse, weiteren NGO-Mitarbeitern sowie Freiwilligen des DRA in St. Petersburg über die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten unter Präsident Vladimir Putin.

Im gleichen Monat zieht der DRA St. Petersburg aus seinem langjährigen Büro an der Malaja-Konjuschennaja-Straße in das Andrejevskij Dom am Ligovskij Prospekt 87. Dort teilen sich der DRA und die NGOs "Zentrum für unabhängige soziologische Studien", "Bürgerkontrolle" und "Zentrum für die Entwicklung von Non-Profit-Organisationen (CRNO)" eine Etage inklusive Veranstaltungssaal, die seither zu einem der Zentren der bürgerschaftlichen Arbeit in der Neva-Stadt geworden ist.

Am 6. Februar kommen im Rahmen des von Susanne Müller geleiteten Demokratieprojekts in Belarus belarussische Politologen und NGO-Mitarbeiter zu einer Studienreise nach Berlin und Brühl. Im Berliner "Haus der Demokratie" informieren sie selbst über die Lage in ihrem Land.

Im Oktober 2002 wird das große mehrjährige EU-Projekt "Stärkung der Toleranz und Verbesserung der interethnischen Beziehungen" gestartet. Es bringt aufgrund seiner finanziellen Dimension, aber auch der Partnerschaften u.a. mit dem russischen Innenministerium große Herausforderungen mit sich. Konzentriert auf die Regionen Moskau, Tschuwaschien (Wolgakreis) und - vor dem Hintergrund des 2. Tschetschenienkrieges - Stavropol (Kaukasusvorland), soll es u.a. durch Trainings für Polizeieinheiten sowie die Erarbeitung langfristiger Konzepte mit russischen Experten Diskriminierungstendenzen im Land mindern helfen.

Im Dezember 2002 entsteht auf Initiative von Rudi Piwko und aus Mitteln des Erststifters Freiherr Franz von Hammerstein die Stiftung Deutsch-Russischer Austausch, die die Projektarbeit des DRA unterstützen soll und die u.a. durch das Engagement von Barbara von Freytag und Burgis Möwes den Empfang im Rahmen der jährlichen Deutsch-Russischen Herbstgespräche mit ermöglicht. Schirmherr wird zunächst Bundespräsident Johannes Rau, 2004 sein Nachfolger Horst Köhler.

Im März 2003 beginnt das Projekt "Stärkung der Interessenvertretung sozial benachteiligter Gruppen in Südrussland", das die mehr als sechsjährige Kooperation von DRA und Diakonie zur Entwicklung von Sozialorganisationen in Volgograd vollendet. Im Mai 2003 erscheint die Broschüre "Integration durch gemeinsames Handeln" der Berliner Deutsch-Russischen Ehrenamtsbörse des DRA.

Mit dem von Christine Leiser geleiteten EU-Projekt "NGO-Development Ukraine" beginnt ab Juli 2003 in den Städten Sumy, Cherson und Rivne der Aufbau von "Zentren für Soziale Partnerschaft" als gemeinsame Plattform für lokale Bürgerinitiativen und Behörden. Zur Stärkung belarussischer Lehrerinitiativen organisiert der DRA insgesamt acht Seminare zu Themen wie politische Bildungsarbeit und NGO-Management. Ein weiteres Projekt befasst sich mit der Stärkung der Bürgerbeteiligung und der sozialen Partnerschaft in Belarus in der Region Grodno - von telefonischer Beratung bis hin zur Unterstützung in Gerichtsverfahren.

2004–2005

Im ukrainischen Sumy wird im Februar mit dem Social Partnership Centre (SPC) das dritte, vom DRA aufgebaute regionale NGO-Zentrum eröffnet. Im selben Monat findet im Rahmen des Projekts "Promotion of Tolerance and Improving Interethnic Relations" in Moskau ein Training für russische Juristen zu Anti-Diskriminierungs-Gesetzen statt. In Berlin endet für zwanzig junge Menschen aus ostmittel- und osteuropäischen Ländern ihr DRA-Freiwilligendienst.

