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30.3.1992: Der DRA wird in das Berliner Vereinsregister eingetragen. Sein erstes Büro hat der DRA noch in einem kleinen Zimmer der Privatwohnung von Rudi Piwko im Westteil Berlins, ab Dezember 1992 dann in der Finnländischen Straße 25 im Prenzlauer Berg - in Sichtweite der Böse-Brücke, dem ersten geöffneten Grenzübergang. Den Aufbau des Vereines übernimmt als Geschäftsführer Rudi Piwko, später ergänzt durch Martina Müller; Vorstand sind Sabine Erdmann und Martin Bock. Hans-Jochen Vogel (ehem. Vorsitzender der SPD), Lew Kopelew (Schriftsteller), Dietrich Goldschmidt (Professor am Max-Planck-Institut) und Franz von Hammerstein (Direktor der Evangelischen Akademie Berlin) bilden den Beirat des DRA. Später treten Hinrich Enderlein (ehem. Bildungsminister des Landes Brandenburg) und Elfie Siegl (Russlandkorrespondentin der Zeitung FAZ) hinzu. November 1992: Der DRA eröffnet sein Büro in St. Petersburg am Newski Prospekt 104 mit vier Sozialberatern. Die Zusammenarbeit mit der Menschenrechtsorganisation Memorial, der Stiftung zur Unterstützung Obdachloser Notschleschka, einer Selbsthilfegruppe von Krebskranken und zwei Drogenhilfseinrichtungen beginnt. 15. 11. 1992: 14 Journalisten aus St. Petersburg beginnen auf Einladung des DRA und der Hamburger Bürgerschaft ein vierwöchiges Praktikum bei Zeitungsredaktionen der Hansestadt. Ein Einführungsseminar behandelt Presserecht und journalistische Praxis in Deutschland. Dezember 1992: Boris Jelzin ernennt Viktor Tschernomyrdin, Chef des Staatskonzerns Gasprom, zum Premierminister. Tschernomyrdin behält das Amt bis zum März 1998. Etwa ebenso lange spielt die politische Bewegung Unser Haus Russland eine entscheidende Rolle, die als Partei der Macht gilt. Allein 1992 kommen rund 195.000 russlanddeutsche Aussiedler aus der GUS in die Bundesrepublik, davon rund 55.500 aus Russland, 114.400 aus Kasachstan und 12.600 aus Kirgisien. Seit 1988 ist damit etwa eine halbe Million Russlanddeutsche nach Deutschland eingereist. Außerdem siedeln jährlich Tausende Menschen jüdischer Abstammung mit russischer Muttersprache nach Deutschland. Februar 1993: Auf Initiative des DRA und des St. Petersburger Stadtrates findet in St. Petersburg eine Konferenz zur Rundfunk-Gesetzgebung in Russland statt. Sie hat spürbaren Einfluss auf das spätere neue Gesetz über die Massenmedien. Frühjahr 1993: Eine kostenlose Apotheke für Opfer des Stalinismus und des Faschismus beginnt mit deutschen Medikamentenspenden ihre Arbeit für bedürftige Mitglieder der Organisation Memorial in St. Petersburg. März 1993: Ein Fernsehbeitrag im ZDF-Magazin Kennzeichen D über die Arbeit des DRA macht den Verein landesweit bekannt. Die daraufhin eingegangenen Spenden in Höhe von 200.000 Mark ermöglichen die Fortführung der Arbeit und werden auf Wettbewerbsbasis teilweise an die beteiligten St. Petersburger Initiativen weitergereicht. April 1993: In St. Petersburg werden mit Bremer Referenten Fortbildungsseminare für Krebspatienten veranstaltet. 3./4. 10. 1993: Im Streit zwischen Präsident Jelzin und dem kommunistisch dominierten Obersten Sowjet um Vollmachten in der neuen Verfassung kommt es zum offenen Konflikt. Jelzin lässt das Weiße Haus beschießen, in dem sich die Anhänger des Obersten Sowjets befinden. Nach Jelzins Sieg beschließt ein neugewähltes Parlament, die Duma, Jelzins Verfassungsentwurf, wonach eine starke Präsidialgewalt das Machtzentrum bildet. Herbst 1993: Mit einer Praktikumsreise von Journalisten aus der Nordwestregion Russlands nach Hamburg setzt der DRA sein Medienprogramm für Kontakte zwischen Lokalzeitungen fort, das 1992 zwischen St. Petersburg und Hamburg begann. Den Aufenthalt fördert das Bundespresseamt. Er wird zum Muster eines jährlichen Austauschs. In einer Broschüre stellt der DRA erstmals die Aspekte seiner Arbeit vor. Ihr Titel »Hilfe macht unabhängig« ist auch das Motto des DRA. Oktober bis Dezember 1993: In St. Petersburg findet erstmals ein Seminarzyklus für insgesamt 150 Mitarbeiter nichtstaatlicher Sozialorganisationen statt. Er vermittelt Organisations- und Managementerfahrungen von Selbsthilfe-Initiativen im deutschen Wohlfahrtssystem. November 1993: 20 Jugend- und Sozialarbeiter aus St. Petersburg absolvieren auf Einladung der Stadt Hamburg ein vierwöchiges Praktikum in Hamburger Partnerorganisationen. 12. 12. 1993: Bei den Dumawahlen in Russland siegt erneut die gegen Boris Jelzin gerichtete Opposition mit der kommunistischen KPRF. Wahlgewinner ist auch die Liberaldemokratische Partei Wladimir Schirinowskis. Das gleichzeitige Referendum über einen Verfassungsentwurf Jelzins endet mit dessen Erfolg. Die neue Verfassung schreibt ein starkes Präsidialsystem fest, aber auch viele Bürgerrechte wie die Vereinigungs- und Pressefreiheit, das Wahlrecht, die Unverletzlichkeit des Post- und Telefongeheimnisses oder das Recht auf Zivildienst. April 1994: 19 Vertreterinnen russischer Bürgerorganisationen besuchen in Berlin Projekte aus dem gleichen Arbeitsfeld. Im Rahmen der Reise nehmen sie an einem Seminar über das Verhältnis von Frauen zum Arbeitsmarkt, zur Politik und zu Problemen der Gewalt statt. Frühjahr 1994: Der DRA und das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beginnen in Wolgograd mit der Unterstützung der ersten Sozialstation der Russisch-Orthodoxen Kirche, der Station der Heiligen Paraskewa. 24. 6. 1994: Die EU und Russland unterzeichnen einen Vertrag über Partnerschaft und Zusammenarbeit. Immer mehr Förderprogramme der EU beziehen auch Russland ein. Sommer 1994: Erstmals schickt der DRA deutsche PraktikantInnen nach Russland. Bis zum Winter 2001/02 erleben rund 350 junge Europäer Freiwilligen-Praktika in beiden Ländern. 31. 8. 1994: Die letzten Streifkräfte der ehemaligen sowjetischen Roten Armee verlassen Deutschland und das Baltikum. Russlands Präsident Jelzin besucht aus diesem Anlass Berlin. September 1994: Eine neue DRA-Broschüre verzeichnet 28 Frauenorganisationen in St. Petersburg. Die russische Währung verliert am »schwarzen Dienstag«, dem 11. Oktober, binnen weniger Stunden ein Drittel ihres Wertes. 1. 11. 1994: Der DRA eröffnet ein Büro in der Hamburger Grindelallee. Es wird bis zu seiner Schließung Ende August 1996 von Regula Corsten geleitet. Nach einer Informationsreise mit dem DRA nach Berlin entwickelt die St. Petersburger Organisation Memorial das Projekt eines ambulanten Pflegedienstes für betagte Repressionsopfer. 25./26. 11. 1994: Der DRA veranstaltet in St. Petersburg ein Seminar zur Möglichkeit von Menschenrechtsklagen vor russischen Gerichten. Gemeinsam mit Amnesty International sammelt er Geld für solche Prozesse. Im Dezember findet ein Studientreffen zum Strafvollzug und der Straffälligenhilfe statt. 8. 12. 1994: Russland beginnt den ersten Krieg gegen die seit 1991 praktisch unabhängige Kaukasusrepublik Tschetschenien. Die Armeeführung setzt auf rücksichtslose Gewalt. Zugleich opfert sie bis zum Sommer 1996 Tausende eigener Soldaten, vor allem junge Rekruten. Beides löst heftige Kritik in der russischen Bevölkerung und einen starken Aufschwung ihrer Bürgerrechtsbewegung aus, nicht zuletzt durch die Reportagen des ersten landesweiten Privatfernsehkanals, NTW. Dezember 1994: Eine weitere Gruppe russischer Journalisten arbeitet in deutschen Redaktionen. Aus Smolensk, Rjasans, Iwanowo, Orjol und Wladimir fahren sie zum Praktikum nach Hannover, Hagen, Münster, Offenbach und Erlangen. Die Finanzierung übernimmt das Bundespresseamt. Mehrere Redaktionen vereinbaren einen regelmäßigen Nachrichtenaustausch. 1994: Der Zuzug von Russlanddeutschen aus der GUS erreicht seinen Höhepunkt. Mehr als 135.000 Deutschstämmige mit 85.000 Familienangehörigen reisen nach Deutschland ein. Davon wohnten 68.400 zuvor in Russland, 121.500 in Kasachstan und 10.800 in Kirgisien. Der Bundeshaushalt 1995 sieht für ihre Integration über vier Milliarden Mark vor. Der Aussiedlerbeauftragte des Bundes, Horst Waffenschmidt, propagiert mehrere Jahre lang Bauprojekte vor Ort, um die Russlanddeutschen zum Bleiben zu motivieren. Das Konzept gilt bei vielen als unwirksam und ineffizient, der Geldfluss als undurchsichtig. Januar 1995: Verschiedene St. Petersburger Initiativen in der Straffälligenhilfe beginnen unter dem Dach des DRA ihre Koordination. Angesichts wachsender faschistischer Tendenzen in Russland veranstalten der DRA und Memorial St. Petersburg monatliche Seminare über den Rechtsradikalismus und seine historischen Hintergründe. Februar 1995: In St. Petersburg veranstaltet der DRA ein Seminar zum Thema »Drogenabhängigkeit und Recht«. Zugleich eröffnet die Drogeninitiative Woswraschtschenie in Wsewoloschsk ihr Therapiehaus, das aus deutschen Spendenmitteln errichtet wurde. April/Mai 1995: Mit zwei Seminaren zum Marketing und zur Rechtslage sozialer Organisationen beginnt der DRA Wolgograd die NGOs der Stadt zu vernetzen. Eine Fortbildung in St. Petersburg über »Die Hilfe westlicher Stiftungen für NGOs in Russland – für wen und warum?« fragt auch nach der Bewertung westlicher Hilfsprogramme aus russischer Sicht. Mai 1995: Mit dem »Gesetz über gesellschaftliche Vereinigungen« schafft die Duma eine der Grundlagen für russische NGOs. Im Juni folgt das »Gesetz über die Förderung von Kinder- und Jugendvereinigungen«. 10./11. 6. 