Gomel

Nina und Irina Kekuch am Eingang zur Freiwilligenagentur

Eine Freiwilligenagentur in Gomel

In Belarus, dem Land an der Ostgrenze der EU, leben 10 Millionen Menschen, von denen sich – entgegen der offiziellen Meldungen - viele nach Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sehnen. Sie lassen sich von den Drohungen des Präsidenten und seines gigantischen Sicherheitsapparates nicht einschüchtern, treten für eine demokratische Herrschaftsform ein und pochen auf die Unabhängigkeit des gerade erst gegründeten belarussischen Staates und ihre eigene belarussische Identität. Unvergessen sind vielen die Bilder vom Unabhängigkeitsplatz in Kiew, als zwischen all den orange verkleideten Demonstranten zwei belarussische Patrioten ein Plakat entrollten „Heute die Ukraine – morgen Belarus!“. Sie gaben damit vielen Menschen in dem scheinbar völlig isolierten Land ein Zeichen der Hoffnung. Vielleicht wird sich ihr Wunsch bald erfüllen und es wird sich auch in Belarus eine blühende Zivilgesellschaft entwickeln.
Auf Initiative unserer belarussischen Partnerorganisation „Soziale Projekte“ wurde 2006 zusammen mit dem Deutsch – Russischen Austausch in der Stadt Gomel eine Freiwilligenagentur gegründet. Wir hoffen, damit einen kleinen Beitrag zur Schaffung einer lebendigen und demokratischen Zivilgesellschaft in Belarus zu leisten.

Ziel der Freiwilligenagentur ist es, auf lokaler Ebene für das Konzept von Freiwilligenarbeit zu werben und ein Netzwerk für die NGOs der Region aufzubauen. Unsere Tätigkeit umfasst sowohl den Aufbau einer Datenbank und das Bereitstellen von Informationsmaterial, als auch das Organisieren und Durchführen von Workshops und Konferenzen zum Thema „Freiwilligenarbeit“. Darüber hinaus sollen sowohl die Freiwilligen als auch die Mitarbeiter der NGOs, die Freiwillige betreuen, durch Seminare und Trainingsveranstaltungen auf ihren Einsatz vorbereitet werden.

Die Freiwilligenagentur befindet sich im Zentrum der Stadt - etwas versteckt in einem wildromantischen Hinterhof mit einer alten Werkhalle, umgeben von alten Autos, die manches Liebhaberherz höher schlagen lassen, einem Springbrunnen, dessen Geist noch zum Leben erweckt werden muss, und einem alten, aber äußerst agilen und humorvollen Hausmeister. Im Inneren der Werkhalle haben zwei mutige und vor Energie strotzende Frauen – Nina und Irina Kekuch - ein gemütliches Büro eingerichtet, mit Computerarbeitsplätzen, einer Ecke für Seminare und all dem, was für eine Freiwilligenagentur eben so nötig ist.

Sind Sie an weiteren Informationen zu unserem Projekt interessiert? Bitte wenden Sie sich an Frau Evelyn Scheer, Tel. 030 / 44 66 80 15, evelynscheer(at)austausch.org.

