ÜBERSETZER: STEPHANIE HENSCHE
Heute endet in der deutschen Stadt Hannover die Weltausstellung EXPO 2000. Unsere Korrespondentin hat sie besucht.
Treffpunkt EXPO 2000. Fast 200 Nationen und Organisationen haben vom 1. Juni bis 31. Oktober ihre Auslegung des Themas "Mensch - Natur - Technik" präsentiert - auf der Suche nach Antworten auf globale Fragen des neuen Jahrtausends.
Die Messe des 21. Jahrhunderts genannte EXPO 2000 - ein bunter Wettbewerb der Nationen, auf dem diese der Welt ihre Kultur und Geschichte demonstrieren können.
Die Ausstellung erstreckt sich über ein Gelände von 170 ha. Um von einem Ende zum anderen zu gelangen, kann man über den Pavillons in Gondeln durch die Luft schweben. Die EXPO 2000 weckt neuartige Empfindungen und starke Eindrücke. Vom Zentrum der Ausstellung führen Wege in verschiedene Richtungen der Welt. Prinzipiell ist es möglich, dort praktisch alle Länder in Augenschein zu nehmen. Wenden wir uns zunächst der Seite unserer Gastgeber - Deutschland - zu. Die EXPO 2000 bietet Deutschland die Gelegenheit, sich der Welt 10 Jahre nach der Wiedervereinigung zu zeigen. Zwei lange Schlangen haben sich vor dem Haupteingang gebildet. Ein dreidimensionales Kino zeigt Bilder der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das Motto des deutschen Pavillons lautet: "Brücken in die Zukunft". Allerdings, so stellen viele Deutsche fest, vermittelt die Präsentation wenig Einblicke in ihr Land.
Ich bin ein bißchen aufgeregt: wie stellt sich Rußland auf diesem Festival der Nationen dar? Wenden wir uns dem Pavillon Nr. 17 zu. Die EXPO 2000 hat jegliche Geographie durcheinander gebracht: neben Rußland befinden sich Albanien, Armenien, Marokko. Sobald wir jedoch unseren Standort gefunden haben, verschwindet die Aufregung.
Die Ausstellung ist dort in mehrere Sektionen unterteilt: "Mensch und Natur", "Mensch und Technik", "Mensch und Gesellschaft". Insbesondere beeindruckt der Saal für Sankt Petersburg: ein phantastisches Panorama des Stadtzentrums, ein Modell des winterlichen Petersburg in wunderbarer Beleuchtung, daneben Wachsfiguren von Katharina II. und Peter dem Großen, dessen Schultern mit "Schnee" bedeckt sind.
Viele Besucher drängen danach, ihren "EXPO-Ausweis" von unserem Pavillon stempeln zu lassen. Sogar ehemalige deutsche Kriegsgefangene, die in der Sowjetunion waren, sind darunter. "Was hat sich mittlerweile Interessantes ereignet?", frage ich Juri Saizew, der seit dem ersten Ausstellungstag auf der EXPO arbeitet. Er ist einer von vier Mitarbeitern des Petersburger Saales. "Ihr Journalisten seid auf Skandale aus. Nein, bei uns ist alles ruhig gewesen. Routine, jeden Tag dasselbe. Nur der Katharina haben sie zwei Finger abgebrochen. Jeder will sie schließlich irgendwie berühren.
"Geht bitte weg da", ruft er zwei Mädchen zu, die neben den Wachsfiguren herum tollen. "Wißt Ihr, wieviele von Euch täglich hierher kommen? Etwa 6 Tausend pro Tag."
"Aber nicht alle haben heute Geburtstag", versuchen die zaghaft zu widersprechen. "Wir haben heute Geburtstag, wir dürfen."
"Ist Ihre Abteilung erfolgreich?" frage ich Juri Saizew weiter. "Was soll ich Ihnen dazu sagen? Dieses Buch spricht für sich." Er reicht mir ein großes "Gästebuch" für die Besucher. Ich blättere es durch: Notizen auf russisch, deutsch, englisch. "Die nächste Reise wird mich nach St. Petersburg führen. Die Ausstellung ist hervorragend, sehr schön". "Ein Dankeschön an St. Petersburg und den Menschen, die der Welt zeigen, wo die Ursprünge der hohen russischen Kultur, der ganzen Welt sind. Das großartige Arrangement und der tiefe Sinn der Ausstellung machen sie nicht nur zum Glanzstück des Saales der Russischen Föderation, sondern der gesamten EXPO 2000." "Es ist sehr angenehm, im russischen Pavillon eine so schöne und große Abteilung über Sankt Petersburg zu sehen. Das Herz füllt sich mit einem Gefühl von Stolz." "Es ist überraschend und schön, sich nach einer langen und ermüdenden Tournee auf der EXPO 2000 in der stillen Ecke St. Petersburgs wiederzufinden, sich zu entspannen, Borschtsch und Bliny zu essen und mit hübschen russischen Frauen zu reden." Die letzte Notiz hinterließ das "Terem-Quartett", das für einen Rußlandfilm im Pavillon die Filmmusik eingespielt hat.
Juri legt das Buch unter den Tisch zurück. Sonst hinterlassen dort irgendwelche jungen Leute Dummheiten in der Art "Ich war hier".
Und das kleine Restaurant unseres Pavillons bietet in der Tat Piroggen mit Kohl, Bliny mit Kaviar und Pelmeni an. Es duftet nach heimischem Borschtsch. Und überall ist russisch zu hören.
So sind die 5 Monate EXPO im russischen Pavillon durchaus ruhig verlaufen - im Gegensatz zu Rußland selbst, das in dieser Zeit nicht wenig Tragödien durchlitten hat.