1995: Die Organisation Bürgerinitiative in St. Petersburg veranstaltet Seminare zum »Status straffälliger Minderjähriger vor Gericht und im Strafvollzug«, zum Einflussgewinn der Geheimdienste in der GUS und zur Diskriminierung von Homosexuellen. Juli 1995: Stefanie Schiffer und Petra Dachtler unternehmen eine vierwöchige Recherchereise zur Situation von NGOs in Westsibirien. Damit beginnt der DRA seine Arbeit in Nowosibirsk. Juli 1995: Bei der Anhörung russischer NGOs vor der UNO-Menschenrechtskommission legen die St. Petersburger Soldatenmütter Berichte tschetschenischer Rekruten vor. Der DRA ist einer der Organisatoren der Reise. Rund 10.000 Mark aus Spenden, die 1989 zur Prozesskostenhilfe für Opfer der DDR-Justiz gesammelt wurden, gehen jetzt für Rechtsberatungsprojekte in Russland an den DRA. August 1995: Bis Dezember erscheint in St. Petersburg monatlich der »Juristische Konsultant«. Die Zeitung dient der Rechtsberatung russischer NGOs sowie der Diskussion neuer Gesetze für ihre Arbeit und wird vom »Phare- und Tacis-Programm« der EU finanziert. Herausgeber sind der DRA und die Stiftung Notschleschka. Auch das neue Monatsbulletin Apis (später Ptschela – »Die Biene«) vom Verband der örtlichen Selbsthilfeinitiativen und der Obdachlosenzeitung Na Dnje wird erstmals aufgelegt. September 1995:Der DRA in Berlin verliert unerwartet einen großen Teil der bisher bewilligten ABM-Mittel und muss auf die Hälfte seiner Mitarbeiter verzichten. Herbst 1995: Bei einer Umfrage des DRA unter St. Petersburger NGOs stellen sich Fragen des Arbeitsrechts, der Besteuerung, der Berufung gegen staatliche Entscheidungen und die Erstellung von Rechtsdokumenten als größte Unsicherheiten bei der Arbeit der NGOs heraus. In vier Städten Nordwestrusslands beginnen Seminare und Workshops zur Öffentlichkeitsarbeit von NGOs. Organisatoren sind der DRA und die St. Petersburger NGO-Dachorganisation Apis. Zum Aufbau eines gemeinsamen NGO-Unterstützungszentrums bezieht der DRA in Wolgograd neue Räume. Im September gibt er ein Verzeichnis nichtstaatlicher Sozialorganisationen im Gebiet Wolgograd heraus. Mehrere Nachauflagen zeigen deren Ausweitung in den Folgejahren. November 1995: Der DRA St. Petersburg eröffnet mit mehreren NGO-Partnern ein neues Büro in der zentralen Malaja Konjuschennaja-Straße. Zur Einweihung einer kleinen Bibliothek zu sozialen und Menschenrechtsfragen kommen Dutzende Journalisten. 3. – 5. 11. 1995: Das DRA-Seminar »Nichtkommerzielle Organisationen« in Pskow vereint NGOs aus Pskow und St. Petersburg. Drei Wochen später macht ein Seminar zu »Kindern mit Behinderungen« die Medien mit den NGOs in Pskow bekannt. 9. – 11. 11. 1995: Der DRA, die Menschenrechtsgesellschaft Memorial und der Bearr Trust London veranstalten in St. Petersburg eine Konferenz zur »Rolle nichtstaatlicher Organisationen beim Aufbau eines Rechtsstaats«. Am 9. 11. findet gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde St. Petersburg eine Gedenkveranstaltung zur sogenannten »Reichskristallnacht« 1938 statt. 11.–19. 11. 1995: Mit Förderung des EU-Programms »Jugend für Europa« unternehmen Moskauer und St. Petersburger Jugendexperten DRA-Studienreisen nach Berlin und Hamburg. Im Juni 1996 fahren Hamburger Jugend- und Sozialarbeiter zum Gegenbesuch nach St. Petersburg. Dezember 1995: Ein Seminar in St. Petersburg propagiert die Freiwilligenarbeit in Selbsthilfeinitiativen und Menschenrechtsgruppen. 13. 12. 1995: Ein Seminar des DRA und der Organisationen Bürgerkontrolle und Bürgerinitiative in St. Petersburg behandelt die Europäische Menschenrechtskonvention und Russlands Rolle im Europarat. 15. 12. 1995: Der DRA beginnt das auf drei Jahre angelegte und von der EU geförderte Projekt »Regionale Unterstützung für NGOs in Westsibirien und am Ural«. Es sieht die Gründung von zwei NGO-Beratungszentren vor, die die lokalen NGOs durch Seminare, Studienreisen und Kontakte zu internationalen und nationalen NGOs qualifizieren sollen. 17. 12. 1995: Bei den russischen Dumawahlen wird die in Opposition zu Präsident Jelzin stehende Mehrheit unter der Führung der KPRF bestätigt. Januar 1996: Das russische Gesetz »Über die gemeinnützige Tätigkeit und gemeinnützige Organisationen« wird verabschiedet. Es enthält Regelungen zum Rechtsstatus und erstmals die Festlegung auf ihre wirtschaftliche Förderung durch Steuerermäßigungen. 6. 1. 1996: Jochen Töpfer fährt nach Nowosibirsk, um dort die Arbeit des DRA zu leiten. Anschließend führt er einen Prozess gegen die Fluggesellschaft Sibir Airlines wegen der Erhebung höherer Preise bei Ausländern, den er im März 1998 gewinnt. 10. – 12. 1. 1996: Der DRA und Memorial konzipieren in St. Petersburg eine Kontaktagentur für nichtstaatliche Organisationen (KANGO) in Nordwestrussland. Ein Talonsystem soll zum Austausch von Dienstleistungen, etwa der Beratung bei Fundraising und Sozialmanagement, zwischen NGOs führen und so ihre Vernetzung fördern. Zugleich publizieren beide eine englische Dokumentation der NGO-Aktivitäten in Menschenrechtsfragen 1995. Die Finanzierung übernimmt das »Tacis-Programm« der EU. 26. 1. 1996: Russland wird trotz des Kriegs in Tschetschenien und der Kritik russischer NGOs in den Europarat der EU aufgenommen. 16. – 18. 2. 1996: In Petrosawodsk (Nordwestrussland) erörtert eine Konferenz »Gewalt gegen Frauen«. 24. 2. 1996: Die offizielle Kooperation zwischen dem NGO-Unterstützungszentrum Sib-Nowo-Zentr in Nowosibirsk und dem DRA beginnt. Sie umfasst die Beratung örtlicher NGOs, Hilfe bei Vereinsgründungen und Austauschreisen innerhalb Russlands. April 1996: Bei einem Treffen mit Boris Jelzin beschließen 13 russische Wirtschaftsmagnaten die Unterstützung Jelzins bei den anstehenden Präsidentenwahlen. Als so genannte Oligarchen erhalten sie wachsenden Einfluss auf die Regierung. Jelzins Hauptkonkurrent, der Kommunist Gennadi Sjuganow, verliert praktisch den Zugang zu den Massenmedien. Mai 1996: Die erste Ausgabe der Monatszeitung Ptschela (»Die Biene«) erscheint als Nachfolgerin des Journals Apis. Sie dient der Vernetzung von NGOs in St. Petersburg, Herausgeber ist der DRA. 19. 5. 1996: Anatoli Sobtschak verliert nach ungeklärten Korruptionsvorwürfen die Gouverneurswahlen in St. Petersburg. Seitdem führt Wladimir Jakowlew die Stadt. 27. – 29. 6. 1996: Auf einer NGO-Konferenz des DRA zu den »Erfolgen und Misserfolgen von nichtstaatlichen Organisationen« beschließen 33 Organisationen aus fünf russischen Städten einen Appell zur Unterstützung des Demokratischen Fonds der Invaliden und des Tschaikowski-Fonds. Deren gemeinsamer Club war nach einem Milizüberfall geschlossen worden. 3. 7. 1996: Jelzin zieht nach dem unerwarteten Erfolg Alexander Lebeds im ersten Wahlgang um die Präsidentschaft Lebed auf seine Seite und wird so in der Stichwahl erneut Staatschef. Unmittelbar zuvor erleidet er einen Herzinfarkt und fällt bis 1999 regelmäßig durch Krankheit aus. Juli 1996: In einer Broschüre stellt der DRA die deutschen Partner Wolgograds vor. Sie reichen von Berlin über Chemnitz bis Köln. In der Stadt selbst organisiert der DRA Anschubfinanzierungen und Seminare für Sozialeinrichtungen sowie eine kostenlose Rechts- und Buchhaltungsberatung für NGOs. Sommer 1996: Der DRA und die Soldatenmütter St. Petersburg beginnen ein Jahresprojekt zu Menschenrechtsverletzungen in der russischen Armee. Gefördert von der EU organisieren sie in Nordwestrussland sechs Seminare, eine ständige Rechtsberatung und ein Monitoringsystem. Im Mai 1997 unternehmen zwei Vertreter der Soldatenmütter eine Studienreise nach Berlin und zur EU nach Straßburg. 29. 7. 1996: Michael Meisinger, Mitarbeiter des DRA in Nowosibirsk, wird von Mitgliedern einer Jugendgruppe ermordet. Zuvor kämpft das Nowosibirsker Büro zeitweise mit Akzeptanzproblemen bei einigen NGOs vor Ort. In St. Petersburg gerät der DRA unter Druck, weil er einen der Spionage angeklagten russischen Offizier politisch unterstützt. Beides zwingt den DRA im Herbst 1996 zu einer Neupositionierung. Er verkleinert die Büros in Russland, entlässt langjährige Partnerorganisationen in die juristische Unabhängigkeit und konzentriert sich nun auf die Entwicklung und Vermittlung von Austauschprojekten sowie Kontakten und Know-How für NGOs. Der Schritt findet jedoch ein ambivalentes Echo. Während der DRA so zu seinem Gründungsanliegen zurückkehrt und westliche Stiftungen und Bürgerinitiativen gerade die »Hilfe zur Selbständigkeit« als idealtypisch für die Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen sehen, wünschen einige russische Partner diese Selbstständigkeit nicht und fühlen sich allein gelassen. Dazu trägt bei, dass der DRA den Wechsel recht kurzfristig vollzieht und zu wenig vermittelt. s 10. – 20. 8. 1996: Die Mitarbeiter des Nowosibirsker Sib-Nowo-Zentr unternehmen eine Studienreise zu NGOs in Moskau und St. Petersburg. 31. 8. 1996: General Lebed schließt im Auftrag Boris Jelzins einen Waffenstillstand im Tschetschenienkrieg. Die Bergrepublik bleibt vorerst Teil Russlands, erhält aber eine eigene Regierung unter Aslan Maschadow. Die Vereinbarung ergänzt im Mai 1997 ein Friedensvertrag. Sie hält fast drei Jahre, wird aber durch Überfälle von Rebellengruppen immer häufiger durchbrochen. Sommer 1996: Nach langer Diskussion führt die Bundesregierung für russlanddeutsche Aussiedler einen obligatorischen Sprachtest ein, um die Zahl der Zuwanderer zu begrenzen und ihre Integrationschancen zu verbessern. Herbst 1996: Im Pilotprojekt »Praktika« des DRA und der Stiftung West-Östliche Begegnungen fahren sechs deutsche und fünf russische NGO-Mitarbeiter ins jeweils andere Land. Es dient der Annäherung von NGO mit verwandtem Arbeitsgebiet und endet im Februar 1997 mit einem Seminar in Warschau. Das Programm leitet Stanislaw Skibinski von der Janusz Korczak-Gesellschaft und wird von einer zweisprachigen Zeitung (»Praktika«) begleitet, die auch Freiwilligenprogramme etwa der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste oder der Soldatenmütter spiegelt. 1. 9. 1996: Mit einem Praktikum bei der Baikal Environmental Wave beginnt eine lange Partnerschaft zwischen der Organisation und dem DRA. Der erste Praktikant, Matthias Morgner, leitet ab Juni 1997 die DRA-Freiwilligenprojekte. 9. – 27. 10. 1996: Eine Recherchereise von Jochen Töpfer bereitet die Kooperation des DRA mit verschiedenen Organisationen in Perm am Ural vor. November 1996: Die Frage »Faschismus – was tun?« wird im Rahmen des Projekts »Praktika« in einer öffentlichen Diskussion beim DRA St. Petersburg erörtert. Dezember 1996: Eine Broschüre des DRA über die Probleme und Selbsthilfeorganisationen von Flüchtlingen und Zwangsumsiedlern in Russland erscheint. 11./12. 12. 1996: Ein internationales Seminar in Nowosibirsk vergleicht die »Soziale Sicherheit und das System der Sozialarbeit« in Russland und Deutschland. 11./12. 3. 1997: In Nowosibirsk untersucht ein Internationales Seminar das Verhältnis von »Ökologie und Macht als Evolution der Kooperation«. März 1997: Der DRA beginnt seine Arbeit in Perm. Kooperationspartner ist u. a. der Freiwilligendienst Prikamia. Mai 1997: Russland schließt mehrere wichtige Verträge. Am 23. Mai gründet Russland mit Belarus einen Staatenbund. Vier Tag später unterzeichnet es einen Partnerschaftsvertrag mit der NATO, am 31. 