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7. November 2010

DRA protestiert gegen erneuten Überfall auf russischen Journalisten

 

In Moskau ist am 6. November Oleg Kaschin, Korrespondent der Zeitung «Kommersant», vor seinem Haus überfallen und so schwer zusammengeschlagen worden, dass er mit Kiefer- und Beinbrüchen, Gehirnerschütterung und inneren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert und dort nach einer Notoperation ins künstliche Koma versetzt werden musste.

Der DRA erwartet eine schnellstmögliche und umfassende Aufklärung des Überfalls und ein gezieltes Engagement der russischen Regierung für die Durchsetzung der Pressefreiheit als allgemein akzeptiertem Standard, wonach Gewalt gegen Journalisten nicht nur konsequent geahndet wird, sondern auch als Handlungsoption einzelner, die ihre partikularen Interessen durch kritischen Journalismus gestört sehen, mit Bann belegt ist. 

Oleg Kaschin ist ein angesehener Journalist, der als gesellschaftspolitischer Korrespondent des "Kommersant" u.a. mehrfach über Demokratiemängel in Russland sowie über die propagandistischen und pluralismusfeindichen Aktionen der vom Kreml organisierten oder geförderten Jugendbewegungen wie «Unsere» («Naschi») und oppositioneller Gruppen berichtet hatte. Geschrieben hatte er zuletzt auch über die umstrittene Abholzung eines Waldstücks von Chimki bei Moskau und linksgerichtete Gruppen, die als Reaktion darauf die Stadtverwaltung Chimki überfallen hatten. Die Nachwuchsorganisation «Junge Garde» («Molodaja Gvardia») der Kremlpartei «Einiges Russland» hatte Kaschin daraufhin in einem Artikel ihrer Website als einen jener «Verräter-Journalisten» genannt, die «bestraft» werden müssten.

Die russische Öffentlichkeit reagierte mit starkem Protest auf dieses neuerliche Verbrechen gegen einen russischen Journalisten. «Zu meinem großen Bedauern werden Überfälle auf Journalisten, vor allem jene, die investigativ, darunter in politischen Fragen , tätig sind, bei uns systemisch», sagte der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Vladimir Lukin. Die Vorsitzende der «Bewegung zur Verteidigung des Chimkinsker Waldes», Evgenia Tschirikova, kündigte für den 14. November eine Protestaktion der Umweltschützer in Moskau an. Vertreter der Oppositionsparteien Jabloko, Solidarnost sowie zahlreiche weitere Menschen kamen zu Mahnwachen am Gebäude der Hauptverwaltung des Innenministeriums in Moskau. Der Chefredakteur von Radio Echo Moskvy, Alexander Venediktov, verwies darauf, dass Kaschin die Finger gebrochen worden seien. Dies sei eindeutig geschehen, um «einem Schreibenden zu sagen: schreibe nicht mehr».

Präsident Dmitrij Medvedev wies den Generalstaatsanwalt, Jurij Tschajka, und den Innenminister Rashid Nurgaliev an, die Tat, die von der Polizei als «Mordversuch» eingestuft wurde, aufzuklären und für eine Bestrafung der Täter zu sorgen. Die Redaktion des «Kommersant» vermutet, dass der Angriff auf die journalistische Arbeit Kaschins zurückgeht. Es werden aber auch andere Versionen geprüft. Die «Föderale Gesellschaftskammer», bestehend aus Vertretern des Staates, staatsnaher gesellschaftlicher Organisationen und Einzelpersönlichkeiten der Öffentlichkeit, forderte ein strengeres gesetzliches Strafmaß für Gewalttaten gegen Journalisten.

Zuletzt war unter anderem die Journalistin Anastasia Baburina (Novaya Gazeta) am 19. Januar 2009 ermordet worden, als sie mit dem ebenfalls ermordeten Menschenrechtsanwalt Stanislav Markelov von einer Pressekonferenz im Zentrum Moskaus kam. Im Jahre 2008 war der Chefredakteur der Chimkinsker Pravda, Mikhail Beketov, überfallen und zum Krüppel geschlagen worden, die als erste gegen die Rodung des Waldes aufgetreten war. 

Der DRA setzt sich mit seinen Programmen - darunter ein Umweltbildungsprojekt für russische Journalisten und der Journalistenaustausch Berlin-St. Petersburg - seit Jahren für eine pluralistische Medienöffentlichkeit einsetzt,

(stm)

Quellen: Newsru.com, Kommersant.ru, Spiegel.de

Eine Übersicht der Artikel von Oleg Kaschin bietet der «Kommersant» (auf russ.)


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