Im März erscheint der Sammelband "Russland auf dem Weg zum Rechtsstaat?" (Hrsg.: DIMR) auch auf Russisch. Vertreter/innen belarussischer Bürgerinitiativen ermöglicht der DRA im März in Berlin Einblicke in die Arbeit deutscher NGOs. Im Juni folgen Seminare für belarussische Lehrerinitiativen in Gomel und Grodno sowie in Berlin Schülerbegegnungen mit ehemaligen Zwangsarbeiter_innen aus dem russischen Elektrostal. Außerdem absolvieren elf russische Experten zur Förderung der interkulturellen Bildung russischer Behördenmitarbeiter eine vom DRA organisierte Studienreise in Berlin und Brandenburg. Zugleich führt der DRA für die Stiftung EVZ eine Fortbildung für deren osteuropäische Partnerorganisationen durch.

Die 9. Deutsch-Russischen Herbstgespräche (Veranstalter: DRA, Heinrich-Böll-Stiftung, Ev. Akademie Berlin, Memorial/Moskau) widmen sich am 22.-24.10. der Frage: "Welche Geschichte formt die Gegenwart? Erinnerungskultur sechzig Jahre nach Kriegsende". Am 28.10. erhält der DRA für 2004/05 von der Robert-Bosch-Stiftung das Zertifikat "Qualität in Freiwilligendiensten - Quifd". Ab Oktober betreut der DRA/St. Petersburg ein Jahr lang Freiwillige der Diakonie Hamburg. Gemeinsam mit der Partnerorganisation "Grashdanskoje Sodejstvie" richtet der DRA nach dem Überfall auf die Schule in Beslan (Nordossetien) für ein Jahr eine kostenlose juristische Beratungsstelle ein. Ein Spendenaufruf des Paritäters Berlin und des DRA erbringt dafür über 9.000 Euro.

Im März 2005 beginnt das dreijährige, EU-geförderte Projekt "Civic Education Ukraine" zur schulischen und außerschulischen politischen Bildung, das der DRA in einem Konsortium mit Cambridge Education (Großbritannien), dem Centrum Edukacij Obywatelskiej (Polen) und Krok za Krokom (Ukraine) in Kiew und den Regionen Wolyn, Winniza und Cherson durchführt.

Ab April unterstützt der DRA die NGO "Perspektivy" St. Petersburg bei der Verbesserung der Pflegestandards in Behindertenheimen in Peterhof und Pavlovsk. Im September wird auf Beschluss der Mitgliederversammlung des DRA die gemeinnützige GmbH "Europäischer Austausch" gegründet (seit 2008 selbstständig). Im November endet das dreijährige EU-Projekt "Promotion of Tolerance and Improving Interethnic Relations" in den Regionen Moskau, Tschuwaschien und dem südrussischen Gebiet Stawropol.

2006–2007

Dr. Hans-Jochen Vogel, früherer Bundesvorsitzender der SPD, der den DRA von Anfang an unterstützt hat, scheidet im März 2006 ruhestandsbedingt aus dem Beirat aus. In den vom DRA mit aufgebauten Social Partnership Centres in Rivne und Donezk (UA) werden im Mai Freiwilligenagenturen eröffnet.