5. einen Freundschaftsvertrag mit der Ukraine. Im Juni wird Russland in die G7-Gruppe kooptiert. Zu seinem fünfjährigen Bestehen veranstaltet der DRA ein Fest im Berliner »Haus der Demokratie« mit russischen Gästen und veröffentlicht eine kleine Broschüre über die Felder und Ergebnisse seiner Arbeit. 12./13. 6. 1997: Ein Seminar in Nowosibirsk widmet sich der »Beteiligung von NGOs an der kommunalen Selbstverwaltung«. Ende Juni fahren die Mitarbeiter des dortigen NGO-Unterstützungszentrums zu einer Studienreise nach Berlin, Köln, Bonn, Bremen, Hamburg und Frankfurt. 18. 7. 1997: Der DRA beginnt gemeinsam mit dem Uralzentrum zur Unterstützung von NGOs (UZPNGO) ein Projekt zur intensiveren Kooperation von NGOs und lokalen Verwaltungen. 21. – 27. 9. 1997: Die Mitarbeiter des Permer Freiwilligendienstes Prikamia fahren zu einer Studienreise nach Moskau und St. Petersburg. 21. – 23. 10. 1997: Ein internationales Seminar in Perm erörtert die Chancen der »Interkulturellen Kooperation und Konfliktlösung«. 20./21. 2. 1998: Ein Seminar in Nowosibirsk untersucht die Schulentwicklung im Vergleich sozialökonomischer Aspekte wie ihrer Finanzressourcen, der Rolle kleiner Bildungsunternehmen und der Kommunalpolitiker. 25. 3. 1998: Helmut Kohl (Deutschland), Boris Jelzin (Russland) und Jaques Chirac (Frankreich) treffen sich auf Initiative Jelzins. Die als Aktion für mehr europäische Stabilität ausgegebene Begegnung weckt in anderen Ländern Argwohn und bleibt ohne Nachfolge. April 1998: Der junge Sergei Kirienko aus Nischni Nowgorod wird neuer russischer Premierminister. Russland hat zunehmend Schwierigkeiten, seine Schulden zu bedienen. Ausländische Investoren und Spekulanten verlassen das Land. 18. 4. 1998: Für sein großes Engagement darin, Bürgerinnen und Bürger in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion beim Aufbau demokratischer Gesellschaftsstrukturen zu beraten und zu unterstützen, wird dem DRA am 18. April 1998 in Stuttgart die »Theodor-Heuss-Medaille« verliehen. Die Auszeichnung nimmt der DRA aus den Händen der früheren Staatsministerin Hildegard Hamm-Brücher und des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker entgegen. Zur Preisverleihung kommen deutsche und russische Mitarbeiterinnen des DRA aus Berlin, St. Petersburg und Wolgograd. Die anerkannte Auszeichnung verleiht dem damals in Deutschland praktisch nur Fachleuten bekannten Verein viel zusätzliches Ansehen und die Aufmerksamkeit wichtiger Stiftungen und prominenter Personen des öffentlichen Lebens. Dem DRA hilft die Ehrung, als kompetente und verlässliche Organisation vielfältige Unterstützung für seine Projekte in Russland und Osteuropa zu finden. 25. 5. 1998: Sieben weitere Praktikanten des DRA verlassen Berlin. Sie arbeiten in St. Petersburg im NGO-Support-Center, bei der Zeitung Ptschela, im Frauenhaus, in einem Krankenhaus und im Zentrum Innovationen, in Moskau bei Memorial, im Theater Satirikon und in der integrativen Schule Kowtscheg. Juni 1998: Zwei Seminarzyklen in Perm untersuchen das Verhältnis von »Menschenrechten und Sozialcharta«. Die Mitarbeiter des Permer NGO-Unterstützungszentrums unternehmen eine erste Studienreise nach Berlin, Hannover und Straßburg, Ende September folgt eine zweite nach Berlin und Hannover. 12. 6. 1998: Im Berliner »Haus der Demokratie« wird ein vom DRA produzierter Fernsehfilm (»Neues Land, neues Leben«) über die Integration von Migrantinnen in drei Europäischen Ländern der Öffentlichkeit vorgestellt. Juli 1998: Islamistische Wahhabiten fallen von Tschetschenien aus in Bergsiedlungen Dagestans ein und übernehmen dort die Kontrolle. Bis zum Sommer 1999 nehmen diese Überfälle, ihr Aktionsradius und die von ihnen kontrollierten Gebiete ständig zu. 17. 8. 1998: Russland ist, beschleunigt durch den Ölpreisverfall, zahlungsunfähig. Premier Kirienko stellt die Tilgung der Staatsschulden ein. Bis November verliert der Rubel rund 70 Prozent an Wert, Unternehmen und Finanzmittel der jungen Mittelschicht gehen verloren, Großbanken erklären Konkurs, die Bevölkerung tätigt Hamsterkäufe. Außenminister Jewgeni Primakow wird Premierminister und schließt eine Koalition mit der kommunistischen Partei. Herbst 1998: Angesichts der schweren Wirtschaftskrise in Russland verteilt der DRA im Auftrag des Diakonischen Werks der EKD Lebensmittelpakete direkt an Flüchtlinge und Rentner in St. Petersburg. 27. 9. 1998: Bei der Bundestagswahl wird Gerhard Schröder (SPD) anstelle Helmut Kohls zum deutschen Bundeskanzler gewählt. Die SPD schließt erstmals auf Bundesebene eine Koalition mit den Grünen. 24. – 26. 9. 1998: Eine internationale Konferenz in Perm untersucht die »Entwicklung von Sozialverträgen als Element einer Zivilgesellschaft«. Die örtlichen Partner des DRA veröffentlichen im Herbst ein Verzeichnis von Jugendorganisationen der Stadt. November 1998: Gerhard Schröder besucht Russland. Anders als Helmut Kohl nimmt er eine distanzierte Position gegenüber Boris Jelzin ein. Der neue Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung, Jochen Welt, schränkt die Förderung von Bauprojekten in russlanddeutschen Siedlungen zugunsten einer intensiveren Sprachvermittlung ein. Er fördert die Bildung von Netzwerken zur Integration der Übersiedler und sorgt für die Einbeziehung freier Träger. 4./5. 12. 1998: In Perm findet eine internationale Konferenz zu »Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft« statt. Sie bildet den Abschluss des dreijährigen Programms zur Unterstützung von NGOs in Sibirien und im Ural. Dezember 1998: Ein von der EU gefördertes neues Projekt zur besseren Integration von lokalen Selbstverwaltungen und NGOs beginnt in Perm, Nowosibirsk und St. Peterburg. Im Dezember 1999 fahren acht Vertreter beider Seiten zu einer Studienreise nach Berlin. Der DRA und die NGO-Beratungszentren der drei Städte koordinieren das Projekt. Februar 1999: Der DRA beginnt mit Förderung der Robert-Bosch-Stiftung den Aufbau einer europäischen Freiwilligenagentur. Eingeschlossen sind die Entsendung von 16 Freiwilligen nach Russland und eine dreistufige Seminarreihe zum Freiwilligenmanagement für russische Organisationen. 12. 3. 1999: Tschechien, Polen und Ungarn werden Mitglieder der NATO. Der Osterweiterung ging ein jahrelanger Widerstand Russlands voraus. 23. 3. 1999: Die NATO beginnt mit Unterstützung der Bundesrepublik Bombenangriffe gegen Serbien, nachdem Verhandlungen um den Status des Kosovo scheiterten und Ausschreitungen serbischer Sicherheitskräfte zunahmen. Die russische Politikelite lehnt den Krieg heftig ab, ergreift aber keine Gegenmaßnahmen und lässt sich ab Mai in die NATO-Politik einbinden. April 1999: Der DRA Berlin zieht in ein neues Büro in der Brunnenstraße 181 im Stadtbezirk Mitte. Mai 1999: Einen Tag vor der Entscheidung der russischen Duma über ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Jelzin entlässt dieser Premierminister Primakow. Die Amtsenthebung scheitert, Jelzin setzt Innenminister Sergei Stepaschin als neuen Regierungschef durch. Jelzin ist fast permanent krank, dennoch wird die Präsidialadministration wieder zum Machtzentrum des Landes. Mai 1999: Die Duma in Moskau schreibt mit dem »Gesetz über die unentgeltliche Hilfe« sowie einigen Änderungen zu Steuerermäßigungen weitere Erleichterungen für die NGO-Arbeit in Russland fest. Mai 1999: Beim ersten Wolgograder Kinofest des DRA sind deutsche und russische Filme der 90er-Jahre zu sehen. Im Dezember 2000 wird das Festival unter dem Titel »Safari« in Wolgograd und Kamyschin zum zweiten Mal veranstaltet. Juni 1999: Erstmals reist eine Gruppe russischer Praktikanten über den DRA zur Arbeit bei Bürgerinitiativen nach Deutschland. 30. 6. 1999: Eine Vielzahl russischer NGOs stellt zwangsweise die Arbeit ein, da sie die 1995 gesetzlich angeordnete Umregistrierung aller Initiativen und Vereine bis zu diesem Stichtag nicht vollziehen konnten. Bürgerrechtler bemerken, dass die Umregistrierung vor allem Menschenrechts- und Ökologiegruppen verweigert oder unmöglich gemacht wurde. Juli 1999: In einem Plattenbaugebiet in Weimar entsteht, organisiert vom DRA, ein Spielplatz aus Naturmaterialien. Ein Jahr später folgt ein gleiches Projekt im befreundeten Perm. 9. 8. 1999: Wegen seines Zögerns nach dem Einfallen tschetschenischer Rebellen in Dagestan entlässt Präsident Jelzin Regierungschef Stepaschin. Neuer Premier wird der unbekannte Chef des Geheimdienstes FSB und des Sicherheitsrates, Wladimir Putin, der zuvor einer der Vizechefs der Präsidialadministration war. Jelzin ruft Putin zu seinem Wunschnachfolger aus und verliert erneut an Reputation. Putin befiehlt den bewaffneten Einsatz in Dagestan und beginnt Mitte August den zweiten Tschetschenienkrieg. August bis November 1999: Der DRA organisiert eine zweite Austauschreise zum Thema Altenbildung mit je zehn Teilnehmern von den Seniorentheatern Bremen und Kurgan. September 1999: Mehrere schwere Bombenexplosionen in Moskau und in der russischen Provinz kosten hunderte Menschenleben und werden tschetschenischen Terroristen angelastet. Der Krieg in Tschetschenien wird von Putin verschärft und als Beleg seiner Handlungsfähigkeit benutzt. Seine Popularität wächst sprunghaft. 18. – 20. 10. 1999: Der DRA beginnt ein dreistufiges Trainingsprogramm für die Freiwilligenarbeit russischer NGO-Aktiver. Die Seminarreihe von Jochen Töpfer (Berlin), Wladimir Jakimez (Moskau) und Bogdan Maslitsch (Kiew) erstreckt sich bis zum Sommer 2000 und umfasst u. a. Managementfragen, Gesetzeskunde sowie die Auswahl und den Einsatz Freiwilliger. 19. – 21. 11. 1999: Die fünften »Deutsch-Russischen Herbstgespräche« in Berlin erörtern die Frage »Russland in der Dauerkrise?« Mit dem DRA kooperieren dabei die Heinrich-Böll-Stiftung und die Evangelische Akademie Berlin. 31. 12. 1999: Am Vorabend der Jahrtausendwende tritt Russlands Präsident Jelzin zurück und ernennt Wladimir Putin zu seinem Nachfolger. Bei den Parlamentswahlen zehn Tage zuvor hatte die erst im Oktober gegründete Partei Jedinstwo (»Einheit«) durch die Unterstützung des populären Putin den Machtverlust der Kommunisten durchgesetzt. Februar 2000: In Nowosibirsk organisieren das Sib-Nowo-Zentr und die Stadtverwaltung eine öffentliche Anhörung zur »Finanzierung der Arbeit von NGOs aus dem städtischen Etat«. 