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5. Dezember 2008
DRA: Memorial St. Petersburg muss beschlagnahmte historische Unterlagen zurückerhaltenAm 4.12. durchsuchte die Staatsanwaltschaft Sankt Petersburg die Räumlichkeiten des Wissenschafts- und Informationszentrums „Memorial“ und konfiszierte dabei sämtliche Computerfestplatten. Darauf befinden sich u.a. die Ergebnisse und Datenbanken aus 20 Jahren Forschung zur Geschichte des stalinistischen Terrors.Der DRA Berlin unterstützt die Forderung der Internationalen Gesellschaft „Memorial“ nach unbeschädigter Rückgabe des umfangreichen historischen Materials zu den Repressionen der Stalinzeit, das „Memorial“ im Laufe von 20 Jahren Arbeit gesammelt hat. Die Unterlagen und Datenbanken befinden sich auf Computerfestplatten der Organisation, die die Staatsanwaltschaft St. Petersburg am gestrigen 4. Dezember bei einer unangekündigten Durchsuchung des Wissenschafts- und Informationszentrums „Memorial“ der Stadt beschlagnahmt hat. Der DRA Berlin stellt nicht das Recht der Staatsanwaltschaft auf juristisch begründete und notwendige Ermittlungen in Frage. Er hält aber die Beschlagnahme sämtlicher historischer Forschungsmaterialien von „Memorial“ unter Verweis auf eine 2007 erschienene, angeblich extremistische Publikation in einer Zeitung, die mit der Organisation nicht in Zusammenhang steht, für nicht stichhaltig. Die Verdienste von „Memorial“ bei der systematischen Aufklärung von Verbrechen während der Sowjetzeit sowie bei der Unterstützung ihrer Opfer sind immens und haben exemplarische Bedeutung für die gesamte Gesellschaft in Russland und in den postsowjetischen Staaten. Daher fordert der DRA Berlin von den Behörden in St. Petersburg, die Arbeitsfähigkeit des Wissenschafts- und Informationszentrums „Memorial“ in St. Petersburg so schnell wie möglich wieder herzustellen und die Reputation der Organisation und die Sicherheit ihrer MitarbeiterInnen zu garantieren. Erklärung der Internationalen Gesellschaft „Memorial“ zu den Ereignissen in St. PetersburgAm 4. Dezember wurden auf Befehl der städtischen Staatsanwaltschaft die Räumlichkeiten des Wissenschafts- und Informationszentrums „Memorial“ in Sankt Petersburg, einer Forschungsorganisation, die sich mit der Geschichte des stalinistischen Terrors beschäftigt, durchsucht. Durchgeführt wurde die Durchsuchung unter dem Vorwand eines Ermittlungsverfahrens bezüglich einer nach Ansicht der Staatsanwaltschaft „extremistischen“ Veröffentlichung, die vor eineinhalb Jahren in einer Zeitung namens „Novyj Peterburg“ erschienen ist. Personen in Masken, die mit Polizeiknüppeln bewaffnet waren, besetzten die Räume des Zentrums. Sie beschlagnahmten die Festplatten sämtlicher Computer, auf denen die Resultate von zwanzigjährigen historischen Forschungen gespeichert sind, sowie die Unterlagen eines der Mitarbeiter des Zentrums, des Kunstwissenschaftlers Alexander Margolis, der durch sein Auftreten für die Verteidigung des architektonischen Stadtbildes bekannt ist. Die Gesellschaft „Memorial“ und ihr Wissenschafts- und Forschungszentrum in Sankt Petersburg wissen weder über die Zeitungspublikation, in Verbindung mit der die Durchsuchung angeblich stattfindet, noch über die Zeitung selbst irgendetwas. Allem Anschein nach ist die Publikation nicht mehr als ein Vorwand für die Durchsuchung der Räume von "Memorial". Die beschlagnahmten Festplatten enthalten Datenbanken mit biografischen Angaben zu zehntausenden Opfern der stalinschen Repressionen, die durch "Memorial" im Laufe von 20 Jahren gesammelt worden sind, außerdem eine einmalige Sammlung von Fotos und Dokumentenkopien zum Thema des Sowjetischen Terrors, die Ergebnisse von Forschungsfahrten zur Suche nach Lagerfriedhöfen und Erschießungsstätten auf dem Territorium der früheren UdSSR sowie ein Archiv mit Tonaufnahmen von Interviews mit ehemaligen Insassen des GULAG. Die Internationale Gesellschaft „Memorial“ fordert die unverzügliche Rückgabe der beschlagnahmten Materialien, die keinerlei Zusammenhang mit irgendwelchen „extremistischen“ Publikationen haben können. „Memorial“ macht die Städtische Staatsanwaltschaft Sankt Petersburg darauf aufmerksam, dass diese Materialien einen großen wissenschaftlichen Wert darstellen und dass die Staatsanwaltschaft die volle Verantwortung für ihren Erhalt trägt. |
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