Im selben Monat übernimmt Stefan Melle die Geschäftsführung des Vereins, seine Vorgängerin Stefanie Schiffer wechselt in die Leitung der Europäischer Austausch gGmbH (EA). Im Juli nimmt der DRA am NGO-Gipfel "Civil G8" in Moskau teil. Im Oktober ist er durch Stefan Melle beim Petersburger Dialog vertreten - der wenige Tage nach der Ermordung von Anna Politkowskaja in Dresden stattfindet. Die 11. Deutsch-Russischen Herbstgespräche von DRA, Heinrich-Böll-Stiftung und der Ev. Akademie Berlin widmen sich am 17./18.11 dem Thema "Xenophobie - Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Identitätspolitik in Russland und Deutschland". Im November organisiert der DRA für die britische Wohltätigkeitsorganisation Charities Aid Foundation (CAF) eine Deutschlandreise für russische NGO-Mitarbeiter nach Deutschland. DRA/Berlin und DRA/St. Petersburg setzen 2006/07 ihre Freiwilligenvermittlung fort.

Der DRA/Spb. gründet 2006 die Europäische Freiwilligenagentur St. Petersburg, schließt sein erstes Schüleraustauschjahr ab und führt u. a. die Festivals "Mach die Augen auf!" und "ArtSobes" gegen Rassismus bzw. Armut durch. Astrid Schorn übernimmt im Oktober von Hanno Gundert die Geschäftsführung. Im Rahmen des dreijährigen EU-Projekts "Civic Education Ukraine", an dem der DRA mitwirkt, finden 2006/07 zahlreiche Workshops, Konferenzen statt, Lehrbücher und Leitfäden für Schulen und Behörden erscheinen.

Ab 2007 wirbt der DRA im Auftrag der 2006 neu gegründeten Stiftung Deutsch Russischer Jugendaustausch in den ostdeutschen Ländern für Schulpartnerschaften und die russische Sprache.

Im Herbst 2006 gewinnen DRA/Bln. und DRA/SPb. erstmals die EU-Ausschreibung für "EU-Study Weeks" und führen diese Seminarzyklen zum Verhältnis EU-Russland 2007 in Samara, Petersburg, Petrosavodsk und Kasan durch. Die Ehrenamtsbörse DRA/Bln. erhält im Februar das Qualitätssiegel der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen.

Im April wird die vom DRA mit aufgebaute Freiwilligenagentur "ConVivere" im belarussischen Gomel eröffnet. Erstmals findet auch der vom DRA organisierte und vom Auswärtigen Amt unterstützte Journalistenaustausch Berlin-Petersburg statt. Im Juni endet das mit Bestnoten evaluierte EU-Projekt "Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ukraine", in dessen Rahmen u. a. fünf "Zentren für soziale Partnerschaft" in Riwne, Tscherniwzi, Donezk, Sumy und Cherson entstanden.

Die 12. Deutsch-Russischen Herbstgespräche befassen sich am 26./27.10. mit den "Potenzialen ökologischer Modernisierung in Deutschland und Russland". Im November erscheint die Neuauflage des "Deutsch-Russischen Handbuchs zum Berufseinstieg" (Förderung: BMI, Robert Bosch Stiftung).

DRA und Memorial beginnen im Dezember mit dem Aufbau eines Berufsbildungszentrums in Nordossetien.

2008–2009

Zu Jahresbeginn 2008 startet der DRA seinen Deutsch-Russischen Schüleraustausch, der Jugendlichen Schulbesuche und Sozialpraktika im jeweils anderen Land ermöglicht.

Zugleich beginnt ein mit der Partnerorganisation Perspektivy durchgeführtes Projekt zur modellhaften Umgestaltung einer Station des Psychoneurologischen Internats Nr. 3 in Peterhof bei St. Petersburg.

Im Februar endet das gemeinsam mit europäischen Partnern verwirklichte dreijährige EU-Projekt "Civic Education Ukraine" zur Förderung der politischen Bildung.

Im Auftrag der EU-Delegation in Moskau werden im Laufe des Jahres wie im Vorjahr EU Study Schools für Studierende und Postgraduierte durchgeführt, so in Pskov, Kasan, Tomsk, Rostov und Moskau (Team: Elena Belokurova, Angelina Davydova, Markus Kaiser). Der DRA/SPb. beteiligt sich im selben Monat in Moskau an dem Umweltfestival "EkoTschaschka". 