26. – 28. 4. 2000: In St. Petersburg richten der DRA und die Konrad-Adenauer-Stiftung ein internationales Seminar zur journalistischen Ethik aus. 12. 6. 2000: Der DRA gestaltet als »Wissenschaftlicher Kooperationspartner« der EXPO 2000 in Hannover einen Bereich im »Themenpark Mensch« zum Thema »Zivilgesellschaft in Russland«. In Kooperation mit Am nesty International und der Heinrich-Böll-Stiftung vertreten die Bürgerrechtler Tatjana Kassatkina von Memorial Moskau und Sergei Schimowolos aus Nischni Nowgorod russische NGOs auf dem Russlandtag und leiten eine Diskussion über die Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien. 13. – 15. 6. 2000: In Wolgograd stellt eine »Messe sozialer Projekte« Kooperationen zwischen NGOs und der Stadtverwaltung vor. Beteiligt ist auch der ständige Partner des DRA, das Wolgograder NGO-Beratungszentrum. Mitte Juli treffen sich deutsche und russische NGO-Vertreter mit der Stadtverwaltung zu einem Seminar über die »Lokale Agenda 21«. Sommer 2000: 23 Wolgograder NGOs nehmen diesmal an dem seit 1995 halbjährlich veranstalteten Finanzierungswettbewerb für lokale Kleinprojekte statt. Neun Projekte fördert der DRA mit je 1.000 bis 3.000 Euro. 23. 6. 2000: Eine Gruppe russischer Sozialarbeiter bricht zu einer zehntätigen Hospitationsreise in deutsche Partnerstädte auf. Das Geld dafür stellt das Diakonische Werk bereit. 30. 6. 2000: Auf der »Messe. Ins Ausland. de« in Berlin präsentiert der DRA seine Freiwilligenagentur. 6. 7. 2000: Der deutsche Bundestag beschließt die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die ehemaligen Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge des Hitlerregimes gemeinsam mit der deutschen Wirtschaft. August 2000: Der Untergang des russischen Atom-U-Boots »Kursk« im Nordmeer und widersprüchliche Erklärungen danach schädigen die Autorität der Moskauer Führung und von Präsident Putin. Auf Anweisung Putins wird das U-Boot im Herbst 2001 unter großem publizistischen Aufwand geborgen. September 2000: Erneut halten sich mit finanzieller Hilfe des Bundespresseamtes 15 Journalisten aus St. Petersburg, Pskow und Murmansk zu einem Redaktionspraktikum in deutschen Partnerstädten auf. Auf einem gemeinsamen Runden Tisch erörtern der DRA und der Verein Journalisten aus Russland (JAR) regionale Strukturen in der russischen und deutschen Medienlandschaft. 9. 9. 2000: Das Wolgograder NGO-Beratungszentrum veranstaltet ein Seminar für örtliche NGOs zum Thema »Wie organisiere ich eine Spendenkampagne?« Die Fortbildung zum Fundraising für NGOs wird 2001 fortgesetzt. 28. 9. 2000: Die neue Ehrenamtlichenbörse des DRA beginnt in Anwesenheit des Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung, Jochen Welt, ihre Arbeit. Sie soll Russlanddeutschen Praktika in deutschen Organisationen vermitteln sowie ihre Integration in den Alltag fördern und wird vom Bundesinnenministerium und der Fernsehlotterie finanziert. Oktober 2000: Zwei Fraueninitiativen in St. Petersburg und Sertelowo erhalten Hilfe vom DRA bei Projekten zur Schaffung von Arbeitsplätzen. 11. – 14. 10. 2000: In Moskau tagt erstmals eine landesweite Konferenz russischer nichtkommerzieller Organisationen (NKO). Vertreter von mehr als 250 NKOs erörtern ihre aktuelle Situation in Russland und versuchen, das von der KAF-Stiftung organisierte Forum als gemeinsame Basis für einen Dialog mit dem Staat und der Wirtschaft zu nutzen. 20. – 22. 10. 2000: Ein erstes Treffen von früheren Praktikanten des DRA in Berlin soll die Vernetzung ehemaliger Freiwilliger fördern. 3. – 5. 11. 2000: Eine internationale Konferenz in Berlin diskutiert anhand von »Fremdbildern und Selbstbildern in Deutschland und Russland« die Prägung nationaler Identitäten. Partner des DRA sind dabei die Heinrich-Böll-Stiftung und die Evangelische Akademie. Im Januar 2001 erscheint eine Dokumentation der Tagung. November 2000: Auf der ersten Messe von Kultur- und Sozialprojekten der Wolgaregion präsentieren sich in Perm mehr als 200 Initiativen und Organisationen aus allen Teilen der Region. November 2000: Auf einer Podiumsdiskussion des DRA in Berlin erörtern tschetschenische Bürgerrechtler und deutsche Journalisten die Menschenrechtslage in Tschetschenien. Anschließend reisen die Gäste zu mehreren deutschen NGOs. November 2000: Der DRA veröffentlicht eine Broschüre zu den heute in St. Petersburg tätigen Deutschen und leistet damit Pionierarbeit für ihre Vernetzung in der Millionenstadt. 18./19. 11. 2000: Eine Konferenz zur kommunalen Entwicklung beim Permer NGO-Beratungszentrum erörtert die Lösung sozialer Probleme auf lokaler Ebene. Wenige Tage später diskutiert eine gesamtrussische Konferenz russische Erfahrungen in der »Sozialen Partnerschaft«. Geldgeber ist jeweils die EU. 23. – 25. November 2000: Zur Konferenz »Soziale Partnerschaft – Russische Erfahrungen 2000« des St. Petersburger DRA-Projektpartners Zentrum zur Entwicklung von NGOs kommen 150 Teilnehmer aus ganz Russland. Dezember 2000: »Grass Roots Diplomats«, ein halbstündiger Film von Kerstin Nickig, dokumentiert die Freiwilligenprogramme des DRA und den Einsatz dreier Freiwilliger in Irkutsk, St. Petersburg und Moskau. Im Jahr 2000 veröffentlichen der DRA und das St. Petersburger Entwicklungszentrum für NGOs drei Veröffentlichungen zum städtischen Haushalt und zu städtischen Programmen speziell für die Bedürfnisse von NGOs sowie zur lokalen Selbstverwaltung in St. Petersburg als »Informationen für jedermann«. April 2001: Um eine Kleinprojektförderung durch den DRA bewerben sich diesmal in Wolgograd 26 örtliche NGOs. Acht Projekte unter anderem für die Flüchtlings-, Straffälligen- und Behindertenhilfe können finanziell unterstützt werden. April 2001: Ein neues Projektbüro des DRA im inguschetischen Nasran unterstützt tschetschenische Flüchtlingsfamilien beim Aufbau von Kleinunternehmen. 10. – 12. 4. 2001: Auf Initiative der russischen und deutschen Regierung findet unter Beteiligung des DRA in St. Petersburg der erste »Petersburger Dialog« zwischen den wichtigsten gesellschaftlichen Gruppen beider Länder statt. Von russischer Seite wird keine einzige NGO eingeladen. April 2001: Wegen Überschuldung wird der russische Privatfernsehsender NTW durch dessen Hauptkreditgeber, den Staatskonzern Gasprom, übernommen. Viele deuten das als Wiederkehr politischer Zensur. Nach dem Wechsel der NTW-Führung zum Sender TW-6 von Boris Beresowski, dem jahrelang einflussreichsten Oligarchen in Russland, wird Anfang Januar 2002 auch TW-6 geschlossen. Mai 2001: Der DRA veröffentlicht das »Deutsch-Russische Handbuch zum Berufseinstieg« mit mehr als 200 Kontaktadressen und Kurzporträts von Firmen und Organisationen in Russland und Deutschland, die Praktikanten aus dem anderen Land aufnehmen. Kurz zuvor erscheint eine ähnliche Recherche für die Gebiete Südural und Udmurtien. Mai 2001: Der DRA startet ein Projekt zur Förderung der Demokratie in Belarus. Susanne Müller koordiniert die Arbeit mit elf weißrussischen NGOs vor Ort in Minsk. Förderer ist die EU. September 2001: Im Rahmen des Flüchtlingshilfeprojekts Nordkaukasus kommen sechs tschetschenische Juristen zu einer Informationsreise nach Berlin und nach Straßburg an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. 11. 9. 2001: Nach mehreren Flugzeugentführungen in den USA zerstören Terroristen das World Trade Center in New York sowie Teile des Pentagon und ermorden mehrere Tausend Menschen. 25. 9. 2001: Putin tritt vor dem Bundestag in Berlin auf und hat mit einer auf Deutsch gehaltenen Rede zur Annäherung von Ost und West großen Erfolg. 1. 10. 2001: Sechs junge MenschenrechtlerInnen aus Moskau, Perm und St. Petersburg beginnen ein vom DRA vermitteltes halbjähriges Praktikum in Berliner NGOs. Integriert sind wöchentliche Bildungsbesuche in politischen und gesellschaftlichen Institutionen Deutschlands. Oktober 2001: Das Projekt »Freiwillige helfen Zwangsarbeitern« beginnt. 14 junge west- und osteuropäische Freiwillige unterstützen in Berlin, Warschau, Kiew, Minsk und Moskau ehemalige Zwangsarbeiter bei der Nachweisbeschaffung für ihre Entschädigungsanträge und übernehmen ihre soziale Betreuung. 8. 10. 2001: Die USA und Großbritannien beginnen mit Billigung der NATO Bombenangriffe auf Afghanistan. Durch die Zustimmung von Präsident Putin, der seine Tschetschenien-Politik bestätigt sieht, nähern sich Russland und die westlichen Staaten mehr als je zuvor. Bis Jahresende treffen sich auch Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder mehrmals und festigen ihre persönliche Beziehung. 19. – 21. 10. 2001: Eine vom DRA mitgestaltete Berliner Tagung beschäftigt sich unter dem Titel »Bandenkapitalismus oder Rechtsstaat« mit dem Verhältnis von Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft in Russland und Deutschland. 27. 11. 2001: Auf der Fachtagung »Integration und bürgerschaftliches Engagement bei Spätaussiedlern« des Bundesinnenministeriums wird die Ehrenamtsbörse für russischsprachige Zuwanderer in Berlin des DRA als Best Practice-Beispiel vorgestellt. Dezember 2001: In Moskau findet ein von der Präsidentenadministration und verschiedenen NGOs organisiertes »Bürgerforum« statt. Erstmals spricht ein russischer Präsident vor Vertretern des Dritten Sektors und anerkennt ihre Bedeutung für Russland. 16. 1. 2002: Der Moskauer Bürgerrechtler Juri Dschibladse sowie NGO-Mitarbeiter und Freiwillige des DRA in St. Petersburg erörtern im Diskussionsclub des DRA die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten unter der Regierung von Wladimir Putin. 6. 2. 2002: Innerhalb des Demokratieprojekts in Belarus kommen weißrussische Politologen und Mitarbeiter von NGOs zu einer Studienreise nach Berlin und Brühl. Im Berliner »Haus der Demokratie« informieren sie, Hans-Georg Wieck vom OSZE-Büro in Minsk und Heinz Timmermann von der Stiftung Wissenschaft und Politik über die Lage in Belarus. 8. – 10. 4. 2002: In Weimar findet auf höchster Ebene das Folgetreffen zum vorjährigen »Petersburger Dialog« statt. Der DRA nimmt an der Projektbörse und dem Runden Tisch derjenigen deutschen NGOs teil, die mit Organisationen in den GUS-Staaten zusammen arbeiten. Gleichzeitig begeht der DRA den zehnten Jahrestag seiner Arbeit.
