3. November 2011
Interview mit Oleg Kashin, Reporter des "Kommersant" und Referent der "Herbstgespräche"
Über Wirkungen und Grenzen von Blogs und Sozialen Netzwerken in Russland führte Anton Barbashin (Heinrich-Böll-Stiftung) ein Gespräch vor der Konferenz am 4./5. November in Berlin.
Blogosphäre in Russland: Viel Dampf, wenig Veränderung
3. November 2011
Wie hat sich die Verbreitung des Internets und der "sozialen Netzwerke“ auf den öffentlichen politischen Diskurs in Russland ausgewirkt?
Oleg Kaschin: Es gehört in Russland mittlerweile zum guten Ton, einen negativen Einfluss des Internets, besonders von Blogs und Live Journals festzustellen. Sie schaffen einen elektronischen Raum, in dem freie Meinungsäußerung möglich ist. Hier lassen die Leute ihren "Dampf" ab. Gäbe es im Internet diese Möglichkeit nicht, dann wäre in Russland schon millionenfach der "Arabische Frühling“ ausgebrochen. Aber so verbreiten die Unzufriedenen ihren Unmut im Netz, lassen also ihren Dampf ab, klicken noch den "Like“-Button bei Beiträgen, die ihnen gefallen. Und dann hört es auf. Ein Artikel mit der klaren Message "es reicht“ erreicht 100.000 "Likes“ – das macht zwar einerseits einen Eindruck von Stärke und Masse – aber es ist andererseits klar, dass es in der Wirklichkeit nichts verändert. Das Phänomen unserer Bloggerszene geht zurück auf Februar 2001. Damals entstand das russische Live Journal und kurz darauf im April wurde der Fernsehsender "NTV“ in seiner damaligen Erscheinung aufgelöst. Die Eröffnung der neuen Möglichkeiten im Netz und die zeitgleiche Abwicklung des freien Fernsehens und der freien Massenpresse führte von Anfang an zu einer starken Politisierung der Blogs wie in keinem anderen Land der Welt. Aleksei Navalny, einer der bekanntesten Blogger Russlands, ist mittlerweile ein erfahrener Politiker, den sogar Putin zur Kenntnis nehmen muss. Navalny ist aber wahrscheinlich das einzige positive Beispiel für die Entwicklung der Bloggerszene, sonst geht es im Wesentlichen um das Dampf ablassen.
Das ganze Interview lesen Sie auf: www.boell.de
Interview: Anton Barbashin, Heinrich-Böll-Stiftung, Moskau Übersetzung: Robert Sperfeld, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Oleg Kaschin, Journalist der russischen Tageszeitung "Kommersant", ist Teilnehmer der 16. Deutsch-Russischen Herbstgespräche am 4. und 5. November 2011 in Berlin zum Thema: "Bürger, Blogger, Wähler – Der Einfluss neuer zivilgesellschaftlicher Initiativen auf die Politik“ des DeutschRussischen Austauschs mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung.
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