Im April beginnt die DRA-Fortbildungsreihe "QuInta" für russischsprachige Migrantenorganisationen (Leitung: Bettina Bofinger, Förderer: Robert Bosch Stiftung). Der DRA/Spb. nimmt im Mai am "Baltic Sea NGO Forum" in Riga teil. Der DRA/Bln. bezieht im Juni sein neues Büro in der Badstraße 44. Die Deutsch-Russischen Herbstgespräche widmen sich 2008 dem Thema "Annäherung oder Entfremdung? - Einfluss der Geschichtspolitik auf das Verhältnis EU-Russland". Im Dezember wird in Kurtat (Nordossetien) das von DRA und Memorial aufgebaute Berufsbildungszentrum offiziell eingeweiht, die Ziele sind ein Werben für interethnische Toleranz und die Schaffung von Erwerbsperspektiven (unterstützt von Renovabis und Diakonischem Werk).

Die 2005 gegründete gGmbH Europäischer Austausch wird 2008 selbstständig. Sowohl 2008 als auch 2009 organisiert der DRA erneut mit Förderung des Auswärtigen Amtes je einen deutsch-russischen Journalistenaustausch, beteiligt sind u.a. ARD, FAZ, Süddeutsche, NTW, Kommersant. Die Freiwilligenvermittlung zwischen Osteuropa und Deutschland wird fortgesetzt. In Gomel (Belarus) berät der DRA beim Aufbau einer Freiwilligenagentur (unterstützt von der EU und der Stiftung EVZ). Im Februar 2009 hält Stefan Melle für den DRA das Impulsreferat zur zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit auf der großen Konferenz "Neues Russland?" des Regierungsbeauftragten Andreas Schockenhoff.

Zur selben Zeit übernimmt der DRA/Bln. das Fachaustauschprogramm mit der russischen Teilrepublik Udmurtien zu Freiwilligen-, Jugend- und Sozialarbeit vom Paritäter Berlin, der Partner bleibt, Förderer ist die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch. Für Journalist/innen aus Moskau und mehreren russischen Regionen bietet der DRA gemeinsam mit russischen Umwelt-NGOs, der Deutschen Welle und der Heinrich Böll Stiftung ab März ein Weiterbildungsprogramm zu ökologischen Fragen an (Förderer: Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Diakonie). Der DRA/SPb. entwickelt unter Führung von Astrid Schorn Projekte zum Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die von der Stadt St. Petersburg mitgetragen werden.

Im Juli beginnt das dreijährige DRA-Programm "Professija.DE - Deutsch-Russische Unternehmen engagiert für Integration und Ausbildung" im Rahmen des Bundesprogramms Xenos. Die Deutsch-Russischen Herbstgespräche 2009 befassen sich unter dem Titel "Brauchen wir neue Gesellschaftsverträge?"\" mit den Charakteristika eines gesellschaftsübergreifenden Konsens und den künftigen Herausforderungen an eine nachhaltige Politik (Partner: Ev. Akademie Berlin, H.-Böll-Stiftung).

2010–2012

Im Gebiet Gomel (Belarus) starten der DRA und seine Partnerorganisation „Soziale Projekte“ im Januar 2010 ein Projekt zur besseren Zusammenarbeit von nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) und Behörden bei der Lösung sozialer Probleme.

Im April legen der DRA und der Europäische Austausch (EA gGmbH) das Positionspapier „For a New Start in Civil Society Cooperation with Russia“ vor, das rasch von einer Reihe europäischer Stiftungen und NGOs unterzeichnet wird und am 28./29.3.2011 in Prag in die Gründung des Zivilgesellschaftsforums EU-Russland (engl. CSF) durch 57 Organisationen und Bürgerbewegungen mündet (www.eu-russia-csf.org). Stefan Melle vom DRA wird in den Koordinationsrat gewählt, der Verein übernimmt umfangreiche Aufgaben zur Weiterentwicklung des CSF.

