DRA-Ressourcenzentrum „Drukarnia“ (Slovjansk): Vielfältige Aktivitäten vor und trotz der Corona-Krise – Umwelt-, Gesundheits- und Genderfragen

Die Corona-Pandemie hat mittlerweile die Ostukraine erreicht (vgl. Meldung oben), und auch die Stadt Slovjansk befindet sich im Ausnahmezustand. Öffentliche Veranstaltungen dürfen im ganzen Land bis mindestens Ende April nicht mehr stattfinden (siehe folgende Meldung). Das Team des DRA-Ressourcenzentrums „Drukarnia“ in Slovjansk (Gebiet Donezk) entwickelt in dieser Situation Online-Alternativen. So treffen sich schon seit Februar wöchentlich rund 20 Interessierte auf dem neuen YoutubeChannel von Drukarnia zum Deutschunterrichts mit Projektmanager Artur Aheiev und Büroleiter Igor Mitchnik.

Im Februar und März waren allerdings noch etliche Begegnungen möglich. So trafen sich mehrfach Umweltaktivist/innen mit Drukarnias Umweltprojekt-Managerin Kateryna Pasikova zu Strategie- und Kampagnenplanungen hinsichtlich ökologischer Anliegen in der Stadt und Region. Bei einem Regionalforum am 29. Februar in der Slovjansker Stadtbibliothek präsentierte Aheiev Möglichkeiten der Jugendpartizipation auf lokaler wie europäischer Ebene.

Über die eigenen Projekte hinaus hat sich Drukarnia auch zunehmend als Plattform für lokale Partner/innen etabliert. So vermittelte der Kramatorsker Experte Oleksandr Ivanov Mitte Februar in den Räumen des Zentrums in einem zweitägigen Training aktiven Bürger/innen Grundlagen der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Die Werbe-Expertin Antonina Syplyvchak aus Tschernivzi (Westukraine) leitete am 22. Februar für die NGO Svitlo einen Workshop zur Online-Vermarktung für etwa 40 Kleinunternehmer/innen. Am 4. März veranstaltete die Slovjansker NGO Civic Patrol im Rahmen eines Projekts mit der internationalen NGO IWPR (Institute for War and Peace Reporting) eine Diskussion mit Fachleuten des Stadtrats zur Lage im Gesundheitssystem von Slovjansk. Viele der angesprochenen Probleme deuteten bereits darauf hin, wie wenig diese Region auf die Covid-19-Pandemie vorbereitet ist.

Vor dem internationalen Frauentag organisierte das Drukarnia-Team am 5. März einen Themenabend zur Situation von Frauen im Gebiet Donezk, in der Ukraine und in Europa für Mitarbeiter/innen lokaler und internationaler NGOs aus Slovjansk und Kramatorsk. Die Psychologin Elyzaveta Krasnoiarska von der tschechischen NGO People in Need (PIN), die von Slovjansk aus im ganzen Konfliktgebiet humanitäre Hilfe für die Bevölkerung anbietet, sowie Olha Chernykova, Mitglied der Frauenvereinigung "Pani" in Slovjansk, stellten ihre Arbeit vor. Krasnoiarska sprach vor allem über die allgegenwärtige Gewalt, mit der Männer und Frauen in der Region konfrontiert sind. Die Hilfesuchenden einer diesbezüglichen Telefon-Hotline von PIN kommen von beiden Seiten der Demarkationslinie. Zeit Online porträtierte am internationalen Frauentag Kateryna Pasikova und stellte ihre Aussagen zur Situation von Frauen in der Region vor.

Auf der Konferenz „Konflikt findet Stadt. Wie können Konflikte im kommunalen Kontext bearbeitet werden?", die vom 6.-8. März in der Evangelischen Akademie Loccum stattfand, stellte Igor Mitchnik die Arbeit der Drukarnia vor. Dabei unterstrich er, dass das Zentrum sich nicht zuletzt dafür engagiere, den Menschen in Slovjansk und Umgebung, die zu 80-90% noch nie in der EU gewesen seien, diesen Teil Europas nahezubringen. Fast zeitgleich vertrat Aheiev die Drukarnia auf der Konferenz "Europe for all?!? - Rethinking (International) Volunteering" in der Jugendakademie Walberberg. Die Arbeit der Drukarnia ist Teil des vom Auswärtigen Amt geförderten DRA-Projekts „Dialog für Verständigung und Recht: Europäische NGOs gemeinsam für Konfliktbewältigung im Donbass“.

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