Januar 2003: "Eu-Projekt: “Promotion of Tolerance and improving inter-ethnic relations“ Das Projekt soll zur Verbesserung der interethnischen Beziehungen in Russland beitragen. Ferner verfolgt es das Ziel, bei der Entwicklung einer „Kultur der Toleranz“ zu helfen, um friedliches Zusammenleben von ethnischen Gruppen in Russland zu sichern.
09.02.2003: Die Kultur der Annäherung: Bundespräsident Johannes Rau und Russlands Präsident Wladimir Putin eröffnen im Berliner Konzerthaus die Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen 2003/2004
März 2003: „Stärkung der Interessenvertretung sozial benachteiligter Gruppen in Südrussland“. In seinen Zielsetzungen, der Auswahl der Partnerorganisationen, dem thematischen sowie methodischen Schwerpunkt ist es das Resultat der über sechsjährigen Zusammenarbeit von DRA und Diakonischem Werk der EKD in Wolgograd.
26.03. 2003: Irak-Krieg setzt russischer Wirtschaft zu: Die russische Wirtschaft befürchtet Milliarden-Einbußen wegen des Krieges im Irak. 17.03. 2003: Putin erweitert Macht des Geheimdienstes: Auch Grenztruppen werden dem FSB unterstellt 17.03. 2003: Nach dem erfolglosen diplomatischen Ringen um eine friedliche Lösung der Irak-Krise steht der Krieg ohne ein Mandat der Vereinten Nationen unmittelbar bevor. Die USA und Großbritannien entschieden sich zum Alleingang. 01.03. 2003: Die liberale Moskauer Tageszeitung ("Nowyje Iswestija") wird endgültig eingestellt
19.04. 2003: Der Oppositionspolitiker Sergej Juschenkow wird ermordet
10.04. 2003: Gipfel der Kriegsgegner in Petersburg: der französische Staatspräsident Jacques Chirac, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kremlchef Wladimir Putin
14.05. 2003: Nur zwei Tage nach dem Anschlag auf ein Verwaltungsgebäude des russischen Geheimdienstes FSB im Norden Tschetscheniens, ist am Mittwoch in Ilaschan Jurt nahe Gudermes ein weiterer Selbstmordanschlag verübt worden. Mindestens 14 Menschen wurden getötet und fast 150 verletzt.
14.05. 2003: In St. Petersburg wird die Rekonstruktion des Bernsteinzimmers gefeiert
Juni 2003: Neuerscheinung: „Grenzüberschreitung. Freiwilligenaustausch zwischen Ost- und Westeuropa“,„Integration durch gemeinsames Handeln“ 27.06. 2003: Auf der internationalen Meeresschutzkonferenz in Bremen hat Russland mit seinem Veto einen Beschluss verhindert, mit dem die gesamte Ostsee als besonders empfindliches Seegebiet ausgewiesen werden sollte.
01.06. 2003: Zusammentreffen von nahezu einem halben Hundert Staats- und Regierungschefs in St. Petersburg zu seinem dreihundertjährigen Jubiläum
Juli/August 2003: “NGO-Development Ukraine” (Kiev, UA) - Belarus – Lehrerinitiativen - Stärkung regionaler Lehrerinitiativen Zielgruppe sind vor allem belarussische Lehrer der Fächer Geschichte und Gemeinschaftskunde. Das Projekt hat die Stärkung privater Initiativen und Förderung der schulischen politischen Bildung in ganz Belarus zum Ziel. Es will den bereits bestehenden Lehrerinitiativen in zwei überregionalen Seminaren zum Thema politische Bildung und in sechs regionalen Seminaren zum Thema NGO-Management Hilfeleistung zur Entwicklung eigener Initiativen in der politischen Bildungsarbeit geben.
30. 07. 2003: Bei einem Anschlag auf einen russischen Militärtransport in Inguschetien wurden in der Nacht zu Mittwoch fünf Soldaten getötet. Der Tschetschenienkonflikt lähmt ganz Südrussland: Der Personen- und Warenverkehr ist eingeschränkt, Grenzübergänge sind geschlossen, der Tourismus liegt am Boden
29.07. 2003: Die Krise zwischen Georgien und Russlandhat sich verschärft. Georgiens Präsident Eduard Schewardnadse forderte Moskau ultimativ auf, seine Truppen aus der abtrünnigen georgischen Region Abchasien abzuziehen.
23.07. 2003: Nach mehr als zehn Jahren Debatte führt Russland einen Zivildienst ein.
10.07. 2003: Bei einem neuen Bombenanschlag in Moskau ist in der Nacht zum Donnerstag ein Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB getötet worden.
07.07. 2003: Nach dem verheerenden Bombenanschlag auf ein Rockfestival in Moskau hat der russische Präsident Wladimir Putin am Montag zur "Vernichtung tschetschenischer Terroristen" aufgerufen.
06.07. 2003: zwei Frauen verüben einen Selbstmordanschlag auf einem Rockfestival in Moskau
18.08. 2003: Eine Serie von Angriffen mutmaßlicher tschetschenischer Rebellen tötete russische Soldaten in der russischen Kaukasusrepublik.
04.08. 2003: siebenter Anschlag tschetschenischer Terroristen innerhalb von vier Wochen
September 2003: „Promotion of Tolerance-middle-eastern-volunteers in Berlin NGOs” 13 Freiwillige aus Russland, der Ukraine und Belarus werden in einer Organisation in Deutschland arbeiten. „Belarus – Bürgerbeteiligung - Partizipation durch Dialog: Stärkung der kommunalen Bürgerbeteiligung und der sozialen Partnerschaft in Belarus“ Ziel ist die Interessenvertretung von BürgerInnen kleiner Städte in der Grodnoer Region - von telefonischer Beratung bis hin zur Unterstützung in Gerichtsverfahren - sowie der verstärkte Dialog der belarussischen Bevölkerung mit politischen Entscheidungsträgern auf lokaler Ebene.
31. 10. - 2.11. 2003: Die 8. Deutsch-Russischen Herbstgespräche zum Thema "Macht Demokratie Schule - macht Schule Demokratie? Soziales Lernen in Russland und Deutschland" – in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie und der Heinrich Böll Stiftung.
26.10. 2003: Der Chef des russischen Ölriesen Jukos, Michail Chodorkowski, ist wegen schweren Betrugs und Steuerhinterziehung angeklagt und inhaftiert worden.
13.10. 2003: zwei Chefredakteur einer russischen Zeitung (Iswestija) ermordet
10.10.2003: strategische Zusammenarbeit in der Energiepolitik zwischen Bundeskanzler Schröder und Russlands Präsident Putin vereinbart
08.10. 2003: Frankfurter Buchmesse, in deren Zentrum Russland steht, wurde eröffnet
27.11. 203: Die russische Generalstaatsanwaltschaft schließt ihre Ermittlungen gegen den ehemaligen Yukos-Konzernchef Michail Chodorkowski
18.11. 2003: Mit Blick auf das Moskauer Vorgehen in Tschetschenien und in der Chodorkowski-Affäre will die EU auf größere Distanz zu Russland gehen.
12.12. 2003: Russlands neues Feindbild: KaukasierInnen unter Generalverdacht
09.12. 2003: Anschlag in Moskau: Selbstmordattentat nahe des Kreml Frau sprengt sich in Moskau in die Luft / Fünf weitere Menschen sterben: zwei Tage nach den russischen Parlamentswahlen
7. 12. 2003: Parlamentswahlen in Russland: Präsident Wladimir Putin unterstützte Partei Geeintes Russland gewinnt
06.12. 2003: Alexander Solschenizyn wird 85 - seine Ideen erleben in Russland eine Renaissance
5. 12. 2003: zwei Tage vor der russischen Parlamentswahl am kommenden Sonntag ist auf eine Bahnstrecke in Südrussland ein Bombenanschlag verübt worden
4.2.2004: Valentyna Dovzhenko, Ministerin für Familie und Jugend der Ukraine, eröffnet feierlich das Social Partnership Centre (SPC) in Sumy. Damit entsteht im Rahmen des DRA Projekts "NGO-Development Ukraine - Kyiv and selected regions" ein drittes regionales Zentrum zur Unterstützung lokaler NGOs.
3.-5.2.2004: Gemeinsam mit seinem langjährigen ukrainischen Partner, dem NGO-Support-Zentrum GURT, veranstaltet der DRA in Sumy/Ukraine für 15 MitarbeiterInnen örtlicher NGOs ein Training zu Methoden des Freiwilligenmanagements.
4.-8.2.2004: Im Rahmen des DRA-Projekts "Promotion of Tolerance and Improving Interethnic Relations" findet in Moskau das dritte von vier Trainings für eine Gruppe von 19 JuristInnen aus ganz Russland statt. Thema sind die Anti-Diskriminierungs-Gesetze und ihre Implementierung in westeuropäischen Ländern.
16.-18.2.2004: Durch Vermittlung des DRA kamen im September 2003 zwanzig junge Freiwillige aus Belarus, Polen, Russland, der Ukraine und dem Baltikum nach Berlin, um hier ein halbes Jahr in NGOs mitzuarbeiten. Zum Abschluss kommt ihr Freiwilligendienst mit einem Seminar in Rostock, das eine Evaluierung des Aufenthalts und die Frage der Rückintegration zum Inhalt haben wird.
