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13. Deutsch-Russische HerbstgesprächeDie Dokumentation der 13. Deutsch-Russischen Herbstgespräche finden Sie hier.
"Annäherung oder Entfremdung? 21.-22. November 2008, Berlin Trotz vieler gemeinsamer Interessen und immer enger werdender Zusammenarbeit in vielen politischen und wirtschaftlichen Bereichen, bestimmen in den vergangenen Jahren vor allem Konflikte die Beziehungen zwischen der EU und Russland. Mit der Auseinandersetzung um den Georgienkrieg haben die Spannungen einen neuen Höhepunkt erreicht. Hinter den Kulissen der aktuellen Politik wirken dabei tiefe Differenzen mit oft historischen Wurzeln fort. Wenige Jahre nach der Osterweiterung ist die EU von einer gemeinsamen Politik gegenüber Russland weit entfernt. Die Russlandpolitik hat neue Trennlinien innerhalb der EU geschaffen. Viele der Streitpunkte haben damit zu tun, dass die EU östlicher geworden ist. Die neuen EU-Mitglieder in Mittelosteuropa mit ihrer langen Erfahrung als "russische" Kolonien oder eines Lebens unter russischer Herrschaft halten einen Zorn gegen die vormaligen Unterdrücker. Östlicher zu werden heißt für die EU zudem, näher an jene Gegend Europas zu rücken, die Russland als sein „vitales Interessensgebiet“ betrachtet. Das allein macht Konflikte erheblich wahrscheinlicher. Es waren in erster Linie ihre historischen Erfahrungen mit Russland und Deutschland, die Polen, Tschechien und die baltischen Staaten nach Ende des Kalten Kriegs anspornten, energisch erst in die NATO und dann in die EU zu drängen. Doch führte diese europäische Wiedervereinigung zu einer neuen Trennungslinie in Europa, nun etwas weiter im Osten. Jenseits und diesseits dieser Linie wird unterschiedlich interpretiert, was geschah, als der Kalte Krieg zu Ende ging. Während die meisten EU-Bürger von einem Sieg der Freiheit sprechen, begreifen die meisten Menschen in Russland das Ende der Sowjetunion heute als eine Niederlage, die eine enorme narzisstische Kränkung hinterlassen hat. Freiheit assoziieren sie vor allem mit dem „Chaos“ der Jelzin-Jahre. Das macht es dem Kreml und der politischen Elite Russlands leicht, öffentliche Meinung im Land zugunsten eigener Machtinteressen zu manipulieren und die Skepsis gegenüber dem Westen in der Bevölkerung zu bestärken. Konflikte der Erinnerung Umgekehrt fällt es mittel- und osteuropäischen Politikern umso leichter Russland neoimperialistischer Ambitionen zu zeihen, je weniger demokratisch, je sowjetischer im Stil sich Russland gibt. Ähnlich wie Russland erleben auch Länder wie Polen, die baltischen Staaten und die Ukraine Erinnerungskonflikte. Auch sie bahnen sich mühsam einen Weg durchs Gestrüpp ihrer sowjetischen Vergangenheit. Die Hoffnung auf nationale Selbstständigkeit führte im Baltikum oder in der Ukraine zur Verstrickung eines Teils der Bevölkerung in Verbrechen der nationalsozialistischen Eroberer im zweiten Weltkrieg. Auch in Mittel und Osteuropa können Politiker der Versuchung, mit Geschichte manipulative Politik zu machen, oft nicht widerstehen. Zugleich entstehen neue Risse innerhalb der gewachsenen EU zwischen Alt- und Neumitgliedern, die eine konsistente Politik gegenüber Russland und den übrigen östlichen Nachbarn erschwert und die Union insgesamt zu schwächen droht. Die diesjährigen deutsch-russischen Herbstgespräche wollen solchen Konflikten der Erinnerung auf die Spur gehen. Im Mittelpunkt steht die zentrale Erfahrung des 20. Jahrhunderts in Europa – die totalitären Diktaturen und das Ende des Kalten Krieges. Gegenstand der Veranstaltung wird die Rolle von Geschichte und Erinnerung im aktuellen, angespannten Verhältnis zwischen der EU und Russland sein. Anhand zweier Beispiele (Polen, Estland) aus der jüngsten Vergangenheit soll mit ReferentInnen aus Deutschland, Russland, Polen und dem Baltikum das Verhältnis von politischen Konflikten, geschichtlicher Erfahrung und deren politischer Instrumentalisierung herausgearbeitet werden sowie die unterschiedlichen Wahrnehmungen von alten und neuen EU-Mitgliedern in diesen Geschichtskontroversen betrachtet werden. Schließlich sollen die Möglichkeiten gesellschaftlicher Akteure beleuchtet werden, die in diesem komplizierten Umfeld versuchen, neue Wege der Verständigung zu finden. Dazu laden der DRA, die Heinrich-Böll-Stiftung und die Evangelische Akademie alle Interessierten herzlich ein. Anfragen richen Sie bitte an herbstgespraeche@austausch.org |
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