15 Journalisten, Fanbetreuer und Fanaktive aus Russland, der Ukraine und Belarus kamen vom 15.-22. September auf Einladung des DRA nach Berlin, um hiesige Mechanismen und Widersprüche von Fußball-Fankulturen in der "offenen Gesellschaft" kennenzulernen. Partner des von Peter Liesegang und Ingo Petz organisierten Seminars war, wie bereits im November 2014, das Fanprojekt Berlin der Sportjugend.
Die Teilnehmer trafen Fans und Fan-Initiativen, Vertreter der Polizei und Sportjournalisten und erfuhren, wie Fanarbeit, -engagement und -unterstützung in Berlin organisiert werden und auf welche Hindernisse Fußballfans dabei stoßen. Beim Journal "11 Freunde" informierte sich die Gruppe über alternativen Fußball-Journalismus abseits üblicher Spiel- und Ergebnis-Berichte. Beim Zweitliga-Club 1. FC Union Berlin, in dem Fans traditionell besonders aktiv sind, lernten die Teilnehmer das lebendige Umfeld des Clubs kennen. Christian Arbeit, Geschäftsführer Kommunikation, erläuterte Möglichkeiten und Grenzen der Vermarktung von Fußballkultur.
In einer öffentlichen Diskussion in den Räumen des Fanprojekts Berlin berichteten die Teilnehmer aufschlussreich über aktuelle Spezifika in ihren Heimatländern. So erzählten ein Fan und eine Journalistin aus Krasnodar bzw. Smolensk, wie der Fußball in Russland von Oligarchen beherrscht sei, dass er wegen der WM 2018 aber gerade aus seiner Nischenbedeutung gelange - und in ihren Städten die Stadien auch bisher schon Orte für Familien seien.
Ein Bericht aus Lutsk in der Ukraine spiegelte die Kriegssituation: Nach dem Maidan hätten die Clubs alte Fehden beendet, Schachtjor Donetsk werde nun auch im westukrainischen Lviv gefeiert, und viele jener, "die einst als Rowdies galten, verteidigen nun im Osten die Heimat". In Belarus, so ein anderer Teilnehmer, habe der Maidan dagegen politischen Druck auf das Fußballleben ausgelöst - Fans würden nun als gefährlich erachtet.
Das Seminar endete mit einem Grillabend, bei dem die Teilnehmer betonten, wie wichtig die länderübergreifende Zusammenstellung des Seminars für den Dialog zwischen jungen Menschen aus Belarus, aus der Ukraine und aus Russland gewesen sei. Und schließlich besuchten die Journalisten und Fans auch noch zwei Bundesliga-Spiele: VfL Wolfsburg gegen Hertha BSC Berlin und 1. FC Union Berlin gegen SpVgg Greuther Fürth. Das Seminar wurde vom Auswärtigen Amt gefördert.