März 2004: Der vom Deutschen Institut für Menschenrechte herausgegebene Band "Russland auf dem Weg zum Rechtsstaat?" liegt nun auch in einer russischen Fassung vor. Hinzugekommen ist ein umfangreicher Adressteil, der zahlreiche russische NGOs auflistet.
26. 3. - 3. 4. 2004: werden VertreterInnen belarussischer Bürgerinitiativen, die sich für mehr Partizipation von BürgerInnen auf lokaler Ebene einsetzen, in Berlin zu Gast sein. Im Rahmen des DRA-Projekts „Partizipation durch Dialog - Stärkung der kommunalen Bürgerbeteiligung und der sozialen Partnerschaft in Belarus“ erhalten sie einen Einblick in Projekte und Handlungsstrategien deutscher zivilgesellschaftlicher Initiativen und können Kontakte zu deutschen Organisationen aufnehmen.
April 2004: Allgemeine Hintergrundinformationen zu den DRA-Freiwilligenprogrammen und individuelle Berichte west- und osteuropäischer Freiwilliger über ihre Erfahrungen im jeweiligen Gastland sind in der Broschüre "Grenzüberschreitungen – Freiwilligenaustausch zwischen Ost- und Westeuropa" nachzulesen.
29.4.-2.5.2004: In St. Petersburg findet ein vom deutschen Generalkonsulat veranstaltetes Kulturprogramm statt. Einige Konzerte hat der DRA organisiert, darunter die Auftritte der Bands "Dr. Bajan Sovietabilly Band" und "Eto". Die MusikerInnen - drei RussInnen, zwei Ukrainer, drei Deutsche und ein Schweizer – bringen unter dem Titel "REmigration" zusammen, was nicht zusammengehört: alt-russische Folklore mit Drum&Bass, Sowjet-Kitsch mit Rockabilly.
13.6.-19.6.2004: Vierzehn ehemalige Zwangsarbeiter/innen aus Elektrostal in Russland und ebenso viele Begleitpersonen, darunter acht Schüler/innen, sind zu Gast in Berlin. Neben dem Besuch von Gedenkstätten und Orten der Zwangsarbeit stehen insbesondere Begegnungen mit Berliner SchülerInnen auf dem Programm. Kooperationspartner des DRA ist dabei die Alexander-Puschkin-Oberschule in Berlin-Lichtenberg.
Juni 2004: VertreterInnen von Lehrerinitiativen, die sich in Belarus für eine Förderung der schulischen politischen Bildung einsetzen, finden sich am 5./6. Juni in Gomel bzw. am 12./13. Juni in Grodno zu einem Seminar mit dem Thema "Globale politische Ideologien gestern und heute" zusammen. Hintergrund bildet die Einführung des Pflichtfachs "Ideologie des belarussischen Staates" an allen Hochschulen und teilweise auch an den Schulen des Landes.
19.6.2004: Der Ethnologe und wissenschaftliche Mitarbeiter der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften Nikolaj Girenko wird in St. Petersburg von Unbekannten erschossen. Er arbeitete für Partnerorganisationen des DRA e.V., so für Memorial, Bürgerkontrolle und für das Netzwerk russischer NGOs gegen Rassismus, Xenophobie und Intoleranz. Die russische Menschenrechtsbewegung hat mit Nikolaj Girenko einen ihrer engagiertesten Vertreter verloren.
10.7.-17.7.2004: Elf ExpertInnen aus Moskau und verschiedenen Regionen der Russischen Föderation werden in Berlin und Brandenburg eine vom DRA organisierte Studienreise absolvieren. Sie alle arbeiten im Rahmen des EU-geförderten Projekts "Promoting Tolerance and Interethnic Relations" an der Entwicklung von Curricula, vermittels derer MitarbeiterInnen der Polizei und Behörden in Russland im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen geschult werden sollen.
Juli 2004: Im Auftrag der Stiftung "Erinnerung Verantwortung Zukunft" bietet der DRA eine Fortbildungsreihe für Partnerorganisationen der Stiftung anbieten, die in Osteuropa ehemalige ZwangsarbeiterInnen und Opfer des Nationalsozialismus betreuen. Vorgesehen sind insgesamt neun Seminare für haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen entsprechender Dienste in Estland, Russland, Belarus, Polen und der Ukraine.
29.7.-31.7.2004: Mit Unterstützung des DRA veranstaltet die Organisation „Marija – Mütter gegen Drogen“ das interaktive Seminar "Prävention von HIV und Aids: Theorie und Praxis. Erfahrungen aus Deutschland und Russland" in Wolgograd.
9.9.-10.9.2004: Der DRA beteiligt sich am Petersburger Dialog, der in diesem Jahr in Hamburg stattfindet. In Ergänzung zu den offiziellen Diskussionsrunden veranstaltet der DRA in der Patriotischen Gesellschaft ein öffentliches Hintergrundgespräch über die aktuelle russische NGO-Steuergesetzgebung und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung von Zivilgesellschaft und Philanthropie in Russland. Außerdem organisiert der DAAD am 10.9. eine Ausstellung zum Thema deutsch-russische Jugendbegegnungen. Der DRA informiert hier unter dem Motto „Grenzüberschreitungen: Freiwilligenaustausch zwischen Ost- und Westeuropa“ über seine seit 12 Jahren erfolgreich tätige Freiwilligenagentur.
22.10.-24.10.2004: Als gemeinsame Veranstaltung des DRA, der Heinrich-Böll-Stiftung, der Evangelischen Akademie Berlin und Memorial/Moskau widmen sich die 9. Deutsch-Russischen Herbstgespräche dem Thema: “Welche Geschichte formt die Gegenwart? Erinnerungskultur sechzig Jahre nach Kriegsende“.
28.10.2004: Der DRA erhält von der Robert-Bosch-Stiftung das Zertifikat „Qualität in Freiwilligendiensten – Quifd“ für das Jahr 2004/2005.
Oktober 2004: Mit einem viertägigen Einführungsseminar für 15 Zivildienstleistende und Freiwillige haben der DRA St. Petersburg und die Diakonie Hamburg eine Zusammenarbeit aufgenommen. Ein Jahr lang wird der DRA in St. Petersburg neben den vom ihm selbst vermittelten Freiwilligen auch sechs Petersburger Zivildienstleistenden der Diakonie die Möglichkeit geben, bei regelmäßigen Zusammenkünften mit zu diskutieren.
29.-31.10.2004: Unter Beteiligung des DRA findet in Berlin eine internationale Fachtagung zum Thema „Verschwindenlassen“ statt. Innerhalb Europas sind besonders Belarus und Tschetschenien von Verbrechen dieser Art betroffen. Die Tagung soll VertreterInnen osteuropäischer NGOs die Vernetzung mit KollegInnen aus Lateinamerika, Afrika und Asien ermöglichen.
26.11.2004: Das Petersburger Büro feiert seinen fünften Jahrestag. Zu dem Fest wird zugleich der renovierte Veranstaltungssaal von CRNO und NRO am Ligovskij Prospekt 87 eingeweiht.
November 2004: Über 9.000 Euro erbrachte seit September ein gemeinsamer Spendenaufruf des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin und des DRA zugunsten der Opfer von Beslan. In Kooperation mit seiner russischen Partnerorganisation „Graschdanskoje Sodeistwie“ richtet der DRA für ein Jahr in Beslan eine kostenlose juristische Beratungsstelle ein.
November 2004: Auf Basis seiner Deutsch-Russischen Ehrenamtsbörse hat der DRA ein neues integrationsförderndes Angebot für russischsprachige Zuwanderer in Berlin entwickelt. Sie werden eingeladen, bei „Mitmachtagen“ gemeinsam mit Einheimischen, Aktionen zugunsten gemeinnütziger Projekte durchzuführen.
Dezember 2004: Die Proteste, die in den vergangenen Wochen in Kiew und anderen Städten der Ukraine stattfinden, zeigen eine Zivilgesellschaft, die nach 13 Jahren der Unabhängigkeit des Landes zu einem gewichtigen politischen und gesellschaftlichen Faktor geworden ist. Ihre Stärke offenbart sich sowohl in ihrer Beharrlichkeit als auch in ihrem Bestreben, den Konflikt friedlich zu lösen.
Dezember 2004: „Civic Education“ ist das Thema eines dreijährigen, von der EU geförderten Projektes, das der DRA voraussichtlich ab Anfang 2005 in einem Konsortium mit Organisationen aus Großbritannien (Cambridge Education), Polen (Centrum Edukacij Obywatelskiej) und der Ukraine (Krok za Krokom) in Kiew und drei noch zu bestimmenden Pilotregionen durchführen wird.
Dezember 2004/ Januar 2005: Die Europäische Kommission ist hinsichtlich des im Dezember abgeschlossenen EU-Projekts „NGO Development– Kiev and selected regions of Ukraine“ zu einer höchst positiven Beurteilung gelangt. Der Monitoring-Bericht attestiert den drei im Zuge der Projektarbeit neu etablierten „Social Partnership Centres“ eine nachhaltige Wirkung im Bereich sozialer Dienstleistungen.
Januar 2005: Die Russische Staatsduma hat in erster Lesung den Gesetzentwurf über die Bildung einer föderalen Zivilkammer (Obshestvennaja Palata) verabschiedet, in der VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) die Arbeit der russischen Regierungsstellen kontrollieren sollen. Angekündigt wurde die Einrichtung dieser Institution von Präsident Putin unmittelbar nach der Geiselnahme in Beslan im September 2004. Unabhängige VertreterInnen von NGOs und PolitologInnen kritisieren an dem Gesetzesentwurf den offensichtlichen top-down-Ansatz bei der Auswahl der Mitglieder der Zivilkammer und den ungeklärten Zugang des Gremiums zu Informationen.
1.2.-2.2.2005: Mit einer Veranstaltung zum Thema „Mainstreaming HIV/AIDS - Analyse eines Querschnittsthemas: Was bedeutet HIV/AIDS für uns?“ wird in Wolgograd das zweijährige Projekt „Stärkung der Interessenvertretung sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen in Südrussland“ zum Abschluss kommen.
Februar 2005: Eine neue Kooperation haben der DRA St. Petersburg und der Verein AFS Interkulturelle Begegnungen aus Hamburg vereinbart. Gemeinsam werden beide Organisationen ab dem kommenden Schuljahr ein deutsch-russisches Austauschprogramm für SchülerInnen der 10. und 11. Klasse durchführen. Wichtiger Bestandteil des Programms ist der Aufbau eines Freiwilligen-Netzwerkes ehemaliger AustauschschülerInnen.
1.3.2005: Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag Katrin Göring-Eckardt ist Hauptrednerin eines Diskussionsklubs zu Sozialreformen in Deutschland und Russland, den der DRA/NRO St. Petersburg veranstaltet. Ihre russische Gesprächspartnerin auf dem Podium ist die unabhängige Dumaabgeordnete Oxana Dmitrijewa. Die beiden Politikerinnen diskutieren Einzelheiten der Reformpolitik beider Länder.
März 2005: Das trilaterale Kaliningrad-Projekt, das der DRA gemeinsam mit der Democratic Society East Foundation und der Stiftung für Demokratische Entwicklung der Region Gussew durchführt beginnt in diesem Monat. Nach Besuch eines Einführungsseminars in Berlin werden sechs vom DRA ausgewählte Freiwillige von März bis April gemeinsam mit polnischen Freiwilligen an Schulen in Gussew, Osiersk und Tschernjachowsk unterrichten.
