13. August 2008
Zum Krieg in Südossetien: Konfliktlösung nur durch Entwicklung einer toleranten Bürgergesellschaft möglich
Der DRA ist tief betroffen vom Krieg zwischen Georgien und Russland um Südossetien und ruft beide Seiten zum sofortigen und grundsätzlichen, auch künftigen Gewaltverzicht auf. Die blutigen Auseinandersetzungen sind die Folge des Festhaltens an unannehmbaren Mustern aus dem Kalten Krieg, in dem die Aufrechterhaltung von Macht- und Einflusspositionen höher als das Wohl der Menschen, insbesondere der Zivilbevölkerung, gestellt wird und Kompromisse auch aus persönlichen Erwägungen führender Politiker verweigert werden. Der Krieg und seine Vorbereitung auf beiden Seiten bedeuten damit ein dramatisches Versagen von politischer Vernunft und humanitärem Selbstverständnis.
Als einzigen Weg zur Überwindung ethnischer und politischer Barrieren zwischen den Völkern im Nordkaukasus sieht der DRA die Entwicklung weltoffener, demokratischer Bürgergesellschaften, für die Multikulturalität eine Selbstverständlichkeit ist. In einem solchen Rahmen sind dann auch eine Autonomie für Südossetien und Abchasien innerhalb Georgiens sowie enge, freundschaftliche Verbindungen mit den russischen Nachbarregionen auch realisierbare Ziele, die einander stärken. Der DRA fordert daher Bundeskanzlerin Angela Merkel vor ihrer Reise nach Sotschi dazu auf, eine solche Agenda gegenüber dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew zu vertreten. Gleichzeitig ruft er die westliche Staatengemeinschaft dazu auf, ihre eigenen Entscheidungen im Kosovo-Konflikt kritisch zu reflektieren, mit denen sie ebenfalls der Option einer interethnischen Konfliktlösung innerhalb eines Staates entsagt hat.
Der DRA wirkt mit seiner Projektarbeit bereits seit längerem an der Entwicklung der Bürgergesellschaft im Nordkaukasus mit. Derzeit entsteht im Prigorodnyj-Bezirk von Nordossetien mit Unterstützung des DRA und in Zusammenarbeit mit dem Menschenrechtszentrum Memorial ein lokales Bildungszentrum zur Entwicklung von Kleinunternehmertum und wirtschaftlicher Selbständigkeit, in dem die verfeindeten Bevölkerungsgruppen der Osseten und Inguschen gemeinsam lernen und so neue ökonomische Perspektiven sowie soziale und persönliche Erfahrungen erhalten sollen, die die gegenseitige Wiederannäherung fördern. Viele Bewohner des an die Regionalhauptstadt Wladikawkas grenzenden Prigorodnyj-Bezirks sind südossetische Flüchtlinge, die schon in den 90er Jahren nach dem ersten Krieg um die Autonomie aus der georgischen Teilrepublik hierher gekommen sind.
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