Aktuelles Freiwilligenprogramm in Gomel


Freiwilligendienst und Karriere

Ein Bericht der belarussischen Freiwilligen Nadeschda Larkowa

Meinen ersten Kontakt zu Freiwilligenarbeit hatte ich 2003. Damals studierte ich an der Staatlichen Medizinischen Universität in Gomel an der Fakultät „Medizin und Prophylaxe“. Im September 2003 wurde an unserer Universität eine Gruppe von Freiwilligen gebildet, die Veranstaltungen zu verschiedenen Aspekten des gesunden Lebensstils durchführen sollten. Das erste Thema, mit dem meine Aufklärungsarbeit an Schulen und Fachhochschulen begann, waren die Probleme von HIV und Aids. Ich erarbeitete ein Seminar und begann meine Arbeit mit Jugendlichen in Schulen. Danach lud mich die gemeinnützige Organisation „Soziale Projekte“ zu einem Seminarzyklus im Rahmen des Projektes „Erweiterung des Zugangs von Jugendlichen zu Dienstleistungen und Informationen zur reproduktiven Gesundheit“ ein. Mit jedem Seminar konnte ich mein Wissen erweitern. Auch mein Kreis von Bekannten in meinem Alter aus verschiedenen Städten in Belarus wuchs, und ich besuchte Minsk, Grodno, Witebsk und Mogilew.
Die Freiwilligenarbeit half mir, mein Leben zu verändern. Ich wurde selbstbewusster, meine Ansichten und meine Zukunftspläne änderten sich, ich begann, die Menschen um mich herum anders zu betrachten und ich fand viele gleichgesinnte Freunde.
Dann kam die Zeit, als ich mir eine Arbeit suchen musste. Ich wusste genau, dass ich am liebsten im Bereich der Valeologie arbeite wollte. Ich besorgte mir ein Empfehlungsschreiben vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und von der Gomeler gemeinnützigen Organisation„Soziale Projekte“ und begann meine Suche. Als mir in Wetka auf meine Bewerbung hin eine Stelle als Valeologin angeboten wurde, zweifelte ich nicht eine Minute daran, dass dies der Arbeitsplatz ist, an dem ich nicht nur meine beruflichen Kenntnisse, sondern auch die Erfahrungen aus meiner aktiven Freiwilligenarbeit einbringen können würde.
Seit 2005 arbeite ich nun in dieser kleinen Stadt, die zu meiner Heimat geworden ist. Bis heute habe ich in allen Schulen, die es hier gibt, Unterricht mit Schülern unterschiedlichen Alters durchgeführt. Das ist jetzt meine berufliche Tätigkeit.
Ich glaube immer noch, dass Freiwillige eine riesige unerschöpfliche Ressource darstellen und bin selbst bemüht, eine Freiwilligenbewegung in Wetka aufzubauen. Die Jugend hat viele Probleme, wie Geschlechtskrankheiten, frühe Schwangerschaften, schädliche Angewohnheiten, Rauchen, der Genuss von Alkohol und anderen Drogen, sowie die Gefahr von HIV-Infektionen. Es gibt noch keinen effektiveren Weg, mit diesen Probleme umzugehen, als weitreichende Aufklärungsarbeit zu leisten, in die die Jugendlichen selbst einbezogen werden. Im September 2006 wurde in Wetka der Klub „Alternative“ eröffnet, dessen Mitglieder hauptsächlich Freiwillige sein werden.
Die Organisatoren haben folgende Ziele:
1. Aktivitäten zur Stärkung und Erhaltung der Gesundheit durchzuführen und der gesunden Lebensweise Ansehen zu verschaffen.
2. Das Selbstbewusstsein von Jugendlichen zu entwickeln und sie bei der Schaffung eines eigenen Wertesystems zu unterstützen, ihre Entscheidungsfähigkeit zu stärken und ihnen zu helfen, ihr Verhalten und Leben zu kontrollieren.
3. Die nötigen Bedingungen zu schaffen, damit sich die Jugend allseitig entwickeln und ihr schöpferisches Potenzial entdecken kann.
Um diese Ziele zu erreichen planen wir, neue Informationstechnologien zu verwenden, Freiwilligengruppen mit Schülern der Stadt Wetka aufzubauen und Kenntnisse über eine gesunde Lebensweise unter den Jugendlichen zu verbreiten. Die Freiwilligen, die schon älter sind und in unserem Klub mitmachen, werden Beratungen durchführen und Bedürftigen soziale und psychologische Unterstützung anbieten.
So hat sich die freiwillige Tätigkeit mit meiner Arbeit verbunden.
Ich arbeite immer noch eng mit der Organisation „Soziale Projekte“ zusammen. Ich hatte bereits mehrmals die Möglichkeit, meine Kenntnisse im Bereich von HIV/Aids und als Trainer von Freiwilligen für prophylaktische Programme zu erweitern. Ich arbeite oft im Rahmen von Projekten als Trainer an Schulen der Region Gomel und bereite Freiwillige darauf vor, nach dem Prinzip „Lernen von Gleichrangigen“ Werbung für eine gesunde Lebensweise zu machen. Ich bin sehr froh, dass ich zu dieser Organisation gehöre.

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Kontakt:
Deutsch-Russischer Austausch e.V.
Badstr. 44
13357 Berlin

Tel.: 030/446680-0
info@austausch.org