8.3-14.3.2005: Für MitarbeiterInnen osteuropäischer Organisationen, die innerhalb des Programms „Psychosoziale und medizinische Betreuung von ehemaligen NS-Opfern“ der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ Projekte realisieren, organisiert der DRA einen Zyklus von Fortbildungsangeboten.
April 2005: In der Ukraine beginnt ein EU-Projekt im Bereich der „Civic Education“, das der DRA in Partnerschaft mit Cambridge Education, dem Centre for Civic Education und der Step by Step Foundation koordiniert.
April 2005: Die modellhafte Umstrukturierung einer Abteilung des Psycho-neurologischen Internats für Menschen mit Behinderungen in Peterhof bei St. Petersburg ist Gegenstand einer im April anlaufenden, EU-geförderten Gemeinschaftsunternehmung. Die Einrichtung wird dabei mit der Petersburger NGO Perspektivy, der Hamburger Werkstatt und der Behindertenhilfe Hamburg kooperieren. Der DRA übernimmt Monitoring und Evaluierung.
April 2005: Bundespräsident Horst Köhler übernimmt die Schirmherrschaft über die Stiftung Deutsch-Russischer Austausch von seinem Amtsvorgänger Johannes Rau.
10.5.-15.5.2005: Der DRA in St. Petersburg führt eine Lehrerfortbildung zum Thema Menschenrechtsbildung durch. Teilnehmer des Trainings, das vom Europarat finanziert und mitveranstaltet wird, sind 24 Lehrer aus der Nordwestregion Russlands.
Mai 2005: Trotz Bewilligung durch die EU kann der DRA nicht mit dem Aufbau eines lokalen Freiwilligenzentrums in Slawgorod beginnen. Aussichten auf einen raschen Start hat die mögliche Aufnahme in das CORE (Cooperation for Rehabilitation) -Programm eröffnet, mit der das aufwändige offizielle Registrierungsverfahren zu umgehen gewesen wäre. Die Präsentation des DRA-Vorhabens auf einer CORE-Konferenz im April in Bragin verläuft allerdings ergebnislos.
Mai 2005: Seit Juli 2004 organisiert der DRA eine Schulungsreihe für osteuropäische Organisationen, die mit Unterstützung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" Projekte für ehemalige ZwangsarbeiterInnen durchführen. Der Verband der Häftlinge und Opfer des Nationalsozialismus aus Dnepropetrowsk und die polnische Stiftung Pro Vita et Spe vereinbaren während einer gemeinsam besuchten Fortbildung in Kiew einen Freiwilligenaustausch.
3.6.-5.6.2005: Mit "Geschichtsdidaktik und Menschenrechtsbildung an Schulen in Deutschland, Belarus und Russland" befasst sich in Sankt Petersburg eine internationale Tagung im Rahmen des Projekts "Geschichte begegnen, Menschenrechte verstehen".
Juni 2005: Erneut hat sich der DRA mit Erfolg auf die Mitwirkung bei EU-Aktivitäten zur Stärkung von sozialen NGOs in ukrainischen Regionen beworben. Im Mittelpunkt stehen für das zwei Jahre angelegte Folgeprojekt der Aufbau von zwei neuen Zentren voraussichtlich in Donezk und in Tscherniwzi sowie die nachhaltige Entwicklung der bereits gegründeten Einrichtungen in Riwne, Sumy und Cherson.
Juni 2005: Mit der Ende Mai ergangenen Verurteilung des YUKOS-Chefs Michail Chodorkowski zu neun Jahren Lagerhaft hat das Moskauer Gericht alle Befürchtungen russischer und internationaler Prozessbeobachter bestätigt, dass hier ein politischer Gegner des Kreml und zugleich ein wirtschaftlicher Konkurrent ausgeschaltet werden soll. Das Verfahren, das Züge eines Schauprozesses aufwies, hat dem internationalen Ansehen der Russischen Föderation und dem Vertrauen in den demokratischen Transformationsprozess des Landes schweren Schaden zugefügt. Die Parlamentarische Versammlung des Europarats rügt insbesondere die Missachtung der russischen Strafprozessordnung und der Europäischen Menschenrechtskonvention hinsichtlich der Wahrung der Rechte der Verteidigung und die Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung vor dem Gesetz. Der DRA e.V. bedauert die unrühmliche Rolle, die deutsche Banken und Energieunternehmen - namentlich Eon Ruhrgas und die Deutsche Bank – im Prozess der Zerschlagung des YUKOS-Konzerns gespielt haben.
Juni 2005: Die dreimonatige Eingangsphase im DRA-Projekt „Civic Education“ in der Ukraine wird abgeschlossen. Als die Pilotregionen, in denen schwerpunktmäßig gearbeitet werden soll, stehen neben Kiew nun Wolyn, Winniza und Cherson fest.
10.6.-15.6.2005: Die zweite Auflage des vom DRA St. Petersburg organisierten Kulturfestivals „Remigration“ re-importiert erneut russische Kultur, made in Germany. Drei Open-air-Konzerte am Strand vor der historischen Kulisse der Peter-und-Pauls-Festung, ein Poetry Slam mit AutorInnen aus Berlin, Dresden, Petersburg und Moskau und weitere Theater-, Literatur- und Diskussionsveranstaltungen sorgen für Stimmung.
26.7.2005: Das Social Partnership Centre in Sumy stellt sein neues Informationszentrum für regionale Frauenorganisationen vor.
Ende Juli 2005: Gemeinsam mit der Berliner Theatergruppe „Ostarbeiter“ und mit Unterstützung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ führt der DRA St. Petersburg im Nordwesten Russlands ein zweiwöchiges Sommerlager durch. Es nehmen 40 SchülerInnen und Studierende aus Berlin, Sankt Petersburg, Moskau, Minsk und Irkutsk teil. Unter der Überschrift „Geschichte begegnen, erspielen, verstehen“ befassen sie sich mit der Geschichte von Krieg und Verfolgung im Gebiet Pskow.
15.8.2005: Sieben Schüler aus Dnepropetrowsk und Kiew treffen zu einem vom DRA organisierten mehrtägigen Rechercheaufenthalt in Berlin ein. Sie sind erfolgreiche TeilnehmerInnen eines Wettbewerbs zum Thema "Ukrainer als Zwangsarbeiter in Deutschland während des 2. Weltkrieges".
17.8.-19.8.2005: Im Rahmen des DRA-Projekts zur Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ukraine findet in Cherson eine Veranstaltung zum Thema: „Wie lassen sich lokale Ressourcen optimal zur Lösung sozialer Probleme mobilisieren?“ statt.
August 2005: Der Deutsch-Russische Austausch e. V. hat als Konsequenz aus seiner erfolgreichen Arbeit bei der Förderung von Nichtregierungsorganisationen in der Russischen Föderation, der Ukraine und Belarus die gemeinnützige GmbH „Europäischer Austausch“ gegründet. Ziel des Europäischen Austauschs gGmbH ist es, Nichtregierungsorganisationen in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und in den neuen Nachbarstaaten der erweiterten EU in ihrer Arbeit zu fördern und dadurch zur Verankerung von Rechtsstaatlichkeit, sozialer Sicherheit und zum Schutz der Menschen- und Bürgerrechte in Europa und seinen Nachbarstaaten beizutragen.
Ende August 2005: Für sieben DRA-Freiwillige aus Russland, der Ukraine, Belarus und Moldowa beginnt ein sechsmonatiger Aufenthalt in Berlin. Zwei Themen stehen dabei im Mittelpunkt: Drei der Freiwilligen werden in Einrichtungen mitwirken, die sich mit außerschulischer politischer Bildungsarbeit befassen; vier weitere Stellen sind in der Beratungs-, Betreuungs- und Präventionsarbeit zu HIV/AIDS angesiedelt.
10.9.2005: Zum fünften Mal findet der Berliner Freiwilligen Tag statt. Der vom Treffpunkt Hilfsbereitschaft und der Berliner Landesfreiwilligenagentur initiierte Mit-Mach-Tag wendet sich an alle BürgerInnen, die Lust haben, sich für einen guten Zweck ehrenamtlich zu engagieren.
September 2005: Erstmals hat der DRA in Kooperation mit AFS Deutschland sieben SchülerInnen und sechs Zivildienstleistende nach Sankt Petersburg vermittelt. Die Zivildienstleistenden arbeiten dort in sozialen Projekten verschiedener NGOs mit und die Schülerinnen besuchen ein Jahr lang verschiedene Petersburger Schulen.
1./2.10.2005: Auf einem Kongress der demokratischen Kräfte wird Alexander Milinkievich zum gemeinsamen Kandidaten der Opposition bei den Präsidentschaftswahlen in Belarus gewählt. Der DRA arbeitet seit 2001 mit Milinkievich und der von ihm geleiteten NGO Ratusha zusammen.
7.10.-9.10.2005: Die Tagung zum Thema: „Russland heute - Aufbau der Zivilgesellschaft oder auf dem Weg in die Diktatur?“ findet in Berlin statt. Es handelt sich um eine Kooperationsveranstaltung des DRA mit dem Internationalen Versöhnungsbund, dem Friedensausschuss der Deutschen Quäker, den Müttern für den Frieden und dem Bund für Soziale Verteidigung.
17.10.-23.10.2005: In Kiew findet der letzte von drei Projektmanagement-Workshops statt, die der DRA im Rahmen des Förderprogramms „Psychosoziale und medizinische Betreuung von ehemaligen NS-Opfern“ der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ organisiert.
11.11.-13.11.2005: Die ersten Kiewer Gespräche finden in Berlin statt. Das neu eingerichtete deutsch-ukrainische Dialogforum für Persönlichkeiten aus Zivilgesellschaft und Politik unter der Schirmherrschaft von Volker Rühe und Katrin Göring-Eckardt ist eine gemeinsame Initiative des neu gegründeten Europäischen Austauschs und der Robert Bosch Stiftung.
13.11.2005: In St. Petersburg wird der 20-jährige Student und Musiker Timur Katscharaw von einer Gruppe Skinheads erstochen. Er gehörte der St. Petersburger Antifa- und Friedensbewegung an. Der DRA ist bestürzt über den brutalen Mord und beunruhigt über die stetige Zunahme von rechtsradikaler Gewalt gegen ethnische Minderheiten und politische AktivistInnen in St.Petersburg.
18.11.2005: Die 10. Deutsch-Russischen Herbstgespräche zum Thema „Abschied vom Imperium - Russland und seine westlichen und südlichen Nachbarn“ finden in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin statt. Es handelt sich um eine gemeinsame Veranstaltung des DRA, der Evangelischen Akademie und der Heinrich Böll Stiftung.
November 2005: Die russische Staatsduma plant, noch in diesem Jahr ein Gesetz zu verabschieden, das das Verfassungsrecht der BürgerInnen auf die Bildung von Vereinigungen erheblich einschränken und die Arbeit russischer, aber auch internationaler NGOs wesentlich behindern würde. Der Gesetzentwurf erweitert die staatlichen Möglichkeiten, die Tätigkeit von NGOs zu kontrollieren, untersagt ausländischen StaatsbürgerInnen das Engagement in russischen Bürgerinitiativen und schränkt das verfassungsmäßige Recht auf Zusammenschluss in nichtregistrierten Organisationen ein. Der DRA ist besorgt über diese Gesetzesvorlage, die sowohl der russischen Verfassung als auch der Europäischen Menschenrechtskonvention widerspricht.