Das interethnische Berufsbildungszentrum von DRA und Memorial im nordossetischen Kurtat kann durch Förderungen des Diakonischen Werks, des Hilfswerks Renovabis und der EU weitergeführt werden.

Das „Russisch- Deutsche Büro für Umweltinformation“ (RNEI) des DRA startet im Oktober 2010 das Umweltportal www.rnei.de/www.rnei.ru, entsendet 2010 und 2011 Teilnehmer/innen aus NGOs zu den UN-Klimagipfeln in Cancun und Durban und schult russische Journalisten zu ökologischen Fragen. Die Türkische Gemeinde in Deutschland wird vom DRA beim Aufbau einer interkulturellen Freiwilligenagentur beraten. Die 15. Deutsch-Russischen Herbstgespräche am 29./30.10.2010 in Berlin befassen sich mit der demografischen Entwicklung und Familienpolitik in beiden Ländern.

Im März 2011 nimmt die DRA-Praktikumsagentur PAROM die Arbeit auf. Das Integrationsprojekt professija.DE organisiert bis zum Sommer 2012 Beratungen, Vernetzungsaktivitäten, Schülerbetriebsbesichtigungen und einen Wettbewerb zu sozialer Verantwortung von Unternehmen. Zudem entwickelt es die Ausstellung „Mittendrin“ über russischsprachige Unternehmer/innen in Deutschland, die 2011/12 an zahlreichen prominenten Orten gezeigt wird. Das Zivilgesellschaftsforum EU-Russland wird im Juni 2011 beim EU-Russland-Gipfel in Nischnij Novgorod auf höchster Ebene als Gesprächspartner anerkannt.

Ab Juni 2011 koordiniert der DRA im Auftrag des Deutsch-Russischen Jugendrates eine bilaterale Arbeitsgruppe zur Zusammenarbeit beider Länder bei Workcamps und Sommerlagern für Jugendliche. Für den Berliner Senat übernimmt der DRA ab Juli 2011 im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau die Koordination des Jugendaustauschs.

Am 4./5. November finden in Berlin die 16. Deutsch-Russischen Herbstgespräche zum Thema „Bürger, Blogger, Wähler – Der Einfluss neuer zivilgesellschaftlicher Initiativen auf die Politik“ statt – nur wenige Wochen, bevor infolge der Wahlfälschungen in Russland eine große Welle von Bürgerprotesten beginnt. Im Februar 2012 schließen der DRA und seine Partnerorganisation Perspektivy ein Projekt zur Fortbildung von Mitarbeiter/innen des Heims für schwerstbehinderte Kinder Nr. 4 in Pavlovsk (St. Petersburg) ab (Förderung: Aktion Mensch, DW).

Zum Arbeitsspektrum des DRA gehören außerdem u.a. die kontinuierliche Vermittlung von Freiwilligendiensten, der Fachkräfteaustausch zur Sozialarbeit zwischen Berlin und Udmurtien, der Schüleraustausch sowie die Durchführung von Bildungsreisen für Fachgruppen aus Russland. Der DRA/SPb. führt u.a. Menschenrechtsschulungen und Freiwilligenvermittlungen durch und wirkt am Schüleraustausch wie an Veranstaltungen zu sozialen und ökologischen Fragen mit.

Ab Januar 2012 ist der DRA/Berlin bei Facebook vertreten (www.facebook.de/draberlin) und beginnt mit Partnern in Berlin und Perm die Vorbereitung des 1. Europäischen Jugendforums „Pilorama Laboratorium“ in Perm36.

Am 30. März 2012 beging der DRA das 20-jährige Jubiläum seiner Gründung. Unser Dank gilt allen Zuwendungsgebern, Unterstützern und Freunden, die seit 1992 unsere vielfältige Projektarbeit mit ermöglicht haben!

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