EINE GEMEINSAME SPRACHE FINDEN WIR ALLE BESSER

STÄDTPARTNERSCHAFT: ÜBERWINDUNG DER SPRACHBARRIEREN
VON JELENA ARTJOMOWA (Petergofskij Westnik 1998)

ÜBERSETZUNG: BRITTA BEHRENS

   Am vergangenen Donnerstag ist eine Gruppe von Peterhofern zu einem Freundschaftsbesuch in die Partnerstadt Bad Homburg aufgebrochen.
   Diese Reisen werden auf Einladung der Gesellschaften zur Deutsch-Russischen Zusammenarbeit und der "Deutsch-Russischen Brücke" organisiert und sind bereits Tradition geworden.

Herbstbeginn mit Laternenfest

   In der Regel werden sie an den Anfang des Herbstes gelegt und so mit einem unvergeßli chen Laternenfest verbunden. Leider konnten in diesem Jahr aufgrund des starken Preisanstiegs im Flugverkehr konnten im Vergleich zu früher nur halb so viele Peterhofer an der Reise teilnehmen. Aber es ist gelungen, das lebendige Bändchen des Kontaktes und der Freundschaft zwischen den Bürgern der beiden Städte trotz aller finanzpolitischer Katastrophen zu bewahren.

   Und in Deutschland hat man unsere Landsleute wirklich schon sehr erwartet. So haben die Bad Homburger Freunde auf der Sitzung der "Deutsch-Russischen Brücke" jeden Tag des Aufenthalts der Peterhofer Delegation bis in jede Kleinigkeit ausführlich besprochen. An dieser Versammlung nahmen auch die Journalistinnen des "Peterhofer Vestnik" teil, die ein Praktikum in Deutschland machten.

Programm ganz nach Mass

   Die Organisatoren der Reise wollten ihren Gästen so viel wie mög-lich erzählen und zei-gen, und dabei die beruflichen und persönlichen Interessen eines jeden berücksichtigen.

   Wie üblich befanden sich in der Delegation auch Teilnehmer der Deutschkurse. Diese Kurse wurden in Peterhof auf öffentliche Initiative Bad Homburgs hin ins Leben gerufen und können mit finanzieller Unterstützung der Partnerstadt durchgeführt werden.

   Die Teilnehmer des dritten Kursjahrganges sprechen Deutsch bereits so fließend, daß sie im vergangenen Sommer für deutsche Gäste eine Führung durch die Hauptstadt der Springbrunnen machen konnten.

   Die Bürger Bad Homburgs lernen ihrerseits intensiv russisch. Neben dem Fremdsprachenunterricht in der Schule gibt es sieben Gruppen im Abendunterricht, die auf Initiative der Gesellschaft "Brücke" organisiert werden.

Sprache - Brücke zwischen Menschen

   Die Gesellschaft sieht in den Sprachkursen einen wichtigen Aspekt in der Entwicklung der Beziehungen zwischen den Bürgern unserer Partnerstädte. Ungefähr 55 erwachsene Bad Homburger nehmen an den Russischkursen teil. Verschiedene Gründe haben sie dazu bewegt, sich hinter die Lehrbücher zu setzen: dem Manager aus Frankfurt ist es in beruflicher Hinsicht wichtig, ein Rentner findet darin ein spannendes Hobby, und für solche "Schüler-innen" wie Christa Doken ist Russisch einfach unerläßlich, um regelmäßig mit humanitären Hilfsaktionen nach Rußland fahren zu können und um den umfangreichen Briefwechsel mit den Peterhofer Freunden bewältigen zu können.

   Es fällt ihnen sehr schwer, die russische Sprache zu erlernen: die erste Hürde ist das unbekannte und große Al-phabet, die Aussprache ist noch komplizierter, und man kann sogar sagen, daß das rollende klangvolle russische "R" den Anfängern buchstäblich im Halse steckenbleibt...

Literatur besser im Original

   Aber das fleißige Lernen trägt auch seine Früchte: Auf einem Empfang mit der berühmten Moskauer Schriftstellerin Ljudmila Ulizka, welchen die Gesellschaft "Most" vor einem Monat organisierte, las der Gast einen langen Auszug aus ih-rem Roman im russischen Original vor. Und ein bemerkenswerter Teil des Publikums, das sich am Abend in der Galerie "Art-Lantis" versammelt hatte, verstand den komplizierten literarischen Text ohne Übersetzung. Günter Stiller, den man in Peterhof als einen der Initiatoren der partnerschaftlichen Kontakte zwischen unseren Städten sehr gut kennt, wird erst im nächsten Jahr, wenn er in Rente gegangen ist, mit dem Russischunterricht beginnen.

   Bislang haben die Lehrtätigkeit in der Schule und die aktive Mitarbeit in zwei Freundschaftsgesell-schaften keine freie Zeit für das Studium in Kursen gelassen. Aber Günter Stiller würde den russischen Schülern, die Deutsch lernen, gerne helfen.

Deutsch Lernen über TV

   "Wir sind bereit, Gelder für den Kauf einer Satellitenanlage für eine der Peterhofer Schulen zu sammeln, damit Eure Kinder deutsche Fernsehsendungen sehen können." Es muß nur noch geklärt werden, ob in Peterhof die entsprechenden Übertragungen empfangen werden können.

Wer empfängt "Deutsche Welle"?

   In diesem Zusammenhang wenden wir uns an alle unsere Leser, die Satellitenanlagen habe: Bitte versuchen Sie, das Signal der Fernsehstation "Deutsche Welle" zu empfangen. Wenn ihnen das gelingt, teilen Sie dies bitte der Redaktion des "Peter-gofskij Westnik"

   Die aktiven Mitglieder der Bad Homburg Freundschaftsgesell-schaft haben noch einen weiteren attraktiven Vorschlag: Im nächsten Jahr besteht die Partnerschaft zwischen Bad Homburg und Peterhof bereits fünf Jahre.

"Heimatmuseum" in der Ferne

   Es wurde wertvolle Erfahrung gesammelt, es wurden die vielfältigsten Kontakte geknüpft und Materialien zusammengestellt, die für alle Bürger Peterhofs interessant sein könnten.

   Jetzt könnten die Peterhofer Behörden Räumlichkeiten für ein kleines Museum und Kulturzentrum auswählen. Dieser wäre in seiner Art eine Vertretung Bad Homburgs in Peterhof, auf dessen Grundlage alle neuen Initiativen zum beiderseitigen Nutzen entwickelt werden könnten.