10.12.2005: Mit einem Fest, live-Musik, einer Einführung durch den Petersburger Kunsthistoriker Iwan Tschetschot und einer interaktiven Aktion eröffnet der DRA St. Petersburg in seinen Räumen die deutsch-russische Ausstellung „Polpolya“. Vier deutsche und vier russische junge KünstlerInnen zeigen großflächige Stoffbilder, Graphiken, Video-Installationen und eine Serie bemalter Reisetaschen.
Dezember 2005: Massenhafte Proteste russischer und internationaler NGOs und Stiftungen zum Gesetzentwurf 233364-4 über die Tätigkeit russischer Nichtregierungsorganisationen haben dazu geführt, dass in einer überarbeiteten Fassung des Entwurfs die am meisten kritisierten Passagen abgemildert und deren Beratung in der Staatsduma auf den 21.12.2005 verschoben wurde. Die abgemilderte Variante des Entwurfs bietet jedoch immer noch genügend Freiraum für Willkür und bürokratische Kontrolle.
Dezember 2005: Die Pläne des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, einen Posten im Aufsichtsrat der Ostseepipeline-Gesellschaft „Northern European Gas Pipeline Company“ anzunehmen, ist weder unter ethischen noch unter politischen Gesichtspunkten gutzuheissen. Die auffällige Zurückhaltung des damaligen Bundeskanzlers gegenüber den Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien und das fast kommentarlose Hinnehmen der Zerschlagung des Yukos-Konzerns und der Verurteilung von Michail Chodorkowski gewinnen unter dem Aspekt dieser neuen beruflichen Perspektiven von Gerhard Schröder einen dubiosen Beigeschmack. Dass der ehemalige Bundeskanzler im neuen Aufsichtsrat mit Schweizer Wirtschaftsvertretern an einem Tisch sitzen wird, die in den achtziger Jahren die CoCom-Handelsrestriktionen gegen die damalige DDR unterliefen und enge Stasi-Kontakte unterhielten, diskreditiert seinen neuen Posten sowie das umstrittene deutsch-russische Gaspipeline-Projekt insgesamt.
Dezember 2005: Nach positiver Gesamteinschätzung durch eine Gutachtergruppe erhält die Europäische Freiwilligenagentur des DRA zum zweiten Mal das Zertifikat „Qualität in Freiwilligendiensten – Quifd“. Das jetzt verliehene Gütesiegel ist bis zum 31. Dezember 2007 gültig.
10.1.2006: Präsident Wladimir Putin unterzeichnet das neue Gesetz zur Regelung der Tätigkeit von NGOs, das damit in 3 Monaten in Kraft treten wird. In dem überarbeiteten Gesetz wurde zwar nach starken nationalen und internationalen Protesten das Verbot der Arbeit von Filialen ausländischer Organisationen in der Russischen Föderation zurückgenommen; eine ganze Reihe gravierender Einschränkungen der Versammlungsfreiheit bleibt jedoch erhalten. So werden russische NGOs in Zukunft eine staatliche Registrierungsbehörde über ihre Tätigkeit und ihre Finanzierungen in einem Ausmaß informieren müssen, das in einer Expertise des Europarats als nicht gerechtfertigt und als Gefahr für die in der Verfassung verankerte Versammlungsfreiheit bezeichnet wird.
Januar 2006: Unter der Adresse www.austausch.org/ehrenamtsboerse/zeitspenden.shtml kann man Angebote für ein freiwilliges Engagement finden. Gemeinsam mit anderen Berliner Freiwilligenagenturen beteiligt sich die Deutsch-Russische Ehrenamtsbörse des DRA an diesem Zeitspendenportal, das im Rahmen des Internet-Projekts „Bürgernetz“ aufgebaut wird.
3.2.2006: Eine zentrale Komponente des EU-Projektes „Civic Education, Ukraine“, an dessen Umsetzung der DRA mitwirkt, ist die systematische und nachhaltige Förderung außerschulischer Angebote zu den Themenbereichen Politik und Gesellschaft, die von NGOs und anderen nicht-staatlichen Bildungsträgern für Jugendliche organisiert werden. In Kiew findet eine Expertenkonferenz statt, auf der landesweite und internationale Erfahrungen mit der Organisation und Koordination solcher Aktivitäten zur Diskussion stehen. 7.2.2006: Unter dem Titel „Anatomie der Angst: Erfolgsgeschichte eines Gefühls“ setzt der DRA seine Reihe öffentlicher Diskussionen in St. Petersburg fort. Ausgangspunkt ist Daniil Granins 1997 veröffentlichter Essayband „Jahrhundert der Angst“.
15.2.2006: Nach einem ereignisreichen sechsmonatigen Aufenthalt in Berlin treten die zehn TeilnehmerInnen des aktuellen Freiwilligenprogramms ihre Heimreise an. Für die Europäische Freiwilligenagentur des DRA stellt es in mehrfacher Hinsicht eine Premiere dar. Anlass zu besonderer Freude bot der Umstand, dass dieses Mal auch drei Freiwillige aus der Republik Moldowa eingeladen werden konnten.
19.3.2006: Bei den Präsidentschaftswahlen in Belarus wird Alexander Lukaschenko mit großer Mehrheit für eine dritte Amtszeit gewählt. Wichtigster Gegenkandidat ist Alexander Milinkievich. Unabhängig vom Verlauf der Stimmauszählung steht fest, dass die Wahlen nicht demokratischen Standards entsprechen. So wurde Milinkievich in seinem Wahlkampf massiv behindert; zahlreiche Wahlkampfhelfer wurden inhaftiert, und er selbst hatte so gut wie keine Möglichkeit, sein Programm über Fernsehen, Radio oder Zeitung vorzustellen.
24.-26.3.2006: Im Rahmen eines Pilotprojekts zur Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen veranstaltet die Konferenz unabhängiger NGOs beim Europarat in Warschau einen Regionalkongress. 150 führende VertreterInnen, darunter auch Vertreter des DRA, von NGOs vorwiegend aus Deutschland, Polen, Belarus und der Ukraine diskutieren bei dieser Zusammenkunft über Formen der Unterstützung von NGOs in Belarus, über die Stärkung von Menschenrechtsbewegungen und die neue europäische Nachbarschaftspolitik in Bezug auf Belarus und die Ukraine.
21.3.2006: Anlässlich des von der UN ausgerufenen Internationalen Tags gegen den Rassismus veranstaltet der DRA St. Peterburg gemeinsam mit der Union Junger Sozialdemokraten eine Film- und Diskussionswoche.
21.3.2006: Der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko legt sein Veto gegen ein Gesetz zur Regelung von freiwilligem Engagement in der Ukraine ein. In seiner jetzigen Form, so Juschtschenko, sei es geeignet, die weitere Entwicklung einer Freiwilligenbewegung im Lande eher zu behindern als zu fördern. Dieser Entscheidung war eine intensive politische Lobbyarbeit ukrainischer zivilgesellschaftlicher Organisationen vorausgegangen, die zahlreiche Regelungen in dem Gesetz als ungeeignet ablehnten. Initiiert worden war die Kampagne von dem EU-Projekt zur Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ukraine, an dem auch der DRA mitwirkt.
17.4.2006: In Russland tritt das umstrittene „NGO-Gesetz“ in Kraft, das deutlich erweiterte staatliche Kontrollrechte, umfassende Berichtspflichten und spezielle Auflagen für die Beteiligung von Ausländern an russischen Nichtregierungsorganisationen vorsieht. Schon jetzt ist eine wachsende misstrauische Beobachtung von NGOs seitens der Behörden zu bemerken; gleichzeitig sinkt die Bereitschaft zu Gemeinschaftsprojekten von staatlichen Stellen und Akteuren des 3. Sektors.
15.-17.5.2006: In Moskau findet die erste „Eastern European and Central Asian AIDS Conference“ statt. Die Europäische Freiwilligenagentur des DRA ist bei dieser Veranstaltung durch eine Mitarbeiterin und vier ProgrammteilnehmerInnen vertreten.
Mai 2006: In den Social Partnership Centres in Riwne und Donezk, die im Rahmen des EU-Projektes zur Stärkung der Zivilgesellschaft in der Ukraine eingerichtet wurden, gibt es jetzt auch Freiwilligenagenturen. Den Gründungen waren mehrere Trainings unter Leitung des DRA-Projektleiters Stephan Malerius vorausgegangen, in denen die Beteiligten sich mit Fragen des Freiwilligenmanagements und den Funktionsweisen einschlägiger Vermittlungsstellen befasst hatten.
24.6.2006: Anlässlich des Wechsels in der DRA-Geschäftsführung feiert der DRA mit seinen Mitgliedern, FreundInnen, UnterstützerInnen und mit VertreterInnen von Partnerorganisationen auf dem Restaurantschiff „Hoppetosse“ am Spreeufer in Berlin-Treptow ein Sommerfest.
Juni 2006: Das russischsprachige Lehrbuch „Freiheit der Arbeit in Vergangenheit und Gegenwart“, welches vom „Fonds Erinnerung und Zukunft“ finanziert ist, erscheint als Ergebnis des Projektes „Geschichte begegnen, Menschenrechte verstehen“.
1.7.2006: Nach 14-jähriger Mitwirkung im DRA e.V. übergibt Stefanie Schiffer die Geschäftsführung an Stefan Melle. Der DRA konzentriert sich künftig wieder stärker auf die Kooperation mit seinen zahlreichen Partnern in Russland. Stefanie Schiffer übernimmt die Leitung der im Sommer 2005 von ihr und dem Deutsch-Russischen Austausch e.V. gegründeten Europäischer Austausch gGmbH.
Anfang Juli: Zur Anknüpfung zahlreicher Kontakte und einem umfassenden Informationsaustausch konnte der neue Geschäftsführer des DRA, Stefan Melle, seine Teilnahme an der internationalen Konferenz von Nichtregierungsorganisationen „Civil G8“ in Moskau nutzen. Unter anderem vereinbarte er die Fortsetzung der Kooperationen mit dem Menschenrechtszentrum Memorial und dem Zentrum für die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten (Moskau).
18./19.7.2006: An der Veranstaltung „!Bewege“, an der 100 junge Menschen aus 20 Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas teilnehmen, werden innerhalb eines Tages innovative gemeinnützige Unternehmungen auf den Weg gebracht. Beteiligt sind 21 Organisationen, darunter der DRA, der Bundesverband Deutscher Stiftungen sowie das Theodor-Heuss-Kolleg der Robert Bosch Stiftung.
August 2006: Das EU-Projekt zum Aufbau und zur nachhaltigen Stärkung von fünf „Zentren für soziale Partnerschaft“ in der Ukraine, an dem der DRA maßgeblich beteiligt ist, geht in sein zweites und letztes Jahr. Schon jetzt kann es als Erfolgsgeschichte gelten: Die einzelnen Maßnahmen in fünf Regionen des Landes wurden von den Zielgruppen – NGOs und sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten vor Ort – als sehr effektiv gewertet. Auch bei einer Evaluierung durch die EU erhält das von der DRA-Mitarbeiterin Christine Leiser geleitete Projekt zum Teil Höchstnoten, die nur sehr selten vergeben werden.
17.8.-19.8.2006: Innerhalb des EU-Projektes „Civic Education“ in der Ukraine findet in Lwiw ein Workshop für LehrerInnen aus mehreren Regionen des Landes statt. Ziel ist es, europäische Erfahrungen mit Kleinprojekten von SchülerInnen im Bereich der politischen Bildung zu vermitteln.
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