Regionalmedien in der Zivilgesellschaft
Russische Föderation - Bundesrepublik Deutschland
Bilanz und Perspektiven
Medien-Konferenz in Samara 01. - 05. Juli 2002
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Teilnehmer/innen der Konferenz zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken! |
Von den AbsolventInnen eines Recherche- und Praktikumsprogramms in Deutschland in den Jahren 1993 - 2001 wollten wir hören, welche beruflichen Veränderungen sie persönlich nach ihrer Rückkehr erfuhren und welchen Weg russische Regionalmedien heute eingedenk einer "Politik der Informationssicherheit" unter Präsident Putin gehen können. Im Gegenzug informierten wir die KollegInnen über den Stand deutscher Regionalmedien und Veränderungen in unserer Landschaft.
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Pressekonferenz |
So versammelten sich JournalistInnen aus den verschiedensten Regionen des großen Landes:
aus St. Petersburg, Kazan, Ufa, Jaroslavl, Nizhnij Novgorod, Orjol, Kaliningrad, Strelna, Tjumen, Novosibirsk, Novgorod, Rostov na Donu, Severodvinsk, Murmansk.
Zum Auftakt der Veranstaltung, einer Pressekonferenz im "Haus der Journalisten" in Samara, reiste der Kulturattaché des deutschen Generalkonsulats aus Saratov, Reiner Huss, an. Seine Rede zur Eröffnung der Konferenz galt der Pressefreiheit.
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Irina Zwetkowa |
Die Vorsitzende des Journalistenverbandes Irina Zwetkowa begrüßte die TeilnehmerInnen in der Stadt Samara und hob hervor, wie wichtig ein Erfahrungsaustausch wie der in den kommenden drei Tagen sei. Diskussionen, die regionen- als auch länderübergreifend regionale Themen behandeln, seien äußerst sinnvoll doch leider rar.
In offenem Kreise - eingeladen zu den Vorträgen über russische und deutsche Medien waren auch KollegInnen aus Samara - diskutierten die TeilnehmerInnen in den folgenden Tagen Fragen zu Entwicklungen und Perspektiven v.a. regionaler Medien in beiden Ländern.
Der Medienexperte Mathias Ebert vom Sender Freies Berlin wies in seinem
Vortrag u.a. auf, was eine Regionalzeitung in Deutschland zu einer erfolgreichen Regionalzeitung macht.
Alexej Pankin, Leiter des Ressorts Medienprogramm des
Open Society Instituts und Herausgeber der Medienzeitschrift SREDA, betonte in seinem
Beitrag die notwendigen wirtschaftlichen Veränderungen und den nach wie vor großen Bedarf an guten Managern bei den Regionalmedien. In einem groß angelegten Projekt wird von Moskau aus - beraten von amerikanischen Institutionen - im Moment ein neuer Versuch gestartet, die Regionalmärkte transparenter zu gestalten. Sollten sich die regionalen Medien in diese Initiative in Zukunft nicht vermehrt einbringen, droht ihnen der Verlust weiterer Marktanteile.
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Elena Baldina, Larissa Nikitina, Irina Nowikowa |
Der Nachmittag des zweiten Konferenztages war den TeilnehmerInnen gewidmet. 20 Personen berichteten darüber, wie ihr erster professionell ausgerichteter Aufenthalt in Deutschland Einfluss auf ihr Leben nahm. Dabei wurden die Erwartungen an den Aufenthalt in unterschiedlichem Maße erfüllt. Das vorgefasste Bild von "den Deutschen" erhielt einige Korrekturen. So wurde Pünktlichkeit nur noch in 58% der Fälle zugesprochen (erwartet: 83%), auch Fleiß und Ordentlichkeit verloren an Wert:
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Julia Larina |
Hatten vor dem Aufenthalt noch 83% der TeilnehmerInnen diese Eigenschaften den Deutschen zu geschrieben, wurden diese Tugenden gemäß den im Lande gemachten Erfahrungen lediglich 75% der Deutschen zugestanden. Die These, dass Deutsche sich kaum von Russen unterschieden, gewann viele Stimmen (von 25% vor dem Aufenthalt auf 50% danach). 75% der JournalistInnen und RedakteurInnen veränderten sich bei Rückkehr beruflich, wechselten in andere Redaktionen (25%), wurden befördert (33%), entlassen (17%) oder begannen eine - in Russland noch ungewöhnliche - Karriere als Freiberufler.
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Igor Oderkow, Mansur Arifulin, Jury Sabitow |
Schwierigkeiten im Beruf beurteilten die Zurückgekehrten mit neuen Augen, hatten sie doch die Abeitsweisen, Rechte und Pflichten ihrer deutschen KollegInnen kennen gelernt.
Als Diskussionsbeitrag zu Arbeitsbedingungen in russländischen Medien wurde die ARD-Dokumentation von Udo Lielischkies "Russische Treibjagd" über die Verfolgung der Journalistin Olga Kitowa aus Belgorod gezeigt. Die Reaktionen auf den Film waren emotional geprägt, aber auch von großem Fatalismus. Wer in diesem Land journalistisch arbeiten wolle, müsse mit Schwierigkeiten rechnen. Und die Justiz handle bekanntermaßen oft parteilich und urteile nicht unabhängig. Von einer Dritten Macht könne hier noch keine Rede sein.
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Pressekonferenz |
Die Bilanz von "Bilanz und Perspektiven", Regionalmedien in der Russischen Föderation und in Deutschland, hängt jeweils von der Perspektive des Betrachters ab. Sicher ist: Die Entwicklung in Deutschland lässt bei Printmedien eine fortschreitende Tendenz zur Monopolisierung erkennen, Wirtschaftlichkeit steht an erster Stelle, investigativer Journalismus verkommt zum Luxusgut. In der Russischen Föderation werden von den 33.000 Printmedien, 3.800 Radio- und Fernsehsendern und mehr als 600 Internetzeitungen viele nicht überleben, sollte der Staat tatsächlich die Ansicht umsetzen, dass der Markt der Medien zur Selbstregulierung fähig sei. Von dem Ideenreichtum russischer Verleger beim Kampf ums Überleben hingegen könnten deutsche Unternehmer sicher heute bereits profitieren. Was die Medienarbeit des DRA betrifft: Die Pflege von in jahrelanger Arbeit errichteten Netzwerken - hier im Journalismusbereich - ist so aufwändig wie lohnenswert. Diskussionen in vertrauensvoller Atmosfäre erlauben eine große Offenheit. Und die benötigen wir, um von einander zu lernen.
Karin Wolf
Projektleitung
Die Vorträge der Konferenz
Eröffnungsrede Rainer Huss
Vortrag Mathias Ebert
Vortrag Alexej Pankin
Fotos: Andrej Kalich